Don DeLillo: Null K

nullEinen schwerverdaulichen Brocken serviert uns der mittlerweile fast 80-jährige amerikanische Autor Don DeLillo mit seinem neuen Roman „Null K“.

Ein Mann namens Jeffrey – im Roman der Ich-Erzähler – reist zu einem Ort irgendwo in der Wüste, wo die neue, schwerkranke Frau des Vaters eingefroren werden soll, um sie später, wenn die Medizin es erlaubt, aufzutauen und zu heilen. Kryonik heißt dieses Verfahren in der Fachsprache, dem sich in den 1960er-Jahren erstmals ein Mensch unterzog.

Klingt interessant, ist es aber in der Umsetzung Don DeLillos nicht. Der Autor verliert sich in nebulösen Kapiteln, die zum Teil philosophische Reflexionen über den Tod, zum Teil Erinnerungen aus dem Vorleben des Ich-Erzählers beinhalten, zu selten aber mit dem unmittelbar bevorstehenden Prozess zu tun haben. Weiterlesen

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Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald

seeleEin äußerst düsterer Roman stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016: „Fremde Seele, dunkler Wald“ des 1982 geborenen österreichischen Autors Reinhard Kaiser-Mühlecker.

Es geht um zwei Brüder, aus deren Perspektive der Autor abwechselnd erzählt. Der eine hat den heimischen Bauernhof irgendwo im oberösterreichischen Niemandsland verlassen, um in einer internationalen Truppe als Soldat zu dienen. Der andere, erst 15 Jahre alt, erledigt fast alle Arbeiten, die auf dem Hof anfallen, allein. Versuche, sich von dort zu befreien, scheitern.

Um es positiv darzustellen: Der Roman hält durchgehend eine dumpfe und freudlose Atmosphäre, die ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt. Bis auf wenige Details – wie Handys –, könnte der Roman auch irgendwann im 19. Jahrhundert spielen und von einem Autor wie etwa Adalbert Stifter stammen. Das Wörtchen „archetypisch“ wird in solchen Zusammenhängen gerne verwandt. Weiterlesen

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Jonathan Galassi: Die Muse

museEine Liebeserklärung an die Welt der Bücher und an die – manchmal skurrilen – Menschen, die sich mit ihnen befassen, ist Jonathan Galassis Debütroman „Die Muse“. Und Galassi weiß, wovon er spricht: Er ist Verleger des New Yorker Verlags Farrar, Straus and Giroux und hat als Lektor Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides entdeckt.

In seinem Roman beschreibt er zwei New Yorker Verlage, die über viele Jahrzehnte hinweg in einer Art Hassliebe miteinander verbunden sind. Das Objekt ihrer beider Begierde ist die strahlende Dichterfürstin Ida Perkins, die ihnen riesige Auflagen und damit Ruhm und Gewinne bescheren würde beziehungsweise beschert. Der eine, ein älterer Gentleman-Verleger, hat sie, der andere, ein ungehobelter Emporkömmling, möchte sie gerne in seinem Verlagsprogramm haben. Weiterlesen

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Nathan Hill: Geister

geisterEin literarisches Schwergewicht in doppelter Hinsicht legt der amerikanische Autor Nathan Hill vor. Zum einen ist sein Roman „Geister“ mit über 850 Seiten ein echter Wälzer, zum anderen ist er richtig gut.

Der Literaturprofessor Samuel Anderson ist als Kind von seiner Mutter verlassen worden – ein Trauma, das er auch 20 Jahre danach noch nicht überwunden hat. Doch nun soll er für seine Mutter bürgen. Sie hat einen republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten angegriffen – ein Fall, auf den sich die Medien stürzen.

Doch das ist nur der Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Verwicklungen und überraschenden Wendungen, die mit den Studentenunruhen im Chicago des Jahres 1968 ihren Anfang nehmen und erst 2011 mit der Demonstration Occupy Wall Street enden. Weiterlesen

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Peter Terrin: Monte Carlo

monteMonte Carlo 1968: Kurz vor dem Start des Formel-1-Rennens kommt es just in dem Moment zu einer gefährlichen Stichflamme, als die umjubelte Schauspielerin Deedee einen Gang durch die Boxen unternimmt.

Einer der Mechaniker wirft sich zwischen sie und die Flamme und wird dabei schwer verletzt. Die Schauspielerin aber kann unversehrt von ihrem Leibwächter in Sicherheit gebracht werden. Soweit die Ausgangssituation in Peter Terrins kurzem Roman „Monte Carlo“.

Doch was hier wie ein Heldenepos à la „Bodyguard“ mit Whitney Houston und Kevin Costner klingt, entpuppt sich im weiteren Verlauf als psychologisches Drama. Weiterlesen

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John Burnside: Wie alle anderen

Wie alle anderen von John BurnsideJohn Burnside, einer der profiliertesten schottischen Autoren, hat einige seiner Romane autobiographisch angelegt – zum Beispiel „Lügen über meinen Vater“, in dem er radikal mit seinem Erzeuger abrechnet (2011).

Autobiographisch ist auch sein neues Werk „Wie alle anderen“, das im englischsprachigen Original bereits 2010 erschienen ist. Burnside, geboren 1955, beschreibt darin seine Versuche, ein bürgerliches Leben zu führen, um von seiner Alkohol- und Drogensucht sowie seiner Schizophrenie loszukommen. Weiterlesen

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Steinar Bragi: Hochland

hochlandEin neuer Horror-Thriller kommt aus dem hohen Norden. In „Hochland“ des isländischen Schriftstellers Steinar Bragi verirren sich vier junge Menschen in der isländischen Einöde und haben gegen allerlei mysteriöse Erscheinungen zu kämpfen.

Zwei Paare, die zu einem Kurztrip ins Hochland gestartet sind, prallen im Nebel mit ihrem Jeep gegen ein einsames Haus. Weil der Wagen nicht mehr fahrbereit ist, müssen die Vier die Nacht in dem Haus verbringen. Es wird von zwei seltsamen und wortkargen Alten bewohnt, die äußersten Wert darauf legen, dass bei Dunkelheit niemand vor die Tür geht. Weiterlesen

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Christopher Kloeble: Die unsterbliche Familie Salz

salzMehr als 100 Jahre umfasst der Roman des deutschen Autors Christoph Kloeble, „Die unsterbliche Familie Salz“. Darin geht’s um eine Familie, der viele Jahre das prunkvolle Leipziger Hotel „Fürstenhof“ gehört hat. Der Clou dabei: den Fürstenhof gibt’s wirklich, die Familie Salz nicht.

Alles beginnt im Jahre 1914, als der unsympathische und herrische „Herr Salz“ den Fürstenhof kauft und seine widerspenstige Tochter Lola eine Rolle beim Tod ihrer schwerkranken Mutter spielt. Weitere Stationen sind Lolas strapaziöse und schicksalhafte Odyssee durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg mit zwei kleinen Kindern, das unglückliche Leben ihrer alkoholabhängigen Tochter Aveline in den 60er-Jahren, die Wendezeit, als Kurt Salz den Fürstenhof aus DDR-Staatsbesitz zurückerhält und sich in eine um Jahrzehnte jüngere Frau verliebt, und schließlich das Jahr 2015, das aus der Sicht von Kurts Tochter Emma geschrieben ist. Ganz am Ende gibt’s sogar noch einen kleinen Ausblick auf das Jahr 2027 mit einem Brief von Emmas Tochter Tara an ihre Mutter. Weiterlesen

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Richard Flanagan: Die unbekannte Terroristin

terrorDer australische Autor Richard Flanagan, der mit „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ in Deutschland bereits im vorigen Jahr für Furore gesorgt hat, überzeugt auch mit dem Nachfolger: „Die unbekannte Terroristin“.

Darin gerät die vollkommenen unbescholtene Stripperin Gina in Sydney ins Fadenkreuz von Medien, Politik und Polizei, weil sie auf einem kurzen Video gemeinsam mit einem mutmaßlichen Terroristen zu sehen ist. Völlig verängstigt wendet sie sich nicht an die Polizei, sondern versucht unterzutauchen. Weiterlesen

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Gustaaf Peek: Göttin und Held

Goettin und Held von Gustaaf PeekEine Liebesgeschichte in umgekehrter Reihenfolge erzählt der niederländische Schriftsteller Gustaaf Peek, geboren 1975. Sein Buch „Göttin und Held“ beginnt mit dem Tod Tessas als uralte Frau, um dann Kapitel für Kapitel immer weiter in der Zeit zurückzugehen. Das Ende ist zugleich der Anfang von Tessas und Marius‘ Liebe im Teenageralter. Konsequenterweise sind die Kapitel rückwärts nummeriert. Man könnte das Buch problemlos auch von hinten nach vorne lesen.

Es gibt zwei Probleme an diesem Roman: Durch das Rückwärtserzählen kann die Handlung nicht aufeinander aufbauen. Die einzelnen Kapitel haben kaum etwas miteinander zu tun. Der Roman liest sich eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten. Weiterlesen

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