Bianca Iosivoni: Der letzte erste Blick

Manchmal genügt ein einziger Blick, um zu wissen, dass es Liebe ist.

Genauso geht es Emery, als sie ihr Studium beginnt. Für sie soll es ein Neuanfang sein, und sie nimmt sogar in Kauf, mit dem nervigsten Kerl aller Zeiten in einer WG zu leben. Als sie dessen Freund Dylan zum ersten Mal sieht, beginnt ihr Herz zu rasen. Dabei gehört er zu der Sorte Männer, von denen sie sich unbedingt fernhalten will – nach allem, was ihr passiert ist …

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Neuauflage der Firsts-Reihe, die erstmals 2017 im LYX Verlag erschienen ist.

Da ich diese Reihe schon immer lesen wollte, habe ich mich sehr über die wunderschöne Neuauflage gefreut – und wurde nicht enttäuscht.

Der Erzählstil ist locker und flüssig. Das Buch hat genau den richtigen Rhythmus, besteht aus humorvollen Szenen, knisternder Spannung, aber auch ernsten Momenten. Zwar wiederholen sich einige Passagen, doch das störte mich nicht, denn ich merkte gar nicht, wie schnell ich las, und flog nur so durch die Seiten.

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Angélica Lopes: Die Frauen der Familie Flores

Die brasilianische Journalistin und Drehbuchautorin Angélica Lopes lebt und arbeitet in Rio de Janeiro. Ihr Roman „Die Frauen der Familie Flores“ erschien am 19. August 2025 bei hanserblau im Carl Hanser Verlag. Michael Kegler übersetzte ihn aus dem Portugiesischen ins Deutsche.

Ein Fluch, ein Handwerk und eine Geheimschrift

Angélica Lopes siedelt die Handlung und die Akteure von „Die Frauen der Familie Flores“ im ländlichen Nordosten Brasiliens im Bundesstaat Pernambuco im fiktiven Städtchen Bom Retiro (was so viel bedeutet wie „Gute Zuflucht“) in den Jahren 1918 und 1919, sowie in der Millionenstadt Rio de Janeiro im Jahre 2010 an.

Über der Familie Flores lastet ein Fluch, der die Männer in der Familie früh sterben lässt. Die Frauen sind deshalb darauf angewiesen, selber für ihren Lebensunterhalt aufzukommen. Sie widmen sich der Spitzenstickerei und gelangen zu großem handwerklichen Geschick. Die Arbeit sichert ihnen ihr Auskommen. Sie bilden eine Gruppe von Mädchen und Frauen verschiedenen Alters, die sich regelmäßig treffen und ihre Erzeugnisse an die „Damen der feinen Gesellschaft“ verkaufen. Weiterlesen →

Elsemarie Maletzke: Jane Austen

Was für ein wunderbares, erfreuliches und erfreuendes Buch, eine Biografie, die sich genauso spannend und so leichtfüßig, aber doch gehaltvoll liest wie die unvergleichlichen Romane von Jane Austen.

Elsemarie Maletzke gelingt es, ein Sachbuch so zu schreiben, dass man meint, einen fesselnden Roman zu lesen. Einen Roman voller sympathischer, natürlicher und vor allem interessanter Figuren.

Nahezu chronologisch erzählt Maletzke von Austens Leben, ein Leben, das im 18. Jahrhundert beginnt und nach nur 42 Jahren im Jahr 1817 endet. In diesem Leben, welches sie nur in wenigen Bereichen selbstbestimmt leben durfte, waren die von ihr verfassten Romane sicher nicht nur Beschäftigung, nicht nur Beweis ihrer genialen schriftstellerischen Fähigkeiten, sondern möglicherweise auch eine Art Flucht aus eben diesem Leben.

Denn Frauen zu dieser Zeit, zumal unverheiratete, hatten wenig Möglichkeiten. Meist verbrachten sie ihr Leben als mehr oder weniger geduldete Tanten, die den Vätern, Brüdern, Schwägern auf der Tasche lagen. Jane Austen blieb ihr Leben lang unverheiratet, wohnte die meiste Zeit zusammen mit ihrer ebenfalls ledigen Schwester Cassandra und ihrer verwitweten Mutter, finanziell unterstützt von ihren älteren Brüdern. Weiterlesen →

Francesca Segal: Entscheidungen auf Tuga

Der erste Band dieser Trilogie über die Menschen auf der abgelegenen Insel Tuga hat mir große Freude bereitet, ich konnte ganz hineintauchen, bekam das Gefühl, Teil der Gemeinschaft zu sein. Die Figuren waren lebendig, liebenswert, voller Marotten, aber auch voller Mitgefühl, Zusammenhalt und Optimismus.

Der Folgeband, der nun erschienen ist, führt dieselben Figuren zusammen, immer noch finden wir auch Charlotte Walker, die Tierärztin wider Willen, dort. Sie war im ersten Band für Forschungen zu Goldmünzenschildkröten nach Tuga gekommen. So jedenfalls der offizielle Anlass. Insgeheim hatte sie nach ihrem Vater gesucht, den sie nie kennengelernt und um den ihre Mutter Lucinda immer ein Geheimnis gemacht hatte.

Das hatte sich im ersten Teil der Geschichte geklärt, die Freude über den gefundenen Vater hielt sich aber in Grenzen. Dennoch war Charlotte auf Tuga geblieben, glücklich verliebt in Levi. Nun aber naht der Schrecken in Gestalt ihrer Mutter, die Mittel und Wege findet, nach Tuga zu kommen, sogar in der Island-closed Zeit (wenn wegen Stürmen keine Schiffe die Insel erreichen können). Die Ankunft der kapriziösen Engländerin sorgt für viel Aufregung, nicht nur für Charlotte. Weiterlesen →

Thomas Montasser: Freitags um fünf

Es sind immer amüsante Romane, die reale Hintergründe mit fiktiven Personen verquicken. Wenn dann noch ein kleines Mädchen auf den waschechten Bundeskanzler trifft, verspricht das Ganze mindestens gute Unterhaltung.

So auch dieser kleine Roman, der davon erzählt, wie Ernst Meister, der Bundeskanzler der Bundesrepublik, gestresst, mit krankem Herz und schwerem Gemüt, sich durch die Tage voller Arbeit, Akten und Aufgaben quält. Bis er eines Tages, weil er an einer ausgeprägten Orientierungsschwäche leidet, versehentlich das Kanzleramt durch eine Seitentür verlässt und dabei einem kleinen Mädchen beim Murmelspiel begegnet.

Die beiden kommen ins Gespräch und verabreden sich für den folgenden Freitag um fünf. Doch Meister erkrankt und muss in die Klinik. Dort erreicht ihn eine Karte des Mädchens mit einer Murmel und Genesungswünschen.

Nun tut der Bundeskanzler, trotz der vielen Termine, Reisen und Debatten, was in seiner Macht steht, um immer freitags um fünf ein paar Minuten Zeit für ein Murmelspiel mit Emma zu haben. Aber immer mal wieder kommt doch etwas dazwischen und mal taucht auch das Kind nicht auf, sehr zu seiner Enttäuschung. Nach und nach erfährt er mehr über Emma, wobei sie viel nicht verrät, nur leise Andeutungen, aus denen er sich einiges zusammenreimt. Weiterlesen →

Claire Parker: Mister Welcome

Der Humor in diesem Roman ist so britisch, dass man meint, die Teetassen klirren und die Times rascheln zu hören. Man fliegt durch diese Geschichte – ich habe tatsächlich eine Nacht durchgelesen, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

Dabei fängt es ganz harmlos damit an, dass die neunjährige Trish – die diese wunderbar abgedrehte Geschichte im Rückblick in Ich-Perspektive erzählt – sich ein paar Pence verdienen darf, indem sie der etwas verschrobenen Mrs Carter zur Hand geht. Dafür soll Trish regelmäßig für die ältere Dame deren geliebte Heftromane vom Buchhändler holen und die ausgelesenen zurückbringen. Während das Kind nun diese Aufgabe erfüllt, kommt sie Mrs Carter, die alles über alle in der Siedlung weiß und die von Zeit zu Zeit in ihrer Straße Cupcakes verteilt und dabei die neuesten Neuigkeiten erfährt, immer näher.

Neben vielen im Haus von Mrs Carter lebenden Vögeln wohnt bei ihr auch ein Papagei. Sein richtiger Name tut nichts zu Sache, denn Trish nennt ihn nur Mr. Welcome, denn mit diesem Wort begrüßt er jeden, der das Haus betritt. Trotz all ihrer Bemühungen gelingt es Trish jedoch nicht, ihm weitere Worte beizubringen. Allerdings – und das wird noch eine große Rolle spielen – wiederholt er stets das letzte Wort, das man zu ihm spricht. Weiterlesen →

Julia Pauss: Kodiak Echoes: Hide me/Trust me

Brynn ist Computerentwicklerin. Und eine ziemlich gute. So gut, dass sie bei ihrer Arbeit organisiertes Verbrechen aufgedeckt hat und jetzt im Zeugenschutzprogramm ist. Das schickt sie in eine sehr abgelegene Kleinstadt auf Kodiak Island/Alaska. Dort hat die Großstadtpflanze nicht nur mit der Eingewöhnung zu kämpfen, sondern auch mit ihrem abweisenden Nachbarn Archer, dem Wildhüter. Brynn fängt im örtlichen Café an zu arbeiten und wie das in Kleinstädten so ist, erfährt sie sehr schnell, was dort so vorgeht und vorging.

Vor 10 Jahren wurde ein Mädchen erstochen, im Verdacht stand Archers jüngerer Bruder und der ist seitdem verschwunden. Einzig Archer ist noch der Überzeugung, dass er unschuldig ist und das macht ihn zum Außenseiter. Dazu kommt seine Liebe zu der (sehr großen, wörtlich nehmen) Tierwelt der Insel und sein Hass auf die Wilderer, die immer wieder vom Festland kommen. So mancher Einwohner sieht in den Wilderern in erster Linie eine Einnahmequelle in der eher armen Gegend.

So muss Brynn sich nicht nur mit etwaigen Verfolgern auseinandersetzen, sondern überzeugt nach und nach auch ihren kratzbürstigen Nachbarn von ihren Fähigkeiten und von ihrer Nützlichkeit. Trotzdem muss sie die Wahrheit auch vor ihm verbergen und das belastet ihr Verhältnis zunehmend. Weiterlesen →

Amélie Nothomb: Psychopompos

In diesem Werk, einer Mischung aus Autobiografie, spirituellen Erkenntnissen und Schreibfindungsprozess, gewährt uns die vielfach prämierte Autorin Amélie Nothomb faszinierende Einblicke in ihr Leben. Als Diplomatentochter lebte sie in ihrer Kindheit unter anderem in Japan, China, New York, Bhutan und Bangladesch. Amélie Nothomb, die ständig Entwurzelte, findet in den Vögeln ihre Seelentiere. Sie identifiziert sich mit ihrem Wesen, auch und gerade nach einem persönlichen Trauma zu Beginn ihrer Pubertät. Doch hinter ihrer Passion für Vögel steckt weit mehr als ornithologische Hingabe. Ihre Faszination gilt Psychopomp, einem Wesen, das die Seelen der Toten ins Jenseits begleitet. Mal kann dies ein Götterbote wie Hermes sein, mal ein Vogel wie die Taube in der Bibel als Symbol des Heiligen Geistes. Poetisch, mit leisem Humor, aber auch düster und abstrakt ist der Autorin ein faszinierendes Konglomerat an Stilen gelungen, das der Begriff Biografie allein nicht zu fassen vermag. Wer sich auf dieses ungewöhnliche Leseerlebnis einlassen kann, wird nicht enttäuscht. Denn dies ist keine Biografie im herkömmlichen Sinn. Weiterlesen →

Nick Stein: Die Bierhexe

Es ist das Jahr 1151. Die 14-jährige Amalia genießt ihre erwachende Spiritualität, ihr Leben im Einklang mit der Natur und sie lernt von ihrer Tante Elisabeth allerlei Wissenswertes über die Heilkraft der Pflanzen aber auch über das Bierbrauen. Weil ihre Eltern sie mit dem Sohn eines Schweinebauern verheiraten wollen, keimen in ihr Gedanken zur Flucht auf. Als dann auch noch ihr Bruder Johann in einen Kreuzzug Richtung Jerusalem gezwungen werden soll, machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Bremen. Amalias Wunsch ist es, einmal die berühmte Heilerin Hildegard von Bingen zu treffen. Ein Unglück verschlägt sie auf die Winzenburg, wo sie Bekanntschaft mit dem Bischof von Hildesheim macht. Das von Amalia eigens für ihn gebraute Heilbier scheint zu helfen, doch als seine Lebensgeister wieder erstarken und Amalia seine Avancen zurückweist, muss sie sich fortan auch vor seinem Einfluss verbergen. Im Paulskloster findet sie Unterschlupf und braut ihr erstes eigenes Starkbier, was mach einer ihr missgönnt. Nur in dem Henker Gernot, der nebenher als Bader tätig ist, findet sie einen Freund. Weiterlesen →

Isabel Allende: Mein Name ist Emilia del Valle

Mit „Mein Name ist Emilia del Valle“ hat die berühmte chilenische Schriftstellerin Isabel Allende einen neuen Roman geschrieben. Die deutsche Erstveröffentlichung ist am 4. August 2025 in einer Übersetzung von Svenja Becker im Suhrkamp Verlag erschienen.

1891: Eine Frau auf dem Weg von San Francisco nach Santiago de Chile

„Mein Name ist Emilia del Valle“ ist zeitlich im späten 19. Jahrhundert angesiedelt. Molly Walsh, die Tochter irischer Einwanderer in die USA, will Nonne werden. Als Novizin wird sie Lehrerin an einer kleinen Schule im Mission District, San Francisco. Der Mestize Francisco Claro, genannt Don Pancho, ist Leiter der Schule mit dem Namen „Der Stolz der Azteken“. Leider wird Molly nach einem Abenteuer mit dem chilenischen Lebemann Gonzalo Andrés del Valle schwanger. Damit wird ihr der Eintritt in den klösterlichen Orden unmöglich. Alle Versuche, mit der Familie del Valle in Kontakt zu treten, werden abgeblockt. Don Pancho Claro nimmt Molly bei sich auf und heiratet sie vor der Geburt ihrer Tochter, die sie Emilia del Valle Claro nennen. Weiterlesen →