Thea Dorn: Die Unglückseligen

Lassen Sie sich durch den Buchtitel nicht täuschen: In diesem Roman gibt es jede Menge zum Lachen, Staunen, Wundern. Thea Dorn ist ein teuflisch gutes und rundum wahnwitziges Meisterwerk gelungen: Die Humangenetikerin Johanna sucht einen Weg zur Unsterblichkeit. Sie trifft den 1776 geborenen Physiker Johann Ritter. Allerdings leidet der verschrobene Einsiedler unter dem „Joch“ seiner Unsterblichkeit. Diese kuriose Ausgangssituation sorgt für geniale Dialoge und überraschende Wendungen. Der Clou: Ein allwissender Erzähler kommentiert das Geschehen in mittelalterlichem Jargon. Ist es ist der Beelzebub höchstselbst? Er nutzt die Gunst der Stunde, um ein paar Vorurteile aus der Welt zu schaffen …

Die ehrgeizige und vernunftbegabte Molekularbiologin Johanna plant die Menschheit von ihrem größten Übel zu befreien: der Sterblichkeit. Was ihr mit Zebrafischen und Mäusen bereits im Ansatz gelungen ist, steht plötzlich in Menschengestalt vor ihr an einer Supermarktkasse: Johann Ritter, ehemaliger Physiker, vor 250 Jahren geboren. Weiterlesen

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Mirko Bonné: Lichter als der Tag

Dies ist eine Geschichte von vier Kindern, die zusammen ihre Teenager – und Jugendzeit meist in einem verwilderten Garten verbringen und, bei aller Freundschaft,  den falschen Weg einschlagen, bzw. alle die Abzweigung verpassen oder nie wirklich nach den Möglichkeiten, die das Leben sonst so bietet, gesucht haben. Hört sich kompliziert an, ist es auch und in den Auswirkungen katastrophal. Als sich die vier, Raimund und Moritz auf der einen – und Inger und Floriane auf der anderen Seite, als Erwachsene für die jeweils falsche Partnerschaft entscheiden, bleibt nur noch eine kurze Strecke und alle Freundschaft ist auf Ewigkeiten zerrüttet.

Schlimme Versuche alles im Geheimen wieder gut zu machen, enden depressiv. Das eine ungleiche Paar, Raimund und Floriane, bekommen sogar noch zwei Kinder zusammen, die, jedes auf seine Art, der Entzweiung der Eltern trotzen. Schlichtweg verrückt ist die Schwangerschaft von Inger, Weiterlesen

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Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte

Am Morgen des 3. Mai 1977 kommt die sechzehnjährige Lydia nicht zum Frühstück. Das Bett in ihrem Zimmer ist unberührt. Wohin sie gegangen ist und warum sie nie zurückkehren wird, bleibt für ihre Familie teilweise ein Rätsel. Die Eltern James und Marilyn, ihr Bruder Nath und ihre kleine Schwester Hannah müssen lernen, ohne Lydia weiterzuleben. Vorwürfe, Schuldgefühle, das Nichtgesagte wuchern in der Familie wie bösartige Geschwüre, bis sie anfangen, wieder aufeinander zu achten und miteinander zu reden.

Mit ihrem Debütroman hat die amerikanische Autorin Celeste Ng den Nerv vieler Leser getroffen. Ihr Leitthema ist die Suche nach Anerkennung und dem Finden der Balance zwischen Gruppenzwang und Anderssein.

In dem Familiendrama geht es um viel mehr als um die Auflösung des Rätsels, warum Lydia nicht mehr nach Hause kommt. Es geht um ein Überleben in einem Amerika der 60er und 70er Jahre. Weiterlesen

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Franz Hohler: Ein Feuer im Garten

Der Schweizer Franz Hohler (Jahrgang 1943) ist Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher. Für seine Werke wurde er mehrfach ausgezeichnet und gilt in seinem Heimatland als bedeutender, zeitgenössischer Erzähler. Bei btb erschienen am 13. November 2017 seine Kurzerzählungen „Ein Feuer im Garten“ als Taschenbuch.

Darin 52 kurze und knappe Geschichten über Alltagsbeobachtungen des Autors. Beginnend mit der Titelgeschichte „Ein Feuer im Garten“, in der ein kleiner, dreijähriger Junge, hingerissen von der Dichterinnen Erzählung über ein Feuer im Garten, davonläuft, um die Geschichte selbst zu erleben. Danach folgen mehrere Miniaturen über Erlebnisse des Autors Franz Hohler entweder in Zürich, wo er lebt und arbeitet, oder auf seinen Reisen (bevorzugt Lesereisen). Weiterlesen

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Kent Haruf: Lied der Weite

Abermals wählt Kent Haruf wie bereits in seinem vorangegangenen Buch „Unsere Seelen bei Nacht“, die fiktive Stadt Holt in Colorado als zentralen Ort seiner Romanhandlung. Diese Kleinstadt mit seinen Menschen die er dort ansiedelt, entspricht überzeugend der Lebensrealität im Mittleren Westen der USA. Es sind die Lebensausschnitte während eines knappen Jahres von  sieben Protagonisten aus Holt mit authentisch wirkenden Dialogen und treffend zugeschnittenen Charakteren, die der Autor schildert.

Die Handlungen drehen sich zum einen um die beiden neun- und zehnjährigen Brüder Bobby und Ike. Sie müssen miterleben, wie ihre depressive Mutter sich dem Familienleben immer weiter entfremdet und entzieht und die Familie schließlich verlässt. Weiterlesen

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Ildyko von Kürthy: Hilde

Vor nunmehr einem Jahr ist Hilde bei den von Kürthys eingezogen. Ein kleiner weißer Mini-Golden-Doodle mit karamellfarbenen Schlappohren aus Castrop-Rauxel. Vor vielen Jahren als Kind hatte Ildykó von Kürthy schon einmal einen Hund, Impi, der nur ungefähr ein Jahr alt werden durfte, ehe er überfahren wurde. Seitdem ist sie da, die Sehnsucht nach dem Hund. Und mit beinahe fünfzig Jahren erfüllt sie sich diesen Wunsch. Impi und Hilde könnten kaum unterschiedlicher sein. Strotzte der eine vor Selbstbewusstsein, fürchtet sich die andere vor fast allem. In der modernen Stadtwelt hat sie aber auch so manches Mal allen Grund dafür. Von mobbenden Welpengruppen über im Park flanierende Hundehasser bis hin zu untermotivierten Hundetrainern muss sie durch alles durch.  Weiterlesen

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Hanns-Josef Ortheil: Der Typ ist da

Matteo kommt wie aus der Welt gefallen daher, in seinem langen schwarzen Mantel und seiner auffallend zuvorkommenden, zurückhaltenden Wesensart. Doch genau damit schafft er es, ohne es beabsichtigt zu haben, das Leben dreier junger Frauen, die in einer männerlosen WG zusammenleben, komplett durcheinanderzuwirbeln.

Matteo ist Restaurator und stammt aus Venedig, wo er zuvor eine der Frauen – Mia – während ihres Studienaufenthaltes kennengelernt hatte. Doch als er dann unangemeldet vor ihr steht, hat Mia im ersten Moment sogar Schwierigkeiten, sich an ihn erinnern zu können. Sie fragt sich, wieso ausgerechnet er, dem gegenüber sie genau wie vielen anderen Bekannten auch, lediglich eine vage Einladung ausgesprochen hatte, nun tatsächlich den Besuch wahr macht. Weiterlesen

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Lucas Vogelsang: Heimaterde

Egal, wie das Buch allgemein gewertet, gemocht oder zerredet wird – wir haben hier eine literarisch – sprachliche Meisterleistung vorliegen. Lucas Vogelsang gelingen Satzgemälde, die ich lange nicht mehr so gelesen habe. Wenn ich das mit der angloamerikanischen modernen Belletristik vergleiche, könnte er glatt für einen deutschen Richard Ford durchgehen, der auch in großartiger Lakonie beschreiben kann. Eben Emotionen, Haltungen, Gedanken. Vogelsang nimmt uns mit auf eine Reise, nein, eher eine Suche danach, was „Heimat“ bedeutet oder vielmehr: nicht mehr. Wir treffen auf die unterschiedlichsten Verjagten, Geflohenen, Verratenen, Abgehängten, Entwurzelten.

Wir lernen ganz nebenbei die aktuellen und die schon länger zurückliegenden Krisenherde der Welt, die für diese permanenten Völkerwanderungen (wenn man es positiv ausdrückt) und Fluchten verantwortlich sind. Weiterlesen

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Torsten Seifert: Wer ist B. Traven?

Ein schöner Abenteuer-Unterhaltungsroman ist dem 1966 geborenen Potsdamer Autor Torsten Seifert mit „Wer ist B. Traven?“ gelungen. Darin schickt er seinen Helden Leon in der Nachkriegszeit auf die Suche nach dem legendären Autor mit dem Pseudonym B. Traven. Den gab‘s wirklich, und um seine wahre Identität ranken sich noch immer Rätsel – auch wenn die Literaturwissenschaft heute zumindest annimmt, dass es sich um einen Deutschen namens Otto Feige gehandelt hat.

Von Traven stammen immerhin so berühmte Romane wie „Der Schatz der Sierra Madre“, der später von John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Der Film hat mehrere Oskars eingeheimst. Weiterlesen

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Kathy Hepinstall: Bittersüß wie Pecannüsse

Kathy Hepinstall ist eine US-amerikanische Autorin, die bereits mehrere Bücher geschrieben hat. Sie lebt und arbeitet in Portland. Bei Rowohlt Polaris erschien am 17. November 2017 ihr neuestes Buch „Bittersüß wie Pecannüsse“ in einer Übersetzung von Gertrud Wittich. Die Geschichte ist autobiografisch geprägt, die Hauptfigur ist Kathy Hepingstalls Mutter Polly nachempfunden.

Willow, zu Beginn der Geschichte zehn Jahre alt, wächst bei ihrer verwitweten Mutter Polly auf. Polly ist eine alte Mutter. Willows Geschwister, Lisa und Shel, sind erwachsen und aus dem Haus der Familie ausgezogen. Polly ist eine schroffe, aber verantwortungsvolle Mutter, die mit ihren Nachbarn im Dauerstreit liegt, ihren Garten pflegt und in einem Drogeriemarkt arbeitet. Eines Tages erkrankt Polly an Krebs (von ihr „Bär“ genannt). Willow ist in tiefer Sorge um ihre Mutter, fürchtet sie nichts mehr als deren Tod. Und Polly hat ein Geheimnis. Weiterlesen

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