Grandiose Beobachtungsgabe, geschrieben mit spitzer Feder und ebenso humoristischen Spitzen: Vicki Baum, deren wunderbare Gesellschaftsromane einst den Nazis zum Opfer fielen, ist eine lohnenswerte literarische Wiederentdeckung! In ihrem Buch lässt sie Lebensmodelle, Milieus und Menschen aufeinander krachen, dass es eine Lust zu lesen ist! Unterhaltsam, aber mit Tiefgang, dabei von verblüffender Aktualität. Kurz: Die Zutaten, aus dem Klassiker gemacht sind.
Im verschlafenen Städtchen Lohwinckel in Rheinhessen geht in den ausklingenden 20er Jahren alles seinen gewohnten Gang. Bis drei mondäne Berliner mit ihrem Auto im Straßengraben landen, ärztlich versorgt werden müssen und bei der hiesigen Bevölkerung zur Genesung einquartiert werden. Das Trio infernale bringt im Ort alles durcheinander. Da ist die attraktive Leore Lania, Filmschauspielerin und vierfach geschieden, die mit ihrem neuen Lover Peter Karbon – Industrieller, Lebemann, Freigeist – durch die Lande tingelt. Dazu der Mittelgewichtsweltmeister im Boxen, Franz Albrecht, dessen maskuliner Körper so gar nicht mit seinem zartbesaiteten Verhalten übereinstimmen will. Kaum treffen die fortschrittlich gestimmten Berliner auf die konservativen Provinzler, brechen die unter der Oberfläche brodelnden Konflikte hervor: Arbeiterstreiks, amouröse Verwicklungen, alte Fehden, jugendliche Aufstände und medizinische Streitfragen verwandeln Lohwinckel in ein Pulverfass, dass sich in einem tatsächlichen Brand entlädt. Weiterlesen




Kunst ist eine Ausdrucksform. Kunst ist aber auch Unterhaltung. Die 1945 in England geborene Susan Herbert versteht vor allem den zweiten Punkt besser als die meisten anderen. Sie möchte die Menschen unterhalten, sie zum Schmunzeln bringen und ihnen ein wenig Freude bereiten. Dafür hat sie sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Sie malt bekannte Gemälde ein zweites Mal – jedoch sind die Protagonisten ihrer Werke nicht länger Götter und Menschen, sondern Katzen. Die Bilder sind von außergewöhnlicher Präzision und so gut wiedergegeben, dass zumindest die bekannteren jedem sofort erkenntlich sind. Das typisch kritisch-zufriedene Lächeln im Gesicht gucken Katzen unter feinen Häubchen und Hüten hervor und übernehmen die Darstellungen, als sei es nie anders gewollt gewesen. Botticelli, da Vinci, Raffael, Michelangelo, van Gogh – ihre Werke und die vieler anderer erwachen einmal mehr zum Leben, auch wenn Madonnen jetzt weiche Pfoten haben und Gott Schnurrhaare.


