Am Ende war mir alles egal.
Ich kann immer noch nicht glauben, dass das derselbe Autor ist wie von „Schlafenszeit“!
Mal ehrlich: Was muss schiefgehen, damit ein Thriller sein größtes Versprechen bricht … und ich am Ende nicht einmal mehr wissen will, wie er ausgeht?
Stell dich auf ein 427-seitiges Buch ein, bei dem du so oft die Augen verdrehst, dass du dich irgendwann fragst, warum du überhaupt noch weiterliest.
Die Ausgangsidee? Wirklich gut. Aber irgendwo auf dem Weg geht das komplett verloren. Spannung baut sich für mich nie so auf, dass sie trägt, und emotional hat mich das Ganze irgendwann einfach nicht mehr erreicht.
Ich war am Anfang bis zur Mitte komplett drin und am Ende so raus, dass ich über 100 Seiten inklusive Schluss einfach überblättert habe. Wenn man an dem Punkt ist, an dem einem wirklich alles egal ist, ist das vielleicht das deutlichste Urteil, das ein Buch bekommen kann.
Ich fand jeden einzelnen Charakter, egal ob Frank selbst, seine Schwester Tammy oder Abigail, seine Tochter Maggie, absolut unausstehlich, anstrengend und nervig.
Nicht jede Figur muss sympathisch sein, aber irgendetwas muss einen halten. Hier: nichts. Weder die Menschen noch die Dynamik noch das, was passiert. Und ja, auch nicht das Ende.
Dabei ist das Setting eigentlich wie gemacht für Spannung: ein luxuriöses, abgeschiedenes Anwesen in New Hampshire, diese unterschwellige „nicht meine Welt“-Dynamik, dazu eine Hochzeit mit latent schiefem Gefühl.
Das hätte richtig knistern können.
Für mich hat es das nie getan.
Jason Rekulak lässt für mein Empfinden zu viele politische Untertöne einfließen, die mehr ablenken als vertiefen.
Dazu kommen viele Einschübe, viele Gedankenstriche, ein fragmentierter Fluss, der auf Dauer auf mich eher überstilisiert wirkt als lebendig.
Unterm Strich bleibt für mich eine starke Prämisse, die sich jedoch mehr für familiäre Spannungen und Misstrauen interessiert als für echte Spannung. Und genau das ist das Problem.
Jason Rekulak: Dein letztes Fest
Piper, April 2026
Aus dem Amerikanischen Englisch übersetzt von Leena Flegler.
432 Seiten, Paperback, 17,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Olivia Grove.
