Tobias Goldfarb: Niemandsstadt

Manchmal weiß Josefine nicht, ob sie sich gerade in der Niemandsstadt befindet oder in der Wirklichkeit. Schon lange Zeit muss sie nicht mehr extra einschlafen, um nach „Drüben“ zu gelangen. In der Regel erkennt Josefine recht schnell, ob sie sich in der Niemandsstadt befindet. Hier ist alles möglich: Feen fliegen durch die Luft, Zentauren feiern ausgelassen mitten auf der Straße einen Junggesellenabschied, Wasser fließt nach oben oder es passiert etwas anderes Verrücktes.

Verrückt scheint auch Josefine zu sein, die wie ein Junge aussieht und die deshalb von ihren Klassenkameraden Josef gerufen wird. Oder, wie Eli es ausdrückt, ein Wesen aus dem 19. Jahrhundert zu sein scheint. Fein (von FINE in Josefine) besitzt zwar ein Smartphone, aber es ist so zerbeult und alt, dass es eigentlich in ein Museum gehört statt in die Hand eines Teenagers. Josefine ist nicht einmal bei Magick angemeldet, dem beliebten Instant-Messaging-Dienst.

Eli ist die beste Freundin von Josefine, wahrscheinlich auch die einzige in der Wirklichkeit. Obgleich Elisabeth, wie sie richtig heißt, das genaue Gegenteil von Fein ist. Eli ist auf jeder Social Media-Plattform unterwegs und stets auf der Jagd nach möglichst vielen Followern. Weiterlesen

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Dennis E. Taylor: Outland 01: Der geheime Planet

Ich spoilere jetzt einmal ganz bewusst. In Yellowstone National Parc explodiert ein Super-Vulkan – das letzte Mal, dass ein solches Ereignis die Erde heimsuchte, als Toba explodierte, kostete die Eruption der Asche und des Staubs diversen Spezies die Existenz und leitete einen Klimawandel ungeheueren Ausmaßes ein. Auch dieses Mal hat die herrschende Spezies, der Mensch, kaum eine Chance. Da ist es gut, dass vier umtriebige Studenten just zu diesem Zeitpunkt eine umwerfende Entdeckung machen. Sie und rund dreihundert Kommilitonen fliehen in einer Parallel-Welt. Ihre Erde hat scheinbar dieselben historischen Bewohner gesehen – sie stoßen auf Säbelzahntiger, Pterodactyl und Land-Dinosaurier – nur der Homo Sapiens, beziehungsweise dessen Vorgänger fehlen. Eigentlich paradiesische Zustände, wenn ja wenn es nicht immer wieder zu Störungen der Idylle von innen kommen würde …

Der frühere Self-Publisher, der in Kanada lebende Dennis E. Taylor hat mit seiner ebenfalls bei Heyne erschienen Bobiverse-Trilogie auf sich aufmerksam gemacht. Dem Dreiteiler folgte mit „Singulärfalle“ eine veritabler New York Times Bestseller. Heyne legt nun, die Nachfrage verlangt nach mehr, Taylors Debutroman vor. Wer nun aber meint, dass der Roman mit dem „12 Uhr Mittags in All“ alias „Outland“, der mit Sean Connery in der Hauptrolle verfilmt wurde zu tun hat, wer einen Bezug zum gleichnamigen PC-Game sucht, der wird das Buch enttäuscht zuklappen – manch anderer Leser vielleicht auch. Weiterlesen

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Meg Wolitzer: Das ist dein Leben

Die amerikanische Erfolgs-Autorin Meg Wolitzer beschreibt in ihrem Roman „Das ist dein Leben“ den Werdegang dreier Frauen im Amerika der 70er-Jahre. Da ist zunächst die stark übergewichtige Dottie Engels, ein Comedian-Star, der auf der Bühne Witze über das Dicksein reißt. Und da sind ihre beiden Töchter Erica und Opal, die mehr von Babysittern erzogen werden als von der eigenen Mutter, die sie häufiger im Fernsehen sehen als zu Hause.

Besonders Erica, die ebenfalls zum Übergewicht neigt, leidet als Teenager unter der Situation.

Später ändert sich vieles. Dotties Stern verblasst mehr und mehr, sie erhält nur noch Engagements für Werbespots. Erica und Opal gehen eigene Wege, die nicht immer gradlinig und positiv verlaufen. Sie verlieben und entlieben sich – bis ein einschneidendes Ereignis die kleine Familie wieder zusammenrücken lässt.

​Meg Wolitzer schreibt – auch in ihren anderen Romanen – ausgesprochen geschmeidig ohne Ecken und Kanten. Störende Rückblenden, allzu verschachtelte Handlungskonstruktionen oder eine unübersichtliche Vielzahl von Figuren findet man bei ihr nicht. Man genießt ihre Bücher wie einen süffigen Wein, blättert Seite um Seite um und verfolgt mit großem Lesegenuss das Schicksal ihrer drei Hauptfiguren.  Weiterlesen

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Erich Kuby: Rosemarie (1958)

1958 veröffentlichte Erich Kuby seinen Roman Rosemarie, der inhaltlich anders gewichtet ist als seine Verfilmung. Im Zentrum steht Rosemaries Geschichte, die im Deutschland der Nachkriegszeit, einer Zeit des Aufbruchs und des anwachsenden Wohlstands geschah und in der Presse 1957 für viel Wirbel sorgte. In seinem Vorwort schreibt Erich Kuby, dass es ihm weniger darum ging ein Kunstwerk zu schaffen. Er wolle „… eine Erschütterung des Ansehens, welches die Rosemarie-Kunden als Leitbilder unserer Gesellschaft skandalöserweise genießen …“ (S. 10)

Es gibt viele Rosemaries, die keiner beachtet und unbeachtet ihr Leben verlieren. Die eine, über die der Autor schreiben musste, erfuhr über einen Zufall ihren sensationellen Aufstieg, den einflussreiche und vermögende Kunden förderten. Parallel hierzu beschreibt Erich Kuby die Machenschaften einiger Bonzen, die in die Rüstungsindustrie einsteigen wollten. Die Dynamik der Gier und das Streben nach Macht entfachten ein durchtriebenes Spiel, in dem Rosemarie unter anderem als Lockvogel eingesetzt wurde.

Erich Kuby (1910 – 2005) wurde posthum mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet. Der Chronist der Bundesrepublik Deutschland pflegte in seinen Büchern gesellschaftliche Missstände zu kritisieren. Nach der Verfilmung schrieb er mit schneller Hand das Buch Rosemarie und traf damit eine neue Perspektive auf die Rollenbilder erfolgreicher Geschäftsmann und starker junger Frau, die eine Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe pflegten. Weiterlesen

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Lisa Moore: Fremde Hochzeit: Erzählungen

Die Kanadierin Lisa Moore (Jahrgang 1964) ist Schriftstellerin. Ihre Bücher werden hierzulande im Münchner Carl Hanser Verlag veröffentlicht. So auch „Fremde Hochzeit“, ein Buch mit elf Erzählungen, das am 21. September 2020 in einer Übersetzung von Kathrin Razum erschienen ist. Darin finden sich Eleanor und Philip in der Titelgeschichte „Fremde Hochzeit“ auf einer Party anlässlich der Hochzeit von Constance mit Ted wieder. Bei viel Alkohol und dem Erzählen bedeutender Lebensmomente überlegt die Drehbuchschreiberin Eleanor mit einem der Gäste zu schlafen, während ihr Ehemann Philip mit Amelia Kerby aus British Columbia flirtet. Oder die Geschichte von Donna und Cy, in der er sie während der Schwangerschaft mit Marie betrügt.

In „Liebende, mit der Intensität, die ich meine“ trifft Jim Marissa während eines Schneesturms in einem Supermarkt wieder. Die beiden waren einst ein Paar. Jim ist mit Jillian verheiratet und Marissa hat gerade Angus, ihren Lebenspartner, verloren.

Während ihrer Schulzeit wird Melody von ihrer Freundin zu einer Abtreibung begleitet. Jahre später taucht sie unerwartet wieder bei ihr auf. Weiterlesen

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Richard Ford: Irische Passagiere: Erzählungen

Der US-amerikanische Schriftsteller Richard Ford (Jahrgang 1944) hat uns 1995 den „Unabhängigkeitstag“ beschert und wurde dafür mit dem Pulitzer Prize geehrt. Es folgten zahlreiche erfolgreiche Romane und Kurzgeschichten. Richard Ford gilt als bedeutender, zeitgenössischer Autor der US-amerikanischen Literatur. Seine Geschichten zeichnen Bilder des Alltags in den Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Figuren sind die ganz normalen Leute, oft Männer, die mittelmäßig erfolgreich ihr Leben leben. So auch in den neuen Erzählungen „Irische Passagiere“, die am 21. September 2020 in einer Übersetzung von Frank Heibert bei Hanser Berlin erschienen sind. Darin finden sich neun Erzählungen, die von Menschen handeln, die sich den Unwägbarkeiten des Lebens stellen müssen.

In „Nichts zu verzollen“ trifft der verheiratete Anwalt Sandy McGuinness seine Studentenliebe Barbara nach vielen Jahren in New Orleans wieder und widersteht nur knapp der Versuchung, mit ihr ins Bett zu gehen.

Happy (Bobbi) Kamper, die Bildhauerin, beklagt in der gleichnamigen Geschichte den Tod ihres Lebensgefährten Mick Riordan. Dazu besucht sie ehemalige gemeinsame Freunde in Maine. Aber findet sie wirklich Trost bei ihnen?

Henry Hardings Vater stirbt. Der Junge ist sechzehn und ziemlich verlassen. In der Schule hat er keine Freunde und seine Mutter ist mit ihrer Trauer beschäftigt. Dann lernt er Niall MacDermott von gegenüber kennen. Er glaubt einen Freund gefunden zu haben. Weiterlesen

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Andreas Wagner: Jahresringe

Schon wieder ein erstaunliches Debüt. Andreas Wagner, der aus der Region stammt, über die er schreibt, erzählt uns eine Geschichte über Flucht und Vertreibung, über Heimatverlust und Heimatsuche und er erzählt die Geschichte des Braunkohletagebaus zwischen Aachen und Köln. Der Autor hat dabei einen ganz eigenwilligen Stil, manchmal tiefgründig, manchmal mystisch, mal skurril und mal hochspannend.

Leonore Klimkeit flieht in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs „so weit nach Westen wie möglich“. Sie gibt vor, 21 Jahre alt zu sein, obgleich sie viele Jahre jünger ist, als sie Ostpreußen verlassen muss und schließlich nach einer zwei Jahre währenden Flucht in dem kleinen Ort Lich-Steinstraß in der Nähe von Jülich landet. Trotz der sehr heftigen und viele Jahre anhaltenden Ablehnung durch die Dorfbewohner als „Flüchtling“ findet sie Aufnahme bei Hannes Immerath und seiner Mutter. Hannes, oder Jean, wie er genannt wird, ist der Bäcker des Dorfes. Im Laufe der Jahre übernimmt Leonore nach und nach die Arbeit von Jean und erbt schließlich seinen Laden und die Backstube.

Sie bringt einen unehelichen Sohn, Paul, zur Welt, was zu noch mehr Ausgrenzung im Ort führt. Leonore fühlt sich so richtig heimisch nur, wenn sie im Wald ist. Der riesige und uralte Bürgewald schenkt ihr Geborgenheit und Zuflucht. Hier kann sie träumen und „schweben“, hier findet sie Ruhe und Kraft. Weiterlesen

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Dani Atkins: Wohin der Himmel uns führt

Wer die Bücher von Dani Atkins liest, weiß, was sie erwartet. Wer die Bücher von Dani Atkins liest, weiß, dass sie Taschentücher brauchen wird und dass es rührselig zugehen wird. So auch in diesem neuen Roman, in dem sich die Autorin ein wirklich heikles Thema vorgenommen hat.

Die Geschichte wird erzählt aus den Perspektiven der beiden jungen Frauen Izzy und Beth. Beth hat vor einigen Jahren ihren geliebten Mann Tim durch Krebs verloren. Bevor er starb haben sie drei Embryonen kryokonserviert, damit sie auch dann Kinder bekommen könnten, falls er durch die Krebsbehandlung unfruchtbar würde. Zwei Versuche sind bisher fehlgeschlagen, als Beth nun den Entschluss fasst, den dritten verbliebenen Embryo austragen zu wollen.

Izzy, deren Mann Pete vor kurzem ausgezogen ist, weil es in ihrer Ehe kriselt, ist eine überbesorgte Mutter und behütet den 8-jährigen Sohn Noah wie ihren Augapfel. Auch Izzy und Pete hatten Embryos eingefroren, aus einem von ihnen ist Noah entstanden.

Als Beth in der entsprechenden Klinik vorstellig wird, entdeckt man dort einen schweren, vor Jahren geschehenen Fehler: Die Embryos waren vertauscht worden, und Beths Kind war von Izzy ausgetragen worden. Es wuchs seit 8 Jahren bei Izzy und Pete als deren Sohn heran. Weiterlesen

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Agatha Christie: Das fehlende Glied in der Kette: Poirots erster Fall (1920)

Eigentlich sollte Hastings sich auf dem Anwesen seines alten Freundes John Cavendish von seinem Einsatz im Krieg ausruhen. Doch kaum angekommen überschlagen sich die Ereignisse: Die wohlhabende Witwe Emily Ingleothrop, Stiefmutter von Hastings Freund John und dessen Bruder, stirbt in ihrem Bett an unerklärlichen Krämpfen. Als herauskommt, dass sie vergiftet wurde, scheint die Sache sofort klar: Der Täter muss der neue und sehr viel jüngere Ehemann sein. Der Ansicht sind zumindest alle Bewohner des Hauses. Doch wie bald herauskommt haben sie selbst ebenfalls alle ein Motiv für den Mord und Scotland Yard glaubt kurz darauf, den wahren Mörder erkannt zu haben.

Hercule Poirot, der zur rechten Zeit am rechten Ort war, hat seine ganz eigenen Theorien zu dem Fall. Ihm fehlt jedoch ein wichtiger Hinweis, das fehlende Glied in der Kette, ohne das auch er Schwierigkeiten hat, hinter die mysteriösen Zusammenhänge des Mordes zu kommen. Für ihn deutet alles darauf hin, dass Mrs. Inglethorp nicht an diesem Tag hatte sterben sollen.

Ein unerklärliches Rätsel stellt vor allem das Gift dar. Zwar starb Mrs. Inglethorp nachweislich daran und ihr Kaffee hätte mit Leichtigkeit vergiftet werden können, doch unerklärlicherweise stirbt sie sehr viel später, als Gift im Kaffe es bewirkt haben könnte. Die Frage ist also nicht allein, wer Mrs. Inglethorp tötete, sondern auch, wie sie starb. Weiterlesen

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Rainer Wekwerth: Beastmode 02: Gegen die Zeit

Sie wurden vom amerikanischen Präsidenten ausgesandt, als er nicht weiterwusste. Fischschwärme verschwinden spurlos, ein Tor zu einer anderen Dimension scheint sich mitten im Meer geöffnet zu haben. Der Welt droht eine Hungerkatastrophe vernichtenden Ausmaßes. Im ganzen Land suchte und fand der Geheimdienst SCF Bewohner, der anderen, der ungewöhnlichen Art. Ein am ganzen Körper tätowierter Knacki, der die Zeit anhalten kann, eine Blondine, deren Körper zur Hälfte eine Maschine ist, ein Junge, der einen unsichtbaren Schutzengel hat, eine alt-ägyptische Göttin und ein vor zwei Jahrhunderten beschworener Dämon sollen in die Blase eintauchen und das Geschehen mit allen Mitteln stoppen.

Durch das Dimensionstor gelangten die Fünf im ersten Teil tief in die Vergangenheit – und fanden sich im alten Ägypten und zur Zeit der französischen Revolution wieder. Anschließend machen sie sich nun auf in die Schweiz zur CERN-Forschungsstation, dann ins Jugendheim – zunächst einmal müssen unsere Agenten schließlich dafür sorgen, dass sie ihre besonderen Kräfte überhaupt erhalten. Dann geht es in die Zukunft – hier finden sie nicht nur den Grund für das Verschwinden der Meeresbewohner, sie stoßen auch auf eine Erde, die nicht mehr wirklich lebenswert ist …

Die fünf Jugendlichen, die die Welt retten sollen, kommen dabei weder mit sich, noch mit ihren Gefühlen klar. Animositäten, emotionale Anziehung und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt belasten sie zusätzlich. Wird es ihnen allen Widerständen zum Trotz gelingen, die Welt zu retten? Weiterlesen

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