Sarah Klymkiw & Kim Hankinson: Make Fashion Better

Was würde geschehen, wenn jeder beim Kauf eines T-Shirts wüsste, dass hierfür circa 2.700 Liter Trinkwasser verbraucht worden sind? Sollte dieses Kleidungsstück für ein paar Euro über die Ladentheke gehen, hat man auf der einen Seite ein Schnäppchen gemacht. Auf der anderen Seite trägt die Käuferin, der Käufer vermutlich minderwertige Ware nach Hause, die schnell unansehnlich und nach ein paar Mal Waschen weggeworfen wird. Für die Autorin Sarah Klymkiw und die Künstlerin Kim Hankinson war es aus diesem Grund eine Herzensangelegenheit, ein Buch über Mode zu gestalten, in dem Kreativität und ein schonender Umgang mit den Ressourcen vorgestellt wird. Bereits auf der Innenseite des Einbandes findet sich ein Zitat der Autorin, das die Lesereise beschreibt:

„Wir können gemeinsam die Welt verändern, indem wir unsere Kleidung ändern.“

Wie dies funktioniert, wird unter anderem in den Kapiteln Kleiderpflege, Reparatur und neue Gestaltung beschrieben. Ob Kleidung mit anderen Materialien geschmückt wird oder neue Kombinationen entstehen, hängt von der Kreativität der Gestalterin, des Gestalters ab. Dies setzt natürlich Kenntnisse in der Handarbeit voraus. Weiterlesen

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Glennon Doyle: Ungezähmt

Hinter dem Titel Ungezähmt verbirgt sich ein Ratgeber im Stil eines Erfahrungsberichtes, der von Sabine Längsfeld übersetzt wurde.

Glennon Doyle reiht in ihrem kurzweiligen Buch viele Episoden aneinander, um die Leserinnen auf das Thema Innere Freiheit vorzubereiten. Als Einstieg erzählt sie, wie sie bereits als Kind gelernt hat, sich selbst zu verleugnen. Die Rollen als Mädchen und heranwachsende Frau wollten einfach nicht zu ihr passen. Trotzdem wurden sie zu ihrer zweiten Natur. Sie passte sich an, ohne zu hinterfragen. Ihre erste Suchterkrankung begann mit der Pubertät. Weitere kamen hinzu und blieben bis zu ihrer Schwangerschaft. Als Erwachsene erkennt Glennon Doyle einen Zusammenhang zwischen ihrer Suchtkarriere und dem Drang, es allen recht machen zu müssen.

Die Autorin beschreibt in einer unmißverständlichen Sprache ihren Lernprozess. Von der Ebene ihrer persönlichen Erkenntnisse wechselt sie immer wieder auf die Ebene der Allgemeingültigkeit, nach dem Motto: Hier ist ein System erkennbar, in dem auch andere Frauen gefangen sind. Anschaulich beschreibt sie die zahlreichen Manipulationen in den Traditionen, der Kultur oder der Konditionierung auf Rollenbilder. Weiterlesen

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Viktor Martinowitsch: Revolution

„[…] Wenn du das liest und dich entsetzt […], berücksichtige bitte die Plötzlichkeit des Ganzen. Ich konnte nicht eine Sekunde nachdenken und überlegen. Das hatten sie, wie es aussieht, auch so kalkuliert.“ (S. 195)

Der Ich-Erzähler Michail gerät in den Fokus einer geheimen Organisation, deren Strukturen so diffus sind wie ihre Ziele. Seltsame Umstände bringen ihn in einen Konflikt mit der Polizei, die mit einer Gefängnisstrafe droht. Doch der Zufall schickt ihm die Hilfe eines fremden Freundes. Michail ist gerettet und gleichzeitig in einer Abhängigkeit gefangen, weil die neuen Freunde von ihm Gegenleistungen verlangen. Spontane Anrufe katapultieren ihn in Gewissenskonflikte. Von einem Mittfünfziger, dessen Gesicht und Leibesfülle für ein geruhsames Leben sprechen, erfährt Michail, dass die eigene Unversehrtheit nur über erfolgreiche Aufträge gesichert ist.

Im Laufe der folgenden Monate lernt Michail alle Hemmschwellen zu überwinden.

Viktor Martinowitsch studierte Journalistik und lehrt heute Politikwissenschaft. Revolution ist sein dritter Roman und wurde wie die vorhergehenden Romane von Thomas Weiler übersetzt. Der Autor thematisiert in seinem aktuellen Roman die Auswirkungen der Macht. Der Gegenspieler des Ich-Erzählers, der alte Batja, erklärt sein Erfolgsrezept: Macht müsse man sich nehmen und jeden aus dem Weg räumen, der etwas dagegen habe. Die Macht, die durch eine Wahl gewährt wird, sei keine Macht im eigentlichen Sinne. Weiterlesen

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Karen Dionne: Die Rabentochter

Für Rachel, die Rabentochter, ist das Leben wie ein bitterböses Märchen. Mit nur einem Unterschied, alles um sie herum passiert nicht in der Fantasie. In der harten Realität wurden ihre Eltern getötet. Zu diesem Zeitpunkt war sie elf Jahre alt. Weil sie schwer traumatisiert ist, wird Rachel in der Psychiatrie behandelt. Keiner kann ihr helfen, ihre Erinnerungslücken zu schließen. Dies liegt unter anderem an Rachels Schuldgefühlen.

Nach fünfzehn Jahren lebt sie noch immer in der geschlossenen Psychiatrie. Vom Leben hat sie nicht viel gelernt, nur das, was sie zum Überleben zwischen psychisch Kranken braucht. Nach wie vor glaubt sie, am Tod ihrer Eltern schuld zu sein. Und sie glaubt, würde sie davon erzählen, hielten die Ärzte sie endgültig für verrückt. Aber so verrückt ist Rachel nicht. Sie schweigt mit der Gewissheit, das Leben in Unfreiheit zu verdienen. Es wäre die gerechte Strafe für ihre Schuld.

Rachels Alltag erfährt eine Wendung, als der Bruder ihres Freundes sie interviewt. Für sein Studium möchte er ihr Schicksal und den damit verbundenen alten Kriminalfall neu bearbeiten. Und ohne dass es Rachel für möglich hält, erfährt sie etwas Neues. Etwas, das sie aufrüttelt und den Mord ihrer Eltern anders aussehen lässt.

Viel zu schnell bringt sie die Spurensuche nach verdrängten Erinnerungen in eine tödliche Gefahr. Weiterlesen

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Agnès Poirier: An den Ufern der Seine

„… Wann immer die Stadt der Lichter den Besitzer wechselt, gerät die westliche Zivilisation aus dem Gleichgewicht. So ist es seit sieben Jahrhunderten; so war es 1940 …“ (S. 123)

Sie wohnen auf der linken Seite der Seine. Sie sind die Elite, die Intellektuellen und pflegen ihren eigenen Lebensstil. Der Zweite Weltkrieg rüttelt an ihren Glaubenssätzen. Die Besetzung von Paris mit dem einhergehenden harten Regime der Deutschen bringt ihnen Hunger, Unfreiheit, Verrat durch die eigenen Landsleute und im schlimmsten Fall den Tod. Einige von ihnen wandern aus, oder verstecken sich weit weg von Paris. Andere bleiben. Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Albert Camus und viele andere diskutieren über ihre Situation nach der Befreiung.

„[…] Es war die Zeit, die Wirklichkeit […] zu betrachten, wenn man sie verändern wollte.“  „ […] Die Zeit der Selbstgefälligkeit und Doppelbödigkeit war vorbei. […] Man musste sich engagieren. […] Die Lehre, die man aus dem Krieg gezogen hatte, lautete: Gleichgültigkeit erzeugt Chaos.“ (S. 163)

Sie gründen und schreiben für ihre eigenen Zeitschriften, die aufgrund des Papiermangels zunächst einen geringen Umfang hat. Sie wollen schockieren, aufrütteln und die Welt verändern. Es ist die Geburtsstunde des  Existenzialismus. Einige von ihnen, die zuvor lokale Bekanntheit genossen, werden länderübergreifend berühmt. Ihr Leben verändert sich mehr, als sie ahnen. Weiterlesen

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Ryan Gattis: Das System

Während andere in der Vorweihnachtszeit an Familie, Plätzen backen und Geschenke denken, wird der minderjährige Jacob, genannt Dreamer, am 08. Dezember 1993 wegen unerlaubtem Waffenbesitz und Mordversuch verhaftet. Der junge Samoaner steht mittellos ohne Eltern dar. Um nicht auf der Straße schlafen zu müssen, ist Jacob auf Fürsprecher angewiesen. Ihre Unterstützung braucht er nun mehr denn je.

Wer in einem Vorort von Los Angeles überleben will, braucht viel Glück. Jeder befindet sich in einem ständigen Ausnahmezustand. Dies liegt unter anderem an der geringen Verhaftungsquote, die den Gangmitgliedern in die Hände spielt. Und weil in den Gefängnissen ähnliche Gesetze herrschen, sieht Jacob schon das Ende seiner Zukunft, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Ein Justizbeamter meint es gut mit ihm, als er ihn warnt: „He, Jacob, wenn du das nicht getan hast, dann reicht ein Anwalt nicht. Du musst dich selbst retten, denn das System ist das System. Es schluckt immer die mit der geringsten Fallhöhe.“ (S. 124)

Ryan Gattis erzählt in seinem zweiten Thriller eine packende Geschichte chronologisch und unmissverständlich aus der Perspektive verschiedener Beteiligter, als wolle er ein Erste-Hilfe-Buch für Menschen schreiben, die mit der amerikanischen Justiz in Konflikt geraten. Jeder von ihnen ist direkt oder indirekt in einem Netz aus Fallstricken gefangen, in das auch der siebzehnjährige Jacob hineingeraten ist. Weiterlesen

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Anthony Powell: Die Philosophen des Krieges (1968)

1941 begegnet Nicholas Jenkins seinem alten Schulkameraden Widmerpool in einer dienstübergreifenden geheimen Besprechung und ist verwundert. Denn vor kurzen geriet dieser in der Hierarchie der Armee in Misskredit. Dieses déjà vu ähnelt früheren Erlebnissen, als der Jugendliche Widmerpool ausgegrenzt, belächelt oder direkt angegangen wurde. Dank eines Zufalls sitzt er nun an einer Schlüsselstelle innerhalb der Verwaltung. Und dies nur, weil Nicholas alter Schulfreund, Peter Templer, nicht den 16-Stunden-Job leisten und die langen Sitzungen protokollieren will. Erst als es zum Eingreifen zu spät ist, begreifen Nicholas und Peter, dass Widmerpool durch seine Position entscheiden kann, wie der Zweite Weltkrieg verlaufen soll. Doch was nützt ihm der ungewohnte Einfluss, wenn er in den Kreisen von Templer und anderen aus der Oberschicht weder erwünscht noch aufgenommen wird?

Zur gleichen Zeit begegnet Jenkins der attraktiven Pamela Flittons, die als Fahrerin ihren Dienst leistet. Dunkel erinnert er sich daran, dass es sich bei der jungen Frau um die Nichte eines weiteren alten Freundes handelt. Auch Pamela befindet sich in einem Krieg. Sie hat es auf die Männer abgesehen, die sich in sie verlieben, bis ihre vermeintlich neue Liebe für das Ende ihrer Karriere verantwortlich ist, darunter befinden sich auch Nicholas Freunde und Bekannte. Weiterlesen

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David Jackson: Der Bewohner

„… Der Plan hatte diese Entwicklung nicht vorgesehen. Der Plan sollte Spaß machen. Und das hier macht keinen Spaß.“ (S. 232)

Thomas Brogan ist ein erfolgreicher Serienkiller. Und weil er schlau und äußerst durchtrieben ist, gelingt ihm stets die Flucht vor der Polizei. Seine letzte Flucht hätte beinahe ein Desaster werden können, doch in letzter Sekunde findet er ein verlassenes Reiheneckhaus, in das er einbricht. Dort wartet er ab, bis die Polizei ihre Suche ausgeweitet hat. In dem heruntergekommenen Haus findet Brogan weder Wasser noch Nahrung, doch etwas anderes lässt ihn hoffen. Er kann über den Dachboden die Nachbarhäuser aufsuchen, weil die Trennwände zwischen den Häusern nur halbherzig hochgezogen worden sind. So nach und nach lernt Brogan seine Nachbarn kennen. Überraschenderweise rührt die alte Dame Elsie sein Herz, weil sie ihn an glückliche Momente in seiner Kindheit erinnert, während die attraktive Colette seine Begierden weckt. Viel zu lange redet er sich ein, noch etwas in seinem Versteck bleiben zu wollen, bis seine perfiden Spielchen mit den Bewohnern zu unerwarteten Wendungen führen. Weiterlesen

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Anthony Powell: Eine Frage der Erziehung (1951)

„… Damals jedoch war mir nicht so klar bewusst, dass die Wahl zwischen Würde und unbefriedigter Neugier eine grausame, aber notwendige Entscheidung darstellte.“ (S. 143)

Für Nicholas Jenkins sind die letzten Jahre vor seinem Studium nicht nur eine Frage der Erziehung sondern auch eine, ob er sich zwischen den Gleichaltrigen aus der englischen Oberschicht behaupten kann. Sie symbolisieren gleichzeitig ein unsichtbares Räderwerk aus Beziehungen und Geld, das seine Schützlinge in wichtige Positionen des gesellschaftlichen Lebens hieven wird. Während Jenkins sein Studium zum Abschluss bringen will, sucht er einen Platz in dieser Gesellschaft, die nach dem Ersten Weltkrieg den Aufbau des Landes vorantreibt.

Bei Einladungen in die Familien seiner Freunde erfährt Jenkins, wer zum inneren Kreis gehört und wer nicht. Sehr schnell erfährt der Betroffene, wie es sich anfühlt, im Zentrum von Missachtung und seltsamen Späßen zu stehen und mit seinen Peinigern gemeinsam zu lachen. Und wenn zum Spaß auch noch Rachegelüste hinzukommen, wird die Person non grata bei passender Gelegenheit als vermeintlich gesuchter Verbrecher angezeigt, um die Aufregung nach dessen Verhaftung zu genießen. Weiterlesen

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Tamara Bach: Sankt irgendwas

„Schräg.“ Dies sagt einer, der nicht dabei war.

„Jedenfalls war keiner im Gefängnis und es gab wohl keine Brandstiftung.“ (S. 120)

Die 10d begibt sich mit ihrem Klassenlehrer, Dr. Utz, auf eine Studienfahrt ins Ausland. Für alle ist diese Reise mit viel Extraarbeit verbunden, denn Utz hat jedem der 28 Schülerinnen und Schülern ein Referat über eines der Ausflugsziele aufgegeben. Darüber hinaus muss täglich ein Protokoll geschrieben werden. Abgesehen davon, dass Utz nicht gerade zu den beliebtesten Lehrern gehört und zwischen ihm und der Klasse schon einige Differenzen ausgetragen worden sind, merken die Protokollanten schnell, dass sie ihre Berichte auf keinen Fall dem Klassenlehrer aushändigen dürfen. Denn wer würde schon gern von seinen Entgleisungen und dem Desaster seiner Studienfahrt lesen wollen? Weiterlesen

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