Felicitas Hoppe: Prawda – Eine amerikanische Reise

Die Büchner Preisträgerin von 2012 Felicitas Hoppe (Jahrgang 1960) hat die Welt schon auf einem Containerschiff umrundet („Pigafetta“, 1999) und sich eine fiktive Autobiografie verpasst („Hoppe“, 2012).

Im März 2018 veröffentlichte der S. Fischer Verlag ihr neuestes Buch „Prawda – Eine amerikanische Reise“. Felicitas Hoppe begibt sich darin im Herbst 2015 auf eine Reise vom Osten der USA nach Westen, von Boston nach San Francisco und von Los Angeles zurück nach New York City. Inspiriert wurde sie durch den Reisebericht der beiden Russen Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, die in den 1930er Jahren im Auftrag der russischen Zeitung „Prawda“ Amerika bereisten.

Mit drei Mitreisenden, die sich in einem anspruchsvollen Auswahlverfahren durchgesetzt haben, macht sich „Frau Eckermann“ (wie sich Hoppe in ihrem Buch nennt) auf den Weg. Der russische Künstler Foma, die deutsche Fotografin Jerry und die österreichische Dozentin und Kettenraucherin MsAnnAdams begleiten Felicitas Hoppe fortan in einem rubinroten Ford Explorer durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Noch regiert Barack Obama, aber es ist Wahljahr. Weiterlesen

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Flannery O’Connor: Keiner Menschenseele kann man noch trauen. Storys (1948-1955)

Flannery O’Connor ist eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihre Storys zählen heute noch zur Schul- und Universitätslektüre. Der wichtigste Kurzgeschichtenpreis der USA ist mit ihrem Namen, dem  „Flannery O’Connor Award for Short Fiction betitelt.

Die Erzählungen in diesem Band entstanden in den Jahren zwischen 1948 bis 1955 und sind den Sammlungen „A Good Man is Hard to Find und „Everything That Rises Must Converge“ entnommen.

Was ist das Schlimmste, Unmöglichste, das Romanfiguren widerfahren könnte? – Flannery O’Connor scheint genau diese Überlegung angestellt zu haben und lässt in ihren literarischen Fiktionen aus den Fünfziger Jahren ungewöhnlich perfide Widrigkeiten eintreten.

Dabei hat der Arche-Verlag gut daran getan, O’Connors Sprache unzensiert wiederzugeben, was die Authentizität um so mehr unterstreicht. Weiterlesen

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Peter Michalzik: 1900

Tolstoi will sein Land verschenken. Johannes Guttzeit zieht als moderner Apostel durch die Lande und predigt die vegetarische Lebensweise. Nietzsches zarathustrische Philosophie wird zum Glauben einer neuen Zeit. In Zürich formt sich der Dadaismus. Auf dem Monte Verità in Ascona tanzen langhaarige Menschen den „Tanz an die Sonne“ – nackt, frei, ekstatisch. Um 1900 bildet sich eine Gegenbewegung zur zunehmenden Industrialisierung. Die eigene Selbstentfaltung steht im Vordergrund. Peter Michalzik folgt den schillerndsten Figuren dieser Epoche. Er gibt Anekdoten zum Besten, die es nicht in unsere Geschichtsbücher geschafft haben. Sehr unterhaltsam!

Von Philosophie bis Politik: Selten haben „gehaltvolle“ Bereiche so viel Spaß gemacht, wie in diesem Buch. Der Autor versieht seine Informationen mit einem humoristischen Unterton, der hervorragend zu den besonderen Akteuren passt. Wussten Sie, dass Nietzsche mit beginnendem Wahn seine Briefe mit „Der Gekreuzigte“ oder „Dionysos“ unterschrieb? Oder dass Kafka in Mailand ein Bordell besuchte, um die Damen lediglich aus der Ferne zu beobachten? Weiterlesen

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Tim Krohn: Herr Brechbühl sucht eine Katze

Diese Idee ist grandios. Ein Buch über Gefühlsregungen zu schreiben, die von Mitmenschen vorgeschlagen werden, und die Tim Krohn so wunderbar in diese Mietshausgeschichten aus der Röntgenstraße in Zürich, einflechtet. In allen Gestalten, noch so verrückt oder jung, sexbesessen, forschend oder über das Sterben sinnend – in allen findet sich ein Teil von uns wider. Im Leben wir dir nichts geschenkt und es ist meist eine auch eine ziemliche Plackerei. Aber in allem steckt auch ein Wille, die Schwierigkeiten zu meistern, sich nicht demütigen zu lassen oder sogar zu kämpfen.

Dass in dem Haus dabei urkomische, absurde oder auch weltphilosophische Gedanken gewälzt werden, liegt eben in der menschlichen Natur. Nur weißt du eben oft genug nicht, was dabei der Sinn ist, nach dem alle irgendwie suchen. Vielleicht ist das aber eben genau der Sinn. Weiterlesen

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Marion Meister: Julie Jewels 01: Perlenschein und Wahrheitszauber, gelesen von Nana Spier

Julie bekommt zu ihrem 16. Geburtstag von der ihr unbekannten Großmutter ein Kästchen zum Schmuckbasteln geschenkt. Ihre Mutter will ihr das Geschenk vorenthalten und schon bald findet Julie heraus, warum. Das Kästchen ist magisch, oder sie ist magisch, jedenfalls kann sie mit dem Inhalt Schmuck herstellen, der die Menschen verhext. Wenn Julie ihre Sternenohringe trägt, ist sie für die anderen ein Star, trägt sie ihr Armband, ist jeder gezwungen, ihr die Wahrheit zu sagen. Das klingt erstmal toll, aber birgt so eine Magie nicht auch Gefahren, wie ihre Mutter vehement behauptet? Vor allem dann, wenn man keine Anleitung hat und alles alleine herausfinden muß.

Eingebettet ist die Geschichte um den magischen Schmuck in Julies Geschichte, die sich um ihre beste Freundin Merle dreht, um ihren Sandkastenkumpel Ben und ihre große heimliche Liebe Noah. Kein Wunder, dass Julie da mit Magie etwas nachhelfen will und auch kein Wunder, dass das das eine oder andere Mal gründlich schiefgeht. Vielleicht hat ihre Mutter ja doch recht, die sich bewußt von der Magie abgewandt hat und Julie einfach nicht sagen will, warum. Weiterlesen

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Sabine Wery von Limont: Das geheime Leben der Seele

Die Hamburger Verhaltenstherapeutin Sabine Wery von Limont hat ein wirklich unterhaltsames Buch über die menschliche Seele geschrieben. Ja, das geht. Ich habe das Buch wirklich gern gelesen. Es beschäftigt sich damit, warum es ein Fehler ist, sich nur auf körperliches zu beschränken. Die Seele ist ein mächtiges Organ und in der Lage, den gesamten Körper zu beeinflussen, positiv wie negativ. Sie bestimmt nicht nur unsere Persönlichkeit, unsere Erinnerungen, unser Verhalten, sondern in der Tat sogar unsere körperliche Leistungsfähigkeit und unsere Heilgeschwindigkeit.

Die gute Nachricht ist: Was in der Kindheit versaut wurde, kann auch im Erwachsenenalter noch einigermaßen repariert werden. Die schlechte Nachricht ist: nicht so einfach. Bahnen, die in der Kindheit falsch angelegt wurden, z.B. durch Mißhandlung oder Vernachlässigung, können nur mit großer Anstrengung und sehr bewußt nachgebaut werden. Aber sie können. Weiterlesen

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Graham Masterton: Gequälte Engel

Jahrelang hat sich Katie Maguire abgemüht, hat sich mühsam und gegen alle Widerstände hochgearbeitet, bis sie die erste Frau ist, die als leitende Ermittlerin im Morddezernat zum Detective Superintendent bestellt wurde. Nach dem Tod ihres Mannes, eines Säufers und Tunichtguts, hat sie eine neue Liebe gefunden, alles scheint seinen wohl geregelten Gang zu gehen. Doch wehe, wenn es einem zu wohl wird.

Zunächst hält sie eine Reihe von Morden an katholischen Priestern beruflich auf Trab, dann teilt John ihr mit, dass er sein gesamtes Vermögen an der Börse mit Start-Ups verspekuliert hat und nach Californien zurückgehen möchte, um noch einmal neu anzufangen. Natürlich kommt sie mit, schließlich liebt sie ihn, und bricht ihre Zelte ab, kickt ihre so mühsam erreichte Karriere ihm zu liebe in den Gully.

Doch dann überfällt man ihre Schwester und die Serie an Priestermorden nimmt eine persönliche Note an. Im Verlauf der Ermittlungen wird deutlich, dass es beileibe nicht nur um vor 30 Jahren begangene Kindermissbräuche geht, damals versuchten einige zu gläubige Katholiken Gott näher zu kommen, als erlaubt – und begingen Frevel, die nicht zu verzeihen oder zu sühnen sind, auch wenn die gefolterten, kastrierten Leichen der aufgefundenen Priester ein anderes Bild sprechen. Weiterlesen

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Guadalupe Nettel: Nach dem Winter

Mit „Nach dem Winter“ stellt der Blessing-Verlag dem deutschen Lesepublikum erstmals die Übersetzung eines Romans der in Mexiko bereits sehr erfolgreichen Schriftstellerin Guadalupe Nettel vor.

Die 1973 geborene Autorin erzählt ihre Geschichte abwechselnd aus der Sicht zweier sehr unterschiedlicher Protagonisten. Da ist zunächst der egoistische Machtmensch Claudio, der in New York sein Leben nach strengen Ritualen lebt. Er hat eine 15 Jahre ältere Geliebte – Ruth –, mit der er sich ausschließlich aus sexuellen Gründen trifft.

Und da ist Cecilia, eine zurückgezogene und labile Studentin in Paris. Sie verliebt sich in ihren kränklichen und ebenso zurückgezogenen Nachbarn Tom, weil sich beide für Friedhöfe interessieren. Irgendwann bei einem Abstecher Claudios nach Paris treffen sich die beiden Hauptfiguren und haben eine kurze Affäre miteinander. Weiterlesen

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Mike Gayle: Nur zusammen ist man nicht allein

Im Original lautet der Titel des Romans „The Hope Family Calendar“ – der Familienkalender der Hopes spielt eine wichtige Rolle in dieser Geschichte über Verlust und Trauer, Entdecken und Glück. „Egal wie gut wir alles planen und organisieren, keiner von uns kann wirklich wissen, was die Zukunft für uns bereithält, egal ob gut oder schlecht. Und doch kaufen wir diese Kalender, füllen sie mit unseren Vorstellungen, Träumen und alltäglichen Dingen und geben die Hoffnung nicht auf, dass die Dinge so laufen werden, wie wir sie uns vorstellen.“ (Zitat S. 378)

Laura hat früher den Familienkalender geführt und alle Termine eingetragen: Schulaufführungen, Geburts- und Jahrestage, Ausflüge, Arzttermine, Verabredungen. Sie hat die Familie gemanagt, Konflikte gelöst, Kompromisse gefunden, das Haus der Hopes zu einem Zuhause gemacht. Doch Laura ist vor einem Jahr tödlich verunglückt, nichts ist mehr wie es war. Tom verschanzt sich seit dem Tod seiner Frau hinter der Arbeit. Lauras Mutter Linda ist zu den Hopes gezogen und kümmert sich um Evie, vierzehn, und Lola, acht. Linda versucht, das Familienleben zusammenzuhalten und den Mädchen die Mutter zu ersetzen. Weiterlesen

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Abby Fabiaschi: Für immer ist die längste Zeit

Madeline, genannt Maddy, sucht eine neue Frau für Ihren Mann Brady und eine neue Mutter für ihre 16-jährige Tochter Eve. Das ist an sich schon ungewöhnlich, wird aber noch seltsamer, wenn man weiß, dass Maddy nach einem Sturz vom Bibliotheksdach des Wellesley-College gestorben ist und nun in einer Zwischenwelt über der Erde schwebt. Sie kann sich nicht erklären, warum das so ist, fragt sich, ob sie jetzt dauerhaft als Gespenst ihr Unwesen treiben muss oder ob dieser Zustand das Fegefeuer ist.

Ihren Mann und ihre Tochter möchte sie jedenfalls möglichst gut versorgt wissen, denn sie war schon zu Lebzeiten die Zuverlässigkeit in Person. Anstrengt versucht sie, die richtige Frau zu finden, die – wie sie – den Alltag von Brady und Eve organisiert, denn die beiden sind sonst aufgeschmissen. Sie war immer da, wenn sie gebraucht wurde, hat sich selbst und ihre Bedürfnisse zurückgenommen und kannte für jede Lebenssituation das richtige Lied oder eine passende Weisheit. Da Grundschullehrerinnen genau die Eigenschaften haben, die Maddy sich für ihre Nachfolgerin wünscht, schaut sie sich zuerst unter ihnen um. Als sie gerade aufgeben und zu den Krankenschwestern übergehen will, findet sie in Rory das scheinbar perfekte Exemplar. Sie beginnt, sie auf Herz und Nieren zu prüfen. Weiterlesen

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