Olivier Guez: Das Verschwinden des Josef Mengele

Als Helmut Gregor im Juni 1949 nach einer dreiwöchigen Überfahrt von Genua aus in Buenos Aires von Bord geht, ahnt keiner seiner Mitreisenden auf der North King, dass es sich bei ihm um den KZ-Arzt Josef Mengele handelt, der für den Tod unzähliger Menschen und für extrem grausame Menschenversuche verantwortlich ist. Mengele hat sich die Flucht und das neue Leben teuer erkauft. An Geld und Unterstützung fehlt es ihm nicht. Seine Familie steht hinter ihm, das Netzwerk der Nationalsozialisten ist intakt, die Fluchtroute sicher. Die Jahre nach dem Krieg hat er größtenteils versteckt auf einem Bauernhof verbracht. Zugute kam ihm hier – wie auch bei seiner kurzzeitigen Internierung durch die US-Armee 1945 -, dass er sich beim Eintritt in die SS der Blutgruppentätowierung verweigert hatte. Keiner schien ihn zu erkennen und wer ihn erkannte, verriet ihn nicht oder unterstützte ihn sogar.

Zunächst hält sich Mengele in Buenos Aires zurück, sucht keinen Anschluss, vermeidet es, deutsch zu sprechen. Doch dann lernt er Eberhard Fritsch kennen, den Gründer des Dürer-Verlages und Herausgeber der Zeitschrift „Der Weg“, „die Zeitschrift der Nostalgiker des Schwarzen Ordens“, wie Guez schreibt. Durch ihn und Willem Sassen, der später durch seine Interviews mit Adolf Eichmann bekannt wird, wird er in die Gesellschaft der Nationalsozialisten in Argentinien eingeführt. Man kennt sich, man hilft sich, bald ist es nicht mehr notwendig, die wahre Identität zu verschleiern, auch weil Präsident Juan Péron seine schützende Hand über sie hält. Weiterlesen →

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Gabriele Tergit: Etwas Seltenes überhaupt: Erinnerungen

Bereits mit 19 Jahren begann Gabriele Tergit (Jahrgang 1894) für Zeitungen zu schreiben, doch nach einiger Zeit erkannte sie, dass sie dafür eigentlich zu wenig wusste. Deshalb beschloss sie, ihr „Abiturium“ zu machen und zu studieren, was sie – energiegeladen, wie sie war – auch in die Tat umsetzte.

Die journalistische Tätigkeit ließ sie nicht mehr los. Noch während des Studiums begann sie, Feuilletons zu schreiben, danach wurden Gerichtsreportagen ihr Spezialgebiet. Sie arbeitete für verschiedene Zeitungen, musste aber 1933 aus Deutschland fliehen, nachdem sie in ihrer Wohnung von der SA überfallen wurde. Nach ein paar Jahren in Palästina, siedelte sie nach England über, wo sie bis zu ihrem Tod 1982 blieb. Auch im Exil war sie produktiv, verfasste Texte für deutsche Zeitungen, Romane und Sachbücher. Für fast 25 Jahre, von 1957 bis 1981, hatte sie zudem im P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland das Amt des „Sekretärs“ inne.

Gabriele Tergit erzählt in ihren Erinnerungen von ihrem Werdegang, hat aber gleichzeitig die politische Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft im Fokus. Aus ihren Texten quillt der Zeitkolorit, sie verpackt wichtige Themen in unterhaltsame Texte und hat ihre Augen und Ohren immer dicht an den Menschen und an den aktuellen Ereignissen. Der Alltag wird lebendig und viele Details werfen ein neues, authentisches Licht auf die Vergangenheit. Weiterlesen →

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Maria Regina Kaiser: Hildegard von Bingen

Als Hildegard von Bermersheim im Jahr 1098 als 10. Kind ihrer Eltern geboren wird, haben Frauen in der Welt und in der Kirche nicht viel zu sagen. Ihr Weg ist vorbestimmt und schon beschlossen: Wenn sie alt genug ist, soll sie in ein Kloster eintreten. Beten, gehorchen, arbeiten, wie schon so viele vor und nach ihr.

Doch Hildegard ist schon als kleines Mädchen anders. Immer wieder werden ihre Gliedmaßen, manchmal über Wochen, durch Anfälle gelähmt. Oft kann sie kaum gehen oder stehen, sie ist schwach und kränklich. Doch es wohnt auch eine außergewöhnliche Kraft und Gabe in ihr. Sie hat Visionen, sieht Ereignisse voraus und empfängt Botschaften von einem „lebendigen Licht“, in dem sie eindeutig Gottes Worte erkennt.

Die Menschen glauben ihr nicht, halten sie für verrückt oder besessen, deshalb verschweigt sie, was sie sieht und hört, zweifelt an sich und probiert, nicht aufzufallen.

Mit 14 Jahren folgt sie ihrer Cousine Jutta von Sponheim in die Klausur im Benediktinerkloster Disibodenberg, die dort neu gegründet und von Jutta geleitet wird. Die jungen Frauen werden in einem Wohnturm eingeschlossen, der nur kleine Fenster und eine Gittertür als Verbindung zur Kirche hat. Der Kontakt zur Außenwelt ist reglementiert, Jutta führt die ihr anvertrauten Mädchen und Frauen mit strenger Hand, am strengsten ist sie allerdings zu sich selbst. Weiterlesen →

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Ingrid Freimuth: Lehrer über dem Limit

Ingrid Freimuth arbeitete lange als Lehrerin und unterrichtete an verschiedenen Schulen. Sie gab Schülerinnen und Schülern in der sozialpädagogischen Lernhilfe Einzelunterricht und war darüber hinaus auch in der Lehrerfortbildung tätig. Ein Frau also, die über reiche Erfahrungen aus dem Lehralltag verfügt.

In ihrem Buch berichtet sie davon. Und es ist ein sehr glaubhafter und auch sehr mutiger Bericht. Denn Frau Freimuth prangert schonungslos die Mängel an, die den Unterricht an unseren Schulen erschweren und bisweilen nahezu unmöglich machen.

Ein Hauptthema dabei ist die aktuell in vielen Medien diskutierte Problematik der Integration der vielen nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. Frau Freimuth zeigt an zahlreichen Beispielen aus ihrem Lehreralltag, welche Probleme alleine schon die zum Teil immensen kulturellen Unterschiede verursachen, die zwischen den in Deutschland aufgewachsenen Kindern und Jugendlichen und den aus oft stark patriarchalisch geprägten Kulturen stammenden Migranten bestehen. Weiterlesen →

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James Comey: Größer als das Amt

In diesem Buch zeigt der ehemalige FBI-Direktor der Vereinigten Staaten seinen beruflichen Werdegang und Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend auf.

Letztlich ist es aber auch eine wohlüberlegt formulierte Abrechnung mit Präsident Donald Trump: Als Jugendlicher war Comey Opfer von Ausgrenzungen und Mobbingattacken seiner Mitschüler. Mit 16 Jahren wird er Opfer eines gefährlichen Einbrechers, der in sein Elternhaus eindringt und ihn und seinen Bruder bedroht. Dennoch war dies nicht der Ausschlag, dass er beruflich den Weg in die Justiz wählte.

Als Comey 1987 als Staatsanwalt in die Dienste des Gerichtsbezirks NY Süd in Manhattan eintritt, hat er seinen Traumjob unter dem damaligen Chef Rudy Giuliani gefunden. Der ranghöchste amerikanische Mafioso Gravano, der Zeuge der Anklage wird, bringt Comey die Regeln des Mafialebens nahe. Unter Comey und Dutzenden von weiteren Ermittlern und Strafverfolgern werden mächtige Mafiabosse hinter Gitter gebracht. 2003 übernimmt Comey das Amt des stellvertretenden Justizministers. Im Antiterrorkampf in der FBI-Zentrale arbeiten führende Köpfe des CIA und einflussreiche Regierungsmitglieder gegen Comey. Gängige Folterpraktiken des CIA (u. a. das simulierte Ertrinken) nach Nine-Eleven überschreiten rechtliche Zulassungsgrenzen, denen Comey sich erfolglos widersetzt. Weiterlesen →

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Werner Hamacher: Sprachgerechtigkeit

„Gerechtigkeit ist Sprache.“ So beginnt das letzte Buch des international renommierten Literaturwissenschaftlers Werner Hamacher, der im vergangenen Jahr verstorben ist.

Viele der hier versammelten Texte, von denen er die meisten zunächst in Vorlesungen und Vorträgen seinen Zuhörern präsentierte, hatte er von Anfang an für eine gemeinsame Veröffentlichung geplant und konzipiert.

„Gerechtigkeit“, so präzisiert er einige Seiten weiter, „sofern sie in der Entscheidung für das Miteinanderleben im Reden beruht, ist Sprache.“

In seinen Studien und Analysen, in seinen Interpretationen und Gedankengängen geht er den verschiedensten Rechtstheorien im Hinblick auf Sprache und Gerechtigkeit, deren Zusammenhänge und Zusammenwirken auf den Grund. Dabei steigt er tief ein, seziert die Wörter und Sätze, setzt sich sehr detailliert mit ihren Bedeutungen und ihren Inhalten auseinander. In einer Reise durch die Zeit folgt er Platon und Aristoteles, Milton und Hobbes, Kant und Celan sowie weiteren Geistesgrößen.

Im 2. Kapitel beschäftigt er sich beispielsweise mit Schriften von Karl Marx und Hannah Arendt zu den Menschenrechten und bringt dabei sehr interessante, für mich erstaunliche Ansätze ans Licht. „Die sogenannten Menschenrechte, so zeigt Marx, sichern das Gegenteil dessen, was sie zu sichern behaupten,“ schreibt er beispielsweise auf Seite 61. Er analysiert unter anderem das Recht, seine Rechte nicht zu gebrauchen, das Recht auf Scheidung und das Recht auf Leben und schafft in allen Texten einen Bezug zur Sprache. Weiterlesen →

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William Finnegan: Barbarentage

„… – wenn man … von einer riesigen Welle erwischt wird …, dann nützen einem alle Fähigkeiten … gar nichts mehr … Das Einzige, was man … idealerweise noch in den Griff bekommt, ist die Panik.“ (S. 438, 439)

William Finnegan, geboren 1952 in New York, Autor, Journalist und Kriegsreporter lernte im Alter von elf Jahren surfen. Was ihn ins Wasser zu den Wellen trieb, war viel mehr als der Spaß an einem Wassersport. Es war die dem Surfen innewohnende Lebensphilosophie, die den Surfer mit der Welle in sehr intensiven Momenten verbindet: zum Beispiel wenn das Licht sich in den aufgetürmten Wellen bricht, das Wechselspiel der Farben im Wasser oder wenn Strömung und Entladung der Brandung eigenen Gesetzen folgen. In diesen besonderen ekstatischen Momenten wird der Ritt auf der Welle zu einer Art Zwiesprache mit ihr, die den Surfer traumähnlich in die Höhe hebt und weiter katapultiert.

Die Liebe zum Wasser und dem Surfen begann bei William Finnegan an der Küste Kaliforniens. Als sein Vater drei Jahre später beruflich nach Hawaii zog, nahm er die gesamte Familie mit. Und wieder lebten sie am Wasser in der Nähe von Wellen, auch wenn es die für Surfer weniger interessante Inselseite war. Als seine Familie ein paar Jahr später wieder zurück in die Heimat zog, hatte der sechzehnjährige William nur eines im Kopf: Die perfekte Welle reiten. Weiterlesen →

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Titus Müller: Die Stimme des Schöpfers: Erzählungen aus dem Alten Testament

Wie schon im Vorgängerband „Der den Sturm stillt: Begegnungen mit Jesus“ befasst sich Titus Müller auf besondere Art und Weise näher mit Bibelgeschichten. Diesmal hat er sein Augenmerk auf das Alte Testament gelegt und bewegt sich hier bei weitem nicht nur innerhalb der Bücher Mose. Die beiden Titel können unabhängig voneinander gelesen werden und stehen nur in lockerem Zusammenhang. Gemeinsam ist ihnen der besondere Blick auf Bibelgeschichten.

Im neuen Band wirft Titus Müller natürlich einen genaueren Blick auf die Schöpfung, den Sünderfall, die Geschichte rund um Kain und Abel und auch klassische Figuren wie Abraham, Mose und Noah haben ihren Platz. Doch auch die Geschichten, die sonst eher weniger Beachtung finden, werden in „Die Stimme des Schöpfers“ erwähnt. Etwa die Erzählungen rund um Simson und die Philister, die Bundeslade, den heldenhaften David in seiner Zeit nach Goliath. Geschichten, denen man sonst in der typischen Bibelkunde nicht allzu viel Beachtung schenkt.

Gegenüber dem ersten Band voller Jesus Geschichten fehlt den hier anwesenden Erzählungen etwas der Zusammenhang. In allen spricht Gott zu den Menschen und sie handeln daraufhin auf eine bestimmte Weise. Weiterlesen →

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Titus Müller: Der den Sturm stillt: Begegnungen mit Jesus

Wie muss das gewesen sein, zur Zeit Jesu gelebt zu haben? Ihn vielleicht getroffen zu haben, mit ihm gesprochen zu haben? Sogar Teil eines seiner Wunder gewesen zu sein? Wie hat sich Barabbas gefühlt, als er begnadigt wurde und Jesus an seiner statt ans Kreuz genagelt wurde? Und wie die Jünger, als sie sich endlich sicher waren, dass der Messias unter ihnen ist? Titus Müller stellt sich all diesen Fragen auf eine sehr natürliche Art und Weise. Er schreibt über ebendiese Menschen, aus ihrer Perspektive, beleuchtet ihre Gedanken, Sehnsüchte, Wünsche und Ängste. Entstanden ist ein ganz wundervolles Büchlein über die vier Evangelien des neuen Testaments der Bibel. Wer bibelfest ist, wird hier keine neuen Geschichten finden, aber vielleicht die ein oder andere Gedankenanregung, eine Geschichte doch noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Ein echtes Highlight im Buch ist der Verrat Judas und der Blick über seine Schulter. Was mögen seine Beweggründe gewesen sein? Weiterlesen →

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Susanne Gärtner: Borreliose – Die verschwiegene Volkskrankheit

Vereinfacht ausgedrückt, ist Borreliose eine durch Borrelia verursachte Infektionserkrankung, bei der es weder eine eindeutige Diagnose noch ein eindeutiges Erkrankungsbild gibt. Darin liegt die Tücke. Wer kann sich noch erinnern, wann und wo eine Zecke, eine Mücke oder eine Bremse gebissen oder gestochen hat? Möglicherweise hat dabei das Insekt auch andere Krankheitserreger weitergereicht. Wer eine Wanderröte auf der Haut bemerkt, kann sofort bei einem Arzt eine Behandlung mit Antibiotika beginnen. Wer diesen ersten Schritt versäumt, kann irgendwann chronisch erkranken. Viele Menschen haben Bakterien aus der Familie der Borrelia im Blut. Manche wissen es, manche nicht. Wer eines Tages unter einer chronischen Erkrankung leiden wird, läuft Gefahr, dass der Arzt an der wahren Ursache vorbei seine Diagnose und Behandlung beginnt.

Die Autorin und Heilpraktikerin Susanne Gärtner hat am eigenen Leib erfahren, wie lang- und schwerwiegend eine chronische Erkrankung sein kann. Erst als ein Arzt ihr mitteilte, sie müsse sich endgültig mit einem Rollstuhl abfinden, begehrte sie auf. Sie trug Informationen über Borreliose zusammen und probierte die unterschiedlichsten Behandlungsmethoden aus. Der Erfolg nach fünfzehn Jahren hat ihr ein neues, gesundes, selbstbestimmtes Leben geschenkt. Weiterlesen →

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