Hala Kodmani: »Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen«

„… 1. Juni 2015

Baghdadi hat für die Provinz Rakka die allgemeine Mobilmachung ausgerufen. Also, meine Herren Daeschler, ich werde für euch beten! Aber nur, wenn ihr auch brav als Märtyrer sterbt und kein Einziger von euch übrig bleibt!“ (S. 129)

Zwischen August und Oktober 2015 wurde Ruqia von der IS hingerichtet. Weil sie insbesondere über die Unterdrückung und den Terror in Rakka bzw. Syrien auf Facebook berichtet hatte, wurde sie „Journalistin“ genannt und als gefährlich eingestuft. Denn ihre Berichte standen im Widerspruch zu den offiziellen Bekanntmachungen.

Hala Kodmani ist eine syrische-französische Journalistin, die im Rahmen ihrer Recherchen 2016 auf „Nissan Ibrahim“ aufmerksam wurde. Nissans umfangreiche Chronik beeindruckte sie so sehr, dass sie sich auf eine Spurensuche begab. Wer verbarg sich hinter dem Pseudonym Nissan, wie lebte und starb sie? Weiterlesen

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D. Graf & K. Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn, gelesen von N. West

Das Alter zwischen fünf und zehn Jahren ist, so die Autorinnen, ein immens wichtiger Entwicklungsabschnitt, dem in der Fachliteratur aber häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese Lücke wollen Danielle Graf und Katja Seide – Betreiberinnen des beliebten Blogs www.gewuenschtestes-wunschkind.de – mit dem vorliegenden Hörbuch schließen. Durch die bedürfnis – und beziehungsorientierte Erziehung, für die sie stehen, soll es möglich werden, dass innerhalb der Familie gleichermaßen auf die Bedürfnisse aller geachtet wird. Es geht darum,  Kompromisse einzugehen, sodass niemand zurückstecken muss. Wie das funktionieren kann zeigen sie kenntnisreich und unter Einbeziehung von Fachliteratur. Sie liefern anschauliche, sehr konkrete  und nachvollziehbare Praxisbeispiele basierend auf den Leserbriefen zu ihrem Blog.

Die Bedürfnis- und Beziehungsorientierung hat häufig einen schlechten Ruf. Ihr wird nachgesagt, die Kinder würden dadurch zu Tyrannen, zu Arschloch-Kindern herangezogen. Weiterlesen

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Genevieve Cogman: Das dunkle Archiv

Irene Winters beschafft für die unsichtbare Bibliothek Bücher. Manchmal rettet sie die Bibliothek auch, gemeinsam mit ihrem Drachenlehrling Kai. Dabei kann sie sich trotz aller Bemühungen nicht immer ganz an die Regeln halten. Deswegen wird sie zwar für ihre Leistungen hoch geachtet, aber von den Mitarbeitern der Bibliothek auch mit Misstrauen beäugt. Das Verhältnis der Bibliothek zu Drachen (und Elfen) ist ohnehin ambivalent, die Beziehungen brüchig. Gerade da tritt ein Drachen an Irene heran und möchte von ihr ein Buch besorgt haben. Für einen Wettbewerb, bei dem es um nichts weniger als einen begehrten Posten und, als Trostpreis für den Zweiten, den Tod geht. Irene weiß, dass sie nicht mit Drachen zusammenarbeiten darf, aber sie kann einen so mächtigen Drachen auch nicht einfach vor den Kopf stoßen. Und ganz sicher weiß sie, dass sie ihren Lehrling Kai aus der Sache heraushalten muß, denn als Drache und angehender Bibliothekar wäre er zweifach in eine Sache verwickelt, in die er überhaupt nicht verwickelt sein darf. Weiterlesen

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Alexander Schimmelbusch: Hochdeutschland

Ja! Ja! Ja! Und alle Sterne und meinetwegen den deutschen Buchpreis, oder was immer! Schiefelbusch ist es mit Hochdeutschland gelungen, die Absurdität unseres Daseins, unser Leben im Deutschland des Spätkapitalismus, den Widersinn unserer eigenen Vorstellungen, die Obszönität der Hure Geld, etc., endlich richtig zu verorten und klarzustellen. Wir leben in einer unglaublichen Dynamik, voller bescheuerter Ideologien und sonstigen Dummheiten und der Zug rast, voll mit frohgelaunten, feierwütigen deutschen Kegelbrüdern und quiekendem Wellfleisch auf Junggesellinnenabschied, dem Abgrund entgegen. Victor ist erfolgreicher Investmentbanker in einem Frankfurter Glaspalast und bleibt trotzdem auf wundersamer Weise das ganze Buch durch sympathisch.

Er reitet gekonnt auf hohem Ross durch das Durcheinander der deregulierten Märkte und der Sackgasse des Neoliberalismus und macht damit so unvorstellbar viel Geld wie auch jetzt wieder mit dem Gespür, dass was anders werden muss, bis hin zur verdeckten Verstaatlichung zum Beispiel der Energiewirtschaft. Weiterlesen

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Elizabeth H. Winthrop: Mercy Seat

Louisiana, 1943: Der junge Schwarze Willie ist angeklagt, weil er ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. Diese hat sich in der darauffolgenden Nacht umgebracht mit dem Revolver ihres Vaters. Nun steht Willies Strafe fest: Er soll auf dem elektrischen Stuhl, einer Neuheit im Strafsystem, sterben. In dem kleinen Örtchen sind die Meinungen über die Strafe geteilt. Der Pfarrer glaubt nicht, dass Willie wirklich schuldig ist. Auch die Ehefrau des anklagenden Anwalts ist skeptisch. Und ihr Sohn will unbedingt die Hinrichtung sehen. Willies Vater Frank will nur noch einmal seinen Sohn lebend sehen und dann seinen Grabstein aufstellen. Am Tag von Willies Hinrichtung treffen die verschiedensten Menschen aufeinander.

„Mercy Seat“ ist ein besonderes Buch. In den unterschiedlichsten Perspektiven entwirft die Autorin ein buntes, aber bedrückendes Bild verschiedenster Südstaaten-Leben in den 1940ern. Weiterlesen

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Marissa Landrigan: Fleisch essen für Vegetarier

In diesem Buch beschreibt die junge US-Amerikanerin Marissa Landrigan ihren Werdegang zur Vegetarierin und wieder zurück zur bewusst essenden Fleischkonsumentin. Dies allerdings unter der Prämisse einer möglichst ethisch korrekten, nachhaltigen Ernährungsform.

Betrachtet man nur den sachlichen Inhalt, liest sich dieses Buch so widersprüchlich wie sein Titel. Deshalb gleich vorneweg: Dies ist nur bedingt eine Lektüre für überzeugte Vegetarier und Veganer. Aber die Wankelmütigen und die Flexitarier werden in diesem Buch vieles finden, was interessant und richtungsweisend sein kann. Dass sich Landrigans persönliche Erzählweise sehr unterhaltsam liest verwundert nicht angesichts der Tatsache, dass sie an der Universität Pittsburgh Kreatives Schreiben unterrichtet und unter anderem für den „Atlantic“ schreibt.

Essen hatte einen traditionellen Stellenwert in Marissa Landrigans italienisch geprägtem Elternhaus. Bei der Nudelherstellung, die in eine regelrechte Zeremonie ausuferte, hatten alle Familienmitglieder, von den Großeltern bis zu den Kindern, ihre Aufgabe. Fleisch zu essen war eine Selbstverständlichkeit, die niemand hinterfragte. Weiterlesen

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Ray Celestin: City Blues Quartett 01: Höllenjazz in New Orleans

New Orleans, 1919: Eine Serie von Morden hält die Stadt in Atem. Immer wieder werden italienische Ladenbesitzer mit einer Axt gemeuchelt. Schnell glaubt die Polizei, den Täter in den Reihen der italienisch stämmigen Bevölkerung des multikulturellen Städtchens suchen zu müssen, als auch ein Deutscher sich in die Reihen der Opfer einreiht. Angst und Schrecken gehen um, Michael Talbot übernimmt die Ermittlungen bei der Polizei. Aber auch andere Personen in der Stadt haben ein Interesse an der Aufklärung, etwa die forsche junge Frau Ida Davis, die für ein Detektivbüro arbeitet, hier aber in eigener Sache und Neugier unterwegs ist. Luca d’Andrea war selbst einmal Polizist, gehörte aber auch der italienischen Mafia an und arbeitete im Hintergrund für sie, bis das mal schief ging. Dann war er jahrelang im Gefängnis. Nun ist er in der Stadt zurück und interessiert sich ebenfalls für die Mordserie.

„Höllenjazz in New Orleans“ ist ein klasse Buch, so viel nur vorweg. Ray Celestin fängt auf den Seiten perfekt die Stimmung in der Stadt ein, die von Jazzmusik geprägt ist und in der sehr viele Einwanderer aus den unterschiedlichsten, vor allem europäischen Ländern wohnen. Weiterlesen

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Ben Aaronovitch: Geister auf der Metropolitan Line

Die Pendler beschweren sich. Mehrfach. Lautstark. Die Londoner Metropolitan Line hat ein Problem. Pendler sind wichtig. Pendler sind regelmäßige Einnahmen. Pendler können dem Ruf der U-Bahn schaden. Pendler brauchen sich nicht von übergriffigen Geistern antatschen und anschreien zu lassen. Deswegen wird das Foley hinzugezogen und Peter Grant nimmt sich der Sache an.

Der neueste Aaronovitch hat nur einen Fehler: Er ist zu kurz. Verglichen mit den Vorgängern ist das Buch wirklich arg dünn. Darüber kann nur hinwegtrösten, dass im englischen Verlag bereits der Nachfolger für November 18 angekündigt ist, vielleicht ist dieser Roman deswegen so kurz geraten.  „Geister auf der Metropolitan Line“ führt Peters Nichte Abigail tiefer ins Geschehen ein und bietet ansonsten den üblichen Aaronovitch/Grant Humor, ich konnte allerdings nicht erkennen, dass er die Gesamtgeschichte um die historischen Magier und den gesichtslosen Mann deutlich weitergebracht hat. Trotzdem war es ein lustiges Lesevergnügen und lohnt sich für Fans der Reihe auf alle Fälle. Weiterlesen

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Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin

Im Vorwort erläutert Franziska Hauser, dass die Grundlage dieses Romans die Geschichte ihrer eigenen Familie ist. Die Ausgestaltung  entspringt ihrer persönlichen Sichtweise und ihrer Kreativität.

Es ist die Zeit der fünfziger Jahre, in denen die Ich-Erzählerin Tamara Hirsch in der ehemaligen DDR aufwächst. Bis in die achtziger Jahre folgen wir ihrem Weg und dem ihrer Familie. Die Autorin geht in der Familiengeschichte 120 Jahre zurück. Ihre jüdischen Wurzeln, Krieg und Nationalsozialismus haben die Hirschs geprägt.

So liest man von dieser ehemals angesehenen bekannten Familie mit dem hochgebildeten Großvater Friedrich Hirsch und den herrschaftlichen Verhältnissen im Großelternhaus. Wir erfahren von  den Herausforderungen, bzw. den sich immer weiter zuspitzenden gesellschaftlichen Problemen des Nationalsozialismus, denen Friedrich Hirsch sich stellen muss, bis er nach England ins Exil geht.

Tamaras Vater Alfred dagegen vertritt die gegenteilige politische Maxime seines Vaters. Er steht hinter Kommunismus und Sozialismus, was ihm durch seinen Sonderstatus, den er als Romanautor genießt, nicht schwer fällt. Weiterlesen

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James Abbott: Höllenkönig

Die Sonnenkohorte des Königs war legendär. Nur sechs Krieger umfasst die Eliteeinheit, aber was für ehrenhafte Kämpfer sammelten sich dort. Mit magischen Klingen ausgestattet, konnten sie ganze Heere besiegen, brachten den Unterdrückten, den Verzweifelten und Geknechteten Hoffnung, Freiheit und Frieden. Dann griffen sie versehentlich eigene Truppen an, das Gemetzel führte dazu, dass fünf von ihnen am Strick baumelten, ihr Anführer, der gefeierte Xavir Argentum, der eigentlich der nächste König werden sollte, wurde in das dunkelste Verlies geworfen, das sich finden ließ – die Höllenfeste bekam einen weiteren Häftling. Fünf Jahre sind seitdem vergangen, Xavir hat seine Strafe längst angenommen und als gerechtfertigt erkannt, hat sich in dem auf einem kargen, ewig kalten Berggipfel gelegenen Gefängnis einen Namen gemacht – hier kennt man ihn einzig als Höllenkönig. Dann wird er von seiner Vergangenheit eingeholt. Der einstige Meisterspion des Königs schleicht sich auf der Höllenfeste ein und bringt Nachrichten, schlechte Nachrichten. Weiterlesen

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