Dave Eggers: Der Mönch von Mokka

Dave Eggers‘ neuestes Buch ist kein Roman. Es ist vielmehr die äußerst spannende (bisherige) Lebensgeschichte von Mokhtar Alkhanshali. Der heute 30-jährige Amerikaner mit jemenitischen Wurzeln hat sich im Jahre 2013 in den Kopf gesetzt, Kaffee aus dem Jemen in die USA zu importieren.

Das war damals (und ist es heute wohl immer noch) ein fast unmögliches Unterfangen. Alkanshali hatte kein Geld, der Jemen galt wegen des Krieges und der instabilen politischen Verhältnisse als extrem gefährlich, und die Kaffeefarmen dort liegen erstens abgelegen und waren zweitens teilweise auf einem niedrigen Standard – verglichen zum Beispiel mit denen in Äthiopien auf der anderen Seite des Roten Meeres.

Im Grunde ist die Geschichte in diesem Buch die typische amerikanischer Erfolgsgeschichte „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Weiterlesen

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Sarah Perry: Nach mir die Flut

Ein Mann namens John muss an seinem Auto Kühlwasser nachfüllen und schellt mit der Bitte um Hilfe an einem einsamen Haus. Dort wird er freudig begrüßt. Die Bewohner kennen nicht nur seinen Namen, sondern scheinen ihn erwartet zu haben.

Klingt nach einem schon fast klassischen Anfang für einen Horrorroman, ist aber etwas anderes: ein durchgehend düsterer, vielleicht ein wenig an Kafka erinnernder Roman um ein Haus und seine seltsamen Bewohner.

John gelingt es seltsamerweise nicht, einfach nur Wasser zu holen und dann wieder zu verschwinden – stattdessen bleibt er und wird nach und nach Teil dieser Lebensgemeinschaft.

Wenn man es positiv ausdrücken will: Der 1979 geborenen britischen Autorin Sarah Perry gelingt es in ihrem Debütroman hervorragend, eine leicht transzendente, schwer fassbare Atmosphäre durchzuhalten, Weiterlesen

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David Sedaris: Calypso

Der 1956 geborene US-amerikanische Schriftsteller David Sedaris ist in Deutschland mit Werken wie „Nackt“ (1999) oder „Ich ein Tag sprechen hübsch“ (2001) bekannt geworden. Sein Markenzeichen sind heitere und amüsante autobiografische Texte. Er schreibt über seine große Familie mit sechs Geschwistern, das Leben als Homosexueller mit seinem Freund Hugh oder seine Erlebnisse als Autor – beispielsweise auf Lesungen. Auch sein neuestes Buch, „Calypso“, mit vielen kleineren Erzählungen bildet da keine Ausnahme. Das alles liest sich leicht und locker, ohne dass allerdings so etwas wie Spannung aufkommen würde.

Die stärksten Stellen hat das Buch, wenn es etwa um den Selbstmord von Sedaris‘ Schwester Tiffany geht und wie die Familie damit umgeht oder auch um die Kommentare des Autors zur Trump-Wahl. Weiterlesen

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Jennifer Kitses: Ein Tag, eine Nacht

Tom ist ein Mann, der einen guten Job in einer Nachrichtenagentur hat und seine Frau Helen und seine beiden dreijährigen Zwillingstöchter über alles liebt. Doch er hat ein gut gehütetes Geheimnis: Mit seiner ehemaligen Chefin Donna hat er eine weitere Tochter, an der er ebenfalls sehr hängt. Nun droht Donna, von der amerikanischen Ostküste nach London zu ziehen, was für Tom die Beziehung zu seinem unehelichen Kind beenden würde. Schwierige Entscheidungen stehen an.

Die US-amerikanischen Autorin Jennifer Kitses zieht in ihrem ersten Roman die Schlinge um ihre beiden Hauptpersonen Tom und Helen immer enger, was beim Leser eine atemlose Spannung fast wie in einem Thriller erzeugt.

Wegen der psychischen Anspannung macht Tom immer mehr Fehler in seinem Job und droht ihn sogar zu verlieren. Er trinkt zu viel und verbringt schließlich den Abend mit einer dritten Frau: Vanessa … Weiterlesen

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Andreas Merkel: Mein Leben als Tennisroman

Der 1970 geborene deutsche Autor Andreas Merkel wagt in seinem neuen Roman „Mein Leben als Tennisroman“ ein literarisches Experiment. Er verquickt zwei Erzählebenen miteinander. Vordergründig geht es um den Ich-Erzähler Arthur Wilkow, der mit seiner Idee hadert, einen Roman über Tennis zu schreiben. Er kommt nicht voran, hat Schreiblockaden, Auseinandersetzungen mit seiner Lektorin und ist meist im Unreinen mit seinem Vorhaben. Weil es bei diesem schreibenden Wilkow einige Parallelen zu Andreas Merkel gibt, darf man wohl davon ausgehen, dass es sich um eine Art Alter Ego handelt.

In dem Roman im Roman ist ein Jugendlicher namens Lenz die Hauptfigur. Er freundet sich mit einem älteren Mann an, der ebenfalls Arthur Wilkow heißt. Im weiteren Verlauf vermischen sich die beiden Ebenen immer mehr miteinander. Eine Dame, die im Roman nur E. heißt und Wilkows Partnerin ist, wirft ihm einmal vor, mit einer Romanfigur zu reden, die es nicht gibt.

Was sich hier möglicherweise wie eine lustige Idee anhört, wird über die 360 Seiten, die der Roman dick ist, irgendwann ermüdend und auch verwirrend. Weiterlesen

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Richard Flanagan: Der Erzähler

Mit seinem neuen Roman „Der Erzähler“ reicht der australische Autor Richard Flanagan nicht an die Qualität der beiden guten Vorgänger „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ (2015) und „Die unbekannte Terroristin“ (2017) heran.

Zum Inhalt: Der erfolglose Schriftsteller Kif muss aus purer finanzieller Not einen heiklen Auftrag annehmen. Er soll die Biographie des australischen Wirtschafts-Kriminellen Nummer eins, Siegfried Heidl, schreiben. Der hat die Banken um 700 Millionen Dollar erleichtert, indem er sie erfolgreich um Kredite für ein Projekt gebeten hat, das es gar nicht gibt.

Für Kif entpuppt sich die Aufgabe als überaus schwierig, weil Heidl nicht gewillt ist, Details aus seinem Leben preiszugeben. Aber ohne Details keine Biographie und ohne Biographie kein Geld. Seine Hoffnung, irgendwann ein fertiges Buch in Händen zu halten, schwindet mehr und mehr.

„Der Erzähler“ hat gleich mehrere Probleme. Erstens tritt der Text über hunderte von Seiten auf der Stelle, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Kif versucht in einem tristen Verlagsbüro vergeblich, etwas aus dem Gangster herauszubekommen. Für den Leser ist das wechselweise nervtötend bis langweilig. Weiterlesen

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Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

Allan Karlsson ist wieder da – der Hundertjährige, der 2012 aus dem Fenster stieg und verschwand – und dessen schwedischer Autor Jonas Jonasson damit einen literarischen Welterfolg landete.

Während der sympathisch-lebensbejahende und freundliche Senior im früheren Buch Abenteuer quasi im gesamten 20. Jahrhundert erlebte, konzentriert sich der Folgeband – „Der Hundertjährige, der zurückkam und die Welt rettete“ heißt er – ganz auf die Gegenwart.

Allan, dem sein Dauerurlaub mit Kumpel Julius auf Bali zu langweilig geworden ist, stürzt mit einem Heißluftballon im Meer ab, wird von einem nordkoreanischen Schiff aufgegriffen und direkt zu Kim Jong-un weitergeleitet. Ein paar Seiten später macht er Bekanntschaft mit der schwedischen Außenministerin, um dann gemeinsam mit ihr bei Donald Trump vorbeizuschauen. So weit, so turbulent. Und das alles nur, weil das nordkoreanische Boot angereichertes Uran für den Diktator an Bord hat. Weiterlesen

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Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen

Selten passt ein Buchtitel so gut wie diesmal: In Joshua Ferris‘ herrlicher Geschichten-Sammlung „Männer, die sich schlecht benehmen“ geht es – genau – um Männer, die allerlei dummes Zeug machen. Nicht so dumm allerdings, dass man als (männlicher) Leser nicht gelegentlich auch ein gewisses Verständnis für ihre Schrulligkeiten hätte.

Gleich in der ersten Geschichte, „Die Dinnerparty“, nervt ein Mann seine Frau mit allerlei Prophezeiungen, wie schrecklich das bevorstehende Abendessen mit einem befreundeten Paar doch mit Sicherheit werden würde. Natürlich kommt alles ganz anderes: Die Gäste ziehen es vor, erst gar nicht zu kommen und unser Held macht sich auf die Suche nach ihnen.

Wir treffen Männer, die von dem Wahn befallen sind, ihre Frau habe sie verlassen, auf welche, die irgendwelchen unerreichbaren Traumfrauen hinterherhecheln, und auf solche, die auf einer privaten Stadtführung durch Prag ihre ganze Oberflächlichkeit und Arroganz heraushängen lassen. Weiterlesen

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Thomas Klupp: Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Der 15-jährige Teenager Benedikt Jäger ist Hauptfigur und Ich-Erzähler in Thomas Klupps Roman „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“. Benedikt ist in seiner Heimatstadt Weiden auf riesigen Plakatwänden zu sehen, auf denen er mit zwei Freunden für eine Anti-Drogen-Kampagne seiner Schule wirbt. Außerdem ist er ein begnadet guter Tennisspieler.

Aber: Er konsumiert selbst Drogen – hauptsächlich jedoch fälscht er seine Klassenarbeiten, die er dann seiner überkandidelten Mutter, die nur Einser akzeptiert, zum Unterschreiben vorlegt. Irgendwann eskaliert die Fälschung einer Physikklausur, und die Ereignisse spitzen sich zu …

Das Buch des 1977 geborenen deutschen Autors Thomas Klupp ist ein typischer Jugendroman. Es geht um erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, um Treffen mit Freunden, um Geldnöte und um die Probleme in Schule und Elternhaus. Großen Spaß macht die schnodderige Jugendsprache, die sich durch das gesamte Buch zieht, authentisch wirkt und dem Buch einen hohen Unterhaltungswert mit garantiertem Spaßfaktor verleiht. Weiterlesen

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Zaza Burchuladze: Der aufblasbare Engel

Was für ein origineller Roman: Nino und Niko sitzen in ihrer Wohnung im georgischen Tiflis und beschwören aus Langeweile den Geist des griechisch-armenischer Esoteriker und Schriftstellers Georges Gurdjieff, der 1949 gestorben ist. Der Geist erscheint – und will partout nicht wieder gehen.

Irgendwann verfallen die drei auf die Idee, einen Millionär in die Wohnung zu locken und ihm hypnotisch aufzutragen, bis zum Abend jede Menge Geld zu bringen …

Der nur knapp 200 Seiten lange Text des 1973 geborenen georgischen Autors Zaza Burchuladze (Übersetzung: Maia Tabukashvili) ist skurril und aberwitzig. Er beinhaltet sicherlich eine auf die Heimat des Autors bezogene Gesellschaftskritik. Weiterlesen

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