Nita Prose: The Maid: Ein Zimmermädchen ermittelt

Bei diesem Roman darf man sich von Untertitel und Klappentext nicht in die Irre führen lassen. Denn Molly, das titelgebende Zimmermädchen ermittelt mitnichten. Sondern sie wird in einem Mordfall als Täterin verdächtigt und muss, zum Glück mit Hilfe von einigen guten Freunden, ihre Unschuld beweisen. Dabei ist es am wenigsten sie selbst, die ermittelt.

Denn Molly ist Autistin, ohne es selbst zu wissen. Was sie weiß, ist, dass sie anders ist als andere. In Rückblicken lernt man viel über sie, die bei ihrer – wie es scheint ebenfalls autistischen – Großmutter aufwuchs. So beispielsweise wie sehr sie in der Schule gemobbt wurde, wie die Kollegen im eleganten Regency Hotel sie ablehnen und ihr die schwersten Arbeiten zuschustern.

Die Geschichte wird dabei von Molly selbst in Ich-Form erzählt. Das ist durchaus bewundernswert, muss sich die Autorin, deren Debütroman dies ist, doch stark in ihre Protagonistin hineinversetzen. Die Sprache, die Auffassung von ihrer Umwelt, das (fehlende) Verständnis für die anderen Menschen, all das erfahren wir aus der begrenzten Sicht von Molly.

Sie findet eines Tages die Leiche des reichen Hotelstammgasts Mr. Black in seinem Schlafzimmer. Aufgrund der Hinterlist anderer Beteiligter gerät Molly in Verdacht, die Mörderin und darüber hinaus in Drogengeschäfte verstrickt zu sein. Wegen ihrer Naivität und ihrer Gutgläubigkeit verwickelt sie sich immer mehr in die Fälle. Da ihre Großmutter, deren Lebensweisheiten Molly stets parat hat, vor einer Weile verstorben ist, steht Molly ganz allein in der Welt. Doch Hilfe naht. Weiterlesen

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Gitte Jurssen: Tatort Dangast – Ein Mord und der Gesang von Melodie

Nachdem der Leser den Mord an Marietta Großkopf sozusagen als Augenzeuge miterlebt, lenkt die Autorin seinen Blick auf die Ermittlertruppe des Kommissariats in Varel. Alles andere als nüchtern gehen die Kriminaler mit dem Fall um. Nicht nur, weil Mord ohnehin aufwühlt, sondern auch wegen ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen, persönlichen Erwartungen und wegen ihrer unterschiedlichen Charaktere. Grässliche Tierquälerei auf Ponyhöfen lässt nicht nur wegen der räumlichen Nähe Verbindungen zwischen den Verbrechen vermuten und lassen den Leser nicht unberührt. Durch den klaren Schreibstil behält er in der komplexen Handlung stets den Überblick.

Ein Mord und die Vergewaltigung des Opfers wollen aufgeklärt werden in dem sonst eher beschaulichen Örtchen Dangast. Die Kollegen des Kommissariats im nahe gelegenen Varel treibt jedoch nicht nur die Suche nach Zeugen um, sondern auch ihre persönlichen Befindlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart sowie die Sorge um die Gesundheit ihrer Teamleiterin, der Hauptkommissarin Christin Kim. Verstümmelung und Tötung von Ponys auf einem Pferdehof steigern ihre Betroffenheit und stacheln sie bei ihren Ermittlungen an, denn ein Zusammenhang ist nicht auszuschließen, sodass bald beide SoKos zusammenarbeiten. Bringen sie ein zweiter Mord und ein Mordversuch durch neue Erkenntnisse in ihrer Arbeit voran? Weiterlesen

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Philipp Winkler: Creep

Philipp Winkler, ein 1986 geborener Autor hat ein Händchen für Außenseiter. In „Carnival“ (2020) galt seine Aufmerksamkeit denjenigen, die eine Kirmes am Laufen halten – dem „fahrenden Volk“ -, in seinem neuen Werk „Creep“ sind es zwei Menschen, die Probleme im Umgang mit anderen Menschen haben.

Da ist zunächst Fanni, die in einer deutschen Firma für Überwachungstechnik arbeitet. Sie hat eine Lieblingsfamilie, die Naumanns, mit denen sie per Fernüberwachung gemeinsam isst und lacht, ohne dass die Familie etwas davon weiß. Ansonsten kommt sie weder mit ihren Eltern, noch mit ehemaligen Freundinnen und Freunden klar.

​Und da ist der Japaner Junya, der nur nachts sein Zimmer verlässt, um Gewalt-Exzesse auszuüben, die er dann im Darknet in der Hoffnung streamt, möglichst viele Likes zu bekommen. Die beiden sind „creepy“ – etwas gruselig. Weiterlesen

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Anne Mette Hancock: Grabesstern

Man muss sich schon einfühlen in die Protagonistin der Romane von Anne Mette Hancock, die manches Mal doch recht unvernünftig, um nicht zu sagen unlogisch agiert. Aber so sind Journalistinnen vielleicht, jedenfalls die, die in Thrillern die Hauptrolle spielen.

Wie auch in den beiden Vorgängerbänden „Leichenblume“ und „Narbenherz“ dringt auch diesmal Heloise Kaldan, Investigativreporterin in Kopenhagen, in Bereiche vor, die Gefahr für sie und andere bergen. Und wieder wird sie hier unterstützt und begleitet von ihrem guten Freund, Kommissar Erik Schäfer.

Auslöser für die Ereignisse ist ein Artikel, den Heloise über Sterbebegleitung schreiben wollte. Dadurch kam sie in Kontakt mit Jan Fischhof, einem alten Mann, der im Sterben liegt und der ihr zu verstehen gibt, dass sein Gewissen schwer belastet ist. Sie beginnt zu recherchieren, weil sie glaubt, Jan könne nur dann in Ruhe sterben, wenn die Dinge aufgeklärt sind. Weiterlesen

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Romy Hausmann: Perfect Day

Ein Mann wird verhaftet. Völlig unvorhergesehen und zum absoluten Entsetzen seiner Tochter. Der Mann, ein anerkannter Philosoph und Professor, wird beschuldigt, bis zu zwölf kleine Mädchen getötet zu haben.

Ann, die Tochter, wegen des frühen Tods der Mutter vom Vater allein aufgezogen, ist überzeugt, dass es sich um einen Irrtum handeln muss. Sie kann und will nicht glauben, dass ihr Vater ein Mörder sein soll. Doch Walter Lesniak spricht nicht, er äußert sich nicht zu den Vorwürfen, weder gegenüber der Polizei noch gegenüber seiner Tochter.

Nach dem anfänglichen Schock beginnt sie daher, selbst nachzuforschen. Sie beschafft sich die Ermittlungsakten und kommt sehr schnell zu einem Verdacht, wer der wirkliche Mörder sein könnte. In diesen Verdacht verbeißt sie sich regelrecht, verfolgt diese Spur ohne Rücksicht auf Verluste. Und die gibt es: ihre Freundin wird schwer verletzt, sie verliert das Vertrauen in den Anwalt ihres Vaters, sie verliert ihren Job.

Dann begegnet sie Jakob, der ihr seine Freundschaft und Hilfe anbietet. Doch auch er enttäuscht sie, zuerst, dann jedoch wird er ihre Ermittlungen begleiten und unterstützen. Weiterlesen

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Catriona Ward: Das letzte Haus in der Needless Street

Ted ist ein eigenartiger Mann. Geistig ein wenig zurückgeblieben galt er vor Jahren als Verdächtiger im Mordfall eines kleinen Mädchens. Ted hat ein sehr schlechtes Namensgedächtnis. Er beurteilt Menschen auf zwei Arten – danach, wie sie Tiere behandeln und danach, was sie gerne essen. Falls ihr Lieblingsessen irgendeine Art von Salat ist, sind sie definitiv schlechte Menschen! Ted hat eine Katze – Olivia – und eine Tochter – Lauren – die ab und an zu Besuch kommt. Dann fährt Ted auf seinem rosafarbenen Fahrrad durchs Haus, und ruft die Namen von Hauptstädten. Lauren klingelt wenn er die richtige Antwort weiss. Habe ich Olivia schon vorgestellt – Teds Katze? Ein Biest von einer selbstherrlichen Katze, manches Mal aber auch Teds einzige Trösterin und Freundin.

Als Teds Haus in der Needless Street damals von der Polizei auf der Suche nach Spuren des verschwundenen Mädchens Lulu durchsucht wurde, war er eine Zeitlang das Gespräch im Ort. So Manche zeigte auf ihn, wechselten gar die Strassenseite oder drehten um, wenn sie ihn sahen. Einige Zeit traute Ted sich kaum aus dem Haus. Doch inzwischen ist Zeit vergangen, die Menschen haben verdrängt und vergessen. Weiterlesen

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Marco Hasenkopf: Eisflut 1784

Während man diesen Roman liest, sollte man sich warm anziehen. Denn selbst in einem wohlig geheizten Zimmer beginnt man bei dieser Lektüre unweigerlich zu frieren. Es ist unfassbar kalt im Winter 1784 in Mülheim am Rhein, nahe Köln. Wo dieser historische Kriminalroman spielt und fesselt.

Die Hauptrolle spielt dabei im Grunde tatsächlich das Wetter. Und die drohende Gefahr durch die gigantischen Eisflächen, die sich auf dem Rhein gebildet haben bei diesen lebensgefährlichen Temperaturen. Unter diesen Bedingungen beginnt der Amtmann Henrik Venray mit Ermittlungen in einem Mordfall. Ein Mönch wurde tot aufgefunden. Nicht erfroren, sondern ermordet, wie sich dank der Untersuchungen der Apothekerin Anna-Maria Scheidt herausstellt.

All die widrigen Umstände, nicht nur das grausame Wetter, sondern auch Heimlichkeiten und Intrigen der Kirche und Auseinandersetzungen mit Wichtigtuern und Verbrechern, können Venray nicht aufhalten. Konsequent und sich selbst treu bleibend, mit Anna-Maria an seiner Seite, lässt er nicht locker, erst recht, als sich herausstellt, was es mit den verwahrlosten und gequälten Kindern auf sich hat, die sie bei ihren Recherchen entdecken. Weiterlesen

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Marc Cameron: Tom Clancy: Das Reich der Macht

Thriller leben von Hektik, da ist „Die Welt der Macht“ keine Ausnahme. Wie setze ich eine Handlung um Menschenhandel, Prostitution und politische Ränkespiele um? Mit der Beschreibung von Gewalt und einer passenden derben Sprache.

Während ein chinesischer Minister mit seinen Vertrauten Intrigen zum Wohle Chinas und zu seinem eigenen spinnt, setzt Amerikas Präsident Jack Ryan senior alles daran, seine Geheimdienste möglichst im Vorfeld jedes Vorgehen gegen die Vereinigten Staaten aufdecken zu lassen. Zur selben Zeit bekämpft Jack Ryan junior in den USA einen chinesischen Mädchenhändlerring. Irgendwann laufen die Handlungsfäden zusammen.

Thriller leben von Hektik, ihnen ist immanent, dass der Leser nicht zum Atemholen kommen, sondern das Buch in einem Rutsch durchlesen soll. Auch Marc Cameron als Nachfolgeautor des 2013 verstorbenen Tom Clancy hält sich strikt an diese Regel. Egal, wer in der komplexen Handlung im jeweiligen Kapitel das Heft in der Hand hält, er trägt dazu bei, dass sich die Ereignisse überschlagen. Weiterlesen

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Ragnar Jónasson: Frost

Ist es nun ein Krimi, ein Thriller oder eher ein Psychogramm? Der Roman setzt in gewisser Weise die Reihe um die Kommissarin Hulda fort, auch wenn sie in diesem Band nur eine Nebenrolle spielt.

Hauptfigur ist Helgi, dem man im dritten Band um Hulda bereits begegnet ist, denn er wird ihr Nachfolger im Kommissariat. Doch noch ist es nicht soweit, noch arbeitet Helgi an seiner Abschlussarbeit des Studiums. Das Thema, das er sich gewählt hat, beschäftigt sich mit einem sogenannten Cold Case, einem ungeklärten Mordfall vor dreißig Jahren. Damals wurde in einem Tuberkulosekrankenhaus eine Schwester ermordet, später kam noch ein weiterer Todesfall hinzu.

Der Autor erzählt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven. So verfolgen wir einerseits die Recherchen Helgis, der sich bemüht, die Zeugen von damals zu treffen und zu befragen. Zum anderen erleben wir die damaligen Geschehnisse aus der Sicht von Tinna, einer Krankenschwester, die zur Zeit des Mordes in der Klinik arbeitete, sowie aus den Blickwinkeln einiger anderer Zeugen. Schließlich gibt es noch eine weitere Zeitebene, die Ereignisse in dem Tuberkuloseheim lange vor den Morden schildert. Weiterlesen

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Victoria Selman: Sieben Opfer

London zur Hauptverkehrszeit: Ein vollbesetzter Personenzug rast gegen einen entgleisten Tankwagen. Im explodierenden Personenzug ist Ziba MacKenzie, Profilerin beim Scotland Yard und durch diverse Einsätze in Sonderkommandos bestens ausgebildet für Krisensituationen. So zögert sie nicht lange und beginnt unverzüglich, den verletzten Menschen um sie herum zu helfen. Dabei richtet eine sterbende Frau ihre letzten Worte an Ziba: „Er hat es getan. Sie müssen es jemandem sagen!“

Diese Botschaft lässt Ziba nicht mehr los, auch nicht, als sie am nächsten Morgen einen Anruf bekommt. Scotland Yard braucht ihre Hilfe: Eine Leiche ist gefunden worden und scheint das nächste Opfer eines Serienmörders zu sein, dessen letzte Tat 25 Jahre zurückliegt. Ziba nimmt den Auftrag an. Zum einen ist sie dankbar für Ablenkung, weil vor einiger Zeit ihr Ehemann gestorben ist, und zum anderen hofft sie, mit Zugang zu den behördlichen Datenbanken vielleicht etwas mehr über die Frau aus dem Zug herausfinden zu können. Damit beginnt für Ziba die Jagd nach dem „Lacerator-Killer“ – und schon bald zeigt sich, dass eine Verbindung zu der geheimnisvollen letzten Botschaft zu bestehen scheint.

Victoria Selman präsentiert mit „Sieben Opfer“ nach einigen Kurzgeschichten in Krimi-Anthologien ihren ersten Roman. Die Londoner Journalistin schreibt für verschiedene Zeitungen und konnte in ihrer britischen Heimat gleich mit ihrem Debüt einen Bestseller landen. Band zwei und drei der Reihe um Ziba MacKenzie sind in Großbritannien bereits 2019 und 2020 erschienen. Weiterlesen

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