Wer auf den guten alten englischen Schauerroman steht, den man am besten nachts mit Taschenlampe unter der Bettdecke liest, der sollte unbedingt „Slade House“ von David Mitchell lesen. Die sprichwörtliche Gänsehaut kriecht einem den Rücken hinunter, und man möchte den Protagonisten ständig zuschreien: „Nein, um Himmels Willen, geh nicht durch dieses schmale Törchen!“
Natürlich kümmern sich Romanfiguren in aller Regel nicht um solche Leserwarnungen, und so durchschreiten sie denn doch jedes Mal am „Tag der offenen Tür“ jenes Törchen. Es zeigt sich nur alle neun Jahre am letzten Samstagabend im Oktober und befindet sich in einer ausgesprochen düsteren, nebeligen und kalten Gasse irgendwo in England.
Wer hindurchgeht, dessen Seele ist verloren, denn die Zwillinge Norah und Jonah, am Ende des Romans 116 Jahre alt, brauchen in regelmäßigen Abständen eine frische Seele, um ihren Unsterblichkeitsakku wieder aufzuladen. Weiterlesen



Einst war er der mächtigste Magier des Reiches. Als einer der Wenigen hatte er nicht nur alle sieben Stränge der Magie gemeistert, er unterstützte den Regenten und war im Volk beliebt und geehrt. Immer hatte er ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte auch des einfachen Volks. Als er seine große Liebe fand, schien die Welt perfekt. Allein, der unbändige Wissensdurst, der ihn umtrieb, schien nicht zu stillen. In längst verloren geglaubten, verbotenen Büchern fand er Hinweise auf eine einst bekannte, dunkle Magie – die Suche nach dem Wort, das diese Magie erschließt, trieb ihn in den Ruin. Zwar gelangte er ans Ziel, doch der Preis, den er dafür berappen musste, war viel zu hoch. Das Leben seiner Liebsten und ihres ungeborenen Kindes, die Verbannung und Ächtung aus dem Zirkel der Magier, sie brachen den Mann, der einst das Reich schützte.



