Norbert Scheuer: Winterbienen

Momentan herrscht hierzulande ja ein regelrechter Hype um Bienen. In allen Medien wird darüber berichtet und auch in den Buchhandlungen stehen viele Bücher, insbesondere belletristische, die sich mit Bienen beschäftigen.

Das ist erstmal nichts Schlimmes. Ob es aber immer noch ein Buch mehr braucht, wäre zu diskutieren.

Dem Autor dieses Buches zu unterstellen, dass er auf dieser Welle mitreiten wollte, liegt mir fern. Immerhin widmet er sich über 320 Seiten diesem Thema. 320 Seiten, auf denen sehr, sehr wenig passiert. Der einigermaßen spannende Teil der Handlung hätte auf vielleicht 10 Seiten gepasst, also in etwa die Länge einer anständigen Kurzgeschichte.

Erzählt werden in Tagebuchform die Geschehnisse im Leben des Egidius Arimond im Jahr 1944 in einem kleinen Ort in der Eifel. Während des gesamten Buches erfährt man nicht das Alter des Protagonisten, aber er muss im wehrfähigen Alter sein. Wegen seiner epileptischen Anfälle ist er nicht wehrtauglich und daher im Ort immer wieder Anfeindungen als Drückeberger ausgesetzt.

Außerdem schläft sich Egidius durch mehrere Betten im Dorf, Betten von Frauen, deren Männer an der Front sind. Die einzige andere Beschäftigung des ehemaligen Lehrers sind besagte Bienen. Und zwar Beschäftigung nicht nur aktiver Hinsicht, nein, auch in seinen Gedanken sind die Bienen so ziemlich das einzige, was ihn beschäftigt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anika Decker: Wir von der anderen Seite

Anika Decker ist Drehbuchautorin, ihre bekanntesten Filme sind Keinohrhasen und Zweiohrküken. Dieses Buch ist ihr Debüt als Romanautorin.

Obwohl der Roman eine fiktive Protagonistin hat, schildert Anika Decker ihr eigenes Erleben. Vor etwa zehn Jahren erkrankte sie schwer an einer Blutvergiftung mit komplettem Organversagen. Das Buch beschreibt den Krankheits- und Genesungsverlauf, beginnend mit ihrem Erwachen aus einem tagelangen Koma. Die Protagonistin Rahel durchläuft die verschiedenen Stadien der Behandlung von der Intensivstation zur Spezialklinik bis zur Reha. Dabei wird mit entwaffnender Offenheit von allen Aspekten einer solch schweren Erkrankung erzählt, auch von den „ekligen“. Neben der Krankheit wird auch die Beziehung Rahels zu ihrem Freund Olli bis aufs Kleinste seziert.

Beeindruckend intensiv geschildert und nachdenklich machend sind vor allem die Untersuchungen, die Rahel wieder und wieder über sich ergehen lassen muss. Der Verlust der Selbstbestimmtheit macht ihr zu schaffen, die Arroganz und Distanz, mit der Ärzte mit ihren Patienten umgehen, läßt sie oft verzweifeln. Umso dankbarer ist sie für die wenigen Ärzte und Krankenschwestern, die den Menschen hinter dem Patienten sehen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Johanna Holmström: Die Frauen von Själö

Dies ist kein Buch für sonnige fröhliche Tage. Dies ist ein Buch, das man im November lesen sollte. Denn die Stimmug, die es auslöst, ist grau, duster. Man möchte sich in sich selbst zurückziehen.

Johanna Holmström erzählt die Geschhichte von drei Frauen über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren.

Kristina, die ihre beiden Kinder ertränkte, wird statt ins Zuchthaus in die Irrenanstalt auf der Insel Själö gesteckt. Es ist das Jahr 1891 und wir können uns vermutlich alle vorstellen, wie zu dieser Zeit mit Insassen von Irrenanstalten, zumal weiblichen, umgegangen wurde, welche Behandlungsmethoden angewandt wurden. Die sogenannte „Isolierung“ ist nur eine davon. Ziel und Zweck konnte es nur sein, die Frauen zu brechen.

Genau so drückt es Sigrid aus, die Krankenschwester auf der Insel. Auch sie ist gewissermaßen eine Gefangene, sie wird viele Jahre dort verbringen.

Die Dritte ist Ellie, ein aufbegehrendes wildes Mädchen, das zu Beginn der 1930er Jahre in die Irrenanstalt auf der Insel kommt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mechtild Borrmann: Grenzgänger

Ein verstörendes Buch. Eine beklemmende Geschichte.

Mechtild Borrmann erzählt im Nachwort, dass sie auf Flohmärkten gezielt Fotoalben kauft und beim Durchblättern und Studieren der alten Aufnahmen den Anstoß zu ihren Büchern bekommt. Darauf folgt dann, das ist ihren meist historischen Themen geschuldet, eine intensive Recherche. Und die merkt man dem Buch an.

Der Roman – die Handlung ist frei erfunden, auch wenn der kühle, reportagenhafte Stil anderes nahezulegen scheint – erzählt auf mehreren Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven die Geschichte der Henni Schöning, beginnend gegen Ende des zweiten Weltkriegs. Sie wächst zusammen mit ihren drei jüngeren Geschwistern in einem Dorf in der Eifel, nahe der belgischen Grenze, auf. Der Vater kommt, äußerlich unverletzt, aber geistig und seelisch zerrüttet, aus dem Krieg zurück. Unfähig, in seinem Beruf als Juwelier weiterzuarbeiten, unfähig, sich dem harten Leben in der Eifel zu stellen, zieht er sich in eine ungesunde, fast besessene Nähe zur Kirche zurück. Die Mutter muss mehr oder weniger allein für die Kinder sorgen. Henni hilft schon früh bei allem mit. Sie ist diejenige, die sich von Anfang an dem Vater widersetzt, die nicht akzeptieren will, dass er seiner Verantwortung für die Familie nicht nachkommt. Damit ist der Grundstein gelegt, für alles, was danach geschieht. Denn alle Schicksalsschläge, die Henni und ihren Geschwistern widerfahren, beruhen letztendlich auf dem Versagen des Vaters. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hollmann/Johanus: Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies

Ein typisches Dummies-Buch, mit all den bekannten Strukturen, den Symbolen, den Cartoons, dem Aufbau. Es ist ein für Anfänger sehr gut geeignetes und geschriebenes Nachschlagewerk, deckt es doch all die Bereiche ab, die einen angehenden Autor interessieren mögen.

Axel Hollmann und Marcus Johanus sind bekannt durch ihren Kanal „Die Schreib-Dilettanten“, ein sehr unterhaltsames Programm für mehr oder weniger professionelle Schriftsteller. Beide sind dazu selbst Autoren, von Thrillern bzw. Fantasy-Romanen. Sie wissen also, wovon sie reden.

Das Buch ist sinnvoll aufgebaut, beginnend mit allgemeinen Hinweisen und Hintergründen über das Handwerkszeug für das Schreiben von Romanen – Planen, Schreiben, Überarbeiten  –  bis hin zu den verschiedenen Wegen der Publikation.

Allerdings, und ich denke (oder hoffe), das war den beiden Autoren vorher bewusst: sie können das Rad nicht neu erfinden. Das heißt, fast alles, was sie in ihrem Buch darstellen, gibt es so und ähnlich schon in hundert anderen Büchern über das Schreiben – und zwar professioneller, detailreicher und tiefer gehender. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: