Jonas Winner: Die Zelle

Sammy istjonas elf, als seine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, dem 15-jährigen Bruder Linus und dem Aupair-Mädchen Hannah, von London nach Berlin zieht. Die neue Villa in Grunewald ist Sammy von Anfang an suspekt. Er bemerkt seltsame Vorkommnisse in seiner Umgebung und entdeckt schließlich seinen Vater, wie durch einen Tunnel im Untergrund verschwindet. Sammy folgt ihm heimlich und findet dort eine Zelle vor, in der ein etwa 15-jähriges asiatisch-stämmiges Mädchen gefangen gehalten wird. Von nun an befindet sich Sammy in einem Zwiespalt, denn er möchte sich jemandem öffnen, weiß allerdings nicht, an wen er sich wenden soll. Als er kurze Zeit später nach dem Mädchen schauen will, ist dieses verschwunden. Sammy ist sich sicher: Nur sein Vater kann etwas mit der Sache zu tun haben.

„Die Zelle“ wird im Rückblick zwanzig Jahre nach dem Geschehen erzählt. Sammy berichtet gleich zu Beginn, dass der verurteilte Täter in wenigen Tagen aus der Haft entlassen werde und er noch immer unter schlimmer Angst leide. Dann entfaltet sich die eigentliche Geschichte, die Mitte der 1990er Jahre spielt. Diese ist spannend erzählt, manchmal aber auch etwas wirr. Denn Sammy leidet schon bald unter Albträumen und Visionen, die sich gelegentlich nur schwer von der Realität trennen lassen. Erst im weiteren Verlauf des Romans entwickelt sich daraus eine gewisse Genialität. Die Geschichte ist darüber hinaus sehr gradlinig erzählt und Längen sucht man vergebens.

Schnell liefert der Verlauf der Geschichte neben Sammys Vater noch einige weitere männliche Personen, die als möglicher Täter infrage kommen. Auch die beiden Nachbarn des Grundstücks haben Zugang zum Tunnelsystem unter der Siedlung. Über sie erfährt man außerdem ein paar interessante Infos zur Geschichte der Gegend und der im Weltkrieg genutzten Tunnel. Alle Kapitel sind dabei von einer dichten Atmosphäre durchwoben, von der die Geschichte lebt.

Ein insgesamt ein gelungener Roman für Zwischendurch!

Jonas Winner: Die Zelle.
Knaur, Januar 2016.
336 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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