Alexis Ragougneau: Opus 77

Der Komponist Dimitri Schostakowitsch schrieb das Opus 77, als Stalin regierte. Es war sein erstes Violinkonzert und zugleich seine Antwort auf die allgegenwärtige Unterdrückung. „Nie hat Musik wohl mehr den Kampf des Lichts gegen die dunklen Mächte symbolisiert.“ (S. 147) Ausgerechnet dieses Werk spielt die Pianistin Ariane Cleassens anlässlich der Beerdigung ihres Vaters, der in […]

Elena Ferrante: Das lügenhafte Leben der Erwachsenen

Elena Ferrante und Neapel gehören seit ihrer „Neapolitanischen Saga“ einfach zusammen. Auch „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ spielt sich in Neapel ab. Die Plätze und Straßen, in denen die Handlung angesiedelt ist, sind auch diesmal nicht erfunden, sondern in der süditalienischen Stadt ganz nach Ferrante-Manier auffindbar. In den Neunziger Jahren ist die junge Protagonistin Giovanna […]

Naomi Fontaine: Die kleine Schule der großen Hoffnung

Der deutsche Titel des schmalen Büchleins klingt ein wenig gefühlsbetont, er kann in die Irre führen. Denn es geht nicht um eine nette, kleine Schule, in der große Hoffnungen Wirklichkeit werden. Der Originaltitel „Manikanetish, Petite Margerite“ indessen verweist auf den Namen einer Schule im Indianerreservat Uashat, rund neunhundert Kilometer nordöstlich von Montreal, wo der Sankt-Lorenz-Strom […]

Aimee Molloy: Das Therapiezimmer

Eigentlich hätte es der erfolgreiche Psychotherapeut Dr. Sam Statler kaum besser treffen können: Zum ersten Mal hat es ihn emotional richtig erwischt. Er liebt seine Frau Annie von ganzem Herzen. Sie haben New York verlassen, um in Chestnut Hill, der Kleinstadt seiner Kindheit, ihren Lebensmittelpunkt aufzubauen. Dort lebt auch seine erkrankte Mutter in einem Pflegeheim. […]

Abdulrazak Gurnah: Das verlorene Paradies

Abdulrazak Gurnah (Jahrgang 1948) erhielt 2021 den Literatur-Nobelpreis. Geboren im Sultanat Sansibar (Afrika) ist er emeritierter Professor für englische und postkoloniale Literatur an der Universität von Kent (UK). Seine Bücher schreibt Gurnah in englischer Sprache. Die Originalausgabe von „Das verlorene Paradies“ erschien schon 1994 unter dem Titel „Paradise“. Der Penguin Verlag veröffentlichte am 8. Dezember […]

Anne Gesthuysen: Wir sind schließlich wer

Ihren Roman „Wir sind doch Schwestern“ habe ich sehr gemocht. Er hatte Tiefgang, die Figuren waren authentisch, nachvollziehbar. Das kann man leider von dem neuen Roman von Anne Gesthuysen nicht sagen. Dennoch habe ich ihn verschlungen, denn unterhaltsam ist er gleichwohl. Doch bleibt er durchweg seicht, auf Groschenheft-Niveau. Das liegt nicht nur an den adeligen […]