Giovanni Maio – Werte für die Medizin

Das Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland ist derzeit in den Medien sehr präsent. Fachkräftemangel, Pflegenotstand, die Kostenexplosion und gleichzeitig der Abbau von Leistungen im Gesundheitswesen sind Schlagworte, die wohl schon jeder gehört hat. Durch zusätzliche Gelder sollen beispielsweise im Pflegebereich Verbesserungen erreicht werden. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und setzt nicht an der eigentlichen Ursache an.

Der Philosoph und Arzt Giovanni Maio sieht das Gesundheitswesen insgesamt in einer Schieflage. Politische Entscheidungen, vor allem die Überbetonung betriebswirtschaftlichen Denkens und Handels im Sozial- und Gesundheitswesen tragen dort seiner Meinung nach zu einer „Umwertung der Werte“ bei.

Wie sich diese Werte verändert haben und wie sich die „gegenwärtige Lage der Heilberufe“ darstellt, zeigt er im ersten Teil seines neuesten Buches „Werte für die Medizin“ auf.

Hier geht es unter anderem um die Ökonomisierung, das Setzen von (falschen) Anreizen, den Einsatz von Technik und die „Bezahlung nach Leistung“. Weiterlesen

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L. Wilford & R. Stevenson: Wes Andersons Isle of Dogs – Ataris Reise: Das Making of

Im Februar 2018 war der Animationsfilm „Isle of Dogs“ der Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele in Berlin und kam kurz darauf in die deutschen Kinos. Der Film, der in der nahen Zukunft spielt, erzählt von der Freundschaft zwischen dem Jungen Atari und seinem Hund Spots.

In einem faschistischen Überwachungsstaat sucht der 12-jährige Atari Kobayashi seinen Hund Spots, der in der Exilkolonie auf Trash Island haust. Alle Hunde aus Megasaki City wurden nach Ausbruch des Schnauzenfiebers auf die Hundeinsel verbannt, so auch Ataris geliebter Spots, der mit einer Seilbahn, in einem Käfig gefangen, zur Insel gebracht wurde.

Die Hunde Chief, King, Rex, Boss und Duke haben in der Vergangenheit als Streuner, Maskottchen, geliebter Familienhund oder Versuchstier völlig unterschiedliche Erfahrungen mit Menschen gemacht und leben nun im Rudel im Müll, als Atari auftaucht.

Mit einem Turbo Prop gelangt Atari auf die Hundeinsel und zeigt dem Hunderudel ein Foto von Spots, gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach ihm.

Gleichzeitig wird jenseits der Insel ein Heilmittel für die Hunde gesucht, die Mitarbeiter einer Schülerzeitung erforschen die wahre Geschichte des Schnauzenfiebers und Tracy, eine amerikanische Austauschschülerin, versucht eine Verschwörung aufzudecken. Weiterlesen

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Alexander Krützfeldt: Letzte Wünsche

Was ist noch wichtig, wenn man nicht mehr lange zu leben hat? Der Untertitel des Buches „Was Sterbende hoffen, vermissen, bereuen – und was uns das über das Leben verrät“, beschreibt weitgehend den Inhalt. Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt ist diesem Thema nachgegangen und zeigt Schicksale auf, die verdeutlichen, auf was sich das Leben am Ende reduziert und konzentriert. Wir lesen von Frank Wenzlow, der seine große Liebe Lissy verloren hat. Lissy konnte ihren aggressiven Krebs nicht besiegen. Die Schilderungen, wie Frank und Lissy mit diesem Schicksal umgegangen sind, hat der Autor bewegend und unaufgeregt festgehalten.

Nach Lissys Tod bewältigte Frank seine Trauer damit, indem er für andere Todgeweihte etwas Sinnvolles tun wollte. So gründete er einen Verein, der es sterbenden Menschen ermöglicht, einen letzten Wunsch erfüllt zu bekommen. Frank arrangiert, dass die Menschen in einem ausrangierten Rettungswagen zu ihren letzten Sehnsuchtsorten zum Beispiel ans Meer (was Lissys großer Wunsch gewesen war) oder in ein Stadion transportiert werden können.

In weiteren Kapiteln begegnen wir anderen Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, lesen von ihrem jeweiligen Schicksal und davon, was sie sich noch wünschen. Weiterlesen

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Christie Watson: Die Sprache der Menschlichkeit

Kann jemand eine Pflegekraft mit Herz und Seele werden, der bei seiner Einstellungsuntersuchung im Krankenhaus während der Blutabnahme in Ohnmacht fällt? Ja, davon bin ich überzeugt, denn genau das ist Christie Watson passiert und ihr Buch „Die Sprache der Menschlichkeit“ zeugt davon, dass sie dennoch eine Krankenschwester geworden ist, die ihren Beruf liebt.

Alles beginnt mit der Motivation. Und so zeigt Christie Watson den Leserinnen und Lesern im ersten Kapitel, wie es über einige Umwege dazu kam, dass sie sich entschieden hat, einen Pflegeberuf zu lernen. „Mitgefühl, Freundlichkeit, Einfühlungsvermögen: das, so sagt uns die Geschichte, macht eine gute Krankenschwester aus,“ schreibt sie. Doch die Situation in den Krankenhäusern macht es den Pflegekräften nicht leicht, diese Fähigkeiten einzusetzen. Zu wenig Personal, knappe Zeit, Überlastung und Überforderung sind fast schon die Regel, wie die aktuelle politische Debatte deutlich zeigt. Auch wenn das Gesundheitssystem in Großbritannien sich vom deutschen System unterscheidet, kann man Vieles übertragen, was Christie Watson in ihrem Buch eindrücklich beschreibt. Weiterlesen

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C. Kurz & F. Rieger: Cyberwar – Die Gefahr aus dem Netz

Immer mehr Lebensbereiche sind digitalisiert. Im Privaten und im Beruflichen. Als die ersten Warnungen über Sicherheitslecks bekannt wurden, sagten noch viele, sie hätten nichts zu verbergen. Private Bilder in den sozialen Medien konnten nicht privat genug sein. Mit dem Handy in der Hand wird inzwischen ein großer Teil des Lebens organisiert: Geldangelegenheiten, Haustechnik, Konsum, informieren und kommunizieren. Was hinter den Programmen und Apps läuft, wissen die meisten nicht. Genauso wenig, wie das Innenleben von Computern, Routern, Fernsehern oder ferngesteuerten Elektrogeräten funktioniert. Nur technisch versierte Menschen erkennen Manipulationen. Sind die Platinen so, wie sie sein sollten? Wer hat sie gelötet, gibt es unerwünschte Funktionen? Was wäre, wenn jemand die Kontrolle über das eigene Handy und den Computer übernähme? Daten auswertet und verkauft? Die eigene Identität für kriminelle Aktionen nutzt? Dies geschieht täglich und extrem häufig.

Seit WikiLeaks und Edward Snowdens Veröffentlichungen dürfte jeder gewarnt sein. Was sich im Hintergrund abspielt, erfährt der Leser in der kurzweilig zu lesenden Zusammenfassung des Autorenteams Constanze Kurz und Frank Rieger. Weiterlesen

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Scarlett Curtis (Hrsg.): The future is female!: Was Frauen über Feminismus denken

Katrin Bauerfeind erzählt von ihrer schwäbischen Oma, die es einfach hinnahm, dass ihr Mann ihren ersten, einzigen und ersehnten Urlaub in letzter Minute abgesagt hat, weil er lieber im eigenen Bett schlafen wollte. Seitdem hat sich viel verändert, denn: „Die gute Nachricht ist: Ich lebe in der besten Zeit, die es je für Frauen gab.“ Aber sie ist auch überzeugt, dass „Fortschritt kein automatisches Update“ ist, sondern „immer wieder aufs Neue erkämpft werden muss.“

Keira Knightley berichtet von der Geburt ihrer Tochter und der Zeit danach. Ihre Botschaft für die Leserinnen ist: Wir sind nicht das schwächere Geschlecht.

Emma Watson gibt Tipps für Bücher, die Mädchen und (jungen) Frauen die Augen öffnen und mehr Selbstvertrauen schenken können. Sie hat mit „Our Shared Shelf“ einen äußerst erfolgreichen feministischen Buchclub gegründet.

Und das sind nur die (mir) bekanntesten Frauen, die für das Buch „The future is female“: Was Frauen über Feminismus denken“ ihren Beitrag leisten. Mehr als 50, überwiegend junge Aktivistinnen, Autorinnen, Unternehmerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen aus verschiedenen Ländern schreiben darüber, was Feminismus für sie bedeutet. Weiterlesen

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James Hawes: Die kürzeste Geschichte Deutschlands

Im Zuge der aktuellen Mode, komplexe und umfangreiche Sachverhalte einer großen Leserschaft gefällig und komprimiert nahezubringen, gibt es nun also auch „Die kürzeste Geschichte Deutschlands“. Und tatsächlich verfügt das Buch auch nur über handliche 336 Seiten. Hiervon sind gut zwei Drittel der Neuzeit gewidmet.

Man erhält aber im ersten Drittel trotzdem einen guten Überblick, was seit der Antike in dem Bereich Zentraleuropas, der heute Deutschland heißt, alles geschehen ist. Der Autor schafft es, sowohl mithilfe mancher Quellen als auch mit Vergleichen zur Populärkultur den jeweiligen Zeitrahmen lebendig erscheinen zu lassen.

So erfährt der Leser, dass „Germanien“ eine Erfindung der Römer ist, liest von der Wanderung der Germanenstämme und landet schließlich im Mittelalter, in dem nach Karl dem Großen – der vom Autor großzügig als Deutscher betitelt wird (unsere französischen Nachbarn wären da anderer Meinung…) erstmalig von so etwas wie „Deutschland“ die Rede sein. Weiterlesen

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Eva-Maria Altemöller: Herzblut: Eine Liebeserklärung an den kleinen Laden

Nach ‚Der Club der Idealisten‘ ist mit ‚Herzblut‘ im September ein neues Buch von Eva-Maria Altemöller bei Sanssouci erschienen. Geziert wird es von einem hübschen Coverbild, das eine Frau vor dem Schaufenster eines Hutladens zeigt. Es liest sich sehr angenehm, da die Sprache, der sich die Autorin bedient in so einem netten Plauderton daherkommt, dass man beim Lesen fast das Gefühl hat, Frau Altemöller würde einem alles persönlich erzählen.

Wie der Untertitel bereits aussagt, geht es um die kleinen Läden. So erfährt man vieles von den zahlreichen schönen und einzigartigen Geschäften, die es in Lindau gibt. Dort, am Bodensee, lebt und arbeitet die Autorin selbst und kennt sich dementsprechend gut aus. Und so erzählt, nein schwärmt sie, etwa von dem Spielzeugladen, in dem man noch Dampfmaschinen und Kaleidoskope kaufen kann, von den wunderschönen Buchhandlungen, den Papier- und Schreibwarenläden und dem großartigen Hutgeschäft, das eine ganz besondere Auswahl bietet.

Ein Lobgesang auf die noch von Inhabern betriebenen und mit Herzblut geführten Läden. Und auch ein wenig ein Stadtführer für Lindau, da man doch den einen oder anderen Insidertipp erhält. In ihrer leichten und eingängigen Sprache vermittelt Frau Altemöller wunderbar ihre Begeisterung über das, was solche noch mit Enthusiasmus und Ideen betriebenen Geschäfte von den großen Ketten und dem Internethandel abhebt. Weiterlesen

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David Sedaris: Calypso

Der 1956 geborene US-amerikanische Schriftsteller David Sedaris ist in Deutschland mit Werken wie „Nackt“ (1999) oder „Ich ein Tag sprechen hübsch“ (2001) bekannt geworden. Sein Markenzeichen sind heitere und amüsante autobiografische Texte. Er schreibt über seine große Familie mit sechs Geschwistern, das Leben als Homosexueller mit seinem Freund Hugh oder seine Erlebnisse als Autor – beispielsweise auf Lesungen. Auch sein neuestes Buch, „Calypso“, mit vielen kleineren Erzählungen bildet da keine Ausnahme. Das alles liest sich leicht und locker, ohne dass allerdings so etwas wie Spannung aufkommen würde.

Die stärksten Stellen hat das Buch, wenn es etwa um den Selbstmord von Sedaris‘ Schwester Tiffany geht und wie die Familie damit umgeht oder auch um die Kommentare des Autors zur Trump-Wahl. Weiterlesen

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Helen Jukes: Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen

Helen Jukes (Jahrgang 1984) lebt in Wales und engagiert sich für den Schutz von Bienen. Sie ist Mitbegründerin des Bee Friendly Trusts. „Das Herz einer Honigbiene hat fünf Öffnungen“ ist ihr erstes Buch und wurde am 8. Oktober 2018 beim DUMONT Buchverlag in einer Übersetzung von Sofia Blind veröffentlicht. Helen Jukes erzählt darin über einen Zeitraum von einem Jahr, wie sie die Zeit von der Idee, sich ein Bienenvolk in ihrem Reihenhausgarten in Oxford zu halten, bis zur ersten Honigernte Monate später erlebte.

Ihre Geschichte beginnt im November bei einem Gang durch den Garten voller Unkraut. Jukes ist vor ein paar Monaten wegen eines Jobs nach Oxford gekommen. Zusammen mit einer Freundin hat sie das Haus gemietet. Erste Erfahrungen mit Bienen hat sie allerdings schon Jahre zuvor in London gesammelt. Dort hatte sie Luke, einen Imker, kennengelernt und ihn einige Zeit begleitet. Unzufrieden mit ihrem Job in Oxford beschäftigt sie sich intensiv mit der Haltung eines Bienenvolkes und dem Bau eines Bienenstockes. Weiterlesen

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