David Sedaris: Calypso

Der 1956 geborene US-amerikanische Schriftsteller David Sedaris ist in Deutschland mit Werken wie „Nackt“ (1999) oder „Ich ein Tag sprechen hübsch“ (2001) bekannt geworden. Sein Markenzeichen sind heitere und amüsante autobiografische Texte. Er schreibt über seine große Familie mit sechs Geschwistern, das Leben als Homosexueller mit seinem Freund Hugh oder seine Erlebnisse als Autor – beispielsweise auf Lesungen. Auch sein neuestes Buch, „Calypso“, mit vielen kleineren Erzählungen bildet da keine Ausnahme. Das alles liest sich leicht und locker, ohne dass allerdings so etwas wie Spannung aufkommen würde.

Die stärksten Stellen hat das Buch, wenn es etwa um den Selbstmord von Sedaris‘ Schwester Tiffany geht und wie die Familie damit umgeht oder auch um die Kommentare des Autors zur Trump-Wahl. Weiterlesen →

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Helen Jukes: Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen

Helen Jukes (Jahrgang 1984) lebt in Wales und engagiert sich für den Schutz von Bienen. Sie ist Mitbegründerin des Bee Friendly Trusts. „Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen“ ist ihr erstes Buch und wurde am 8. Oktober 2018 beim DUMONT Buchverlag in einer Übersetzung von Sofia Blind veröffentlicht. Helen Jukes erzählt darin über einen Zeitraum von einem Jahr, wie sie die Zeit von der Idee, sich ein Bienenvolk in ihrem Reihenhausgarten in Oxford zu halten, bis zur ersten Honigernte Monate später erlebte.

Ihre Geschichte beginnt im November bei einem Gang durch den Garten voller Unkraut. Jukes ist vor ein paar Monaten wegen eines Jobs nach Oxford gekommen. Zusammen mit einer Freundin hat sie das Haus gemietet. Erste Erfahrungen mit Bienen hat sie allerdings schon Jahre zuvor in London gesammelt. Dort hatte sie Luke, einen Imker, kennengelernt und ihn einige Zeit begleitet. Unzufrieden mit ihrem Job in Oxford beschäftigt sie sich intensiv mit der Haltung eines Bienenvolkes und dem Bau eines Bienenstockes. Weiterlesen →

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Linn Ullmann: Die Unruhigen

Hammars auf der Insel Farö ist der Ort, an dem Linn Ullmanns berühmter Vater Ingmar Bergman seinen Lebensabend bis zu seinem Tod 2007 verbrachte.  Die Autorin selbst verlebt in Hammars alljährlich ihre Ferien beim Vater, manchmal zusammen mit einigen ihrer neun Halbgeschwister. Linn ist das jüngste der Kinder. Mit vier Frauen war ihr Vater, der Regisseur Ingmar Bergman verheiratet gewesen, seine neun Kinder teilte er mit sechs Frauen.

Linn Ullmann wächst bei ihrer Mutter, der Schauspielerin Liv Ullmann auf. Es ist ein unstetes Leben, das der Beruf ihr abverlangt. Linn zieht mit mit der Mutter nach New York, Paris, Oslo. Hammars ist wie ein Ruhepol dagegen, obwohl es dort strenge Regeln, die der Vater aufstellt, zu beachten gilt.

Die Erinnerungen an ihre Kindheit bei der Mutter und hauptsächlich an die beim Vater in Hammars, zeigen unterschiedlichste Facetten der Künstlereltern auf. Im Schreibstil der Autorin spiegeln sich in der Vielschichtigkeit Nuancen ihres eigenen und des Lebens ihrer Eltern. Weiterlesen →

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Roland Schulz: So sterben wir: Unser Ende und was wir darüber wissen sollten

Als der Deutsche Bundestag 2014 über die gesetzliche Regelung von Sterbehilfe diskutierte, stellte sich der Journalist Roland Schulz die Frage, was das denn eigentlich genau ist, das Sterben. Er begab sich auf die Suche nach einem Wissenswerk darüber, was Sterben ausmacht, und fand – so gut wie nichts. Er begann zu recherchieren und traf sich mit Menschen, die sich mit dem Sterben auskennen, mit Ärzten, Pflegern, Hospizhelfern, Pathologen, Palliativmedizinern, Bestattern und Trauerbegleitern, mit Sterbenskranken und deren Angehörigen.

Obwohl uns allen der Tod gewiss ist, versuchen viele, jeden Gedanken daran zu vermeiden. Spüren, wie die Kräfte schwinden? Schmerzen erleiden müssen, dem eigenen Körper immer weniger trauen können? Das Ende vor Augen haben? Sterben und in Vergessenheit geraten? Das ist etwas, das anderen passiert; wir verdrängen, dass es uns betrifft, vielleicht in Jahrzehnten, vielleicht schon bald.

Was passiert mit uns, wenn wir sterben? Welche biologischen und seelischen Prozesse laufen ab? Was denken und fühlen wir? Was geschieht mit unseren sterblichen Überresten und mit uns als Person, nachdem wir gestorben sind? Weiterlesen →

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Nadine Sieger: Coco Chanel

Als Gabrielle Chanel 1883 im Armenhaus von Saumur geboren wird, tragen die Damen noch Korsett und können sich kaum alleine anziehen. Bei ihrem Tod 1971 in Paris ist in der Mode alles möglich. Als Coco Chanel – eine der berühmtesten Modeschöpferinnen – hat sie dazu beigetragen und das Leben unzähliger Frauen beeinflusst. „Unnötigen Prunk und sinnlosen Schnickschnack“ lehnt sie vehement ab. Frauen sollen sich frei bewegen können, unabhängig und selbstbewusst auftreten. Wie sie selbst.

Mit Anfang 20 trägt sie am liebsten Männerkleider. Bequem soll es sein, aber mit Stil. Denn „Mode ist vergänglich, Stil niemals“. Doch nichts wurde ihr in die Wiege gelegt. Mit elf Jahren, nach dem Tod ihrer Mutter, gab sie der Vater im nächstgelegenen Waisenhaus ab. Als Schausteller und Luftikus hatte er weder Zeit noch Lust, sich um seine fünf Kinder zu kümmern. Als junges Mädchen träumt Gabrielle davon, Sängerin zu werden. Doch sie muss sich eingestehen, dass ihr Talent nicht reicht. Zwei Männer werden zu ihren ersten Förderern: Étienne Balsan, ein reicher Offizier und Lebemann, der sie (als eine seiner Mätressen) für einige Jahre auf seinem Landsitz beherbergt, und Arthur „Boy“ Capel, die große Liebe ihres Lebens. Boy ist gebildet, attraktiv, verkehrt in besten Kreisen und lebt nicht nur von seinem Erbe, sondern verdient – was Gabrielle am meisten beeindruckt – sein eigenes Geld. Das möchte sie auch: unabhängig sein vom Wohlwollen anderer. Weiterlesen →

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Will McCallum: Wie wir Plastik vermeiden

„Plastiktüten sind auf der ganzen Welt zu einem Symbol der Plastikkrise geworden. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von gerade einmal fünfzehn Minuten schätzen Wissenschafter, dass es zwischen 500 und 1000 Jahren dauert, bis sie sich zersetzt haben.“ (Zitat Kapitel „Plastiktütenverboten rund um den Globus“)

Allein dieses kurze Zitat zeigt eindringlich, welches Problem Plastik für die Umwelt und Tierwelt darstellt. Will McCallum hat in seinem Sachbuch zum Thema die wichtigsten Fakten rund um Kunststoffe versammelt. Dabei ist eine Dreiteilung zu erkennen: Im ersten Drittel widmet er sich allgemeinen Infos und stellt klar, dass noch vor 60 Jahren die Menschen sehr gut ohne Plastik gelebt haben. Dass sie auch irgendwie ihre Lebensmittel aus dem Supermarkt nach Hause transportiert haben, sich gewaschen haben, die Zähne geputzt haben – alles ohne Plastik. Heute allerdings ist es undenkbar auf die in sehr unterschiedlicher Form auftretenden Kunststoffe zu verzichten. Im zweiten Drittel des Buches gibt der Autor dann Tipps, wie man Plastik in den unterschiedlichen Räumen des Hauses oder im Job vermeiden kann. Im letzten Teil des Buches stellt er dann in den Mittelpunkt, wie man eine Plastikfrei-Kampagne aufziehen kann, an welchen Stellen man sich über Plastik beschweren kann und wie man das am Besten anstellt. Kurz: Wie man Menschen für die eigenen Ideen möglichst gut begeistern kann. Weiterlesen →

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Tara Westover: Befreit

Tara Westover wurde 1986 in Idaho, USA, auf der Farm ihrer Eltern am Buck Peak geboren. In ihrer Kindheit bekommt sie weder einen Arzt zu Gesicht noch betritt sie jemals ein Klassenzimmer. Die Kinder werden anfangs halbherzig von der Mutter zu Hause unterrichtet, später bleibt ihnen ihre Bildung selbst überlassen. Sie können alles lernen, was sie wollen, wenn sie es sich nur selbst beibringen, nachdem sie ihre Arbeit erledigt haben. Tara arbeitet viel: Sie hilft ihrer Mutter, einer Kräuterfrau, Tinkturen zu mischen und begleitet sie bei Geburten. Sie hilft ihr beim Kochen und Spülen und sortiert schwere Metallteile auf dem Schrottplatz ihres Vaters.

Der Vater besteht darauf, dass sich die Familie auf die Tage des Gräuels vorbereitet, wenn sich die Sonne verdunkeln und eine neue Zeit anbrechen wird, wenn nur diejenigen überleben können, die auf dem rechten Weg sind. Menschen, die bedingungslos auf Gott vertrauen und nach seinen Geboten leben. Menschen, die züchtig und demütig sind und sich vor allem von den Sozialisten und den Illuminaten fernhalten, welche rechtschaffene Leute einer Gehirnwäsche unterziehen, besonders in Schulen und Krankenhäusern. Der Vater regiert mit harter Hand; niemand in der Familie stellt seine Entscheidungen in Frage, selbst wenn sie zu lebensgefährlichen Situationen führen. Weiterlesen →

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Rainer Moritz: Mein Vater, die Dinge und der Tod

Der Autor und Leiter des Literaturhaus in Hamburg, Rainer Moritz, macht in seinem neuen Buch die Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater zum Thema: – Was bleibt, wenn der Vater tot ist? Wie hat er uns und unser Leben geprägt? Was haben wir bewusst oder unbewusst von ihm übernommen? Wie waren wir zu seinen Lebzeiten überhaupt miteinander verbunden, eher distanziert oder liebevoll? Wie gut kannten wir den Vater? Was wissen wir über sein Innerstes?…

Moritz verdeutlicht, was am Ende bleibt. Es sind noch die Erinnerungen. So lange man sie wachruft, leben die, die darin vorkommen, weiter.

Was noch bleibt, sind auch die Gegenstände, die uns durch unsere Kindheit und Jugend begleitet haben. Dinge, die einst eine gewisse Bedeutung hatten. Aber welche? Machen die übrig gebliebenen Objekte den Menschen aus? Was sagen sie denen, die zurück geblieben sind?

Unsere Wohnungen gehören zu uns, sind Teil unserer Biografie. Das  Mobiliar der alten Menschen von heute wurde einst mit Bedacht ausgewählt, man achtete auf Qualität und Langlebigkeit. Weiterlesen →

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Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens

„Auf den folgenden Seiten werde ich auf eine allgemein verständliche und zugängliche Weise eine Theorie des (menschlichen) Denkens entwickeln“, schreibt der Philosophie-Professor und Autor Markus Gabriel in seinem Vorwort zu „Der Sinn des Denkens“ und meiner Ansicht nach ist ihm das gelungen. Es kann aber sein, dass seine Theorie und dieses Buch geteilte Meinungen hervorrufen werden – wie auch seine Vorgänger „Warum es die Welt nicht gibt“ und „Ich ist nicht Gehirn“, die mit ihm gemeinsam eine Trilogie bilden, deren Bände auch einzeln gelesen und verstanden werden können.

Gabriel sieht die Philosophie vor allem als „Nachdenken über das Nachdenken“ und legt den Überlegungen in diesem Buch zwei anthropologische Hauptsätze zugrunde: „Der Mensch ist das Tier, das keines sein will“ und „Der Mensch ist ein freies geistiges Lebewesen“. Die Philosophie ist für ihn ein kreativer Vorgang, der die Erkenntnis der Wirklichkeit und unserer Wirklichkeitserlebnisses anstrebt.

Als Vertreter des „neuen Realismus“ geht er davon aus, dass wir Gegenstände und Tatsachen so erfassen können, wie sie wirklich sind und, dass es unendlich viele Sinnfelder gibt, in denen Gegenstände und Tatsachen existieren. Das Denken ist für ihn ein Sinn, wie das Hören oder das Sehen (man beachte auch die Doppeldeutigkeit des Titels). Weiterlesen →

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Frank Vorpahl: Der Welterkunder

Auch wenn angesichts seiner Leistung und Bedeutung der deutsche Weltreisende, Ethnologe und Aufklärer Georg Forster heute immer noch zu wenig bekannt ist, gibt es doch bereits einige hochinteressante Bücher und Biografien über ihn, so dass man durchaus kritisch die Darstellung Frank Vorpahls erwarten durfte, zumal ihre Veröffentlichung mehrmals verschoben worden war.

Vorpahl, Jahrgang 1963, Redakteur von „aspekte“ beim ZDF, darf hierbei durchaus als Forster-Kenner gelten. Nicht nur dass er bereits mehrere Filmbeiträge über den großen Vergessenen drehte, er sorgte u.a. auch für eine großartige neue Ausgabe der „Reise um die Welt“ (Folioband der Anderen Bibliothek), jenes weltberühmten Reiseberichts, mit denen sich Forster unsterblich gemacht hatte. 1772 durften sein Vater und er (im Alter von 17 Jahren) den großen Captain Cook auf dessen zweiter Südsee-Expedition begleiten. Seine Zeichnungen sind bis heute von wissenschaftlicher Bedeutung, sein Reisebericht Weltliteratur.

Frank Vorpahl macht sich nun also auf die Suche, reist Forster nach, entdeckt nicht nur Neues in Archiven und treibt verloren geglaubte Fundstücke auf. Er spürt Forster nach, um diesen immer besser kennenzulernen. Weiterlesen →

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