Navid Kermani: Sozusagen Paris

parisNavid Kermani wurde 1967 in Siegen als Kind iranischer Eltern geboren und lebt heute in Köln. Er schreibt Romane und Sachbücher, Essays und Reportagen. 2015 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sein Roman „Große Liebe“ aus dem Jahr 2014 und in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts spielend verknüpfte das titelgebende Thema mit Erzählungen aus der arabisch-persischen Mystik. Mit „Sozusagen Paris“, 2016 im Carl Hanser Verlag erschienen, hält der Lesende eine Art Fortsetzung in der Hand. Inzwischen sind 30 Jahre vergangen.

Ein Schriftsteller liest in einem Provinzstädtchen aus seinem Buch („Große Liebe“), das von seiner Jugendliebe handelt. Beim anschließenden Signieren tritt genau diese Frau an seinen Buchtisch, bittet ihn, das Buch „Aber nicht für Jutta“ zu signieren  und der Schriftsteller ist mehr als erstaunt und irritiert. Ist sie es wirklich? Noch immer attraktiv, anziehend, jedoch ohne die Zahnlücke aus seiner Erinnerung. Weiterlesen

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Sebastian Fitzek: Das Paket, gelesen von Simon Jäger

paketEndlich mal wieder ein typischer Fitzek. Spannend, verwirrend, mit Aha-Effekt. Emma Stein ist selbst Psychiaterin, was ja eigentlich ihre Glaubwürdigkeit erhöhen sollte. „Das Paket“ ist aus ihrer Sicht erzählt. Ganz zu Anfang, wird sie während eines Kongresses in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Obwohl das Zimmer hinterher verschwunden ist und die Polizei ihr kein Wort glaubt, glaubt ihr der Leser, der die Szene ja aus ihrer Sicht miterlebt hat. Aber ihr Leben wird immer verworrener, sie zieht sich zurück, traut sich nicht mehr aus dem Haus (Hut ab dafür, sich für einen kranken Hund zu überwinden) und dann hinterlässt der Postbote auch noch ein Paket für einen ihr völlig unbekannten Nachbarn. Weiterlesen

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Sarah Crossan: Apple und Rain

appleSarah Crossan, dieser Name steht mittlerweile für Jugendromane, die selten behandelte Themen aufgreifen und immer irgendwie besonders sind. „Apple und Rain“ befasst sich mit einem nicht ganz so seltenen Thema der Jugendliteratur: der Mutter-Töchter-Beziehung. Apple ist 14 Jahre alt und lebt bei ihrer Großmutter Nana, die sie von Kopf bis Fuß bemuttert und vor allem schützen will. Als Apple 3 Jahre alt war, hat ihre Mutter die beiden verlassen, um nach Amerika zu gehen und berühmt zu werden. Ständig träumt Apple davon, dass ihre Mutter eines Tages einfach wieder da sein könnte. Als es dann wahr wird, kann sie ihren Augen kaum trauen. Da steht ihre Mutter einfach wieder, als wäre nichts passiert – und sie möchte sogar, dass Apple zu ihr zieht! Weiterlesen

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Petros Markaris: Der Tod des Odysseus

Nach dem Trojanischen Krieg irrte Odysseus zehn Jahre über das Meer, bis er auf Ithaka ankam. Den Figuren dieser Geschichtensammlung geht es ähnlich. Ein Athener Kommissar kämpft gegen Korruption und Arroganz. Griechischstämmige Türken suchen diesseits und jenseits des Bosporus nach ihrer Identität. Das moderne Hellas ist auf der Suche nach sich selbst – zwischen Flüchtlings- und Finanzkrise. Mal heiter, mal traurig, aber stets in wundervollen Bildern, beschreibt der Autor das Leben am südöstlichsten Rand unseres Kontinents.

Autor Petros Markaris, Sohn eines Armeniers und einer Griechen, wurde in Istanbul geboren, studierte einige Jahre in Wien und Stuttgart und lebt heute in Athen. Er ist ein moderner Odysseus, ein Grenzgänger zwischen Orient und Okzident. Weiterlesen

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Hella Haasse: Der schwarze See (1948)

seeAuf Java in den zwanziger, dreißiger Jahren sind die Grenzen zwischen den holländischen Kolonialherren und den verarmten Einheimischen genau definiert. Als die Frau des Verwalters einer Teeplantage und die Frau des Aufsehers im gleichen Jahr einen Sohn gebären, werden diese Grenzen durchlässig. Denn die beiden Jungen wachsen zusammen auf, spielen, essen das Gleiche und werden beste, unzertrennliche Freunde. Eines Tages sollen die Freunde unterschiedliche Schulen besuchen. Mit dem erzwungenen Aufbrechen der Gemeinsamkeiten werden die vorgegebenen Grenzen wieder hergestellt. Doch dabei bleibt es nicht. Weiterlesen

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Hera Lind: Die Sehnsuchtsfalle

sehnsuchtsfalleMit Rita Rosario, der Heldin aus Hera Linds neuem Tatsachenroman „Die Sehnsuchtsfalle“, hat man schon nach 60 Seiten Mitleid: Wie kann eine Frau nur so einfältig sein? Irgendwann fängt man beim Lesen dann doch an, diese chaotische Frau für ihr Durchhaltevermögen zu bewundern.

Kurz vor dem Abitur verliebt sich Rita in einen Afrikaner, wird schwanger von ihm, der Student verlässt sie, Rita schlägt sich mit Aushilfsjobs durchs Leben. In ihrem Elternhaus war sie vorher das Aschenputtel, das die beiden Brüder, Nesthäkchen Tanja und die Mutter bedienen musste. Rita bricht mit der Familie, wandert später mit ihrem kleinen Jungen nach Spanien aus, eröffnet dort eine Bar, fällt wieder auf die falschen Männer herein. Weiterlesen

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Charlie Human: Apocalypse Now Now. Schatten über Cape Town

apokalypseCape Town, die Metropole am südlichsten Zipfel Afrikas hat seine Glanzzeit lang hinter sich gelassen. Sicherlich, es gibt sie noch, die Villenviertel, natürlich wohlbehütet von privaten Sicherheitsdiensten, in denen die weiße und schwarze Oberschicht ihr Leben abgeschottet führt. Doch den meisten Bewohnern, gleich welcher Hautfarbe, geht es dreckig.

So wie mir. Ich heiße Baxter, bin 16 Jahre alt, habe ein psychisches Problem (sagen meine Eltern und mein Seelenklempner) und verdiene mir mein Zubrot durch einen schwunghaften Handel mit abgefahrenen Pornos auf dem Schulhof. Als meine Freundin von einem irren Serienkiller gekidnapped wird, mache ich mich auf die Suche nach ihr – schließlich weiss man, dass auf die Polizei kein Verlass ist. Ich engagiere einen paranormalen Kopfgeldjäger und schon ist die Scheiße so richtig am Dampfen. Ja, jetzt stutzen sie – paranormal, psychische Beschwerden, ganz klar, der Baxter, der spinnt. Doch dem ist nicht so! Weiterlesen

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Jens Lubbadeh: Unsterblich

Unsterblich von Jens LubbadehWir schreiben das Jahr 2044 und die Welt hat sich maßgeblich verändert. Virtuelle Realitäten haben an Bedeutung gewonnen und bereits Verstorbene können mit Hilfe einer neuen Technik wieder auf der Erde existieren. Man kann sie nicht anfassen, aber doch sind sie einem nahe. In Amerika regiert wieder JFK, Stars wie Marlene Dietrich und Michael Jackson drehen neue Filme und bringen wieder Platten raus und jeder normale Mensch kann sich die Unsterblichkeit sichern. Benjamin Karis Job in dieser Welt ist es, die Echtheit von bekannten Stars, Schriftstellern & Co. zu zertifizieren. Er arbeitet für das bedeutungsvolle Unternehmen Fidelity, das dem Hauptakteur in Sachen Unsterblichkeit hilft. Dann verschwindet Marlene Dietrich plötzlich und das Bild der Unsterblichkeit beginnt zu flackern. Ist es möglich, dass die so genannten Ewigen doch nicht ewig leben? Weiterlesen

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Jason Reynolds & Brendan Kiely: Nichts ist okay!

okay»… Wehrt euch nicht. Widersprecht nicht. Hebt die Hände. Haltet den Mund. Tut einfach alles, was sie von euch verlangen, dann passiert euch nichts.« (S. 302)

Dies sind die Ratschläge eines schwarzen Polizisten an seine beiden Söhne. Er kennt sich aus. Er weiß, was passieren kann, wenn seine weißen Kollegen von dunkelhäutigen, bedrohlich aussehenden Menschen umgeben sind. Der Vater kennt seine eigene Nervosität und die der Kollegen, die in einem verrufenen Stadtviertel für Ordnung sorgen. Früher lebten in dieser Gegend mehr Weiße als Schwarze, Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt.

Der sechzehnjährige Rashad hält sich an die väterlichen Regeln, auch an einem bestimmten Freitagabend im Supermarkt. Ein Missverständnis, ein übereifriger Polizist und Rashads Leben ist ein anderes.  Weiterlesen

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Simon Beckett: Totenfang

totenfangLange ließ der neueste Fall des forensischen Anthropologen auf sich warten, aber jetzt meldet sich Dr. David Hunter endlich zurück. Sein mittlerweile fünfter Fall führt ihn in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex. Dort wird seit über einem Monat der 31jährige Leo Villiers, der Sohn einer der einflussreichsten Familien der Gegend, vermisst. Als an einer Flussmündung eine stark verweste Leiche gefunden wird, geht man zunächst davon aus, dass es sich um den verschwundenen Spross handelt. Doch Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten. Denn tags darauf treibt ein einzelner Fuß im Wasser – und der gehört ganz sicher zu einem anderen Mann. Weiterlesen

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