Ein Buch, das bereits 2005 auf der Shortlist für den Booker-Preis stand, ist nun endlich auch auf Deutsch erschienen: Sebastian Barrys „Ein langer, langer Weg“. Es beschreibt auf sehr eindringliche und emotional nahe gehende Weise den Horror des Ersten Weltkriegs. Wer sich also weniger für Schlachtenfolgen und nackte Fakten interessiert, dafür aber wissen will, wie schrecklich es in den Schützengräben Flanderns zwischen 1914 und 1918 für die beteiligten Soldaten wirklich war, der sollte entweder Erich Maria Remarques berühmtes „Im Westen nichts Neues“ oder eben diesen Roman lesen. Weiterlesen
Historische Romane
Andrea Camilleri: Die Revolution des Mondes
Es war einmal ein Vizekönig. Der starb an Überfettung und verfügte, dass seine Frau Eleonora seine Nachfolgerin wird. Sie half Waisen, beendete Ruckzuck einen Krieg und deckte Kindesmissbrauch in kirchlichen Kreisen ab. Trotzdem saß sie nur 27 Tage auf dem Thron.
Der neue Roman des italienischen Bestseller-Autors Andrea Camilleri, „Die Revolution des Mondes“, liest sich wie ein Märchen, beruht aber auf einer wahren Begebenheit. Die spanische Vizekönigin Donna Eleonora de Moura gab es 1677 auf dem Thron in Sizilien tatsächlich; Camilleri hat sie ausgeschmückt, erzählt sie in einer behutsam antiquierten Sprache so spannend wie einen Krimi. Weiterlesen
Sabine Wassermann: Die Wikingersklavin
Haithabu, Hafenstadt in Dänemark, im Jahr 1066. Hierhin, in ein Hurenhaus, hat es die junge Sophia verschlagen. Friesen überfielen ihr Dorf bei Bremen, erschlugen ihren Vater und verschleppten sie. Der Wikinger Askell kauft sie der Hurenwirtin ab. Als seine Sklavin soll Sophia sein Bett wärmen. Durch einen Zufall gerät auch der Mönch Aidan in Askells Besitz.
In Norwegen jedoch läuft nicht alles nach Askells Plan, und bis er mit seinen Sklaven Unterschlupf im Dorf Grimkjelldorf findet, müssen sie um ihr Überleben kämpfen. Weiterlesen
Petra Durst-Benning: Die Champagnerkönigin
Champagner – allein das Wort lässt die Zunge schon prickeln. Es klingt mondän, exklusiv, nach Leben mit Leichtigkeit und Luxus. Wir schreiben das Jahr 1989, Isabelle besaß als Berliner Fabrikantentochter alles außer ihrer Freiheit. Hals über Kopf hat sie sich in den Pfälzer Winzersohn Leon verliebt und mit dem Kopf voller Flausen in Berlin alles stehen und liegen lassen, um mit ihm zu gehen. Ihre gemeinsame Verbindung war zunächst das Radfahren, der Vorgängerroman „Solange die Welt noch schläft“ erzählt die Geschichte ihrer Freundin Josefine und reißt Leons und Isabelles Liebesgeschichte an, hier wird sie weitererzählt. Aber so ein Winzerleben ist nicht im geringsten so, wie Isabelle sich das vorgestellt hat, so ist sie heilfroh, als Leon ein Weingut in der Champagne erbt. Endlich kommt sie aus der verhassten Pfalz weg und fort von der kritischen Schwiegermutter. Weiterlesen
Ulf Schiewe: Das Schwert des Normannen
11. Jahrhundert, Normandie.
Als Säugling von marodierenden Kriegern aus einem überfallenen Dorf geraubt, wächst Gilbert im Clan von Tancred de Hauteville auf. Als Robert de Hauteville, genannt Guiscard – das Schlitzohr – nach Italia aufbricht, wie schon einige seiner älteren Brüder, nimmt dieser den inzwischen siebzehnjährigen Gilbert mit. Bei den Fürsten der Lombarden will Robert sein Glück machen, sich einen eigenen Landstrich erobern, möglichst mit Burg, fruchtbaren Dörfern drumherum und einem netten Weib. Und so beginnt eine lange Reise in den Süden, in eine fremde Welt, so viel wärmer und bunter als die raue Heimat. Weiterlesen
Rebecca Gablé: Das Haupt der Welt
Im Jahr 929 wird Brandenburg noch von den Slawen bewohnt und regiert. Einer von ihnen ist Prinz Tugomir, als zweitgeborener Sohn des Fürsten ist es ihm bestimmt, Priester zu werden. Nein, nicht Priester der christlichen Kirche, die ist in Brandenburg noch nicht angekommen, sondern ein Priester des alten Götterglaubens. Rebecca Gable entführt uns mitten in die Zeit der Christianisierung des Ostens. Europa teilte sich noch in Christianitas und Heidengebiet, wie es sich vorher in Römer und Barbaren geteilt hatte und davor in Griechen und Barbaren. Wie vor ihnen die Römer sind sich auch die Christen sicher, dass für die eroberten Völker das Leben sehr viel besser würde, wenn sie sich erst der Lebensweise der Eroberer angepasst hätten. Und wie einst die Germanen, die Briten, die Gallier liegt es in der Natur der Sache, dass die Eroberten das völlig anders sehen. Weiterlesen
Michael Buttler: Die Bestie von Weimar
Ein Serienmörder versetzt im Jahr 1825 die Einwohner der Residenzstadt Weimar in Angst und Schrecken. Er ersticht seine Opfer mit einem Messer und lässt die übel zugerichteten Leichen achtlos liegen.
Auch die junge Friederike Börner verliert ihre Eltern auf traumatische Weise. Der Mörder überrascht das Ehepaar in der Nacht und schlachtet die Schlafenden bestialisch ab. Ihr Onkel Viktor Börner, der sich mit Friederikes Vater vor vielen Jahren überworfen und das Haus verlassen hat, nutzt die Notlage der jungen Frau schamlos aus und nistet sich als ihr Vormund zusammen mit seiner Geliebten bei ihr ein. Einzig die Magd Hilde, mehr Vertraute als Hausangestellte, gibt Friederike die Kraft, nach der schrecklichen Tat an ihren Eltern weiterzuleben. Weiterlesen
Tatjana Stöckler: Die Hexe muss brennen
Die gewitzte Diebin Luzia macht im Jahr 1606 in dem verschlafenen Provinznest Amorbach reiche Beute. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, als eine angesehene Bürgersfrau als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt und drei weitere Bürgerinnen festgenommen und gefoltert werden. Niemand in Amorbach interessiert sich für das Schicksal dieser Frauen, denn sie werden schließlich in einem rechtmäßigen Prozess der Hexerei überführt und erhalten nur ihre gerechte Strafe.
Luzia beschließt, Amorbach zu verlassen, bevor ihre Identität auffliegt. Beim Verlassen der Stadt gerät sie in die Fänge des Inquisitors Balthasar Noß, einem brutalen Mann, der sich rühmt, fast dreihundert Frauen gefoltert und als Hexen verbrannt zu haben. Weiterlesen
Heidi Rehn: Gold und Stein
Im Jahr 1452 leben die fünfzehnjährige Agnes und ihre Mutter Gunda, eine Bierbrauerin, in dem preußischen Städtchen Wehlau. Gunda betreibt seit dem Tod ihres Mannes Zacharias Fröbel die Schankwirtschaft zusammen mit ihrer Tochter, der Magd Griet und dem Knecht Ulrich. Fröbel war der Stiefvater von Agnes. Allein das Feuermal in ihrem Nacken, das sie stets mit einem Halstuch zu verstecken sucht, erinnert sie daran, dass ihr leiblicher Vater kurz nach ihrer Geburt verstorben ist. Ihre Mutter spricht nie von ihrem ersten Mann. Deutlich spürt Agnes, dass ihre Geburt ein düsteres Geheimnis umgibt. Weiterlesen
Iny Lorentz: Die Rache der Wanderhure
Ihr Erzfeind brennt auf dem Scheiterhaufen. Der Ruf von Marie ist wieder hergestellt und sie lebt als Kastellanin zusammen mit ihrem Mann Michel auf Burg Hohenstein. Doch der Frieden währt nicht ewig. Die Böhmen sind erzürnt über König Sigismund, der Papst selbst fordert den Kriegszug und Michel muss sich gegen die Hussiten rüsten. Doch jemand aus den eigenen Reihen will ihn tot sehen.
„Die Rache der Wanderhure“ von Iny Lorentz basiert auf dem gleichnamigen Film. Der wiederum basiert auf dem Buch „Die Kastellanin“, welches ebenfalls von Iny Lorentz ist. Kling verwirrend, ist es auch. Vor allem dann, wenn man den kleinen Aufkleber mit genau diesem Hinweis auf dem Roman übersieht und von einer Fortsetzung der Wanderhuren-Saga ausgeht. Wenn der ersten Phase der Verwirrung nicht gerade übertriebene Wut folgt und man sich der Geschichte ganz unvoreingenommen hingibt, taucht man ein in eine verstrickte, vielschichtige Welt der Ritter und Spielleute, die einen bis zum bitteren Ende nicht mehr loslässt.
Zugegeben: Ich habe die Diskussion über die Notwendigkeit dieses Buches eher mit einem Stirnrunzeln als mit dem durch Nicken begleiteten Heben des Zeigefingers verfolgt. Ein Autor wird ein erfolgreiches Buch nicht noch einmal komplett neu schreiben. Ergo muss auch dieses lesenswert sein. Ganz ohne Beigeschmack jedoch bleibt der historische Roman um die Wanderhure nicht in Erinnerung. Trotz echter Spannung und neuer Handlungsstränge fällt das Buch stilistisch hinter seine Vorgänger zurück. Wahrscheinlich wurde es dann doch ein wenig übereilt geschrieben.
Iny Lorentz: Die Rache der Wanderhure.
Knaur, Januar 2012.
480 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annett Bergk.