Garry Disher: Kaltes Licht

Fünf Jahre nach seiner Frühpensionierung kehrt Adam Auhl in den Polizeidienst zurück. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Bearbeitung der kalten, also ungeklärten Mordfälle. Doch dann wird ein Skelett unter einem scheinbar alten Betonfundament gefunden. Die Umstände und Spurenlage weisen auf einen Mord hin, der recht bald mit der Ermordung einer jungen Frau in Verbindung gebracht wird. Damals liefen die Ermittlungen ins Leere, weil der mutmaßliche Täter verschwunden war. Neue Indizien verändern die Ausgangslage, so dass Sergeant Auhl seine Kollegen in diesem komplizierten Fall unterstützen soll.

Vergessliche Zeugen, Halbwahrheiten und Lügen sowie Medienrummel erweisen sich als wenig hilfreich.

Und während Auhl mit den Widerständen bei den Ermittlungen innerhalb und außerhalb der Polizeibehörde kämpft, kündigen sich in seinem Privatleben Veränderungen an. Seine Frau geht nun endgültig eigene Wege. Gleichzeitig bringen neue Untermieter dem sozial engagierten Sergeant Probleme ins Haus, die seine Werte vollständig in Frage stellen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jeff Wheeler: Königsfall 01: Die Geisel

Man kennt das zu Genüge – ein despotischer Herrscher nimmt die Kinder seiner wankelmütigen Gefolgsleute als Geisel, um die Fürsten auf Linie zu halten. So ergeht es auch dem acht-jährigen Owen Kiskaddon, dessen Vater, seines Zeichens Herzog der Westmark, seinen König im Kampf im Stich gelassen hat. Sein Ältester wurde daher der Quelle übergeben, sprich gefesselt auf einem kleinen Boot einen Wasserfall hinuntergesandt. Unnötig zu erwähnen, dass der Junge den Fall nicht überlebte.

Nun soll also der Jüngste der Kiskaddons, ein verschüchterter, lungenkranker Hänfling dem Fürsten als neue Geisel dienen. Der despotische Herrscher, von dem gemunkelt wird, dass er um den Thron für sich zu sichern gar seine eigenen Neffen umgebracht habe, versammelt jeden Morgen zum Frühstück seine jungen adeligen Gäste, allesamt Geiseln, um diese als Vorkoster zu nutzen. Geheimer Zweck des gemeinsamen Frühstücks ist aber auch, die magische Gabe des Herrschers, die sich aus Beleidigungen und verbalen Verletzungen der Kinder stärkt, zu füllen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios

Ocean Vuong, ein 1988 geborener amerikanischer Autor mit vietnamesischen Wurzeln, legt in seinem ersten Roman „Auf Erden sind wir kurz grandios“ einen enorm intensiven und emotionalen Roman vor.

Darin beschreibt er sein Leben in ärmlichen Verhältnissen – mit rabiater Großmutter und schizophrener Mutter, die weder Englisch noch lesen und schreiben kann. Der Ich-Erzähler ist nicht nur wegen seiner Herkunft ein Außenseiter – er ist es auch, weil er schmächtig, klein und homosexuell ist. Seine Liebe zu dem derben Trevor bildet den zweiten Teil dieses Romans.

Der Text weist enorm starke Stellen auf – zum Beispiel wenn Mutter Rose im Nagelstudio einen Fuß massiert, den es gar nicht mehr gibt, weil er längst amputiert worden ist, oder wenn sie im Supermarkt schauspielerisch darzustellen versucht, dass sie einen Ochsenschwanz kaufen möchte, oder wenn sich Trevor und der Ich-Erzähler im Heu bei der Tabak-Ernte langsam näher kommen. Subthema ist immer auch der Vietnamkrieg.

Allerdings gibt‘s andererseits einigen Leerlauf, und es könnte Leser geben, denen die überbordende Emotionalität in diesem Buch etwas zu viel wird und sie sie – besonders zum Ende hin – als überladen empfinden.

Anfangs muss man sich etwas hineinfinden in dieses ungewöhnliche Buch. Das liegt auch an der Art des Autors, seine Geschichte in kurzen Passagen zu erzählen, die besonders zu Beginn nicht immer in direktem Zusammenhang zueinander stehen. Das erfordert ein konzentriertes und langsames Lesen. Man kann dieses Buch keinesfalls am Strand oder irgendwo quasi nebenher konsumieren.

Man merkt in vielen Passagen, dass Ocean Vuong ursprünglich Lyriker ist. Für seine Gedichte wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt unter anderem mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017).

Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios.
Hanser Verlag, Juli 2019.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin

Katja Oskamp gehört zu den vielen Autorinnen, die vom Schreiben allein nicht leben können. Also muss sie zusätzlich einem (anderen) Job nachgehen. Die 49-jährige Berlinerin hat sich für die Fußpflege im Berliner Problemstadtteil Marzahn entschieden – und aus ihren Erlebnissen dabei ein wunderschönes Buch gemacht.

Es strahlt von der ersten bis zur letzten Seite eine enorme Herzenswärme und Liebe zu den Menschen aus, die sie besuchen. Da gibt‘s zum Beispiel jene Seniorinnen, die sich trotz körperlicher Gebrechen die gute Laune nicht verderben lassen, oder den etwas griesgrämigen ehemaligen DDR-Funktionär, der die Ich-Erzählerin rundheraus zum gemeinsamen Sex einlädt, oder Männer, die von der Ehefrau zwangsverpflichtet werden, zur Fußpflege zu gehen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hoeps & Toes: Die Cannabis-Connection

Der Deutsche Marcel und der Niederländer Sander lernen sich im Amsterdam der 80er Jahre kennen. Studentenrevolten, Hausbesetzungen und Drogentourismus haben die beiden jungen Männer für eine Weile zusammengeschweißt. Als die gemeinsame Freundin Kiki bei einer Drogenübergabe unter seltsamen Umständen stirbt, ist die Freundschaft vorbei.

Drei Jahrzehnte später steht Dr. Marcel Kamrath als Staatssekretär im Fokus der Medien. Seine Gesetzesinitiative für die Legalisierung von Cannabis schreckt viele auf. Kurz vor der Abstimmung des Gesetzes begegnet Marcel Sander wieder. Wie früher gewinnt der alte Freund Marcels Vertrauen mit lustigen Sprüchen und seinem einnehmenden Wesen, bis dieser in Sanders Falle festsitzt. Erschreckend schnell steht nicht nur Marcels politische Karriere auf dem Spiel.

„… Irgendwann in dieser Nacht waren ihm alle verlässlichen Koordinaten verloren gegangen, mit denen er zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Hirngespinsten unterscheiden konnte. Alles floss ineinander, … eine einzige Katastrophe, …“ (S. 109) Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hollmann/Johanus: Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies

Ein typisches Dummies-Buch, mit all den bekannten Strukturen, den Symbolen, den Cartoons, dem Aufbau. Es ist ein für Anfänger sehr gut geeignetes und geschriebenes Nachschlagewerk, deckt es doch all die Bereiche ab, die einen angehenden Autor interessieren mögen.

Axel Hollmann und Marcus Johanus sind bekannt durch ihren Kanal „Die Schreib-Dilettanten“, ein sehr unterhaltsames Programm für mehr oder weniger professionelle Schriftsteller. Beide sind dazu selbst Autoren, von Thrillern bzw. Fantasy-Romanen. Sie wissen also, wovon sie reden.

Das Buch ist sinnvoll aufgebaut, beginnend mit allgemeinen Hinweisen und Hintergründen über das Handwerkszeug für das Schreiben von Romanen – Planen, Schreiben, Überarbeiten  –  bis hin zu den verschiedenen Wegen der Publikation.

Allerdings, und ich denke (oder hoffe), das war den beiden Autoren vorher bewusst: sie können das Rad nicht neu erfinden. Das heißt, fast alles, was sie in ihrem Buch darstellen, gibt es so und ähnlich schon in hundert anderen Büchern über das Schreiben – und zwar professioneller, detailreicher und tiefer gehender. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Maureen Johnson: Ellingham Academy – Was geschah mit Alice?

Ich muss zugeben, ich bin voreingenommen. Das Buch hatte mich in dem Augenblick, als ich begriffen habe, dass Stevie sich unabhängig von ihren Eltern in die Ellingham Academy einschreiben konnte. Allein schon die Passage im Auto auf dem Weg zur Academy ließ mich vor Neid erblassen: Ich will da auch hin. Die Ellinham Academy ist eine Stiftung zu Ehren der vor vielen Jahren verschwundenen Tochter des reichen Gründers: Alice. Sie wurde in den 1930ern entführt und ist nie wieder aufgetaucht. Kurz danach gründete ihr gramgeplagter Vater die Academy um Talente aus dem ganzen Land die Gelegenheit zur Ausbildung zu bieten: alles umsonst. In ihrer normalen Umgebung wird Stevie höchstens milde belächelt. Sie weiß alles über Kriminalromane, über Fallstudien, über das Lösen von Rätseln. Sie möchte später gerne zum FBI, aber ihre Eltern nehmen sie nicht ernst, verstehen sie nicht und interessieren sich eigentlich sowieso nur für sich. Deswegen bewirbt sie sich in Ellingham und gibt in ihrer Bewerbung an, den uralten Kriminalfall um Alice lösen zu wollen. Das wird härter, als sie glaubte. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lena Kiefer: Ophelia Scale 01: Die Welt wird brennen

Die Welt im Jahr 2134: Die Menschen haben auf Befehl der Technologie abgeschworen. Nur noch wenig ist ihnen vom technischen Fortschritt geblieben. Die 18-jährige Ophelia leidet darunter sehr. Sie war technikverbunden und wollte sogar beruflich etwas mit Technik machen. Nun ist alles anders und Ophelia schließt sich einer im Verbogenen agierenden Widerstandsgruppe an. Als sich die Möglichkeit bietet, in der Leibgarde des Königs aufgenommen zu werden, bewirbt sich Ophelia zusammen mit einem guten Freund. Doch die Aufnahme-Prüfung ist hart und ihre Chancen gering. Und keiner darf wissen, dass sie nur ein Ziel haben: Den König zu töten.

Der Auftaktband um die Trilogie rund um die junge Ophelia Scale beginnt sofort mit einer spannenden Situation, in die man als Leser oder Leserin hineingeworfen wird. Natürlich ist dann das Interesse geweckt und Ophelias Welt ist mehr als interessant. Es gibt einen kleinen Teil staatlich reglementierter Technik, eine Art Auto beispielsweise, mit dem man von A nach B kommt. Die meiste Technik befindet sich allerdings unter Verschluss und die Menschen müssen sich auf ihre alten Traditionen besinnen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rutger Bregman: Utopien für Realisten

Eine Arbeitswoche mit nur 15 Stunden? Geldgeschenke an Bedürftige? Bedingungsloses Grundeinkommen für alle? Unvorstellbar? Unsinnig? Nicht realisierbar? Nicht, wenn es nach Rutger Bregman geht. In seinem Buch ‚Utopien für Realisten‘ stellt er dar, dass solche Ideen alles andere als unrealistisch sind. Wir müssen uns nur trauen, sie in unserem Denken auch wirklich zuzulassen. Denn, so sagt er, ein Problem, das wir haben, ist, dass es uns so gut geht, dass wir uns solche Dinge gar nicht vorstellen können.

Im Unterschied zu einem Leibeigenen des Mittelalters oder einem Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung ist unser Lebensstandard so hoch, dass wir gar nicht mehr wirklich nach weiteren Verbesserungen streben, sondern vielmehr davon ausgehen, dass die Zukunft nur schlechter werden kann. Und genau da sieht Bregman die Gefahr: dass diese Vorstellung dann tatsächlich zur Wirklichkeit wird.

Das ist aber nach seinen Untersuchungen überhaupt nicht nötig. Denn es gibt bereits zahlreiche Erfahrungen, die in der Praxis gezeigt haben, dass beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen fast nur positive Auswirkungen hat. Das Leben der Menschen verbessert sich und auch die Staatsausgaben sinken. Denn durch die festen und von Bedingungen unabhängigen Zahlungen reduzieren sich zum Beispiel Verwaltungskosten ganz erheblich. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tom Limes: Voll verkackt ist halb gewonnen

Ausgerechnet mit Tariq, Max und Julian soll Liza einen Film drehen. Das Thema: Träume. Aus der Gruppe der Chaoten, die mit ihr an der Qualifizierungsmaßmahme für den Hauptschulabschluss teilnehmen, sind die drei die Schlimmsten. Das kann nie etwas werden. Denkt Liza anfänglich zumindest.  Doch nach und nach finden die vier zusammen. Gemeinsam wollen sie in ihrem Film zeigen, warum sie an ihrer Schule von Anfang an keine Chance hatten.  Sie drehen ein schonungsloses Video, das  derb ist, wütend und ein bisschen hoffnungslos. Doch genau dabei finden sie heraus, dass auch sie noch Träume haben. Träume, für die es sich vielleicht sogar zu kämpfen lohnt.

Passend zum Schuljahresende, an dem der ein oder andere vielleicht ein eher ernüchterndes Zeugnis mit nach Hause bringt, sei dieses Mut machende Buch von Tom Limes empfohlen.

Der Autor trifft das Lebensgefühl der abgehängten Jugendlichen sehr gut. Alle vier – wenn das Buch auch nur aus der Sicht von zweien geschrieben ist –  haben ihre eigene, berührende Biografie, die sie in die Qualifizierungsmaßnahme geführt hat. Julian scheiterte an seiner Dyskalkulie. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: