Yaa Gyasi: Heimkehren

Ein Buch, das den Begriff „Pageturner“ wirklich verdient hat, ist das vielfach ausgezeichnete Erstlingswerk der Autorin Yaa Gyasi. Es beginnt an der afrikanischen Goldküste, Ende des 18. Jahrhunderts: Sie sind schwarz, stehen jedoch auf unterschiedlichen Seiten. Mal als Sklaven, mal als Sklavenhändler für die Weißen. Die Schicksale zweier Familien werden über Jahrhunderte hinweg in Ghana und den USA miteinander verflochten. Diskriminierung, Hass und Hoffnung auf ein Stück Heimat gibt es auf beiden Seiten des Atlantiks. Diese afroamerikanische Literatur trifft wahrhaftig in Schwarze – mitten ins Herz der Leser. Erschütternd, emotional, episch!

Effia und Esi sind Halbschwestern, die von der Existenz der anderen nichts wissen. Ihr Leben könnte kaum unterschiedlicher verlaufen. Effia wächst bei den Fante auf, einem Stamm, der mit den britischen Kolonialmächten Handel betreibt und zu Wohlstand gelangt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

George Watsky: Wie man es vermasselt

Der 1986 geborene amerikanische Rap-Musiker George Watsy kann auch richtig gut schreiben, wie er mit seiner ersten Buchveröffentlichung „Wie man es vermasselt“ beweist. Auf enorm witzige und unterhaltsame Weise erzählt er darin in mehreren kürzeren Erzählungen aus seinem Leben. Es geht um Watskys Erfahrungen beim Baseball, mit den Frauen, als WG-Mitbewohner, beim Schmuggeln eines Narwal-Stoßzahns von Kanada in die USA oder auch um eine Band-Tour mit einem klapprigen Bus durch die Staaten.

Was dieses Buch so unglaublich sympathisch macht, ist die schonungslose Selbstironie, Offenheit und Ehrlichkeit, mit der Watsky zu Werke geht. So schreckt er auch nicht vor allerlei Peinlichkeiten zurück, die ihn keineswegs in einem guten Licht dastehen lassen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Thomas Lehr: Schlafende Sonne

Ich lege ein Buch nur sehr selten vor dem Ende aus der Hand – besonders natürlich, wenn ich es für diese Buchseite lese, um anschließend eine Besprechung darüber zu schreiben. Im Fall von Thomas Lehrs „Schlafende Sonne“ ist mir das Weiterlesen jedoch schlicht nicht möglich. Der Roman fängt so an: „Dein Stern, Jonas, nähert sich als fahles Licht, das in die Straßen fällt wie Staub aus einer anderen Welt. Dort liegt es nun mit sich verstärkendem Glanz. Bald wird etwas sichtbar werden, in der Mitte der Stadt. Das Ereignis (aber auch deine kleinen Schweinereien!). Die von obskuren Handzetteln versprochene Offenbarung. Ankündigung der Göttin der Kernfusion, die es mit atomaren Lichtblitzen an den Tag bringt.“ Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anthony Doerr: Die Tiefe

In seinem neuen Buch „Die Tiefe“ legt Anthony Doerr sechs Geschichten mit einem Umfang zwischen 14 und 80 Seiten vor. Alles dreht sich um Erinnerungen in diesen Storys. „Denn die Erinnerungen sind es, die unserem Leben Sinn und Zusammenhang verleihen“, lässt der Autor verlauten.

In der Titelgeschichte „Die Tiefe“ lernen wir den herzkranken Tom kennen. Gäbe es nicht die rothaarige Ruby, hätte Tom nie erfahren, wie es sich anfühlt wirklich zu leben. Weiter erzählt Doerr in der Geschichte „Die Memel“ von einem  elternlosen Mädchen, das bei seinem Großvater in Litauen in eine sagenumwobene Welt eintaucht. Eine andere Erzählung dreht sich um die Samenhüterin, die die Geschichte ihres chinesischen Dorfs in sich trägt, das wegen eines Staudamms bald überflutet werden soll. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Grégoire Hervier: Vintage

Rock- und Bluesfans sei hiermit ein Roman des französischen Autors Gégoire Hervier ans Herz gelegt: „Vintage“ heißt er. Darin erhält ein junger Musiker und Journalist den Auftrag, Beweise für die Existenz einer E-Gitarre zu finden, die in Kennerkreisen Kult- und Legendenstatus genießt: die Gibson Moderne von 1957. Es ist nicht sicher – sowohl in diesem Roman, als auch in der Wirklichkeit –, ob diese Gitarre wirklich existiert oder zumindest existiert hat oder ob die Gitarrenbaufirma Gibson damals lediglich Pläne davon angefertigt hat, das gute Stück aber nicht gebaut hat. Der Heilige Gral der E-Gitarren sozusagen und heute von unschätzbarem Wert, sollte wirklich ein Exemplar davon auftauchen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hilary Mantel: Der Hilfsprediger

Hilary Mantel, Meisterin des bösen britischen Humors, hat sich einem Thema gewidmet, bei dem sie aus dem Vollen schöpfen kann: die katholische Kirche. Genauer: Abstruse Klosterereignisse im ländlichen England der 50er Jahre. Ein Pfarrer, der nicht mehr an Gott glaubt, eine sexuell frustrierte Oberin und debile, dem Aberglauben zugetane Dorfbewohner. Dazu ein übereifriger Bischof, welcher die Kirche modernisieren möchte. Mit dem Auftauchen von Vikar Fludd mehren sich wundersame Vorkommnisse:  Warzen wandern, Whisky vermehrt sich. Wer ist der geheimnisvolle Fremde? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Miika Nousiainen: Die Wurzel alles Guten

Ein Buch vom Suchen, wobei das Finden letztendlich nicht so wichtig ist. Analog etwa: der Weg ist das Ziel. Hört sich etwas abgedroschen an. Ist aber durchaus richtig. Es gilt immer, einen Anfang zu machen. In diesen, ich nenne es mal „Tagebuchaufzeichnungen“ zweier finnischer Brüder, Pekka und Esko – ersterer ist ein Werbeagenturmensch und zur Zeit getrennt lebend und Nesko der Zahnarzt,der eigentlich auch nur das sein will. Fast schon autistisch steif zieht er seinen Klienten die Zähne oder macht sie heil.  Die Begegnung von Pekka und Nesko ist zufällig. Pekka hat Zahnschmerzen. Er sieht in der Namensgleichheit und an der Ähnlichkeit des Zahnarztes, dass da eine eventuelle Verwandtschaft der Grund sein kann. Zack, nach und nach geht die Reise los, denn sie wissen beide, als sich herausstellt, dass sie Halbbrüder sind, so gut wie nichts von ihrem gemeinsamen Vater. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sabrina Janesch: Die goldene Stadt

Sabrina Janesch (Jahrgang 1985) ist die diesjährige Annette-von-Droste-Hülshoff-Preisträgerin. Sie arbeitet als Schriftstellerin und Journalistin in Münster. „Die goldene Stadt“, ihr vierter Roman, ist am 18. August 2017 bei Rowohlt Berlin erschienen.

Angeregt durch einen Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ aus dem Jahre 2012 über einen deutschen Entdecker, der Machu Picchu vor dem Amerikaner Hiram Bingham gefunden haben soll, machte Sabrina Janesch sich daran, das Leben dieses Mannes zu recherchieren. In dem Roman „Die goldene Stadt“ erzählt sie die Geschichte von Rudolph August Berns, der 1842 im rheinischen Uerdingen geboren wurde und 1876 als Augusto R. Berns die Ruinenstadt Machu Picchu in Peru entdeckte.

Rudolph August Berns wächst als ältester Sohn von Johann und Caroline Berns (geb. Dültgen) in den 1840er Jahren in Uerdingen auf. Der Vater betreibt eine Weinhandlung. Rudolph gilt als verträumter, phantasievoller Junge, der Legenden und Geschichten liebt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gerhild Stoltenberg: Überall bist du

Tom hat Martha verlassen und diese versinkt in ein tiefes Loch. Alles in ihrer Heimatstadt erinnert sie an ihren Liebsten, an die Beziehung, die gemeinsam verbrachten Stunden und Ausflüge. Deshalb muss sie einen Schnitt machen: Sie flieht ins ferne Belgrad. Von hier aus beginnt sie Geschichte zu erzählen und in dieser spielen drei Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren eine wichtige Rolle. Es sind allerdings nicht Marthas eigene Kinder, sondern die Kinder einer Mutter, bei der sie schließlich babysittet. Oskar, Nippon und Beppi können Martha allerdings nur am Rande von ihrem Liebeskummer ablenken, sie muss immer wieder an Tom denken.

Dass Tom eigentlich gar nicht Tom heißt, erfährt man etwa zur Mitte des Romans. Für Martha wäre es zu schmerzhaft, ständig seinen wahren Namen zu denken und zu schreiben, deswegen hat sie im kurzerhand einen anderen verpasst. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lily King: Euphoria

„Einer von den Mumbanyo warf ihnen noch etwas nach, als sie ablegten. Ewas Bräunliches … ‚Nur wieder ein toter Säugling‘, sagte Fen.“
Seit Kafkas „Die Verwandlung“ hat es wohl kein „erster Satz“ mehr fertiggebracht, so unmittelbar zu fesseln! Gleichfalls schockiert wie fasziniert, wird der Leser in eine sinnlich-verstörende Szenerie hineingezogen.
Lily King entführt in den Dschungel von Neuguinea, wo das Anthropologen-Ehepaar Nell und Fen Anfang der 30er Jahren auf Stämme trifft, die – von der Zivilisation weitestgehend unberührt –außergewöhnliche Bräuche pflegen. Dabei lernen sie einen Andrew Bankson kennen, einen weiteren Forscher. Der Beginn eines produktiven Gedankenaustausches, pendelnd zwischen Kooperation und Konkurrenz, der schließlich in einer tragischen Dreiecksbeziehung mündet. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: