Seit Feuerwehrleute im Juli 1975 bei Löscharbeiten in einer Ottenser Mansardenwohnung auf Säcke mit Leichenteilen stießen, gehört Fritz Honka zu den Gruselgestalten der deutschen Nachkriegszeit. Dass sein Name auch heute noch ein Begriff ist, dürfte weniger an den ihm zugeschriebenen vier Morden liegen als an den Begleitumständen: Der Hilfsarbeiter und Nachtwächter hatte die Leichen seiner Opfer nicht nur zerstückelt, sondern in der Abseite der eigenen Wohnung verstaut, lebte also über Jahre mit ihnen zusammen, der Verwesungsgestank eher unzulänglich überdeckt mit Klosteinen und Raumspray. Weiterlesen
Autor: Leselust Team
Peter Klohs: Geschichten aus dem Duden
Von einem Freund erhält Peter Klohs den Duden Nr. 7, das Herkunftswörterbuch, geschenkt, weil diesen Freund die Lücke zwischen den Duden Nr. 6, dem Aussprachewörterbuch, und der Nr. 8, dem Synonymwörterbuch, in Klohs Bücherregal stört.
Zunächst verärgert, dass nun die von ihm kultivierte Lücke geschlossen ist, setzt das erste willkürlich aus dem Herkunftswörterbuch gepickte Wort, „Kommissar“, die Fantasie des Autors in Gang. Die erste der dreizehn in diesem Buch versammelten Geschichten nimmt ihren Lauf und entführt den Leser ins Frankreich des Jahres 1968, in eine Zeit, in der noch in der Öffentlichkeit geraucht werden durfte und Kommissar Meugreux in Trenchcoat und mit dem Zigarillo im Mundwinkel ermittelt. Weiterlesen
Nina Blazon: Silfur – Die Nacht der silbernen Augen
Elfen, ja ich meine die hochgewachsenen, ästhetischen, spitzohrigen Wesen mit dem hellen Teint sind uns spätestens aus dem Herrn der Ringe und dessen mannigfaltigen Nachahmern ein Begriff. Aus der modernen Fantasy sind sie nicht mehr wegzudenken, leben und wirken sie in uralten Wäldern in Symbiose mit der Natur und sind für ihre Treffsicherheit in Sachen Bogenschießen weithin bekannt.
Was mittlerweile, nachdem die moderne Unterhaltungsindustrie sich der Rasse angenommen hat, fast in Vergessenheit geraten ist, das ist deren eigentlicher Ursprung. Weiterlesen
Heinrich Peuckmann: Tarnbriefe
Eigentlich ist Kommissar Bernhard Völkel im Vorruhestand, aber als seine Tochter ihn bittet, ihrer Freundin zu helfen, geht er noch einmal auf Verbrecherjagd. Und dabei lässt er sich auf ein gefährliches Spiel mit erpresserischen Machenschaften ein.
Noch mehr Dortmund-Krimi als die fünf vorherigen Krimis ist das Buch „Tarnbriefe“ des Kamener Autors Heinrich Peuckmann. Rund um das DFB-Pokalfinalspiel vom BVB 2015 hat Völkel es mit zwei Toten zu tun. Der Kommissar schlendert durch die Stadt und den Zoo – und die Kriminalhandlung bleibt bis zum Schluss spannend.
Heinrich Peuckmann: Tarnbriefe.
Lychatz Verlag, März 2016.
218 Seiten, Taschenbuch, 9,95 Euro.
Katie Marsh: Die Liebe ist ein schlechter Verlierer
Hannah will Ehemann Tom verlassen, frei sein, nach Afrika gehen. Doch bevor sie ihm das sagen kann, erleidet er einen Schlaganfall. Die Britin Katie Marsh hat aus dieser Geschichte einen berührenden Roman gemacht. In „Die Liebe ist ein schlechter Verlierer“ erzählt sie, wie Menschen ihre Träume aufgeben und dass Liebe stark genug sein kann, Freiheit zu schenken.
Hannah bleibt bei Tom, aber die Gedanken der Lehrerin sind woanders. Der Schlagabfall hat das Leben von allen verändert. Manchmal episch, weit ausholend, erzählt die Autorin, die mit Schlaganfallpatienten gearbeitet hat, von Toms Kampf zurück ins Leben. Der Schluss lässt Hoffnung: Hannah reist nach Tansania, aber die Liebe siegt. Lesenswert, besonders für Freunde und Angehörige von Schlaganfallpatienten.
Katie Marsh: Die Liebe ist ein schlechter Verlierer.
Diana, März 2016.
416 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
F. Scott Fitzgerald: Liebe in der Nacht: und andere Lovestorys (1920)
Sieben Geschichten, sieben Paare, sieben Mal Liebe: Da macht Perry sich für die reiche Betty auf einer Zirkusparty zum Kamel. Toby wird zum mutigen Piraten, der die zickige Ardita auf eine einsame Insel entführt. Val findet in der Titelgeschichte „Liebe in der Nacht“ seine erste Liebe auf einer Yacht im Mittelmeer bei einer namenlosen, unglücklich verheirateten Schönen. Der junge Südstaaten-Offizier Andy hat bei der Provinzschönheit Ailie, die von Mann zu Mann flattert wie ein Schmetterling, kein Glück. Weiterlesen
Nana Rademacher: Wir waren hier
Berlin, 2039: Die Welt, wie wir sie kennen, ist zerschlagen. Die wenigen Menschen, die bis hierhin überlebt haben, finden sich in einer Stadt der Verwüstung und Plünderung wieder. Wasser ist kostbar, Lebensmittel eine Seltenheit. Die 15-jährige Anna freut sich immer, wenn sie mit ihrem Tablet Empfang hat und etwas auf ihrem Blog veröffentlichen kann. Dass sie dadurch von den Soldaten aufgespürt werden könnte, ist ihr egal. Plötzlich erhält sie Antworten auf ihre Blogeinträge. Ein gewisser Ben warnt sie vor den Soldaten und hat dann auch noch den Wunsch, sie zu treffen. Anna lässt sich nach Zögern darauf ein und ihre Welt verändert sich ein weiteres Mal. Weiterlesen
Tomás González: Was das Meer ihnen vorschlug
Bereits nach wenigen Zeilen weiß man: Diese Geschichte kann keinen guten Verlauf nehmen. So wird der Autor nicht müde, seine Figuren auch im weiteren Fortgang das dramatische Geschehen, das sich weit draußen auf dem Meer entwickelt, vorhersehen zu lassen. Vielleicht bleibt die Spannung eben deshalb erhalten.
Die sechsundzwanzigjährigen Zwillinge Javier und Mario leben in einem kleinen Fischerdorf in Kolumbien. Um Eintönigkeit und Widrigkeiten des Alltags zu entfliehen, nehmen sie Drogen. Weiterlesen
John Irving: Straße der Wunder
In seinem 770-Seiten-Wälzer „Straße der Wunder“ hat John Irving zu alter Fabulierlust zurückgefunden: Ähnlich wie etwa in „Das Hotel New Hampshire“ erfindet er viele kleine makabre, skurrile und oft so witzige Begebenheiten, dass man beim Lesen lauthals lacht.
Die Geschichte beginnt mit zwei Halbwaisen, die auf einer Müllkippe in Mexiko aufwachsen. Das Mädchen, Lupe, kann zwar die Gedanken anderen Menschen lesen, hat aber Probleme beim Sprechen. Weiterlesen
Christian Linker: Dschihad Calling
Jakob ist 18 Jahre alt und die Welt liegt ihm zu Füßen. Seit ein paar Monaten studiert er in Bonn und lebt Tür an Tür mit seiner Freundin. Am Bahnhof setzt er sich für eine verschleierte junge Frau ein, als diese von zwei Typen angegangen wird. Danach kann er nur noch an ihre strahlend blauen Augen denken. Durch Zufall macht Jakob Samira ausfindig und findet heraus, dass sie zu den Salafisten gehört. Um Samira näher zu kommen, befasst sich Jakob mit dem islamischen Glauben und lernt so auch ihren Bruder Adil kennen. Samira kommt er dadurch kaum näher, Kontakte zwischen unverheirateten Männern und Frauen sind nicht erwünscht. Doch Jakob ist noch nicht am Ende seines Weges angekommen und findet sich in seinem neuen Umfeld immer besser ein. Weiterlesen