Fuminori Nakamura: Der Revolver

Auf nur 180 Seiten entwirft der japanische Autor Nakamura eine faszinierende Obsession und wagt sich tief in die Abgründe der menschlichen Seele hinein. Der Student Nishikawa führt ein unauffälliges, nahezu langweiliges Leben. Seine Wohnung ist gerade einmal sechs Tatamimatten groß, er ist eher introvertiert, vertreibt sich die Zeit mit seinem Freund Keisuke und ein paar wenigen, kurzlebigen Liebschaften. Doch etwas treibt Nishikawa um. So läuft er öfters bei Wind und Wetter planlos durch die Nacht, bis seine Füße schmerzen. Warum, vermag er selbst nicht zu sagen. Auf einem dieser nächtlichen Streifzüge macht er völlig durchnässt Halt unter eine Brücke. Dort findet er die Leiche eines Mannes, der augenscheinlich Selbstmord begangen hat. Neben ihm befindet sich der dazugehörige Revolver, ein Colt. Bei seinem Anblick ist es um Nishikawa geschehen: Es ist sozusagen „Liebe auf den ersten Blick“. Der Student nimmt die Waffe an sich. Danach ist nichts mehr so, wie es war…

Nishikawa wird selbstbewusster, offener, lässt sich auf Affären und Abenteuer ein. Der Revolver scheint ihm eine neue Art von Rückhalt zu verleihen. Er kann sich nicht am silbrigen Glanz der Waffe sattsehen, erfreut sich an der „radikalen Einfachheit und Eindeutigkeit des Gegenstandes“. Stundenlang poliert Nishikawa den Colt, trägt ihn bald auch außerhalb seiner Wohnung mit sich herum, wo er ihn ständig in seiner Jackentasche befühlt. Wohl wissend, dass er ihn jederzeit ziehen und überraschende Situationen provozieren könnte. Weiterlesen →

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Ulf Schiewe: Der Attentäter

Juni 1914: Eine verhängnisvolle Woche, in der die Geschicke der Welt neu sortiert werden. Der habsburgische Thronfolger kommt zu einer Parade durch die Straßen nach Sarajevo. Doch nicht alle sind ihm wohlgesinnt und eine große Gefahr lauert in den Straßen. Gavrilo Princip, ein junger bosnisch-serbischer Mann, wird seit Wochen für diesen einen Tag ausgebildet. Er und seine Freunde haben nichts zu verlieren und sind bereit, alles zu tun. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Ulf Schiewe hat sich einen Namen gemacht mit historischen Romanen, die perfekt recherchiert sind, Wissen vermitteln und gleichfalls unterhalten. Diese Mischung ist ihm auch bei „Der Attentäter“ gelungen. Man entwickelt schon nach wenigen Seiten ein Gefühl für die besondere Stimmung, die im Jahr 1914 in den beschriebenen Gebieten herrschte. Die Lage war sehr angespannt, der Geheimbund „Schwarze Hand“ plante bereits ein Attentat. Schiewe macht in seinen Kapiteln klar, dass dies den Geheimorganisationen der Gegenseite keinesfalls verborgen geblieben war und man sehr wohl wusste, dass bald etwas passieren konnte. Doch wann und wo, da waren sich die Beteiligten nicht komplett einig. Eine gute Ausgangslage für einen spannenden Roman, zu denen „Der Attentäter“ auf jeden Fall gezählt werden kann. Weiterlesen →

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Martina Kempff: Messer, Gabel, Kehr und Mord

Die Eifel ist ganz offensichtlich ein ziemlich gefährliches Pflaster. Oder besser Waldboden. Wenn man es an den vielen Krimis misst, die in der Eifel angesiedelt sind. Als Tatort scheint sich die Region bestens zu eignen.

Martina Kempff legt mit diesem Buch ihren zehnten Eifelkrimi um die Hobbygastwirtin und Hobbyermittlerin Katja Klein vor. Für mich war es der erste Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe. Und ein bisschen war es, wie wenn man auf einer Party der einzige Gast ist, der niemanden der Anwesenden kennt, während alle anderen schon lange sehr gute Bekannte sind.

Katja Klein führt mit Unterstützung von einigen Mitarbeitern, die auch ihre Freunde sind, in dem winzigen Örtchen Kehr ihre Gaststätte. Diese liegt exakt an der Grenze zwischen Deutschland und Belgien an einer Bundesstraße. Die Wirtschaft liegt auf der deutschen, Katjas Wohnhaus auf der belgischen Seite der Straße.

An einem heißen Sommerabend sitzen Katja und ihre Freunde vor der Gaststätte, als ein Auto vor ihnen scharf bremst.  Ein in eine Decke gewickelter Körper wird aus dem Wagen geworfen, das Auto fährt mit quietschenden Reifen weiter. Bevor die Augenzeugen irgendetwas unternehmen können, wird der Körper von einem zweiten Wagen abtransportiert. Wenig später wird einer der Wagen zerstört im Straßengraben gefunden, im Auto ein Toter. Weiterlesen →

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Lene Schwarz: Waldesgrab

Fünf Jahre nach seinem Nervenzusammenbruch und dem Unfalltod seiner Frau geht es dem Koch Leon Bosch einigermaßen gut. Er kocht wieder, und zwar in dem hauptsächlich von Jägern besuchten Waldgasthof Quellenbach. Auch seine Tochter Thea hat es aus ihrem Tief geschafft. Es sieht so aus, als könne sie ihr Abitur doch noch schaffen. Vater und Tochter könnten ein glückliches Leben führen.

Als Leon neben seinem Parkplatz am Waldgasthof den ausgeweideten Körper seiner Kollegin entdeckt, kommt nach dem Schock allmählich die Erkenntnis, der Mörder habe es auf ihn abgesehen. Mit Hilfe der befreundeten Nachbarin Marlene beginnt seine quälende Suche nach dem Motiv.

Wenige Tage später findet er seine Freundin, ähnlich aufgeschnitten und im Wald drapiert. Für die Polizei sieht es so aus, als wäre Leon der Mörder. Er wird verhaftet und nur wegen der unklaren Beweislage vorläufig freigelassen.

Weil im Brustkorb der Frauen jeweils ein besonderer Stein liegt, glauben Leon und Marlene an eine von langer Hand vorbereiteten Rache, die ebenfalls mit dem mysteriösen Baumsterben im Wald zusammenhängen muss. Denn in der Nähe der abgestorbenen Buchen hatten sie vor ein paar Jahren die von Thea gestohlene Mineraliensammlung vergraben. Heimlich suchen Leon und Marlene den Mörder. Weiterlesen →

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Ian Rankin: Ein Haus voller Lügen

In meinem ganz persönlichen Krimiherbst 2019, in dem ich bisher die neuen Bücher von Jo Nesbø, Håkan Nesser und Jussi Adler-Olsen gelesen habe, macht der neue Krimi von Ian Rankin das Kleeblatt komplett. Der schottische Schriftsteller Ian Rankin (Jahrgang 1960) ist wie seine Kollegen ein sehr bekannter und ausgezeichneter Krimiautor. Seit den 1980er Jahren schreibt er über Detective Inspector John Rebus, der in der schottischen Hauptstadt Edinburgh ermittelt. Inzwischen ist Rebus im Ruhestand, mischt sich aber weiterhin in Fälle der Polizei ein. So auch in „Ein Haus voller Lügen“, das am 28. Oktober 2019 im Wilhelm Goldmann Verlag in einer Übersetzung von Conny Lösch erschienen ist.

Darin taucht die Leiche des Privatermittlers Stuart Bloom auf, der 2006 spurlos verschwand. Damals führte DCI Bill Rawlston die polizeilichen Untersuchungen und John Rebus arbeitete an dem Fall mit. Die Eltern von Stuart Bloom erhoben im Laufe der Ermittlungen schwere Vorwürfe gegen die Polizei, so dass auch der interne Anti-Corruption-Unit (ACU)  eingeschaltet wurde. Jetzt wird Stuart Bloom mit Handschellen gefesselt im Kofferraum seines Autos in einem Waldstück gefunden, das an das Haus seines damaligen Auftraggebers, des Filmproduzenten Jackie Ness, grenzt. Ness hatte Bloom den Auftrag erteilt, Sir Adrian Brand, mit dem er um ein Grundstück konkurrierte, auszuspionieren. Auch Blooms Lebenspartner, Derek Shankley, stand unter Verdacht mit dem Verschwinden seines Freundes zu tun zu haben, aber es ließ sich nicht beweisen. Pikanterweise arbeitete Shankleys Vater, Alex, bei der Mordkommission in  Glasgow. Weiterlesen →

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Adam Brookes: Der chinesische Verräter

Verdammt lang her, dass ich einen Spionage Thriller gelesen habe. Aber ich vertraute mal einem Tipp des Buchhändlers meiner Wahl und hatte ein paar Tage Urlaub. Ich muss sagen, genau richtig! Der Roman besticht durch Aufbau und Spannung, Direktheit und gnadenloser Weltsicht. Eine, die, wie zu vermuten ist, zu den neuen Todsünden der Menschheit gehört: Cyberkrieg. Und die Gier der jeweiligen beteiligten Staaten, durch ihr Agentennetz Vorteile zu erlangen. Menschenleben sind dabei egal. Das große Ziel bleibt, wie bei alle diesen verrückten Entwicklungen im mörderischen Kapitalismus oder im China von heute, einen Vorteil vor der Konkurrenz zu haben. Mit der fragwürdigen Begründung, dass, wenn man es nicht selbst macht, tun es die anderen sowieso. Und so schaukelt sich das Ganze hoch. Wir befinden uns im China dieser Tage beim Ausbruch eines Gefangenen namens Peanut (ein Art Deckname), der im Jahre 1989 am 4 Juni bei den Unruhen auf dem Tiananmen Platz gefangen und eingekerkert wurde. Irgendwo in einer staubtrockenen Wüste, zig Kilometer von der nächsten Stadt. Der normale Weg ist, hier zu sterben. Doch Peanut wurde nicht gebrochen, ihm gelingt nach zwanzig Jahren eine unglaubliche Flucht. Weiterlesen →

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Christi Daugherty: Die schöne Tote

Harper McClain war Polizistin. Schnell wurde ihr Chef zu einem Mentor und einer wichtigen Bezugsperson. Damals genoss er den Ruf, viele Mordfälle aufzuklären. Heute arbeitet Harper als Gerichtsreporterin für eine Tageszeitung, während das Morddezernat unter neuer Leitung nur noch eine geringe Aufklärungsquote vorweisen kann.

Eines Nachts wird in der von Touristen beliebten Altstadt von Savannah (US-Bundesstaat Georgia) eine Jurastudentin erschossen, die kurz vorher noch in derselben Bar gearbeitet hat, in der Harper ihrer Freundin Bonnie Gesellschaft leistet.

Selbstverständlich glaubt die Polizei, nur der Freund der Toten könne aufgrund seiner kriminellen Vergangenheit der Mörder sein. Zum einen habe er für die Tatzeit kein Alibi, und zum anderen spreche die Statistik gegen ihn.

Der Ex-Freund, reich und Sohn eines mächtigen Mannes, hat ebenfalls ein Motiv aber auch ein Alibi für die Tatzeit. Schon nach wenigen Tagen verläuft die Ermittlungsarbeit der Polizei ins Leere. Harpers Nachfragen ergeben stets das gleiche Ergebnis: Es fehle an handfesten Beweisen. Aus diesem Grund ermittelt Harper selbst, auch wenn dies einigen Menschen missfällt. Der Mörder darf nicht davon kommen, ist ihre Devise. Schon bald findet sie heraus, dass nicht nur das Opfer einen aggressiven Stalker hatte. Auch sie selbst wird gestalkt. Weiterlesen →

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Paul Pen: Die Wahrheit will nicht sterben

In Franks Leben ist alles perfekt: Er hat eine Frau, Grace, mit der er eine glückliche Ehe führt, zwei nette Kinder namens Simon und Audrey und das durch und durch tolle Leben. Aber seit einiger Zeit fühlen sie sich vom Unglück verfolgt. Beängstigende Zwischenfälle häufen sich und es scheint nur einen Ausweg zu geben: Flucht. Die Familie beschließ, einmal quer durch Amerika umzuziehen und vor Ort alle Zelte abzubauen. Doch die Reise entwickelt sich anders als gedacht, als Frank mit dem großen Wohnmobil im Dunkeln eine Frau anfährt, mit der ihm mehr verbindet als er zugeben mag. Denn Frank hat ein Geheimnis …

Paul Pens neuer Thriller steht etwas hinter seinen beiden letzten Werken zurück. „Die Wahrheit will nicht sterben“ braucht deutlich länger, bis es eine Sogwirkung entwickelt. Bei seinen beiden anderen Thrillern der letzten Zeit war man immer sofort drin im Geschehen und ahnte Schlimmes. Diesmal lernt man eine Familie kennen, die vor etwas davonzulaufen scheint. Doch was es ist, kann man erstmal nicht herausfinden. So dramatisch wirkt es allerdings auf den ersten Blick nicht, denn der Abzug aus dem alten Wohnort passiert recht gesittet und geplant. Erst als die Frau mit der vermeintlichen Panne, Mara, hinzukommt, spitzt die Lage sich zu und es wird sehr schnell klar, dass hinter der ganzen Geschichte mehr steckt. Weiterlesen →

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Jan Weiler: Kühn hat Hunger

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie man so eine Diät, noch dazu mit völlig bescheuerten Ansprachen und Direktiven, überhaupt überstehen kann. Um so etwas anzugehen, müssen die Dinge ziemlich schief laufen. Und das tun sie offensichtlich bei Kommissar Kühn. Er fühlt sich in seiner Haut nicht mehr wohl, und merkt auch, dass seine Frau Susanne sich distanzierter verhält, also ran an den Speck und die „Ferdie Caparacq Methode“ angewandt. Er will als Mann wieder attraktiver, begehrlicher sein. Seinen Platz zurück erobern, sozusagen. Nun kann man ja so eine Tortur einfach so angehen, wenn rings herum kein Stress ist. Aber wieder nix. Ein komplizierter Fall fordert das Gespür des ganzen Kommissars. Trotz ständigem Hunger. Eine junge Frau wird gefunden in einem Baustellenloch und in der Nähe ist ein Campingplatz. Bitter die Parallele zu Lügde, das wird ja grade erst gerichtlich aufgearbeitet und immer noch kommen schlimmste Nachrichten ans Tageslicht.

Parallel zu Kühns Hungerkur verfolgen wir die Psychopathologie zweier Gestalten, die versuchen unter dem Radar eines normalen Lebens klar zu kommen, obwohl sie beide schlimme Vorstellungen vom und mit dem Leben der Frauen haben. Sie beobachten lieber, setzen sich dann vor dem Screen. Weiterlesen →

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Holger Wolandt (Hrsg): Tod am Fjord: Mörderische Geschichten aus Norwegen

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober, wo Norwegen 2019 Gastland war, ist im Piper-Verlag die Anthologie Tod am Fjord erschienen. Die sechzehn spannenden Geschichten aus Skandinavien, die Herausgeber Holger Wolandt hierfür ausgewählt hat, lesen sich mal humorig, mal unheilvoll. Die Autoren sind Ingvar Ambjørnsen mit der Erzählung Der Silberfjord, Jo Nesbø und seine Geschichte Serum, Lars Saabye Christensen (Schlachtung), Levi Henriksen (Julian Johnsen), Jonny Halberg (Persona) und weitere.

Finstere Abgründe finden sich in vielen Schattierungen.

So geht es zum Beispiel im Kurzkrimi Der Wolf und die Rotkäppchen von Unni Lindell um einen perfiden Handlungsablauf mit Telefonterror, in der der Wolf letztlich das Sinnbild von vererbtem Hass ist.

Anne B. Ragde thematisiert in Do not disturb das Verhältnis ihrer Protagonistin mit einem ihrem Arbeitskollegen, einem verheirateten Mann.

Von Roy Jacobsen lesen wir eine dramatische Geschichte über einen Kampf ums Überleben bei stürmischer See, wobei der Motor eines Bootes versagt. Außerdem geht es um die Menschen eines Dorfes, die scheinbar alle zusammenhalten. Weiterlesen →

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