Julie Caplin: Ein Zuhause im Frühling

Schon das Cover macht fröhlich und sieht nach lauer Frühlingsluft aus. Fröhliches Rot, eine Bank, die zum Träumen im Garten einlädt, und ein Hund, der einen zutraulichen Eindruck macht.

Das fasst die neue Umgebung der Londoner Illustratorin Ella ganz gut zusammen, die für ein halbes Jahr das idyllische Cottage ihrer Patentante in der englischen Countryside hüten soll. Ella ist gerade an einem Punkt, an dem sie sich Gedanken über ihr Leben macht. Einiges ist nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatte, einiges will sie neu ordnen und sich klar werden, wo ihre Prioritäten liegen sollen. Da kommen das abgelegene Dorf in seiner Überschaubarkeit und Magdas liebevoll gepflegtes, heimeliges Cottage doch gerade recht. Doch mit der Ruhe, von der Ella geträumt hatte, ist nicht viel. Die überaus tatkräftigen und engagierten Dorfbewohner heißen die neue Mitbewohnerin nur allzu gerne und ohne Umschweife, aber auch ohne Ella viel Wahl zu lassen, willkommen und integrieren sie ohne Wenn und Aber in ihre Gemeinschaft. So ungefähr jeden Tag gibt es etwas zu tun, zu organisieren und irgendwo dabei zu sein. Und dann ist da ja auch noch Tess, die gutmütige Labradorhündin, um die Ella sich auch noch kümmern muss. Das wurde ihr so „im Vorbeigehen“ von ihren Eltern aufgedrückt, als diese sie vom nächstgelegenen Bahnhof abgeholt und zu Magdas Cottage gebracht haben. Das passt Ella eigentlich überhaupt nicht in den Kram, mit Hunden hat sie nichts am Hut und kennt sich auch überhaupt nicht damit aus. Das muss sie lernen, ob sie will oder nicht, denn Tess bleibt.

Gott sei Dank sind da aber Bess, die Ella gleich am ersten Tag „überfällt“ und unter ihre Fittiche nimmt in Sachen Hundebetreuung und Alltag im Dorf, und Devon, der Tierarzt, auf den sie sich verlassen kann. Nicht nur bei Problemen mit Tess. Ellas Leben wird gründlich auf den Kopf gestellt, allerdings merkt sie recht bald, dass ihr das ganz guttut. Plötzlich hat sie wieder mehr Ideen als genug für die Illustrationen, mit denen sie ihr Geld verdient. Ella fängt sogar an, neue Malstile auszuprobieren und überhaupt Dinge zu tun, von denen sie nie gedacht hätte, dass sie ihr Spaß machen könnten. Lange Spaziergänge mit dem Hund zum Beispiel oder im Dorfladen aushelfen, Kuchen backen für ein Fest im Dorf … Backen war bisher nicht ihre Stärke, wird es auch nicht, aber sie hat Spaß. Ella entdeckt, dass sie das Leben in London nicht vermisst. Auch Patrick nicht, ihren Geschäfts- und Lebenspartner, mit dem sie gerade eine Krise durchlebt.

Ella erlebt Höhen und Tiefen, lernt die Annehmlichkeiten des Dorflebens zu schätzen und ihre Nachbarn zu mögen. Ein Wohlfühlroman für ein paar unbeschwerte Lesestunden. Auch wenn die Handlung leicht vorhersehbar ist, nimmt einen der locker-leichte, warmherzige Schreibstil der Autorin rasch gefangen, ebenso wie das Ambiente, in das sie uns entführt. Freundschaft, Liebe (klar, gehört auch dazu), Neuanfänge und zweite Chancen. Ein gelungener Auftakt einer neuen Reihe, „country-escapes“, die ebenso erfolgreich zu werden verspricht, wie ihre „romantic-escapes“ es sind. Leichte Unterhaltung für ein paar schöne Stunden.

Julie Caplin: Ein Zuhause im Frühling
aus dem Englischen von Christiane Stehen
Rowohlt, Februar 2026
432 Seiten, Taschenbuch, 14,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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