Marianne Salentin-Träger: Moodboards

Moodboards sind schon lange bekannt als Methode der Darstellung von Visionen, Wünschen, Plänen. In der Architektur, bei Designern oder auch bei Drehbuchautoren kommen Moodboards (auf Deutsch vielleicht zu übersetzen mit Stimmungstafel oder Visionswand, aber wie so oft trifft keine Übersetzung die wirkliche Bedeutung des englischen Ausdrucks) zum Einsatz. Auch für die private Anwendung gibt es inzwischen diesen Trend.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: dieses Buch hat mich sehr enttäuscht. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass enttäuschen von täuschen kommt, d.h. man hat sich in seinen Erwartungen getäuscht. Von daher sind Enttäuschungen etwas sehr persönliches, so wie auch die Beurteilung eines Buchs vor allem Geschmacksache ist.

Meine Erwartung jedenfalls war, dass mir dieses Buch etwas über Moodboards und ihre Gestaltung erzählt, mir Anregungen gibt, Tipps und Beispiele. Doch nur ganze zehn Seiten von den insgesamt 160 Seiten des Buchs widmen sich diesen konkreten Fragen. Der Rest ist eine Zusammenfassung von bekannten Erkenntnissen, mit reichlich Binsenweisheiten und viel Wiederholung. Weiterlesen →

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Annette Sabersky: Besser essen ohne Zusatzstoffe

Irgendwann war der Witz da und auch lustig. Jemand sagte stolz, er habe heute lecker gekocht. Er habe eine Dose aufgemacht.

An den Dosen hat sich wenig geändert. Sie bekamen unzählige Geschwisterchen in Gestalt von gefrorenen, gekühlten, eingeschweißten Fertiggerichten. Auch anderes wird fertig zubereitet, bunt verpackt offeriert, in Tuben, Gläsern, Bechern, Tüten. Sie alle haben eines gemeinsam: Der Inhalt wurde haltbar gemacht und mit Geschmack aufgewertet.

Der Preis für das Delegieren des Selber-Kochens kennt keine Grenzen: Bei wenigen Cents für eine Tütensuppe geht es los.

Besser essen könnte für den Eiligen, Immer-Beschäftigten bedeuten: billig (in erster Linie für den Hersteller), viel, lecker süß oder salzig. Manches macht sogar satt.

Die Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky versteht unter besser essen einen Speiseplan mit so wenig Chemie und Zusatzstoffen wie möglich. Das Ziel ihrer Aufklärung über Zusatzstoffe aller Art richtet sich auf eine gesunde Ernährung und ein Bewusstsein für gesunde Nahrung. Vor allen Dingen dieses Bewusstsein will sie wecken und bietet in den letzten Kapiteln hilfreiche Hinweise, wie man ohne Zusatzstoffe ganz einfach Lebensmittel haltbar macht oder zubereitet. Weiterlesen →

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Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

2014 erhielt der 1960 in New York geborene Jaron Lanier den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ein Journalist fragte ihn nach einer Buchpräsentation, was er von Social Media halte. Die anschließende Diskussion veranlasste den Autoren, sein Wissen in einem Buch zusammenzufassen. Es wurde eine emotionale, engagierte Auflistung von Gründen, warum Social Media Accounts gelöscht werden müssen:

„… Früher … konnte man sehen, ob ein Produkt sich besser verkauft. … Heute messen Social-Media-Konzerne, ob der Einzelne sein Verhalten geändert hat, und der Feed wird für jeden Anwender ständig optimiert, um dessen individuelles Verhalten zu ändern.“ (S. 41)

Als Internetpionier der ersten Stunde schrieb er wegweisende Programme. Anfangs teilte er die Meinung seiner Kollegen, das Internet solle kostenlos sein. In verschiedenen Foren tauschte er seine Erfahrungen aus, bis ihm etwas auffiel, das er drastisch formuliert und mit der Gruppendynamik begründet: „… Ich habe es … erlebt, dass ich online zum Arschloch wurde, und das war beängstigend und deprimierend.“ (S. 59) Weiterlesen →

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Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin

Katja Oskamp gehört zu den vielen Autorinnen, die vom Schreiben allein nicht leben können. Also muss sie zusätzlich einem (anderen) Job nachgehen. Die 49-jährige Berlinerin hat sich für die Fußpflege im Berliner Problemstadtteil Marzahn entschieden – und aus ihren Erlebnissen dabei ein wunderschönes Buch gemacht.

Es strahlt von der ersten bis zur letzten Seite eine enorme Herzenswärme und Liebe zu den Menschen aus, die sie besuchen. Da gibt‘s zum Beispiel jene Seniorinnen, die sich trotz körperlicher Gebrechen die gute Laune nicht verderben lassen, oder den etwas griesgrämigen ehemaligen DDR-Funktionär, der die Ich-Erzählerin rundheraus zum gemeinsamen Sex einlädt, oder Männer, die von der Ehefrau zwangsverpflichtet werden, zur Fußpflege zu gehen. Weiterlesen →

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Hollmann/Johanus: Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies

Ein typisches Dummies-Buch, mit all den bekannten Strukturen, den Symbolen, den Cartoons, dem Aufbau. Es ist ein für Anfänger sehr gut geeignetes und geschriebenes Nachschlagewerk, deckt es doch all die Bereiche ab, die einen angehenden Autor interessieren mögen.

Axel Hollmann und Marcus Johanus sind bekannt durch ihren Kanal „Die Schreib-Dilettanten“, ein sehr unterhaltsames Programm für mehr oder weniger professionelle Schriftsteller. Beide sind dazu selbst Autoren, von Thrillern bzw. Fantasy-Romanen. Sie wissen also, wovon sie reden.

Das Buch ist sinnvoll aufgebaut, beginnend mit allgemeinen Hinweisen und Hintergründen über das Handwerkszeug für das Schreiben von Romanen – Planen, Schreiben, Überarbeiten  –  bis hin zu den verschiedenen Wegen der Publikation.

Allerdings, und ich denke (oder hoffe), das war den beiden Autoren vorher bewusst: sie können das Rad nicht neu erfinden. Das heißt, fast alles, was sie in ihrem Buch darstellen, gibt es so und ähnlich schon in hundert anderen Büchern über das Schreiben – und zwar professioneller, detailreicher und tiefer gehender. Weiterlesen →

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Rutger Bregman: Utopien für Realisten

Eine Arbeitswoche mit nur 15 Stunden? Geldgeschenke an Bedürftige? Bedingungsloses Grundeinkommen für alle? Unvorstellbar? Unsinnig? Nicht realisierbar? Nicht, wenn es nach Rutger Bregman geht. In seinem Buch ‚Utopien für Realisten‘ stellt er dar, dass solche Ideen alles andere als unrealistisch sind. Wir müssen uns nur trauen, sie in unserem Denken auch wirklich zuzulassen. Denn, so sagt er, ein Problem, das wir haben, ist, dass es uns so gut geht, dass wir uns solche Dinge gar nicht vorstellen können.

Im Unterschied zu einem Leibeigenen des Mittelalters oder einem Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung ist unser Lebensstandard so hoch, dass wir gar nicht mehr wirklich nach weiteren Verbesserungen streben, sondern vielmehr davon ausgehen, dass die Zukunft nur schlechter werden kann. Und genau da sieht Bregman die Gefahr: dass diese Vorstellung dann tatsächlich zur Wirklichkeit wird.

Das ist aber nach seinen Untersuchungen überhaupt nicht nötig. Denn es gibt bereits zahlreiche Erfahrungen, die in der Praxis gezeigt haben, dass beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen fast nur positive Auswirkungen hat. Das Leben der Menschen verbessert sich und auch die Staatsausgaben sinken. Denn durch die festen und von Bedingungen unabhängigen Zahlungen reduzieren sich zum Beispiel Verwaltungskosten ganz erheblich. Weiterlesen →

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Alva Gehrmann: I did it Norway!

Auf ihrer Homepage erklärt die Journalistin und Autorin Alva Gehrmann über sich selbst: »Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.« Das Schreiben scheint ihr tatsächlich leicht zu fallen, denn sie zeigt eine Vielfältigkeit, die sich auch in ihrem Sachbuch wieder findet. Ihr aktuelles Buch über Norwegen schenkt eine Fülle von Details über ein freundliches Volk, das durch Öl reich geworden ist.

Die Autorin reiste über einen Zeitraum von einigen Jahren immer wieder nach Norwegen: So nach und nach erlebt sie Kulturereignisse, lernt sportliche Wettkämpfe und ein Arbeitsleben kennen, das dem Norweger ein intensives Freizeit- und Familienleben ermöglicht. Denn freitags geht es spätestens um 15.00 Uhr ins Wochenende. Wer länger arbeitet, verliert seinen guten Ruf.

Die beliebten Holzhütten weit weg vom normalen Alltag erlauben pure Natur. Wer so lebt, hat eine innige Beziehung zur Familie und der Natur. Ein solches Umfeld bietet zugleich Raum für Kunst und Kultur und fördert Werte, die ein soziales Miteinander in den Vordergrund stellen. Ein Dorf, in dem Bücher die Hauptrolle spielen, ein Museum, das einsam am Fjord auf Besucher wartet oder ein Rockfestival in der Einsamkeit sind nur einige Beispiele. Spontane Feiern werden ebenso gern angenommen wie ehrenamtliches Engagement. Weiterlesen →

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Volker Langenbein: Totengräbers Tagebuch

Volker Langenbein, genannt Rusty, wuchs in einer Gegend auf, „in der man nicht überall spielen durfte, denn es konnte relativ schnell passieren, dass man eine Backpfeife sitzen hatte, wenn man in die ‚falsche Straße‘ kam.“ (Zitat aus Einleitung) Obwohl ihn seine Mutter liebevoll erzogen hatte, geriet er in kriminelle Kreise und er gibt unumwunden zu, dass er sich die „Leiter nach unten“ selbst gebastelt hatte. Was er trieb waren keine „Kleine-Strolche-Straftaten“ mehr. Als eine Haftstrafe im Raum stand, war ihm klar, dass er etwas ändern musste. Und er hat die Kurve gekriegt.

Nach verschiedenen Jobs landet er auf dem Friedhof – als Arbeiter in der „Gärtnertruppe“. Sein Kollege Manne begrüßt ihn locker und mit der Ansage, dass er sich keinen Stress machen soll. Und schon ist die Sache geritzt. Rusty gewöhnt sich ein und lernt schnell dazu. Laub rechnen, Hecken schneiden, Gräber gießen, zwischendrin schnell mal eine Kippe – alles kein Problem. Mit den Toten hat er nur aus der Ferne Kontakt. Sobald ein Trauerzug vorbeikommt, verschwinden die Gärtner in den Büschen.

Doch nach einem Jahr läuft sein Vertrag aus. Bei den Gärtnern ist nichts mehr frei. Aber weil sich Rusty bewährt hat, bekommt er von der Friedhofsleitung ein Angebot: Wenn er möchte, kann er bei den Totengräbern anfangen. Alles muss schnell gehen, er hat keine Bedenkzeit. Kurzentschlossen sagt er zu. „Einmal tief durchgeatmet und …A star was born! Oder: Ein Narr was born? Ich hatte keine Wahl. Also rein in den Untergrund. Rein in die Tatsache, Konfrontation Tod.“ (Zitat: Kapitel „Das erste Jahr“) Weiterlesen →

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Irene Götz (Hrsg.): Kein Ruhestand: Wie Frauen mit Altersarmut umgehen

Wenn eine Frau wenig eigenes Geld verdient, dann sind die Aussichten für ein gesichertes Leben im Alter alles andere als gut. Im Prinzip ist dies jedem denkenden Mensch klar. Doch diese logische Konsequenz wird häufig verdrängt, weil Sachzwänge oder festgelegte Rollenbilder im Vordergrund stehen.

Wie Rentnerinnen heute mit der Armut umgehen, hat die Herausgeberin Irene Götz anschaulich in einem fundierten Sachbuch festgehalten. Hierfür wurden viele Betroffene über mehrere Jahre von einem Autorenteam begleitet und interviewt. Ihre berührenden Geschichten dienen der Aufklärung.

Untersuchungen zeigen, dass ein finanziell gesicherter Lebensabend kein verbrieftes Recht ist. Das ganze Konzept steht und fällt mit den Einkünften, den Rücklagen und im besten Fall mit einer Erbschaft. Jeder zweite Deutsche wird ein Vermögen erben, sofern der Erblasser nicht schon vorzeitig sein Geld für Pflegekosten ausgegeben hat. Weiterlesen →

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Graham Swift: Einen Elefanten basteln: Vom Leben im Schreiben

Der britische Schriftsteller und Man Booker Prize Träger von 1996 Graham Swift (Jahrgang 1949) schreibt in „Einen Elefanten basteln“ über sich und seinen Werdegang zum Schriftsteller. Das Buch erschien am 18. April 2019 bei dtv in einer Übersetzung von Susanne Höbel. Die Originalausgabe „Making an Elephant: Writing from Within“ stammt aus dem Jahre 2009.

Darin findet sich eine Zusammenstellung von Texten, Interviews, Fotos und Gedichten, die Graham Swift über sein Leben oder besser gesagt aus seinem Leben zusammengestellt hat. Er erzählt über seine Kindheit, seine Familie, seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden und sein „Leben im Schreiben“. Dabei widmet Swift immer wieder auch befreundeten Schriftstellerkollegen Texte, überwiegend in Form von Interviews. Entstanden ist eine Sammlung von Geschichten, die wie Swift sagt „das Persönliche“ betonen.

Swift beginnt mit seinen Kindheitserinnerungen an die Polio-Schutzimpfung und den Weihnachtsmann in der Grotte, schreibt über seine abenteuerliche Reise nach Griechenland in den 1960er Jahren vor Beginn seines Studiums, seinen späteren Aufenthalt dort als Englischlehrer und über die Gewissheit, dass er Schriftsteller werden wird. 1976 lernt Swift seinen ersten Lektor und Verleger, Alan Ross, kennen. Mit ihm veröffentlicht er seinen ersten Roman „Ein ernstes Leben“. Weiterlesen →

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