Ingrid Kaltenegger: Das Glück ist ein Vogerl

Was für ein schönes Buch: Der Österreicherin Ingrid Kaltenegger gelingt mit „Das Glück ist ein Vogerl“ ein herrlich leichter und amüsanter Roman, der niemals in Klamauk umschlägt.

Wichtige Erfolgszutat ist die Sprache, denn die Autorin bedient sich einer milden Form des österreichischen Dialekts: Ein Vogel ist eben ein Vogerl, ein Tisch ein Tischerl und ein T-Shirt ein Leiberl. Außerdem haben alle Namen einen Artikel – der Franz trifft den Egon. Für deutsche Leser entsteht dadurch eine eigenartige, verzaubernde Sprachmelodie, die fast so etwas wie Poesie erzeugt.

Inhaltlich geht‘s um den Franz, der mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Hospiz- oder zu Hause sterben? Ein großes Thema. Überall gibt es mittlerweile Möglichkeiten, um sich bei karikativen- oder kirchlichen Organisationen zum Sterbebegleiter ausbilden zu lassen. Das ist nicht leicht, denn man kommt, noch vor der Begegnung mit einem oder einer Sterbenden, auf jeden Fall an seine Grenzen. Susann Pásztor hat uns mit diesem Roman den Einstieg leicht gemacht. Karla hat ihr Leben so gelebt, wie sie auch sterben möchte, eben unter ihren Bedingungen.  Karla ist eigensinnig, sogar zickig, aber im Kern auch milde und warmherzig. Und sie hat vielleicht noch ein halbes Jahr.

Fred wird ihr, ehrenamtlich Sinn im Leben suchend, zugeteilt. Karla ist Freds Erste. Er ist entsprechend nervös. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sebastian Faulks: Der große Wahn

Der englische Autor Sebastian Faulks bezieht den Titel seines Romans „Der große Wahn“, dessen Handlung weitgehend im Jahr 1980 spielt, gleich auf dreierlei: den Wahn der beiden Weltkriege, den Wahn im Sinne psychischer Krankheiten und den Wahn der Liebe. Und es bedarf schon eines gewissen Spagats, das alles unter einen Hut zu bekommen: Der Ich-Erzähler, ein Psychiater, sehnt sich zeitlebens nach seiner großen Liebe Luisa zurück, die er 1944 im Krieg kennengelernt – und wieder verloren hat. Auch hat er Fragen zu seinem Vater, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Durch die Verbindung zu einem Kriegsveteranen scheinen Antworten plötzlich möglich. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Henning Mankell: Der Sandmaler

Knapp zwei Jahre nach dem Tod von Henning Mankell ist nun der erste Afrika-Roman des schwedischen Bestseller-Autors erschienen. Es ist der zweite Roman überhaupt, den Mankell geschrieben hat. – Eine Entdeckung.

26 Jahre jung war Mankell als er 1974, lange vor den Wallander-Romanen, „Der Sandmaler“ geschrieben hat. Zwei Jahre zuvor war er zum ersten Mal nach Afrika gereist. Der Kontinent hat den Autor auch als Schriftsteller nie mehr losgelassen und immer fasziniert.

Man spürt in diesem frühen Werk schon Mankells große Erzählkraft, die später die Wallander-Krimis zu Bestsellern gemacht hat. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tristan Garcia: Faber. Der Zerstörer

Faber ist anders als alle anderen. Schon als Kind fällt er durch seine Überlegenheit an Intelligenz und Mut auf. Als er mit acht Jahren neu an die Schule kommt, beschützt und hilft er den beiden Außenseitern Basile und Madeleine, die auf dem Pausenhof ausgegrenzt und gequält werden. Dies ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft des Dreiergespanns, die über die Jahre während ihrer Grundschulzeit und später im Collège der fiktiven Stadt Mornay anhält.

Faber, dessen algerische Eltern ihn verlassen haben, wächst nachdem seine ersten Pflegeeltern tödlich verunglücken, bei einem älteren französischen Ehepaar auf. Obwohl seine Adoptiveltern sich liebevoll alle Mühe mit ihm geben, entwickelt er ein stark persönlichkeitsgestörtes, unbezwingbares Eigenleben. Häufig zieht er sich in seine Kammer zurück und befasst sich, seinem Alter weit voraus, unter anderem mit anspruchsvoller Literatur. Immer wieder fügt er sich selbst mit einem Cutter Verletzungen zu, um das Leben aushalten zu können. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ulrich Woelk: Nacht ohne Engel

In „Nacht ohne Engel“ von Ulrich Woelk trifft der Berliner Taxifahrer Vincent nach 25 Jahren seine Jugendliebe Jule wieder. Sie sitzt plötzlich in seinem Taxi. Doch die beiden ehemals linken Demonstranten haben sich auseinanderentwickelt. Sie ist eine erfolgreiche Wirtschafts-Fachfrau geworden, während er zumindest beruflich auf der Strecke geblieben ist.

Und so sind in diesem kurzen Roman, der mit vielen Rückblenden arbeitet, auch die unterschiedlichen Lebensentwürfe Thema: einerseits angepasst und wirtschaftlich erfolgreich, andererseits der ewige Taxifahrer mit Hang zum Schreiben. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ingrid Noll: Halali

Halali ist ein Gruß und Tonsignal aus der Jägersprache.  Auf die Pirsch gehen die beiden Sekretärinnen Karin und Holda allerdings nur, um aussichtsreiche Junggesellen zu erlegen. Im Jahre 1955 wird in der BRD weibliche Selbstverwirklichung noch nicht großgeschrieben, der Weg der Frau endet in der Ehe. Wie gut, dass es in der Hauptstadt Bonn und an ihrem Arbeitsplatz im Innenministerium von hohen Tieren wimmelt. Ein Diplomat könnte ihnen die weite Welt zu Füßen legen. Denn während die Jugend in der BRD noch den Klängen von Catarina Valente lauscht, heißt es anderswo längst: Rock around the clock!

So blasen die schüchterne Holda und die fesche, sexuell wesentlich aufgeschlossenere Karin zur Jagd auf das andere Geschlecht. Doch Bonn ist längst nicht so bieder wie gedacht. Sie geraten in ein Abenteuer voller Spionage, Erpressung und Romeo-Agenten. Kollateralschäden nicht ausgeschlossen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Elena Ferrante: Die Geschichte der getrennten Wege

Über zwei Jahrzehnte hinweg dürfen die Leser von Elena Ferrantes Neapel-Tetralogie nun schon das Leben der Freundinnen Lila und Elena begleiten. Aus den Kindern sind im dritten Band der italienischen Autorin, die unter einem Psydonym schreibt, junge Mütter geworden. Und gute Bekannte der Leser.

Elena und Lila, beide Jahrgang 1944, sind in „Die Geschichte der getrennten Wege“ Mitte 20 und haben sich aus den Augen verloren. Immer mehr entwickeln sich die jungen Frauen auseinander: Elena, die Ich-Erzählerin, ist auf dem Weg, eine erfolgreiche Schriftstellerin zu werden. Sie hat ihren ersten Roman veröffentlicht, Lila hingegen lebt ihr Leben wie in einem Roman. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mohsin Hamid: Exit West

In diesen Zeiten fühle ich mich in der Welt so, als wäre ich ein Protagonist eines Science-Fiction Romans, den ich vor 40 Jahren gelesen habe und wahrscheinlich damals ungläubig zur Seite gelegt habe. Es gab schon immer „Seher“ im Bereich der Fiktion, die eine beängstigende Zukunft in ihren Romanen auf den Schirm hatten. Romane wie „Die Straße“(McCarthy) oder „Nachricht an alle“ (Kumpfmüller) oder „Die Memoiren einer Überlebenden“ (Doris Lessing) sind so Fälle. Auch „Exit west“ reiht sich hier ein. Wir befinden uns, ohne dass es um Datierungen und geographische Erkenntnisse geht, wohl in einem muslimischen Land, etwa Aleppo oder Mossul. Jene Orte, die man nur noch verdrängen will, aber die als gespenstische Ruinen noch existieren. Hier lernen sich Nadja und Saeed in den Anfangswirren eines kommenden Bürgerkriegs kennen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ruth Hogan: Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ein viktorianisches Haus. Manche würden sagen, es ist voller Gerümpel. Aber für Anthony Peardew haben alle diese Fundstücke eine Bedeutung. Sie haben nicht nur eine Bedeutung, er hat für die meisten von ihnen auch eine Geschichte geschrieben. Irgendwie hofft er, dass er durch das retten von verlorenen Dingen das zurückbekommen kann, was er einst verloren hat. Dann stirbt er und vererbt seiner Assistentin Laura die Aufgabe, die Besitzer der Dinge wiederzufinden. Laura wächst über sich hinaus, schließt neue Freundschaften und vielleicht findet sie sogar die große Liebe.

Ruth Hogan hat ein im wahrsten Sinne des Wortes magisches Buch geschrieben. Es gibt manche magische Wendung in der Geschichte, aber die wahre Magie liegt in ihrer Erzählkunst. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: