Seit 13 Jahren sind Rachel und Rhys nun schon ein Paar, als sie beschließen, endlich zu heiraten. Doch das geht gehörig schief und Zweifel lassen die Beziehung zu Bruch gehen. Und Single war Rachel eigentlich noch nie so richtig. Rhys war immer an ihrer Seite oder zumindest in ihren Gedanken, auch als sie zum Studium wegzog und dort ihren besten Kumpel Ben kennenlernte. Während ihre besten Freunde Mindy, Caroline und Ivor versuchen, Rachel wieder aufzubauen und ihr ein eigenes Leben zu gestalten, trifft sie ausgerechnet Ben wieder. Der ist, zehn Jahre nach ihrem Auseinandergehen, Anwalt, hat eine nette Wohnung und eine noch nettere Ehefrau! Mist, denn Rachel muss sich eigentlich eingestehen, dass ihr an Ben doch mehr liegt als bloß eine gute Freundschaft. Weiterlesen
Belletristik
Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt
Ein Mensch mit Asperger-Syndrom hat Schwierigkeiten, Gefühle zu empfinden. Alles Zwischenmenschliche ist ihm ein Gräuel. Wenn so jemand – wie in Graeme Simsions Roman „Das Rosie-Projekt“ – versucht, etwas so Emotionales zu tun wie auf Brautschau zu gehen, dann ist die Situationskomik vorbestimmt. Und so geschieht’s im höchst unterhaltsamen, lesenswerten und witzigen Buch des australischen Autors.
Don Tillman ist Genforscher, leidet unwissentlich am Asperger-Syndrom und sucht die Frau fürs Leben. Letzteres tut er mit einem gut ausgeklügelten 17-seitigen Fragebogen. Doch dann trifft er Rosie, die bei fast allen Fragen durchfällt. Weiterlesen
Corina Bomann: Eine wundersame Weihnachtsreise
Studentin Anna ist das, was wir einen totalen Weihnachtsmuffel nennen würden, und wird von ihrer Freundin mit dem Grinch verglichen. Jedes Jahr zur besinnlichen Zeit flüchtet sie sich in den warmen Süden an irgendeinen beliebigen Strand. Auch dieses Jahr wollte sie es so halten, bis zu dem Moment, in dem ihr kleiner Halbbruder sie bittet, mit ihm gemeinsam Weihnachten zu feiern. Da beschließt sie, eine Ausnahme zu machen und fährt kurz vor Heilig Abend von Leipzig nach Berlin. Wenn Anna jedoch gewusst hätte, auf welche Irrfahrt sie sich damit begibt, wäre sie sicher daheim geblieben. Weiterlesen
Herman Koch: Odessa Star
Von dem 1953 geborenen niederländischen Autor Herman Koch sind in Deutschland bisher zwei Romane erschienen: „Angerichtet“ und „Sommerhaus mit Swimmingpool“. Nun hat der Kiepenheuer-&-Witsch-Verlag ein drittes Werk Kochs übersetzen lassen, das im Original bereits 2003 erschienen ist, also vor den beiden erstgenannten – „Odessa Star“.
Es handelt von einem 47-jährigen Mann namens Fred, der mitten in seiner Midlife-Crisis einen alten Schulfreund wiedertrifft und sich fortan magisch von ihm angezogen fühlt. Doch die Coolness, die den Wiedergefundenen umgibt, hat ihren Preis … Weiterlesen
Rachel Joyce: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte
Rachel Joyce ist 2012 mit ihrem ersten Roman „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ein Weltbestseller gelungen. Nur ein Jahr später legt die 1962 geborene britische Autorin den nächsten Schmöker vor: „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“. Und auch dieses Buch hat das Zeug dazu, wieder mächtig für Furore zu sorgen.
Es geht um einen kleineren Verkehrsunfall im Nebel – jene titelgebenden zwei Sekunden Unaufmerksamkeit –, der das Leben einer ganzen Familie zerstört oder komplett verändert, obwohl gar nicht viel passiert. Diana, die selbst aus zweifelhaften Familienverhältnissen stammt, ist mit ihrer Rolle als Oberschichtenmutter – mit Luxushaus und Luxuswagen – komplett überfordert. Weiterlesen
Nicholas Sparks: Kein Ort ohne dich
In jedem seiner Bücher erzählt Nicholas Sparks ganz wundervolle Liebesgeschichten. In seinem 17. Roman, „Kein Ort ohne Dich“ sogar zwei. Und am Schluss kreuzen sich die Lebenswege der beiden Paare und sie retten sich gegenseitig.
Der 91 Jahre alte Ira hatte einen Autounfall. Seine Ehefrau Ruth hat er vor neun Jahren verloren. Er hat sie angebetet, es war eine große Liebe. Zwei Tage hängt Ira verletzt im Auto am Abgrund. Ruth erscheint ihm in Halluzinationen; Sparks lässt sein Leben und seine Liebesgeschichte Revue passieren.
Parallel dazu erzählt der 48-jährige Amerikaner die Kennenlern-Geschichte eines sehr ungleichen, jungen Paars: von Sophie, der Kunstgeschichts-Studentin und Luke, einem Cowboy und waghalsigen Rodeo-Reiter. Weiterlesen
Frau Freitag: Echt easy, Frau Freitag
Neue Klasse, neues Glück. Und dieses Mal hat Frau Freitag wirklich Glück. Die neue Klasse erweist sich als ruhig, lernwillig und unproblematisch. Fast wird ihr schon langweilig, da kommt doch noch der eine oder andere Problemfall dazu. Und dann sind da ja noch die Schüler, die schon nicht mehr ihre Schüler sind, sie aber dennoch anscheinend als Anlaufstelle für alle Bummeleien im Leben ansehen. War doch schon immer so. Zur Not kann man sie auch auf Facebook verfolgen – wenn es gar zu öde im Leben wird.
Frau Freitag kämpft sich als Lehrerin in einer Brennpunktschule gewohnt schnodderig durch den Alltag. Mit Herz und Verzweiflung meistert sie den Schulalltag und mit ihr gemeinsam schüttelt der Leser entspannt den Kopf „über diese Jugendlichen“.
Fazit: Schönes Buch, locker zu lesen und hinterher fühlt man sich irgendwie gut.
Frau Freitag: Echt easy, Frau Freitag.
Ullstein, September 2013.
288 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.
Peter Schneider: Die Lieben meiner Mutter
Jahrzehntelang haben die Briefe der Mutter vom Lübecker Autor Peter Schneider ungelesen im Schrank gelegen. Die Mutter starb mit nur 41 Jahren, brachte im Krieg in Bayern vier Kinder durch, während der Ehemann, ein Dirigent, in Hannover in der Oper arbeitete. Geliebt hat die Mutter immer andere: Andreas, einen bedeutenden deutschen Opernregisseur, später Max, Gerhard und Horst. Sie wurde depressiv und starb an Erschöpfung und gebrochenen Herzen.
Peter Schneider hat die Briefe seiner Mutter aus dem Sütterlin transkribieren lassen, rekonstruiert damit seine Kindheit, zu der auch der sieben Jahre ältere Freund Willi gehört, und erzählt damit eine Nachkriegsgeschichte. Das Schicksal der Mutter ist bewegend, wie das von vielen Frauen, die heute über 90 Jahre alt sind.
Peter Schneider: Die Lieben meiner Mutter.
Kiwi, Mai 2013.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Padgett Powell: Schrottplatz der gebrochenen Herzen
Harry Rowohlt persönlich hat eine Geschichtensammlung des amerikanischen Autors Padgett Powell übersetzt, die im Original bereits 1996 erschienen ist. „Schrottplatz der gebrochenen Herzen“ heißt das Werk.
Die ersten drei Geschichten sind unglaublich stark: enorm witzig, von einer Sprachgewalt, die schier atemlos macht, und getragen von einer Haltung, die viel Sympathie für die Loser der Gesellschaft in Amerikas Südstaaten zeigt, beziehungsweise für diejenigen, die die ausgetretenen Pfade verlassen möchten: eine gut situierte Frau, die Sex mit einem Jüngling sucht, einen Psychopathen, der Angst davor hat, mit seinem Wohnwagen im Erdboden zu versinken, und einige mehr. Weiterlesen
Monika Maron: Zwischenspiel
„… Eigentlich hatte ich nicht das Gefühl, dass es schon Zeit sei für ein Lebensresümee, aber an Tagen wie diesem drängten sich diese sinnlosen Fragen nach dem Woher und Warum ungebeten in meine ziellosen, noch immer von dem unheilvollen Traum befangenen Gedanken.“ (S. 17)
Ruth, die Ich-Erzählerin, etwa sechzig Jahre alt, macht sich auf den Weg, um Olgas Beerdigung zu begleiten. Der sommerliche Tag beginnt seltsam. Eine Trübung der Seekraft verändert ihre Wahrnehmung. Die Konturen der Umgebung verschwimmen, als befände sie sich in einer Zwischenwelt. Trotzdem fährt sie mit dem Auto zur Beerdigung, verirrt sich und gelangt schließlich in einen Park, der sich in der Nähe des Friedhofs befinden soll. Die Abneigung, Olgas Sohn wiedersehen zu müssen, treibt die Erzählerin durch den Park, wo sie auf einmal mit Menschen aus ihrer Vergangenheit zusammenkommt, denen sie Rechenschaft ablegen muss. Weiterlesen