Johanna Holmström: Die Frauen von Själö

Dies ist kein Buch für sonnige fröhliche Tage. Dies ist ein Buch, das man im November lesen sollte. Denn die Stimmug, die es auslöst, ist grau, duster. Man möchte sich in sich selbst zurückziehen.

Johanna Holmström erzählt die Geschhichte von drei Frauen über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren.

Kristina, die ihre beiden Kinder ertränkte, wird statt ins Zuchthaus in die Irrenanstalt auf der Insel Själö gesteckt. Es ist das Jahr 1891 und wir können uns vermutlich alle vorstellen, wie zu dieser Zeit mit Insassen von Irrenanstalten, zumal weiblichen, umgegangen wurde, welche Behandlungsmethoden angewandt wurden. Die sogenannte „Isolierung“ ist nur eine davon. Ziel und Zweck konnte es nur sein, die Frauen zu brechen.

Genau so drückt es Sigrid aus, die Krankenschwester auf der Insel. Auch sie ist gewissermaßen eine Gefangene, sie wird viele Jahre dort verbringen.

Die Dritte ist Ellie, ein aufbegehrendes wildes Mädchen, das zu Beginn der 1930er Jahre in die Irrenanstalt auf der Insel kommt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mechtild Borrmann: Grenzgänger

Ein verstörendes Buch. Eine beklemmende Geschichte.

Mechtild Borrmann erzählt im Nachwort, dass sie auf Flohmärkten gezielt Fotoalben kauft und beim Durchblättern und Studieren der alten Aufnahmen den Anstoß zu ihren Büchern bekommt. Darauf folgt dann, das ist ihren meist historischen Themen geschuldet, eine intensive Recherche. Und die merkt man dem Buch an.

Der Roman – die Handlung ist frei erfunden, auch wenn der kühle, reportagenhafte Stil anderes nahezulegen scheint – erzählt auf mehreren Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven die Geschichte der Henni Schöning, beginnend gegen Ende des zweiten Weltkriegs. Sie wächst zusammen mit ihren drei jüngeren Geschwistern in einem Dorf in der Eifel, nahe der belgischen Grenze, auf. Der Vater kommt, äußerlich unverletzt, aber geistig und seelisch zerrüttet, aus dem Krieg zurück. Unfähig, in seinem Beruf als Juwelier weiterzuarbeiten, unfähig, sich dem harten Leben in der Eifel zu stellen, zieht er sich in eine ungesunde, fast besessene Nähe zur Kirche zurück. Die Mutter muss mehr oder weniger allein für die Kinder sorgen. Henni hilft schon früh bei allem mit. Sie ist diejenige, die sich von Anfang an dem Vater widersetzt, die nicht akzeptieren will, dass er seiner Verantwortung für die Familie nicht nachkommt. Damit ist der Grundstein gelegt, für alles, was danach geschieht. Denn alle Schicksalsschläge, die Henni und ihren Geschwistern widerfahren, beruhen letztendlich auf dem Versagen des Vaters. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hollmann/Johanus: Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies

Ein typisches Dummies-Buch, mit all den bekannten Strukturen, den Symbolen, den Cartoons, dem Aufbau. Es ist ein für Anfänger sehr gut geeignetes und geschriebenes Nachschlagewerk, deckt es doch all die Bereiche ab, die einen angehenden Autor interessieren mögen.

Axel Hollmann und Marcus Johanus sind bekannt durch ihren Kanal „Die Schreib-Dilettanten“, ein sehr unterhaltsames Programm für mehr oder weniger professionelle Schriftsteller. Beide sind dazu selbst Autoren, von Thrillern bzw. Fantasy-Romanen. Sie wissen also, wovon sie reden.

Das Buch ist sinnvoll aufgebaut, beginnend mit allgemeinen Hinweisen und Hintergründen über das Handwerkszeug für das Schreiben von Romanen – Planen, Schreiben, Überarbeiten  –  bis hin zu den verschiedenen Wegen der Publikation.

Allerdings, und ich denke (oder hoffe), das war den beiden Autoren vorher bewusst: sie können das Rad nicht neu erfinden. Das heißt, fast alles, was sie in ihrem Buch darstellen, gibt es so und ähnlich schon in hundert anderen Büchern über das Schreiben – und zwar professioneller, detailreicher und tiefer gehender. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: