Pippa Goldschmidt: Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen

Die surreale  Endzeitstory „Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen“ beginnt damit, dass weltweit die GPS-Systeme versagen. Dann krachen „die Satelliten wie himmlische Autoscooter ineinander, und die Astronomen waren in ihren Raumstationen gefangen und warteten auf die Unendlichkeit.“

Diese Geschichte versteckt sich auf kurzen zwei Seiten in der Mitte des Buches und zeigt die ganze Eindringlichkeit und Lakonie der Sprache, mit der Pippa Goldschmidt unterschiedlichste Geschichten erzählt, von Frauen in der Wissenschaft, die nicht durch Teleskope sehen dürfen, aber klassifizierte Sterne in Listen eintragen; von den privaten Tragödien des Albert Einstein und Alan Turings; von Robert Oppenheimers Zeit als unsicherer Doktorand in Camebridge und Bertold Brecht im Exil. Weiterlesen

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Naomi Alderman: Die Gabe

Auf der ganzen Welt haben plötzlich junge Mädchen die Möglichkeit, über eine elektrische Energie zu verfügen, mit der sie nicht selten ihr männliches Gegenüber verletzen und in die Schranken weisen. Die amerikanische Politikerin Margaret weiß anfangs nicht recht darauf zu reagieren, dann entdeckt sie die neue Gabe auch an sich selbst. Gelegenheitsjobber Tunde filmt auf der ganzen Welt Aufstände der Frauen und wird so im Internet und in den weltweiten Zeitungen berühmt. Ausreißerin Allie verbirgt ein dunkles Geheimnis, doch als sie in einem Kloster in den Staaten Zuflucht findet, fragt danach erstmal niemand. Sie schafft es, junge Mädchen um sich zu scharen und eine neue Religion auf Basis der Gabe zu gründen. Und dann ist da noch Roxy. Die stärkste von ihnen allen. Doch Roxy verfügt nicht nur über eine besonders starke Gabe, sie hat auch einen messerscharfen Verstand und weiß die Puzzleteile so zu bewegen, dass das Bild ihr in die Karten spielt. Weiterlesen

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Imogen Hermes Gowar: Die letzte Reise der Meerjungfrau

September 1785, Londoner Hafen. Jonah Hancock wartet auf die Heimkehr der Calliope. Doch der Captain kommt ohne Schiff zurück; er hat es verkauft, um für Hancock etwas ganz Außergewöhnliches zu erwerben: eine Meerjungfrau, gefangen von einem japanischen Fischer. Leider hat das Wesen nicht überlebt, und es sieht nicht im Geringsten so aus, wie man sich eine Meerjungfrau vorstellt. Es ist klein wie ein Säugling, dessen Leib in einem Fischschwanz endet, und hat die Hände mit den schrecklichen langen Krallen vors fratzenhafte Gesicht geschlagen. Die harte, vertrocknete Haut erinnert Hancock an die toten Ratten, die er einmal hinter der aufgeschlagenen Küchenwand fand. Er ist entsetzt über den Verlust des Schiffes für dieses … Ding. Sein Captain hingegen ist davon überzeugt, dass man mit der Meerjungfrau Geld machen kann, viel Geld, wenn man sie als Kuriosität ausstellt.

Hancock entschließt sich, den Versuch zu wagen. Mit Hilfe seiner Nichte Sukie organisiert er die Zurschaustellung der Meerjungfrau. Wider Erwarten ist der Andrang groß. Auch das Interesse der Kupplerin Mrs. Chappell ist geweckt. Sie mietet das Exponat, um es bei einem rauschenden Fest in ihrem Bordell zu zeigen. Hancock ist hierzu eingeladen und lernt Angelica kennen, eine stadtbekannte gefeierte Edelhure.

Mit dieser Begegnung beginnt sich der Lebensweg des biederen Kaufmanns, der ein Bäuchlein und Hängebacken sein eigen nennt, mit dem der Kurtisane zu verflechten. Angelica könnte selbst eine Meerjungfrau sein, in fließende Stoffe gehüllt, mollig, rosig, mit wallenden blonden Locken. Sie liebt den Luxus und wird gerne bewundert. Allerdings steht sie mit siebenundzwanzig Jahren an einem Wendepunkt. Wenn sie sich von der Kupplerin befreien will, braucht sie einen reichen, kultivierten Mann, der sie aushält, bevor sie zu altern anfängt. Weiterlesen

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Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore 02: Eine Metapher wandelt sich

Nun ist es also soweit: Haruki Murakamis Fortsetzung „Die Ermordung des Commendatore 02:  Eine Metapher wandelt sich“ ist am 16. April 2018 (Übersetzung Ursula Gräfe) im DuMont Verlag erschienen. Hinterließ der erste Band des Romans, der im Januar 2018 veröffentlicht wurde, viele offene Fragen, so ist die Spannung auf die Antworten in Band II groß. Und die Leserinnen und Leser sollen nicht enttäuscht werden.

Murakamis Protagonist, der Porträtmaler, sucht weiter nach seinem Malstil. Er porträtiert die dreizehnjährige Marie Akikawa und freut sich auf die sonntäglichen Sitzungen mit ihr. Währenddessen spielt der weißhaarige Herr Menshiki, der glaubt, dass Marie seine leibliche Tochter ist, sein eigenes Spiel. Er beginnt eine Affäre mit Maries Tante Shoko Akikawa. Marie hingegen hat kein gutes Gefühl mit Herrn Menshiki. Dafür  entwickelt sie ein Vertrauensverhältnis zu dem Maler und erzählt ihm von ihrem geheimen Weg, der durch den Wald an dem alten Schrein und der Grube vorbeiführt. Sie besucht den Maler heimlich.

Derweil recherchiert Menshiki im Leben des Nihonga-Malers Tomohiko Amada, in dessen Haus der Porträtmaler wohnt, weiter und findet Details über die Familie heraus. Der Porträtmaler bittet Masahiko Amada, den Sohn Tomohikos, darum, ihn bei dem nächsten Besuch seines Vaters begleiten zu dürfen. Das Bild „Die Ermordung des Commendatore“ fasziniert ihn weiterhin. Und eines Nachts glaubt er, den alten Tomohiko im Atelier sitzen zu sehen. Weiterlesen

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Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

Keiko Furukura gehört einer ganz besonderen Spezies an: Sie ist überzeugte Konbini-Angestellte. Das hat natürlich seinen Grund: In den Konbinis, den rund um die Uhr geöffneten „Convenience-Shops“, gibt es für alles Vorgaben und Regeln. Wenn man sie beherzigt eckt man nicht an, wird anerkannt und gilt als „normal“. Und genau das möchte Keiko: normal sein und nicht auffallen, keinen Ärger verursachen und in Ruhe gelassen werden.

Schon als kleines Kind hat sie gemerkt, dass sie anders ist als andere. Gefühle waren und sind nicht ihre Welt, sie geht die Dinge logisch an. Warum muss man ein totes Vögelchen, das man auf dem Spielplatz findet, begraben und darf es nicht essen, obwohl man doch auch andere Vögel isst und der Vater so gerne Hähnchenspieße mag? Warum darf man eine Schulhofprügelei nicht beenden, indem man den beteiligten Jungs eins mit der Schaufel auf den Kopf gibt, obwohl jemand lautstark darum gebeten hat, dass jemand sie aufhalten soll? Das ist schwierig zu verstehen für die kleine Keiko und auch der großen Keiko fällt das noch schwer. Doch sie hat sich eine Strategie zurechtgelegt, die ihr hilft, durchs Leben zu kommen: wenig Privates reden und sich anpassen. Weiterlesen

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Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

Ringfjörden, Norwegen 2017: Alle wissen über den Klimawandel Bescheid, aber keinen interessiert‘s! Die 70-jährige Umweltaktivisten Signe ist frustriert. Nachdem die Wasserfälle und der Fluss Breio einem Kraftwerk zum Opfer gefallen sind, soll nun das letzte Gletschereis an zahlungskräftige Scheichs in Arabien verscherbelt werden.

Bordeaux, Frankreich 2041: Europa ist zweigeteilt. Nach einer großen Dürre ist kein Leben mehr in den südeuropäischen Ländern möglich. Millionen versuchen, in die „Wasserländer“ Nordeuropas zu fliehen, doch die haben ihre Grenzen dicht gemacht. David und seine siebenjährige Tochter Lou kämpfen in einem französischen Flüchtlingslager ums nackte Überleben.

Wie Bestsellerautorin Maja Lunde uns Lesern und der gegenwärtigen Klimakrise den Spiegel vorhält, lässt sich nur mit Superlativen beschreiben. Hochemotional und äußerst beklemmend!

In erschreckenden Bildern beschreibt die norwegische Autorin den schrittweisen Zerfall der Zivilisation in Europa. Weiterlesen

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Jesmyn Ward: Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

Der 13-jährige Jojo ist der Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters. Er lebt mit seiner Mutter, den Großeltern und seiner 3-jährigen Schwester Kayla im ländlichen Mississippi. Sein Vater sitzt seit drei Jahren im Gefängnis und hat die kleine Schwester noch nicht einmal gesehen. Die Großmutter ist an Krebs erkrankt und es geht ihr nicht besonders gut. Jojos Mutter Leonie nimmt Drogen. Für ihre Kinder hat sie wenig übrig und weiß nicht recht, wie sie sich gut um sie kümmern soll. Das führt dazu, dass Jojo sich meist um die kleine Kayla kümmert und der Großvater den Haushalt aufrechterhält. Dann wird Michael, der Vater der Kinder, aus dem Gefängnis entlassen.

Jesmyn Ward hat mit „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ einen ganz besonderen Roman geschrieben, in dem es im Wesentlichen um Rassismus und Vorurteile geht. Das erschöpft die Geschichte aber keinesfalls: Es geht auch um Familie, um Gefühle innerhalb dieser und emotionale Bindungen. Weiterlesen

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Castle Freeman: Männer mit Erfahrung

Lilian wird vom Sheriff zu den Männern mit Erfahrung geschickt. Sie können ihr helfen, sagt er. Seit einigen Tagen wird sie von Blackway, dem brutalsten Gangster der Gegend, bedroht. Ihr Exfreund Kevin ist bereits vor ihm geflohen.

Jeder rät ihr, es ihm nachzumachen. Doch Lilian will nicht weg. Schließlich hat sie nichts Böses getan. Wenn jemand gehen soll, dann müsse es Blackway sein, findet sie.

Der alte, hinkende Les und der junge Hüne Nate werden ihr zur Seite gestellt. Anfangs denkt Lilian, es ginge nur darum, Blackway zu finden, um mit ihm ein deutliches Wort zu reden. Dann entwickelt sich die Suche alles andere als harmlos.

Der Autor Castle Freeman, geboren 1944 in Texas, folgt in seinem Roman Männer mit Erfahrung (»Go With Me«) seinem Leitthema, in dem er einen Tag in einem kleinen ländlichen Ort in Vermont beschreibt. Die überschaubare Einwohnerzahl erlaubt keine Geheimnisse. Jeder kennt jeden. Weiterlesen

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Celeste Ng: Kleine Feuer überall

Die US-Amerikanerin Celeste Ng (Jahrgang 1980) schrieb 2016 mit „Was ich euch nicht erzählte“ einen Bestseller. Nun ist bei dtv am 20. April 2018 ihr neuester Roman „Kleine Feuer überall“ in einer Übersetzung von Brigitte Jakobeit erschienen. Auch in diesem Buch geht es um das Thema Familie.

Das Haus der Richardsons brennt.

Familie Richardson lebt in Shaker Heights, Ohio (Ng ist selber dort aufgewachsen). Elena und Bill Richardson mit ihren vier Kindern Trip, Lexie, Moody und Izzy sind die perfekte Familie. Elena arbeitet als Journalistin, Bill ist Jurist. Elena lebt schon ihr ganzes Leben in Shaker Heights. Ihre Kinder gehen dort zur Schule und sie schreibt für die „Sun Press“. Sie sind wohlhabend und selbstbewusst.

Mr und Mrs Richardson vermieten eine Wohnung an Mia Warren und ihre Tochter Pearl. Mia ist Fotokünstlerin und alleinerziehend. Sie verdient zusätzlich Geld mit Kellnern oder Putzen. Mia und Pearl führen ein Nomadenleben. Weiterlesen

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Wlada Kolosowa: Fliegende Hunde

Kann eine, die zu Hause geblieben ist, im eigenen Bett vor Heimweh sterben? Oksana hat das Gefühl, dass genau das passieren wird, denn Lena ist gegangen. Weg aus Krylatowo, dem trostlosen Vorort von Sankt Petersburg, weg von der Schule, weg von Oksana. Die blasse, dürre Lena wurde von Model Scouts entdeckt und hat jetzt einen Vertrag mit einer Agentur in Shanghai. Oksana hingegen hat ein nichtssagendes Gesicht und einen fetten Hintern, findet sie. Dank der Schwerkraft ihres Körpers hängt sie in der Armut Krylatowos fest. Allein. Sie vermisst Lena so sehr, dass es weh tut. Ihre Familien wohnen Wand an Wand, die Mädchen gingen in der jeweils anderen Wohnung ein und aus. Oksana und Lena haben fast jede Minute ihres wachen Lebens zusammen verbracht – und unendlich viele Schlafminuten, zusammengekuschelt und mit verschlungenen Beinen in Oksanas Bett.

Oksana will dringend abnehmen. Im Internet stößt sie auf die Leningrad-Diät: Man darf nur so viel essen wie die Menschen während der Belagerung von Leningrad im zweiten Weltkrieg und nimmt genauso heftig ab. Weiterlesen

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