Peter Handke: Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere

Der in diesem Dezember 75 Jahre alt gewordene „Poltergeist“ der zeitgenössischen, deutschsprachigen Literatur, der Österreicher Peter Handke, ist ein besonderer Erzähler. Als Lesende mag man seine Texte oder nicht. Dem Autoren scheint dies Einerlei zu sein, er schreibt, wie er schreibt oder besser gesagt, er erzählt, wie er erzählt. Das gilt auch für sein neuestes Werk „Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere“, das am 13. November 2017 im Suhrkamp Verlag erschienen ist.

Darin bricht ein scheinbar älterer Ich-Erzähler nach dem „ersten und oft einzigen jährlichen Bienenstich“ im August von seinem Haus in einer Vorstadt bei Paris (in der Niemandsbucht) auf zu einer „Fahrt ins Landesinnere“ in die Picardie. Er folgt dabei einer sehr jungen Frau, der Obstdiebin Alexia, die auf der Suche nach ihrer Mutter (der Bankfrau) ist. Der Ausstieg  des Ich-Erzählers aus dem Vorortzug, in dem er meinte, die Obstdiebin entdeckt zu haben, an der Haltestelle des Dorfes Lavilletertre markiert auch seinen Ausstieg aus der Geschichte. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

F. I. Thomas: Krieg der Drachen 01: Glühender Zorn

Einst, vor langer, langer Zeit erschütterten zwei Kriege die Welt. Gemeinsam mit den Elfen kämpften die Menschen gegen die Drachen, Magie war damals allgegenwärtig. Seit dem ersten Drachenkrieg sind die Elfen verschwunden, man munkelt, sie haben sich nur aus den jungen Königreichen zurückgezogen, im zweiten Drachenkrieg konnten die Lindwürmer von den Zauberern endgültig besiegt werden. Seitdem sind die Menschen in den jungen Königreichen alleine. Nur mehr sechs Magier sind übrig geblieben, Menschen, die auf Jahrhunderte der Existenz zurückblicken können. Sie alle haben jeweils einen begabten Lehrling zu sich genommen, und über die letzten Jahre hinweg ausgebildet. Nun steht deren Weihe an, die die Zauberer und ihre Eleven erstmals seit Jahrzehnten wieder zusammenführt.

Schon bald aber stellen die Prüflinge fest, dass sie alle bislang kaum richtig ausgebildet wurden. Haben ihre Meister etwa Angst vor Konkurrenz? Dann stoßen sie auf Hinweise, dass ihre mächtige Lehrmeister durch die Opferung ihrer Lehrlinge ein magisches Ritual füttern. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Elli H. Radinger: Die Weisheit der Wölfe

Bereits in ihrem im Juli 2015 erschienenen Buch Minnesota Winter hat Elli H. Radinger ihr Leben, das sie ein Jahr in der Wildnis, in einer Blockhütte ohne Wasser und Strom verbracht hat, beschrieben. Nun widmet sich die renommierteste deutsche Wolfsforscherin, die als Freiwillige im US-Nationalpark Yellowstone im Zuge des  Yellowstone-Wolfsprojekt Biologen bei der Feldforschung unterstützte, ganz den Wölfen.

Bei mehr als zehntausend Wolfssichtungen, die sie nach eigenen Angaben erlebt hat und bei denen sie manchmal nur wenige Meter von den Wildtieren entfernt war, versteht sie die Wölfe wie kaum jemand anderes. Stundenlang harrte sie für ihre Beobachtungen bei jedem Wetter aus. Um Wölfe zu sichten, muss man das gesamte Umfeld im Blick haben, vor allem das Verhalten der Beutetiere, weiß sie. Auch die Krähenvögel behält sie im Auge, denn sie profitieren von den Mahlzeiten der Wölfe. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jørn Lier Horst: Winterfest

Ove Bakkerud fährt zu seiner Hütte in Stavern, um sie winterfest zu machen. Den ganzen Sommer schon freut er sich darauf. Dies ist sein Wochenende. Doch er findet seine Hütte aufgebrochen vor, alle Zimmer sind verwüstet. Und auch in den Nachbarhütten scheint eingebrochen worden zu sein – in einer brennt sogar noch Licht. Aber statt den Einbrecher zu überraschen, entdeckt Bakkerud eine Leiche.

Kommissar Wisting nimmt die Ermittlungen auf. Dann regnet es plötzlich tote schwarze Vögel vom Himmel – und es gibt eine weitere Leiche…

Horst hat mit seinem Kommissar William Wisting einen sympathischen Ermittler geschaffen, einen Teamplayer und Familienmenschen. Und damit ein überaus angenehmes Gegenstück zu den oft eigenbrötlerischen, manchmal beinahe antisozialen Kommissaren, die wir sonst – vor allem auch von den skandinavischen Krimis – gewöhnt sind. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Giuseppe Fava: Ehrenwerte Leute (1975)

»… Ihr war zum Weinen zumute: Elena Vizzini 31 Jahre alt, Halbwaise, Volksschullehrerin ohne Anstellung, … , ein bleiches Gesicht, das schon sanft zu verblühen begann.« (S. 9)

Und dann gewinnt sie einen Wettbewerb, der ihr eine Anstellung als Lehrerin in Montenero Valdemone, einem sizilianischen Bergdorf, verschafft. Einen ganzen Tag dauert ihre Reise in den Süden. Was sie erwartet, ist ein in sich geschlossenes Kastensystem, in dem die Armen und Reichen seit Generationen ihren Platz haben. Alle tragen schwarz, sind schweigsam, duldsam und warten auf das nächste Ereignis. Nach Elenas Ankunft häufen sich die Ereignisse. Ein Mann, der sie am ersten Abend angeht, sitzt am nächsten Morgen mit einer Blume im Mund und einer Kugel im Kopf auf der Piazza nicht weit von der prunkvollen Kirche entfernt. Weitere Männer sterben. Kurz darauf steht Elena im Mittelpunkt polizeilicher Ermittlungen und bleibt in der Aufmerksamkeit aller Dorfbewohner. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Martha Schoknecht (Hrsg.): Der schönste Ort der Welt. Von Menschen in Buchhandlungen

Von Menschen in Buchhandlungen lautet der Untertitel dieses Erzählbandes, in dem zwanzig Geschichten von Martha Schoknecht zusammengestellt wurden.

Die ausgewählten Beiträge könnten nicht unterschiedlicher sein. So lesen wir unter anderem von Roger Willemsen & W. Sommerset Maugham die Geschichte Büchermenschen, von Martin Suter In der Provinz, von George Orwell Erinnerungen an eine Buchhandlung, von Ingrid Noll Begegnungen im Buchladen, von Gustave Flaubert Bibliomanie, von Patricia Highsmith Ein anstrengender Samstag oder von Mark Twain lediglich Drei Gedanken, von denen der erste Gedanke lautet: „Ich war auch mal einige Zeit Buchhändler, gab das aber auf, weil die Kunden mich immer beim Lesen störten.“ Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Armand Baltazar: Timeless 01: Retter der verlorenen Zeit

Die Jugend, sie liest nicht mehr – so zumindest hört man es aus berufenem Munde. VIPs werden in Schulklassen entsandt, um Werbung für das Lesen zu machen, Vorlesen ist en vogue. Was aber könnte die Jugendlichen wieder einmal selbst zum so gar nicht mehr hippen Medium Buch – gleich ob in seiner Printausgabe oder elektronisch – greifen lassen? Nun, Saurier, das ist doch ein Thema, das immer geht. Oder Piraten, die die Meere unsicher machen. Wie wäre es mit genialen Erfinder, Dampfrobotern oder gar, McFly sei Dank, einem schwebenden Skateboard? Also gleich vier Bücher, die es zu schreiben, zu vermarkten und an die Zielgruppe zu bringen gilt?

Nicht so bei Armand Baltazar, einem Mann, der für Pixar gearbeitet, der sich Animationsfilme hat einfallen lassen. Nach Zuruf seines Sohnes hatte dieser die Idee, diese vier Elemente in einem Buch zusammenzuführen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir

Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer nennt sein Buch über das Ende einer Ehe und die Zeit danach „Roman“ – doch das ist es nur zu einem ganz kleinen Teil. Größtenteils ist es eine Art Materialsammlung aus wissenschaftlichen Büchern und Untersuchungen, Zeitschriften-Artikeln, eigenen Überlegungen und allem, was der Autor zu dem Thema „Scheidung“ zusammentragen konnte. Eine gute Recherche-Leistung, sicher, aber eben kein Roman.

Der Leser erfährt viel über Statistiken und über die Wirkungsweise unterschiedlicher Pillen, über Parship und Depressionen – also all das, was man in einem Sachbuch zum Thema erwarten würde.

Aber alles, was einen Roman ausmachen würde – eine Art Handlung oder auch das tiefere Eindringen in die Köpfe der handelnden Figuren – bleibt an der Oberfläche. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Paulo Coelho: Der Weg des Bogens

Tetsuya ist ein einfacher Mann. Er lebt in einem kleinen Dorf, wo er als Tischler arbeitet. Niemand dort kennt ihn anders. Doch eines Tages taucht ein Fremder aus, der sich mit Tetsuya in der Kunst des Bogenschießens messen will. Denn, so sagt er, Tetsuya sei der beste Bogenschütze des Landes. Ein Dorfjunge erlebt mit, wie Tetsuya nach kurzem Zögern seine Bogen hervorholt und die Herausforderung des Fremden annimmt.

Der Beginn des Buches, den ich hier zusammengefasst habe, bildet den Rahmen eines im Kern aus einer Vielzahl von Lebensweisheiten bestehenden Büchleins. Denn der Junge möchte wissen, wie er selbst ein so großartiger Bogenschütze werden kann, wie es Tetsuya ist. Dieser erklärt ihm nun die Wichtigkeit von Verbündeten, das Wesen des Bogens und der Pfeile, die Bedeutung des Ziels, der Haltung und des Augenblicks des Abschusses. Zu all diesen und weiteren Aspekten des Bogenschießens finden sich im Mittelteil des Buches kurze und jeweils in sich abgeschlossene Weisheiten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Friedrich Ani: Ermordung des Glücks

Ein elfjähriger Junge wird ermordet, und mit dem Kind stirbt das Glück in der Familie des Jungen, vor allem das Lebensglück der Mutter. Der Münchner Friedrich Ani lässt seinen pensionierten Kommissar Jakob Franck im zweiten Teil der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Reihe in der Ermordung des Glücks“ ermitteln.

Während Franck anfangs nur schleppend vorankommt, erinnert sich der Ermittler wehmütig an die vier, in seiner Karriere bislang ungelösten Fälle. Genauso viel Raum wie die Aufklärung des Mordes nimmt in diesem Psychothriller die Frage ein, was ein solches Verbrechen mit den Überlebenden macht. Und das ist die große Stärke des Romans, der wunderbare leise, ganz starke Momente hat.

Die Mutter des ermordeten Jungen zieht sich ganz in die Erinnerungen an glückliche Zeiten mit dem Kind zurück. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: