Michael Ende-Special

Neunzig Jahre alt wäre Michael Ende am 12. November dieses Jahres geworden. Dass er schon 1995 an einer schweren Krankheit verstorben ist, hat uns sicher einige Geschichten gekostet, die er noch in sich getragen hat. Doch was er uns hinterlassen hat, ist so unvergleichlich, dass es sich lohnt – zum ersten Mal oder immer wieder – einen Blick in seine Bücher zu werfen und ihm in seine einzigartigen Welten zu folgen.

Man kann sein vielfach preisgekröntes und in über vierzig Sprachen übersetztes Werk mit vielen Adjektiven belegen: unterhaltsam, poetisch, fantasievoll, spielerisch, originell, tiefgründig oder philosophisch. Eines ist es sicher nicht: reine Kinder- und Jugendliteratur. Auch die Geschichten, die sich vordergründig an ein junges Publikum richten, sind für Menschen jeden Alters lesenswert. Michael Ende und seine Bücher lassen sich nicht in Schubladen stecken.

Der literarische Durchbruch gelang Michael Ende 1960 mit seinem Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, für das er 1961 mit dem Deutschen Kinderbuchpreis ausgezeichnet wurde. Schon kurze Zeit später hat die Augsburger Puppenkiste die Geschichte wundervoll für das Fernsehen in Szene gesetzt, damit sie in die deutschen Wohnzimmer flimmern konnte. Wer die Insel Lummerland, ihre Bewohner und deren Abenteuer noch nicht kennt oder sein Gedächtnis gerne auffrischen möchte, kann sich hier einen kleinen Eindruck verschaffen.

Im Jahr 1979 erschien ein weiterer Roman, der zutiefst mit Michael Endes Lebenswerk verknüpft ist: Die unendliche Geschichte. Seit seinem Erscheinungsjahr hat der Roman zahlreiche Buchpreise gewonnen – auch für den Deutschen Jugendbuchpreis war er 1980 nominiert – und wurde in Film, Fernsehen und Hörspiel in Szene gesetzt. Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt sind mit Atréju und Bastian auf Abenteuerreise durch Phantásien gegangen. Bis heute hat das Buch keinen Deut seines Zaubers eingebüßt. Auch zu „Die unendliche Geschichte“ können Sie eine separate Rezension lesen.

Einen ungewöhnlichen Zugang zu Michael Ende, zu seinem Leben, seiner Vorstellungswelt und seiner Persönlichkeit bietet Charlotte Roths Roman „Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“. Ganz bewusst hat die Autorin nicht die Form einer faktenorientierten Biografie gewählt. Sie verknüpft „die Fakten des äußeren Lebens mit fiktiven Verdichtungen, um einen Blick in die Innenwelt zu werfen.“ Erfahren Sie hier mehr über das facettenreiche Bild, das dadurch entstanden ist.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Beate Fischer.

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Charlotte Roth: Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit: Michael Ende – Roman eines Lebens

Im Herbst 1928 fährt Edgar Ende mit dem Zug von Hamburg nach Garmisch. Er ist auf der Suche nach seiner geliebten Elis, die von ihren Eltern aus seinem „Dunstkreis“ entfernt wurde. Zu schlecht schätzen sie den Einfluss des erfolglosen Künstlers auf ihre Tochter ein. Schließlich soll sie entsprechend ihres Ranges eine gute Partie machen und davon ist Edgar weit entfernt.

Edgar findet in Garmisch Elis zwar nicht, aber als er sich vor dem Regen in einen kleinen Laden flüchtet lernt er Luise Bartholomä kennen, mit der er sich gleich verbunden fühlt und die er nur vier Monate später heiratet.

Das gemeinsame Leben der beiden Außenseiter ist geprägt von Geldmangel und Kreativität. Luise schafft das Geld heran, während Edgar malt und nur hin und wieder ein Bild verkauft. Sein Stil liegt gerade nicht im Trend, mit seiner überbordenden Fantasie können nur wenige Menschen etwas anfangen. Doch Luise hält ihm den Rücken frei.

Als sich der kleine Michael ankündigt und im November 1929 geboren wird, wird der Alltag nicht leichter. Aber die Eltern schaffen ihm ein liebevolles Heim, glückliche, leuchtende Kinderjahre, an die Michael sein Leben lang gerne zurückdenkt.

Denn nicht immer wird es so bleiben. Der Umzug nach München reißt ihn aus seiner gewohnten Umgebung, die Eltern streiten und trennen sich, beiden – vor allem der Mutter – bleibt er eng verbunden, aber die Beziehungen sind ambivalent. Weiterlesen

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Allen Eskens: In Gestalt eines Anderen

Alexander Rupert gehörte zu den angesehensten Detectives der Polizei von Minneapolis. Seine Karriere startete durch, als er, undercover wie in Uniform, den Dealern das Handwerk legte. Dann wurde ausgerechnet in seiner Abteilung beschlagnahmtes Drogengeld entwendet. Er ist unschuldig, die schwarzen Schafe sitzen hinter Gittern, doch so lang die Bundesuntersuchung läuft, will keiner mehr etwas mit ihm zu tun haben. Er wird zur Betrugseinheit abgeschoben, fristet dort ein einsames Dasein – bis eines Tages ein geldgieriger Anwalt bei ihm aufkreuzt.

Ein Paar hat während der Fahr nicht voneinander lassen können, krachte in der Lusteuphorie auf die Gegenfahrbahn und tötete einen entgegenkommenden Porschefahrer. Der Anwalt forschte nach Verwandten um die Unfallverursacher zu verklagen und stieß auf ein Opfer, das unmöglich derjenigen sein konnte, der im Fahrzeug saß.

Während seine Ehe langsam aber sicher den Abfluss herunterrauscht, macht Alexander sich daran, das Mysterium um den Toten, den niemand wirklich kennt, zu entschlüsseln. Die Spur führt ihn, zunächst unterstützt von seinem Bruder nach New York. Hier, im Big Apple nimmt er die Spur des Getöteten auf und stößt auf eine Festplatte, auf der mehr als brisante Informationen gespeichert sind. Dumm nur, dass er nicht der Einzige ist, der hinter dem Laufwerk her ist – und sein Konkurrent geht buchstäblich über Leichen … Weiterlesen

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Krystal Sutherland: Es muss ja nicht perfekt sein

Esthers Familie ist verflucht. Und das liegt alles nur an Erlebnissen, die ihr Großvater einst im Vietnamkrieg hatte. Dort traf er den Tod höchstpersönlich und wurde mit einem Fluch belegt. Seitdem stirbt ein jeder aus der Solar-Familie an seiner größten Angst. Esthers Zwillingsbruder Eugene fürchtet sich vor der Dunkelheit, der Vater verlässt wegen Agoraphobie den Keller nicht mehr und die Mutter ist abergläubig. Ein Onkel starb an seiner Angst vor Keimen und auch für Esther sieht es nicht gut aus. Sie kennt ihre größte Angst noch nicht, hat aber deshalb Angst vor allem Möglichen. Sie führt eine Liste, auf der sie all diese Dinge notiert. Als diese Liste in die Hände ihres ehemaligen Klassenkameraden Jonah gerät, ändert sich alles. Jonah möchte Esther helfen, sich ihren Ängsten zu stellen. Jeden Sonntag möchte er sich mit ihr treffen und eine der 50 auf dem Zettel notierten Ängste aufarbeiten. Esther ist wenig begeistert, willigt dann aber doch ein.

„Es muss ja nicht perfekt sein“ ist ein ganz besonderer Jugendroman. Auch wenn das auf den ersten Blick nicht gerade deutlich wird. Denn es beginnt alles etwas holprig. Man lernt eine Familie kennen, die mehr als sonderbar ist. Alles wird aus Esthers Perspektive beschrieben. Sie ist eine Außenseiterin und hat nur eine wirkliche Freundin, Hephzibah, die an selektivem Mutismus leidet und mit niemandem spricht. Viele Jahre dachte Esther sogar, dass Hephzibah nur eine einbildete, nicht real existierende Freundin sei. Weiterlesen

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Mark Forsyth: Eine kurze Geschichte der Trunkenheit

Wem es bislang noch nicht klar war, dem wird spätestens mit der Lektüre von Mark Forsyths unterhaltsamen Buch ein Licht aufgehen: Alkohol und Trunkenheit haben in der Geschichte der Menschheit schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Der Leser wird in jedem der 18 Kapitel durch eine andere Epoche bzw. Zivilisation der Menschheitsgeschichte geführt und erfährt, welche Rolle der Alkohol dort spielte.

Es beginnt bereits in der Frühgeschichte der Menschheit. So fand man in der uralten Stadt Göbekli Tepe (Türkei) große Steinwannen, in denen sich vermutlich Alkohol befand, wenn an diesem Ort die damals noch als Jäger und Sammler umherstreifenden Menschen zusammenkamen. Überhaupt, vermutet Forsyth, könne Bier durchaus eine wichtigere Rolle beim Sesshaft werden der Menschen gespielt haben als allgemein angenommen, da es ähnlich nahrhaft wie Brot ist, aber wesentlich leichter herzustellen.

Nach diesem Einblick in die Frühzeit führt Forsythe den Leser weiter nach Mesopotamien, wo die Sumerer sogar eine Göttin des Bieres hatten. Sie trug den Namen Nikasi. Weiter geht es mit einer äußerst aufschlussreichen Schilderung des, nun ja, eher entspannten Verhältnisses, das die alten Ägypter zum Alkoholgenuss und dessen Folgen hatten sowie dem deutliche komplizierteren Umgang, den die Griechen insbesondere mit dem Wein pflegten. Weiterlesen

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Tom Saller: Ein neues Blau

1985 in Berlin-Charlottenburg: Die Gymnasiastin Anja bekommt von ihrem Vertrauenslehrer einen Nebenjob vermittelt. Doch die alte Dame, deren „Gesellschafterin“ sie werden soll, weiß noch gar nichts von ihrem Glück. Ihr Sohn hat ohne ihr Wissen nach einer Betreuung für ein paar Nachmittage gesucht. Zuerst ist Fräulein Kuhn – die Mutter – nicht begeistert von seiner Eigenmächtigkeit, aber als sie im Gespräch feststellt, dass Anja in dieselbe Schule geht, die auch sie besucht hat und wie sie selbst zur Hälfte Jüdin ist, stellt sie die junge Frau kurzerhand ein.

Der Austausch und das Zusammensein tut den beiden Frauen gut. Sie fassen Vertrauen zueinander und Lili Kuhn erzählt Anja von ihrer Kindheit und Jugend in den 1920er Jahren. Wie sie früh ihre Mutter verlor, wie ihr Vater – ein erfolgreicher Teehändler – zu seiner Unterstützung seinen halb japanischen, halb chinesischen Freund Takeshi nach Deutschland holte, der für Lili lebenslang ein Vertrauter bleiben sollte, wie sie als Kind und junges Mädchen in einem Haushalt mit zwei Männern und einer resoluten Haushälterin aufwuchs, umgeben von Liebe, Verständnis und einer für die damalige Zeit fast verwegenen Mischung aus westlicher, asiatischer und jüdischer Kultur. Weiterlesen

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Hugo von Kupffer: Reporterstreifzüge: Die ersten modernen Reportagen aus Berlin (1886)

Wer sich mit den prägnanten Bildern von Heinrich Zille beschäftigt, bekommt einen plastischen Eindruck vom Leben des einfachen Volkes in der Reichshauptstadt Berlin. Es war eine Zeit, in der Arme die feuchten Neubauten der Reichen trocken wohnten. Erkrankungen waren in den nasskalten Räumen vorprogrammiert, erst recht, wenn man hungerte. Deshalb schickten spendable Bürger die ärmsten Kinder regelmäßig in Erholungsheime, wo diese – weg von schlechten Einflüssen – sich satt essen und genesen konnten.

Der Journalist Hugo von Kupffer, 1853 in Sankt Petersburg geboren, arbeitete von 1875 bis 1878 in verschiedenen New Yorker Nachrichtenagenturen. Ab 1883 führte er zusammen mit dem Verleger August Scherl den Berliner Lokal-Anzeiger, in dem er moderne amerikanische Pressestandards einführte. Über 45 Jahre lang war er Chefredakteur des erfolgreichen Massenblattes und starb 1928.

Wenn der Journalist durch die Stadt streifte, interessierte er sich für den Menschen, seine Lebensweise und sein Schicksal. Er gewann durch seine Interviews und Besichtigungen ein Bild, das er unterhaltsam in Reportagen kleidete. Missverständnisse und Vorurteile wollte er mit seinen Berichten beseitigen und gleichzeitig aufklären. Weiterlesen

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Rebecca Wait: Das Vermächtnis unsrer Väter

Tommy ist gerade einmal acht Jahre alt, als der Vater sich selbst, Tommys Mutter, den wenig älteren Bruder und seine kleine Schwester erschießt. Nach der Tragödie zieht Tommy für kurze Zeit zu seinem Onkel Malcolm im gleichen Ort. Doch dort kann er nicht bleiben und er verlässt das verschlafene schottische Dörfchen schon bald. Zwanzig Jahre später kehrt Tom, der seinen niedlichen Kosenamen längst abgelegt hat, an den Ort des Geschehens zurück und zieht ein paar Tage zu seinem Onkel ins Haus. Für beide kommen Erinnerungen hoch und es stellen sich die alten Fragen: Hätte man das Unglück verhindern können? Gab es irgendwelche Anzeichen, auf die man hätte achten müssen?

Der Roman wird überwiegend aus zwei Perspektiven erzählt. Die des erwachsenen Toms und seines Onkels Malcolm. Das Unglück liegt zu diesem Zeitpunkt gut zwanzig Jahre in der Vergangenheit. Man spürt aber an den Reaktionen aller Haupt- und Nebenfiguren, dass es noch nicht komplett verarbeitet und vielleicht niemals vergessen sein wird. Die Bewohner des kleinen Ortes reagieren irritiert, als sie Tom wiedersehen und er spürt ihre Ablehnung teilweise deutlich. Rebecca Wait trifft dabei immer genau den richtigen Ton und wirft ihre Fragen sehr behutsam auf. Weiterlesen

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Carmen Buttjer: Levi, gelesen von Jasna Fritzi Bauer

Levis Mutter ist tot und unversehens findet sich der 11-Jährige auf ihrer Beisetzung wieder. Dabei hat ihm niemand jemals erklärt, dass Mütter sterben. Oder so junge Menschen. Levis Welt steht Kopf und er weiß nicht, wie er mit seinem Vater allein klarkommen soll. Kurzerhand haut er von der Besetzung mit der Urne seiner Mutter ab. Er versteckt sich mit ihr in der Nähe seines Wohnhauses und beobachtet die Lage. Das gibt ihm außerdem viel Zeit zum Nachdenken über das Geschehene der letzten Wochen.

Gelesen wird das Hörbuch zu Carmen Buttjers Roman „Levi“ von Jasna Fritzi Bauer. Obwohl die Figuren, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird – allen voran Levi selbst –, allesamt männlich sind, ist die junge Frau doch eine gute Wahl als Sprecherin dieses Hörbuchs. Sie gibt Levi eine ganz besondere, nachdenkliche und verwirrte Stimme, die ins Ohr geht. Trotz der Perspektive eines 11-jährigen Jungen handelt es sich bei „Levi“ um keinen Kinder- und Jugendroman, sondern um Lektüre für Erwachsene. Der junge Protagonist regt zum Denken an und hinterfragt die Welt der Erwachsenen. In nur knapp 6 Stunden Lesung ist tatsächlich der ganze, ungekürzte Roman verpackt. Weiterlesen

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S.L. Huang: Nullsummenspiel

Cas Russel lebt in L.A. Man kennt sie – in gewissen Kreisen. Sie besorgt Dinge und befreit Menschen, nicht ganz legal, dafür teuer und zuverlässig. Nur die Behörden kennen sie nicht – dafür hat einer ihrer Geschäftspartner gesorgt. Keine Sozialversicherungsnummer, keine Steuernummer – nirgendwo taucht ihr Name auf.

Freunde oder soziale Kontakte hat sie keine. Eine merkwürdige Beziehung aber hegt sie zu einem Killer, vor dem selbst die abgebrühtesten Attentäter, Terroristen und Geheimdienstler Angst haben – Rio, ein Mann ohne jegliche Moral, ohne Empfinden oder Mitgefühl. Ein Mann, der sich auf ganz eigene, besondere Art in den Dienst Gottes, so wie er diesen begreift, gestellt hat, und gnadenlos Jagd auf die macht, die er als schuldig im Sinne der Bibel verdammt.

Cas selbst hat eine besondere Gabe – ihre Affinität für Mathematik lässt sie in Sekundenbruchteilen Handlungen und deren Folgen berechnen – so dass sie zu einer perfekten Kampf- und Killmaschine wird. Cas´ neuester Fall bringt sie in Konflikt mit einem kolumbianischen Drogenkartell. Sie soll ein von diesen gefangen gehaltenes Mädchen befreien – eigentlich kein Problem, neunzehn Leichen später, hat sie ihr Ziel fast erreicht, als sie auf Rio stößt, der sich undercover bei den Kolumbianern eingeschlichen hat. Weiterlesen

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