Susanne Matthiessen: Ozelot und Friesennerz

Dieses Buch ist den Inselkindern gewidmet, jenen Menschen, die auf Sylt zur Welt gekommen und untrennbar mit der Insel verbunden sind. „Ich bin und bleibe Teil einer bizarren Schicksalsgemeinschaft“, schreibt Susanne Matthiessen (Zitat S. 7). Eine Loslösung scheint unmöglich. Zu tief ist sie mit Sylt verwachsen. Dass die Insel ein Sehnsuchtsort für so viele und oftmals eine Art Kulisse ist, macht es nicht einfacher. Denn Sylt ist auch die Heimat der Inselkinder, eine Heimat, die sich durch den Tourismus in den letzten Jahrzehnten vielleicht stärker verändert hat als durch die Naturgewalten.

Susanne Matthiessen wurde 1963 auf Sylt geboren. Ihre Familie führte ein renommiertes Pelzgeschäft in Westerland. Jedoch: „Der Zeitgeist hat uns weggespült. […] Pelze sind nur noch dafür da, anderen den gesunden Menschenverstand abzusprechen und sich rückwärts zu gruseln.“ (Zitat S. 28) Das hindert die Autorin nicht daran, über Pelze und deren kunstvolle Verarbeitung zu schreiben. Alle Kapitel, ebenso der Prolog und der Epilog, handeln von verschiedenen Tieren respektive Pelzen. Mit Anekdoten hierzu führt die Autorin durch ihre Kindheit. Skurrile, berührende, lustige, nachdenklich machende Szenen reiht sie aneinander, erzählt von bekannten Persönlichkeiten, die bei Pelz Matthiessen einkauften und wie alles, wirklich alles, dem Dienst an den Gästen und Kunden untergeordnet wurde. Die Kinder blieben oft sich selbst überlassen. Keiner der Erwachsenen hatte Zeit, sich mit ihnen zu befassen, vor allem in der Hauptsaison. Die Erwartungshaltung war groß: Sie mussten funktionieren.

Das Buch eröffnet einen Blick darauf, wie damals wie heute ein verborgenes Netzwerk von Einheimischen den Laden am Laufen hält. Einige haben viel Geld verdient – doch um welchen Preis? Weiterlesen

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Sylvia Townsend Warner: Lolly Willowes oder Der liebevolle Jägersmann (1926)

Lolly Willowes ist Sylvia Townsend Warners Debütroman, den man als Ermunterung zur Unabhängigkeit und Eigenständigkeit alleinstehender Frauen des 19. Jahrhunderts werten kann.

Als die Protagonistin Laura Willowes geboren wird, schreiben wir das Jahr 1874. Sie wächst mit zwei älteren Brüdern in der Grafschaft Somerset, im Südwesten Englands auf. Ihr Vater Everard ist vernarrt in das Mädchen. Später, als sie im heiratsfähigen Alter ist, lebt ihre Mutter nicht mehr und das Mädchen vergleicht alle Verehrer mit dem Vater. Keiner der jungen Männer kann diesem Vergleich standhalten.

Nach dem Tod des Vaters zieht Laura zu ihrem älteren Bruder Henry und dessen Frau Caroline nach London. Ihre Nichte Fancy verpasst ihr den Namen Lolly und so lässt sie ihren alten Vornamen Laura zusammen mit ihrem vorherigen Leben in der Grafschaft zurück. Alle wohlgemeinten Versuche von Henry und Caroline, Lolly zu verheiraten, scheitern. Lolly passt sich dem Familienleben im Haus des Bruders an. Sie liebt die Botanik, kauft gerne exotische Blumen, doch ihre Gedanken gehen ganz andere Wege. Der Geruch von Buchenzweigen, die sie geschenkt bekommt, inspirieren ihre Fantasie und von da an will sie unbedingt weg von London und in den unbedeutenden kleinen Ort Great Mop, in die Chiltern Hills  wegziehen. Damit möchte Lolly sich verwirklichen, sich den Einschränkungen in der Familie ihres Bruders nicht länger unterwerfen, vor allem aber will sie sich der männlichen Dominanz und Präsenz von Bruder und Neffe entledigen. Weiterlesen

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Gallert & Reiter: Todestreue

Nun liegt der dritte Band des  Autorenduos Gallert/Reiter und ihrem Protagonisten, dem Polizeiseelsorger Martin Bauer vor. Die Autoren habe „ihre“ Nische im Krimigenre gefunden. Ein ermittelnder Polizeiseelsorger ist ja auch ein Alleinstellungsmerkmal. Drei Fälle in drei Jahren darf man mit Fug und Recht eine intensive Schaffensphase nennen. Der Erfolg wird die Autoren beflügelt haben.

Das Autorenduo bringt viele verschiedene Kompetenzen ein: Peter Gallert kam 1962 in Bonn zur Welt. Sein Germanistikstudium brach er ab, jobbte stattdessen unter anderem als Bauarbeiter oder Nachtportier und spielte Theater. Er schrieb für die Jerry-Cotton-Reihe und verfasste viele Drehbücher für Fernsehserien. Jörg Reiter ist 1952 in Düsseldorf geboren. Er studierte Ethnologie und Malaiologie, aber auch Film- und Fernsehwissenschaften. Heimisch ist er in allen Fachgebieten: Er absolvierte Feldforschungen und promovierte als Ethnologe, arbeitet aber auch seit zwei Jahrzehnten als Drehbuchautor. Als Autorenduo schreiben die beiden zusammen Kriminalromane. Nach Kurzgeschichten verfassten sie 2016 mit „Kopfjagd“ ihren ersten Roman.

Mit der Figur des Martin Bauer hat das Autorenduo einen spannungsreichen Protagonisten geschaffen, der viel Entwicklungspotential in sich birgt. Hierzu gehört, dass sich Bauer eine Auszeit nimmt und sein Recht auf Elternzeit in Anspruch nimmt. Weiterlesen

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Volker Jarck: Sieben Richtige

Der deutsche Autor Volker Jarck schreibt in seinem Debütroman „Sieben Richtige“ über die Leben mehrerer Menschen, die sich zwischen Bochum, Köln und Boston immer mal wieder begegnen. Ein solches Romankonstrukt findet sich auch in den Werken etwa von Kent Haruf oder Elizabeth Strout.

Da ist zum Beispiel die kleine Greta, die beim Fahrradfahren einen schweren Verkehrsunfall erleidet und damit auch das Leben ihrer Eltern Kathy und Roland aus der Bahn wirft. Oder Victor und Marie Faber: Er besucht seinen Sohn Nick, der in Amerika erfolgreich Baseball spielt, während sie sich scheiden lassen will und eine Krebsdiagnose erhält.

Auf der ersten Seite des Romans werden allein 21 Figuren aufgezählt, die ihn bevölkern. Und das ist viel – gelegentlich zu viel, um als Leser noch den Überblick zu behalten, zumal Jarck auch zeitlich wild durch die Jahrzehnte springt. Mal befinden wir uns in den 80er-Jahren des vorigen, mal in den 30er oder 40ern des aktuellen Jahrhunderts – mit Sprüngen immer nach wenigen Seiten. Weiterlesen

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Torsten Körner: In der Männer-Republik – Wie Frauen die Politik eroberten

Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam, als ich das Buch von Torsten Körner in Händen hielt, war: Wieso schreibt ein solches Buch ein Mann? Mein Sohn stellte dann genau dieselbe Frage, als er das Buch bei mir liegen sah.

Ja, wieso wurde das Buch, das so wichtig und richtig ist, von einem Mann geschrieben? Ich habe keine Ahnung, ob es ähnliche Bücher schon gibt, die von Frauen verfasst wurden, falls ja, kenne ich sie nicht. Im Laufe der Lektüre schwankte ich dann immer wieder hin und her, ob es tatsächlich richtiger, besser wäre, ein solches Thema durch die Feder einer Frau zu be-schreiben. Vermutlich wäre ein „neutrales“ Geschlecht der perfekte Verfasser eines Buches über den Kampf der Frauen gegen die Vorherrrschaft der Männer in der Politik. Da es das aber leider bekanntlich nicht gibt, ist es gut, dass es überhaupt geschrieben wurde, dieses Buch.

Torsten Körner, Journalist und Autor, zeichnet verantwortlich für einige Bestseller-Biographien sowie für die Dokumentarfilme „Angela Merkel – die Unerwartete“ und „Drei Tage im September“, der für den Deutschen Fernsehpreis nominiert war. Man darf also mit Fug und Recht davon ausgehen, dass er sein Handwerk  versteht und den Beweis erbringt das vorliegende Buch auf jeder Seite.

Die Recherchen, die erforderlich waren, um so fundiert über die Frauen im Parlament der Bundesrepublik berichten zu können, müssen enorm gewesen sein. Der Autor zitiert beispielsweise aus unglaublich vielen Debatten im Plenum, noch zu Bonner Zeiten wie auch bereits im Reichstag in Berlin. Die Schilderungen, welchen Angriffen, Verunglimpfungen und welchem Hohn und Spott Frauen im Bundestag besonders zu Beginn, in den 50er und 60er Jahren, aber durchaus auch heute noch, ausgesetzt sind, haben mir bei der Lektüre mehrmals die Zornröte ins Gesicht getrieben. Weiterlesen

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Hanne Ørstavik: Milano

Val und Paolo lernen sich in Oslo bei einer Ausstellung kennen, in der Val zum ersten Mal ihre Zeichnungen der Öffentlichkeit präsentiert. Die junge Norwegerin hat zwar Architektur studiert, aber alles, was sie tun möchte, ist zeichnen. Paolo spricht sie an. Er hat etwas in Vals Bildern gesehen, das ihn berührt, das ihn die Kunst mit anderen Augen sehen lässt und das ihn neugierig auf die Künstlerin macht. In seinem Beruf als Kurator einer großen Galerie, die zum Teil im Besitz seiner Familie ist, muss er die Kunst als Geschäft betrachten. Es geht darum, ihren Marktwert einzuschätzen, zu steigern und sie zu verkaufen.

Schnell werden die beiden ein Paar und Val zieht zu Paolo nach Mailand, um bei ihm zu sein. Val ist gerne mit Paolo zusammen, doch sie fragt sich, ob sie ihn liebt. Denn sie nimmt keine Gefühle in sich wahr, weiß nicht, ob sie vielleicht liebt, ohne es zu wissen, weiß nicht, wie sich Gefühle anfühlen. Außer der Angst und dem Nein – was sie nicht will, ist ihr bewusst, aber nicht, was sie will. Das Zusammensein mit anderen strengt sie an, vor allem, wenn es leer und still ist, wenn nichts zu tun ist, wenn es keinen Plan gibt. Auch wenn sie bei Paolo eine Ausnahme macht, bleibt die Unsicherheit: Was sieht er in ihr? Liebt er sie wirklich? Warum lässt er sich nicht von seiner Frau scheiden, von der er schon seit 10 Jahren getrennt lebt? Was, wenn er Val verlässt, ihrer überdrüssig wird? Weiterlesen

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Tom Barbash: Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens

Tom Barbash, ein US-amerikanischer Autor siedelt seinen Roman „Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ Ende der 70er-Jahre in Manhattan an. Adam Winter versucht, die Karriere seines Vaters Buddy, eines Showmasters, wieder in Gang zu bringen. Der hatte eine Art Nervenzusammenbruch und hat mitten in einer Live-Sendung das Studio verlassen. Nun jedoch möchte er wieder arbeiten. Die Familie lebt im berühmten Dakota-Building, wo zahlreiche Prominente wie die Filmschauspielerin Lauren Bacall oder Beatle John Lennon mit Yoko Ono wohnen. Auch für den Horrorfilm „Rosemary’s Baby“ diente das Gebäude als Kulisse.

Man liest diesen Roman locker weg und freut sich an den zeitgeschichtlichen Einsprengseln, zum Beispiel an der Präsidentschafts-Kandidatur Ted Kennedys, für die sich Adams Mutter engagiert, an der Samstagsabends-Show mit der amerikanischen Fernseh-Legende Johnny Carson, an den vielen Prominenten wie Katherine Hepburn, die in den verschiedenen Fernseh-Shows ihre Geschichten erzählen, und natürlich an John Lennon, mit dem Adam einen gefährlichen Segeltörn unternimmt Weiterlesen

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Mary Adkins: Wenn du das hier liest

Die Idee, einen Roman in Form eines Mail-Austauschs zu schreiben ist nicht neu. Man denke nur an den wunderbaren Roman von Daniel Glattauer. Und obwohl der Roman von Mary Adkins mit „Gut gegen Nordwind“ von Glattauer nicht vergleichbar ist, hat mir das Buch doch gefallen.

Iris Massey stirbt mit Anfang Dreißig an Krebs. Sie hat in der Zeit vor ihrem Tod einen Blog über das Sterben geschrieben. Ihr Arbeitgeber und Freund Smith Simonyi, der nach wie vor gefühlvolle Mails an Iris schreibt, findet durch Zufall einen Hinweis, dass Iris sich gewünscht hatte, dass er diesen Blog nach ihrem Tod veröffentlicht.

Jade, die ältere Schwester von Iris, leidet fürchterlich unter deren Tod. Sie kompensiert das durch Recherchen, um den behandelnden Ärzten einen Kunstfehler bei der Therapie ihrer Schwester nachweisen zu können. Jade ist Starköchin in einem Sternerestaurant, kündigt jedoch ihre Stelle, weil sie glaubt, sich um ihre Mutter kümmern zu müssen. Jade ist nun strikt gegen eine Veröffentlichung des Blogs ihrer Schwester. Aus ihrem Widerspruch entwickelt sich ein reger Mailaustausch zwischen ihr und Smith. Weiterlesen

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Miso Umeda: Uns trennen Welten

Owada ist ein ganz normaler Durchschnittstyp ohne besondere Vorzüge. Als Liebhaber von Videospielen zählt er zum Fußvolk der Schule, ganz anders als der Schulprinz Kato. Überzeugt davon, dass Kato nicht einmal seinen Namen kennt, treten die beiden gemeinsam ihren Putzdienst an. Doch anders als erwartet, kennt Kato Owadas Namen und die beiden kommen sich näher. Schnell bemerkt Owada seine Gefühle für Kato und verteidigt ihn, als Mimisaka, ein anderes Mitglied der Elite und Katos Sandkastenfreund, über ihn herzieht. Nachdem Owada darauf hin zusammengeschlagen wird, begleitet Kato ihn zum Sanitätsraum der Schule und wird dort von ihm verarztet. Kato bemerkt die Gefühle seines Klassenkameraden schnell und es kommt zum Kuss. Doch damit nimmt das Schicksal erst seinen Lauf, denn was kann schon aus einem Schulprinzen und einem Durchschnittskerl werden?

Uns trennen Welten ist ein One Shot Manga aus dem Hause Egmont Manga und hat mich leider ein wenig enttäuscht. Die Geschichte an sich ist schön gemacht, allerdings finde ich sie ein wenig schwach. Die Charaktere sind flach und ich konnte keine Bindung zu ihnen aufbauen. Owada ist unbeholfener als jede reale Person es sein könnte und nimmt jedes Fettnäpfchen mit. Kato ist kalt und abweisend, was zum Teil durch ein schwammig beschriebenes Kindheitstrauma begünstigt wird. Beide Charaktere stellen im einen Satz fest, dass sie homosexuell sind, gefolgt von der Idee sich zu küssen und nun ein Paar zu sein. In meinen Augen ist dies sehr unlogisch und absolut nicht authentisch. Weiterlesen

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Satoru Yamaguchi: My next life as a villainess

Catarina Claes ist acht Jahre alt und führt das Leben einer verwöhnten Göre. Doch die Dinge ändern sich, als sie stürzt und ihre Erinnerungen zurückkehren. Einst war sie ein 17-jähriges Mädchen, welches ihre Zeit am liebsten mit Anime, Mangas und Videospielen verbrachte. Doch bevor sie ihr letztes Game, Fortune Lover, zu Ende spielen konnte, verstarb sie bei einem Verkehrsunfall. Jetzt lebt sie als Herzogstochter in einer mittelalterlichen Welt.

Nach und nach stellt Catarina fest, wie sehr diese Welt, der des Spieles Fortune Lover ähnelt. Sie trägt den gleichen Namen, wie die fiese Antagonistin, hat die gleiche Narbe auf der Stirn und ist mit dem gleichen Prinzen verlobt…

Auf den vier möglichen Routen im Spiel, steht für Catarina auf zwei der Tod oder die Verbannung bevor, sollten die zu erobernden Charaktere sich in die Protagonistin verlieben. So bleibt ihr nur eine Sache zu tun: Sie muss dafür sorgen, dass das Spiel einen anderen Lauf nimmt. Weiterlesen

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