Kohei Saito: Systemsturz – Der Sieg der Natur über den Kapitalismus

Wer sich nicht davor scheut, unangenehmen Fakten ins Auge zu blicken und sich intelligenten Utopien zu öffnen, wird an diesem „Brain-Breaker“ große Freude haben. Kohei Saito verbindet viele unbekannte Theorien des späten Karl Marx mit Ansätzen und Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels. Das liest sich bisweilen atemberaubend – und fürchterlich unangenehm. Zumindest für die klassische Leserschaft der westlichen Industrieländer, die mehr oder weniger allesamt zu den 10-20 Prozent der privilegiertesten Bewohner unseres Planeten gehören.

Mit vielen Daten, Geschichtsreferenzen und mutigen Denkansätzen zeigt der Professor für Philosophie an der Universität Tokio auf, was den Klimawandel bekämpfen könnte, ohne den globalen Süden weiter auszubeuten oder die Arbeiterklasse ausbluten zu lassen: Degrowth-Kommunismus. Ein Begriff, der zunächst abschreckend klingen mag. Zu Unrecht. Oder hätten Sie etwas gegen mehr Freizeit, mehr Mitbestimmung, stabilere Energiepreise und eine saubere Umwelt einzuwenden?

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Tommie Goerz: Im Schnee

Ein einfaches Leben in dörflicher Gemeinschaft

Der alte Max lebt, seit er auf der Welt ist, im Dorf. Er kennt nichts anderes. Obwohl sich so manches im Laufe der Jahre verändert hat, scheint beim Max die Zeit stehen geblieben zu sein.

In seinem Haus ist alles noch so, wie es schon immer war. Nicht einmal einen Radioapparat oder einen Fernseher besitzt er. Alles, was er wissen muss, erfährt er im Dorf. In der alten Gemeinschaft kennt man sich untereinander. So wie Max wissen auch die anderen Bescheid über alles und jeden. Max weiß viele Geschichten aus der Vergangenheit von den Bewohnern. Er kennt auch noch die alten Hofnamen der Besitzer. Mittlerweile stehen einige der Höfe im Ort leer. Auch ein Einkaufsladen samt Bäcker und Metzger ist längst verschwunden. Weiter oben am Hang ist eine Neubausiedlung entstanden, aber mit den Neubürgern haben die übrig gebliebenen Alten wenig zu tun und wollen das auch gar nicht.

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Markus Orths: Crazy Family 03: Die Hackebarts greifen an!

Ich mag sie wirklich gerne, die Hackebarts. Der Begriff „crazy“ passt wunderbar zu dieser ausgeflippten, einfallsreichen, eigentlich immer optimistischen Familie, in der jeder „seinen Platz“ hat und den auch ausfüllt, wenn man so will. Zosch, der Zocker – eigentlich ein Sorgenkind – trägt aber unbedingt auch zum Wohle bei, Brooklyn, das Organisationstalent, Mönkemeier, der kleine Künstler, Lulu, das Genie, das mit sechs Jahren Abituraufgaben mit Bravour löst, Opa, der Klimaaktivist, Papa, der Klobürstensammler, der diesmal mit einer Klobürste die Familie vor dem Ruin bewahrt und Mama, die mit ihren Touren nach Kroatien und den Klavierkonzerten unterwegs den Unterhalt sichert.

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Rosie Talbot: Sixteen Souls: Wovor die Toten sich fürchten

Charlie ist ein Glückskind – auch wenn er sich selbst wirklich nicht so beschreiben würde. Nach einer schweren Meningitis war er fast eine halbe Stunde klinisch tot, bevor er dann doch wieder zu sich kam. Der Vorfall hat ihm seine beide Unterschenkel gekostet, seitdem plagt er sich mit drückenden Prothesen und einem Rollie herum. Sein Coming-out hat er auch schon einige Jahre vor sich hergeschoben – die Reaktion seiner Eltern möchte er sich wirklich lieber nicht vorstellen.

Viel belastender aber ist, dass er seit seinem Tod die Verstorbenen von York, also eher die, die nicht ins Licht gegangen, sondern hier festhängen, sehen kann.

Dass immer mehr der Geister verschwinden, bemerkt er zunächst nicht. Er hat genügend damit zu tun, Todesschleifen auszuweichen, die ihn grausam töten könnten.

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Tove Jansson: Der Steinacker

Ein kleiner Roman, dessen Handlung sich um die Bedeutung und den präzisen Gebrauch von Wörtern dreht

Der Protagonist Jonas ist keiner, mit dem man sich identifizieren mag. Überhaupt ist er alles andere als sympathisch. Dennoch muss man ihn immer weiter durch die Zeilen begleiten.

Jonas ist frisch pensionierter Zeitungsredakteur. Nach Abschluss seines Berufslebens soll er eine Biografie über einen berühmten Medienmagnaten verfassen. Jonas nennt ihn Y. Er mag diesen Buchstaben nicht. Auch der Vorname seiner Frau begann mit Y. So ist der Buchstabe Y in Jonas’ Gedankenabläufen immer präsent. Jonas macht sich mit einer Aversion an seinen Auftrag. Er tut sich schwer damit, sich mit Y. auseinanderzusetzen. Alles kommt ihm nicht richtig vor. Dem prominenten Medienmann Leben einzuhauchen, will ihm einfach nicht glücken. Dabei findet er sich selbst immer wieder in der Person von Y. Seine Sichtweise auf Y. und sein Ich zerfließen ineinander. Y. ist stets präsent, verfolgt ihn regelrecht.

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Sarah Adams: The Rule Book: Liebe kennt keine Regeln

Das Buch erzählt die Geschichte von Nora, die mit ihrem Leben eigentlich recht zufrieden ist – bis sie auf Derek, ihren Ex-Freund trifft, der ihr Jahre zuvor das Herz gebrochen hat. Nora ist sich sicher, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte, doch durch eine Verkettung von Umständen kreuzen sich ihre Wege erneut und beide werden gezwungen, enger miteinander zu arbeiten als sie möchten. Nun entwickelt sich langsam eine Dynamik und sie sind sich nicht mehr sicher, ob wirklich alles gegen eine zweite Chance spricht.

Das Buch erzählt eine herrlich witzige, atmosphärische Geschichte, durch die man leicht kommt. Teils gibt es spritzige Dialoge, teils ein paar längere Durststrecken. Aber das Gesamtpaket des Buches konnte mich überzeugen.
Der Schreibstil der Autorin ist herrlich, es fühlt sich so echt an und sie schafft es auch, die Längen gut zu überspielen, die in dieser Geschichte leider hier und da vorkommen. Dennoch fliegt man durch die Seiten, vor allem wenn einem der Stil des Schreibens so sehr gefällt. Aber nicht nur der Stil ist gut, sondern auch die Charaktere. Diese sind so herrlich gezeichnet und man spürt die Harmonie der beiden förmlich. Auch wenn sie einige Missverständnisse haben, die ich manchmal ein wenig unnötig und in die Länge gezogen finde.

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Jennifer Estep: Crashing Stars

Vesper ist eine Seherin, ihre Magie reicht jedoch gerade mal dafür aus, kaputte Geräte zu reparieren, weshalb sie auf einem mittelmäßigen Planeten in einem unterirdischen Labor daran arbeitet, eine reiche Familie noch reicher zu machen.

Ganz anders ist es bei Kyrion, der in eine der edlen Familien hineingeboren wurde, die die Galaxie regieren. Er gehört zu den Elitesoldaten der Herrscher und ist genauso gutaussehend wie tödlich.

Als Vesper bei ihrer Arbeit auf einen vermeintlichen Fehler aufmerksam wird, der sich als gewollte Sabotage herausstellt, kreuzen sich ihre Wege, denn über Nacht wird die unwichtige Laborratte zu einer Gefahr, die beseitigt werden muss – zwangsverpflichtet an der Seite des Elitekämpfers. Was keiner von ihnen voraussieht: Ihre Magie scheint mehr gemeinsam zu haben, als sie jemals gedacht hätten, denn zwischen ihnen entsteht ein magisches Band, das ihre Schicksale aneinanderbindet und ihre Leben voneinander abhängig macht. Sehr zum beidseitigen Ärger, denn auf keinen Fall ist diese Anziehung, die sie plötzlich füreinander empfinden, echt.

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Anne Stern: Fräulein Gold: Nacht über der Havel: Die Hebamme von Berlin 07

Anne Stern ist promovierte Germanistin und Historikerin. 2020 veröffentlichte sie ihren ersten Band mit der jungen Hebamme Hulda Gold, die im Berlin der 1920er Jahre ein auffälliges Leben führt. Als alleinstehende Dame wohnt sie zur Untermiete. Ständig wird sie in die Armenviertel gerufen, um bei Hausgeburten unter schwierigsten Umständen zu helfen. In Berlin kennt sie fast jeder. Trotz allem ist die Bezahlung schlecht. Häufig arbeitet sie umsonst, sodass ihre eigene wirtschaftliche Situation ähnlich schwierig ist wie bei ihrer armen Kundschaft. Im Laufe der Jahre hat Hulda die Stufen der Not und des wirtschaftlichen Aufstiegs miterlebt.

Der siebente Band beginnt im Sommer von 1930, kurz vor der Wahl. Aktuell stehen die traditionellen Jugendgruppen im Fokus der Nazis. Sie sollen zu jungen Soldaten erzogen werden. Die neue ‚Hitlerjugend‘ fällt nicht nur mit Lärm und Pöbeleien auf. Ihre Kleidung ähnelt einer Uniform.

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Aly Martinez: From the Embers

Bree und Rob, Eason und Jessica sind befreundete Paare und unzertrennlich, bis in einer tragischen Nacht ein Feuer ausbricht und Bree und Eason ihre Partner verlieren. Easons Haus wurde komplett zerstört und er steht nun mit seiner kleinen Tochter vor dem Nichts, also nimmt Bree die Beiden kurzerhand bei sich auf. Was als Zwecks WG beginnt, entwickelt sich so immer mehr zu einer Familie, einem Gefühlschaos der Erwachsenen und der Frage, ob es gut ist, Gefühle zuzulassen, nach all dem, was passiert ist.

Sie müssen erst alles verlieren, um einander zu finden, der Untertitel sagt eigentlich schon alles aus.

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Jean-Christophe Grangé: Blutrotes Karma

Französischer Thriller? Wem fällt da nicht sofort der Name Jean-Christophe Grangé ein? Seit seinem Weltbesteller „Die purpurnen Flüsse“ ist er der Garant für hochspannende, elegant verflochtene, blutige Thriller, die häufig mit spirituellen oder politischen Hintergründen versehen sind. Gewiss, er verschont seine Leser nicht mit Brutalität. Doch das eigentlich Brutale an seinen Plots ist, dass die seltsamen Ritualmorde nicht nur der Symbolik eines irren Geistes entspringen, sondern stets ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Verhältnisse sind. Auch Blut im Sinne von Genetik, Erbe oder vererbten Traumata sind ein wiederkehrendes Motiv in Grangés Büchern.

Dabei spaziert der französische Autor mühelos durch Zeiten, Länder und Weltanschauungen. Nachdem er in „Die marmornen Träume“ seine LeserInnen ins Berlin der Nazi-Zeit entführt hat – bereits per se eine grausame Zeit – wirft er seine Leserschaft nun mitten ins Paris im Mai 1968. Von romantischen Frühlingsgefühlen ist in der Stadt der Liebe in jenen Tagen nichts zu spüren. Der Pariser Mai 1968 ist von den blutigen, zerstörerischen Studenten- und Arbeiteraufständen gekennzeichnet. Auf die Barrikaden hat in der französischen Geschichte schon eine lange Tradition. Doch im Mai 1968 ist das gesamte Land lahmgelegt, sogar die Versorgungslage scheint bedroht. Von der friedlichen Hippiebewegung  à la Woodstock könnte nichts weiter entfernt sein.

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