Elizabeth Strout: Alles ist möglich

Die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle bildet die amerikanische Autorin Elizabeth Strout in ihrem neuesten Werk „Alles ist möglich“ ab: Hass, Liebe, Neid, Wut, Einsamkeit, Verbitterung und vieles mehr. Dabei ist der Text weniger ein Roman als vielmehr eine Geschichten-Sammlung, wobei die Menschen, die in den jeweiligen Abschnitten im Mittelpunkt stehen, sich mehr oder weniger kennen oder miteinander verwandt sind. Sie alle leben in oder um die (fiktive) amerikanische Kleinstadt Amgash in Illinois (USA), „einem Kaff zwischen Mais- und Sojabohnenfeldern“, wie es im Klappentext heißt.

Wir lernen zum Beispiel Dottie kennen, die allein eine Frühstückspension betreibt und an den Türen ihrer Gäste lauscht. Einmal hört sie dabei Dinge über sich selbst, die wenig schmeichelhaft sind – oder Patty, die wegen ihrer Leibesfülle in ihrem Umfeld nur „Fatty Patty“ genannt wird. Eine ihrer Schülerinen beleidigt sie aufs Übelste und bezichtigt sie der Frigidität – und trifft damit in gewisser Weise ins Schwarze.

Eifrige Strout-Leser treffen sogar eine Figur wieder, die bereits in einem früheren Roman der 1956 gebornen Autorin vorkommt: die Schriftstellerin Lucy Barton. Als Kind extrem arm und in der Schule schwer gehänselt, ist sie später die Einzige, die sich aus dem Kleinstadtmilieu befreien kann. In „Die Unvollkommenheit der Liebe“ erhält sie erstmals nach Jahren Besuch von ihrer Mutter, nun macht sie sich selbst auf den Weg in den Ort ihrer Kindheit – mit bescheidenem Erfolg.

Vielleicht ist es überinterpretiert, aber vielleicht auch nicht, wenn man dieses Buch als eine Art Erklärungsversuch für die Erfolge Donalds Trumps gerade in den ländlichen Gebieten der USA deutet – wo Menschen leben, die sich abgehängt fühlen und wenig mit den Vertretern gebildeterer Schichten anfangen können, wie man sie eher in den Großstädten trifft. Empfehlenswert!

Elizabeth Strout: Alles ist möglich.
Luchterhand Literaturverlag, November 2018.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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