Stefan Klein: Wie wir die Welt verändern – Eine kurze Geschichte des menschlichen Geistes

Stefan Klein erzählt mit „Wie wir die Welt verändern“ eine weitere „kurze Geschichte“ wie sie in letzter Zeit sehr populär sind. Dieses Buch also ist „Eine kurze Geschichte des menschlichen Geistes“ – und vorab gesagt: Es hält das Versprechen dieser Art Bücher. Nämlich dem Leser wissenschaftliche, oft komplexe Inhalte in interessanter Form und verständlicher Sprache nahe zu bringen

In der Schule war Geschichte schon immer eins meiner Lieblingsfächer. Besonders habe ich mich für die Antike interessiert. Und niemals losgelassen hat mich die Geschichte der Bibliothek von Alexandria. Als der Lehrer damals erzählte, dass dort, zweitausend Jahre vor unserer Zeit, angeblich schon die Pläne für eine Dampfmaschine existiert haben sollen, hat mich das bis heute beschäftigt.

Wurde lediglich aufgrund der Zerstörung der Bibliothek nichts aus diesen Plänen?? Konnten und wussten die Menschen damals viel mehr als wir heute noch ahnen? Und warum gab es dann erst jetzt, beginnend ungefähr mit der Industriellen Revolution, eine wahre Wissensexplosion? Wo es der Großteil unserer Spezies Jahrtausende lang nicht über Ackerbau und Viehzucht heraus gebracht hat? Warum ausgerechnet jetzt? Und nicht z. B. schon zur Zeit der Römer? Dieses Buch brachte mir nun endlich die Lösung: „Jedes schöpferische Denken entspricht dem Zusammenspiel vieler Menschen“. Stefan Klein legt dar, wie das Bevölkerungswachstum Innovation und Fortschritt Vorschub leistete. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anna Fleck: Meeresglühen 01: Geheimnis der Tiefe

Während ihre Mutter als Ärztin in Afghanistan tätig ist, verbringt Ella die Ferien bei ihrer Granny in Cornwall. Dort verlebt sie unbeschwerte Stunden mit ihrem Hund und alten und neuen Freunden, bis sie eines Tages einen vermeintlichen Surfer vor dem Ertrinken rettet. Aris ist – anders. Seine Verletzungen erscheinen merkwürdig und als es ihm besser geht und Ella ihn mit zu ihren Freunden nimmt, scheint er selbstverständliche Dinge einfach nicht zu kennen.

Das ist auch wenig verwunderlich, denn Aris stammt vom Meeresgrund. Das gesteht er Ella jedoch erst, als es gar nicht mehr anders geht. Als seine Verfolger bereits beginnen, auch Ella und ihre Familie zu verfolgen. Genial hier die beiden wehrhaften alten Damen. Aris muss zurück unter die Meeresoberfläche, aber Ella will ihn nicht allein lassen. Dabei ist eins klar: Wer einmal dort unten war, darf niemals wieder zurück.

Stella Fleck erzählt eine spannende, aber nicht zu spannende Geschichte. Ella läuft sehenden Auges in ihr Schicksal, aber nach und nach wächst sie daran. Mir hat besonders das immer wieder geheimnisvolle an diesem Roman gefallen. Zuerst versteht Ella nicht, um wen es sich bei Aris wirklich handelt. Später sind es Aris Erinnerungslücken, die Ella und den Leser immer wieder an Freund und Feind verzweifeln lassen. Nicht jeder ist in diesem Buch der, der er vorgibt zu sein und Stella Fleck versteht es, den Leser mit in Ellas Verwirrungen und Zweifel zu ziehen. Dazu ist der Schreibstil sehr angenehm und flüssig, wenn ich persönlich auch deutlich weniger Landschaftsbeschreibungen vorgezogen hätte, das liegt aber eher an meinen Vorlieben als an der Autorin. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Amélie Cordonnier: Die Entscheidung

Wer noch nicht weiß, was Worte anrichten können, sollte diesen Roman lesen. Die französische Autorin schildert genau das in ihrem Debüt. Und wie sie das tut, das geht unter die Haut, das wühlt auf, verschreckt. Daran ändert auch die etwas anstrengende Erzählweise nichts.

Eine ganz normale Familie – Vater, Mutter, zwei Kinder. Und doch ist nichts so, wie es von außen scheint. Aurélien, der Vater, verliert die Beherrschung, schreit, tobt und beleidigt dabei seine Frau mit Worten, die in Körper und Seele einschneiden, tiefe Wunden hinterlassen. Auch bei den Kindern, dem 15-jährigen Vadim und der sieben Jahre alten Romane.

Dabei hatte Aurélien Besserung gelobt, nachdem all das schon einmal so gewesen war, über Monate und Jahre und sie ihn deswegen verlassen hatte. Aber er hatte es erreicht, dass sie zurückkam. Sieben Jahre ist das her und sieben Jahre ging es gut. Bis eben jetzt, wo alles wieder von vorne anfängt.

Nun muss sie sich entscheiden. Bleibt sie, wird sie das immer weiter ertragen müssen, wird sie daran zerbrechen. Oder geht sie, verlässt sie ihn, rettet sich, wird sich selbst dadurch andere Wunden zufügen. Und den Kindern. Sie hadert, sie handelt mit sich, stellt sich ein Ultimatum: bis zu diesem Tag wird sie sich entscheiden. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Simon Beckett: Die Verlorenen

Simon Beckett gibt dem ersten Band seiner neuen Thrillerserie den Titel Die Verlorenen. Gemeint sind die Menschen, denen nicht mehr geholfen werden kann. Sie leben außerhalb der Reichweite einer Gemeinschaft und erfahren weder Schutz, noch erleben sie ein faires Rechtssystem. Ihr Alltagsleben wird ein gezinktes Pokerspiel, bei dem sie nie die richtigen Karten haben werden. Sie verlieren. So oder so. Jonah Colley arbeitet in einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei. Für diesen Job muss er in jeder Hinsicht fitt sein. Körperlich und seelisch. Doch seit zehn Jahren befindet er sich in einer Art Schockstarre und funktioniert nur noch. Privat hat er alles verloren. Sein Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben hat ihn isoliert. Jetzt steht er für sich allein.

Völlig überraschend ruft ihn ein alter Freund an und bittet ihn um ein heimliches Treffen an einem gottverlassenen Ort. Natürlich mitten in der Nacht.

„Du bist der Einzige, dem ich vertrauen kann.“ (S. 12) sagt der Freund.

Als Jonah zum Treffpunkt kommt, findet er vier Opfer eines Serienkillers. Recht schnell lernt er auf die harte Tour, was es bedeutet, einen Mörder bei seiner Arbeit zu stören. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kilay Reid: Such a Fun Age

Zwei Welten prallen aufeinander. Die dunkelhäutige Babysitterin Emira wird von einer Party zu einem nächtlichen Noteinsatz gerufen. Eine Scheibe ist zu Bruch gegangen, die weiße Alix möchte ihr Kind einfach aus dem Chaos heraushaben. Emira geht mit dem Kind wie so oft in den Supermarkt. Nachts. In Amerika. Eine farbige, zur Party gestylte Frau (ja, auch leicht angetrunken) mit einem weißen Kind an der Hand. Das geht (natürlich) nicht gut. Emira muss sich gegen den Vorwurf wehren, das Kind entführt zu haben, gerät mit dem Wachpersonal aneinander und muss schließlich den Vater zu Hilfe rufen („Er ist ein weißer alter Mann.“, herrlich). Das ist aber nur der Anfang der Geschichte.

Weder Emira noch Alix sind mit ihrem Leben zufrieden. Emira lässt sich mit Hilfsjobs treiben und möchte doch so gerne im Leben ankommen, wie all ihre Freundinnen. Alix bereut den Umzug aus New York, auch wenn sie theoretisch ihren Job auch von außerhalb machen könnte. Ihr Job ist, zu bekommen was sie will und anderen Frauen beizubringen, wie sie genau das erreichen. Klingt modern, ist es auch. Nur dass Alix sich außerhalb von New York langweilt. Das trägt auch dazu bei, dass sie ihren gesamten Ehrgeiz darauf ausrichtet, Emira zu helfen. Die gar keine Hilfe will, jedenfalls nicht die von Alix. Dazu kommt auch noch eine komplizierte Liebesgeschichte mit einem Mann, den beide kennen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Pankaj Mishra: Freundliche Fanatiker

„Man muss seine Feinde kennen, um sie besiegen zu können.“, sagte einst der chinesische General und Philisoph Sunzi. Zumindest auf der argumentativen Ebene erweist sich das Buch von Pankaj Mishra als gute Hilfe.

Als „freundliche Fanatiker“ bezeichnet der indische Autor die Ideologen des Neoliberalismus. Er beschreibt, wie sie den ideellen Unterbau des auf Freihandel und Gewinnmaximierung ausgerichteten Prinzips der Ökonomisierung und Globalisierung fast aller Lebensbereiche erdachten/erdenken und verbreiten. Selbst weitgehend im Hintergrund – ich kannte zugegebenermaßen kaum einen der genannten Autoren – liefern sie Politikern und Wirtschaftsvertretern die Argumente. Die Ideologie des Liberalismus wird als ultimative Lösung für die Menschheit dargestellt, sie beanspruchen die Deutungshoheit über unsere Wahrnehmung. Was nicht passt, wird weggelassen oder bis zur Unkenntlichkeit relativiert, Ungleichheit und Ausbeutung werden höchstens am Rande erwähnt und beschönigt.

Das Buch enthält Essays aus den Jahren 2011 bis 2020. Der Autor setzt sich mit den gängigen Narrativen westlicher Überheblichkeit auseinander, mit dem „Wir sind die Guten, also dürfen wir alles.“ Er ergänzt die weggelassenen, weil störenden Fakten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Wolf Harlander: 42 Grad

Deutschland erleidet eine nie dagewesene Dürre. Monatelang regnet es nicht und das bei großer Hitze. Europa trocknet aus. Hausbrunnen versiegen, in den Großstädten wird die Versorgung mit Trinkwasser reglementiert, der Rhein ist ein Rinnsal, wie alle anderen großen europäischen Flüsse auch. Wälder brennen, die Autobahnen sind nahezu unpassierbar, weil in der Hitze den Asphalt schmilzt. Unzählige Menschen versuchen in den Süden des Landes zu fahren, In Bayern fließt das Wasser noch regelmäßig aus den Hähnen. Schuld an der großen Wassernot ist das schon erwähnte „Jahrtausend-Hoch“ und ein Erdbeben mit Epizentrum in Italien, das tektonische Verschiebungen im Erdinneren verursacht, Wasserläufe verlegt und zum Versiegen gebracht hat.

Zwei Wissenschaftlern ist die Brisanz der Lage als Einzige bewusst: Elsa Forsberg, die als IT-Spezialistin und Daten-Analystin bei der europäischen Umweltagentur arbeitet, und Julius Denner, einem jungen Hydrologen. Beiden glaubt man an höchster Stelle in Brüssel aber nicht. Elsa hat als ehemalige Umweltaktivistin keine weiße Weste und sie gerät sogar in den Focus polizeilicher Ermittlungen. Zeitgleich eilt der Experte für Wasserwirtschaft Noah Luethy in ganz Europa von Wasserwerk zu Wasserwerk, weil die Versorgung zusammenzubrechen droht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Andreas Föhr: Unterm Schinder

Beim Versuch, seine attraktive Kollegin Lisa mit einer inszenierten Schießerei zu beeindrucken, entdeckt Polizeiobermeister Kreuthner von der Polizeidienststelle Miesbach in einem leerstehenden Bauernhof eine Frauenleiche. Diese wurde in einer Tiefkühltruhe versteckt. Es handelt sich um Carmen Skriba, Eigentümerin mehrerer Fitnessstudios. Sie wurde durch einen Kopfschuss getötet.

Kommissar Clemens Wallner macht sich mit seinem Team an die Ermittlungen und findet heraus, dass Frau Skribas Ehemann Gerry vor zwei Jahren ebenfalls erschossen wurde. Die geständige Täterin, eine Hausangestellte mit kriminellem Vorleben, sitzt hinter Gittern. Wallner eilt in die Justizvollzugsanstalt und erfährt in einigen Gesprächen mit besagter Hausangestellten interessante Details. Polizeiobermeister Kreuthner befragt inzwischen eingehend seinen Vater, der in zwielichtigen Kreisen alte Bekannte und auch noch eine Rechnung offen hat. Durch kuriose Verwicklungen findet sich Wallner als Drogendealer wieder, spielt plötzlich die Entführung einer Minderjährigen 1998 eine wichtige Rolle, führen alle Hinweise zu einer halbseidenen Autohändlerszene in Düsseldorf und muss ein abgeschlossener Fall gegen den zähen Widerstand des Staatsanwaltes neu aufgerollt werden. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jo Lendle: Eine Art Familie

Jo Lendle, Autor und zugleich Verleger des Carl Hanser Verlags, vermischt in seinem Roman „Eine Art Familie“ die Biographie seines Großonkels Ludwig Lendle mit fiktiven Elementen. Jener Ludwig Lendle (1899-1969), genannt „Lud“, war Pharmakologie-Professor, der zum Schlaf und zur Narkose forschte.

Konflikte und damit Würze in diesen Roman bringt zweierlei. Erstens: Lud ist ein Gegner der Nazis, während sein Bruder Wil ein glühender Anhänger des Regimes ist. Doch zugleich forscht Lud an der Wirkung von Giftgas. Welche Rolle er in dieser Funktion im Zweiten Weltkrieg spielt, wird nicht gänzlich klar.

Zweitens: Lud ist homosexuell, träumt immer noch von einer Begegnung mit einem Gerhard im Ersten Weltkrieg. Später jedoch lebt er mit zwei Frauen zusammen – seiner Haushälterin und seinem Patenkind Alma, das nur unwesentlich jünger ist als er selbst. Das ist die titelgebende „Art Familie“. Alma verliebt sich in Lud, hat jedoch – natürlich – keine Aussicht auf Erfolg. Dass das von vornherein klar ist, nimmt dem Roman viel von seiner Spannung. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Andrea Schomburg & Irmela Schautz: Der geheime Ursprung der Redensarten

Schon das im vergangenen Jahr erschienene Buch der beiden Verfasserinnen „Der geheime Ursprung der Wörter“ hat mich begeistert und wunderbar unterhalten. Nun bringen die Beiden einen weiteren Band heraus und das Vergnügen ist genauso groß.

Wir fragen uns doch alle hin und wieder, woher wohl die Redensart „Jemandem nicht das Wasser reichen können“ stammt oder welchen Ursprung der Spruch „Sich etwas hinter die Ohren schreiben“ hat. Wie im Vorgängerband bietet Andrea Schomburg jeweils vier mögliche Erklärungen für die Herkunft der Redensart. So kann die Leserin rätseln und grübeln, welche denn wohl die korrekte Herleitung ist. Die Fantasie der Autorin ist dabei offensichtlich grenzenlos, denn stets klingen alle vier Möglichkeiten plausibel, so dass man sich tatsächlich nicht entscheiden kann, welcher man den Vorzug gibt.

Die Lektüre dieser jeweils vier möglichen Ursprünge macht einen Heidenspaß und wenn man dann vielleicht aus dem Rätseln noch ein Gesellschaftsspiel macht, bereitet man nicht nur sich selbst eine unterhaltsame Zeit. Einen Extra-Spaß bieten die humoristischen Zeichnungen von Irmela Schautz, die jeweils die vier Erklärungen verknüpfen und wunderbar abgedreht sind. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: