Andrea Camilleri: Die Inschrift

Humor haben auch die Montalbano-Krimis von Andrea Camilleri. Aber in der Erzählung „Die Inschrift“, die jetzt auf Deutsch erschienen ist, blitzt der große Schalk des 92-jährigen Italieners auf. Ganz verschmitzt und unterhaltsam hat er auf nur rund 50 Seiten eine Satire über die grotesken Züge der Kleinbürgerwelt in einem kleinen italienischen Ort im Faschismus geschrieben. Den schmalen Band komplettiert ein Brief einer Leserin des italienischen Bestseller-Autors, in dem sie erzählt, was sie an dieser Satire begeistert und zum Nachdenken gebracht hat.

Bei einer Versammlung des faschistischen Vereins am 11. Juni 1940 geraten Michaele Ragusano und der glühende Faschist Emanuele Persico aneinander. Persico bricht zusammen und erleidet einen tödlichen Schlaganfall. Weiterlesen

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Jojo Moyes: Mein Herz in zwei Welten

In dem nunmehr dritten Band verfolgt Jojo Moyes das Leben von Louisa Clark, die einst den Tetraplegiker Will pflegte und an ihn sein Herz verlor. Im neuen Abenteuer wagt Louisa endlich, was Will ihr vor mehr als zwei Jahren geraten hatte. Lebe und sage Ja zum Leben. Deshalb macht sich Louisa zu einem neuen Ufer auf. Sie lässt ihren Freund Sam und ihre Familie in England zurück, um die Assistentin der jungen, reichen Agnes Gopnik zu werden. Sie braucht eine Art bezahlte Begleiterin, um ihren Alltag zu strukturieren, hat aber keine körperliche Einschränkung. Anfangs weiß Lou deshalb nicht so recht, was eigentlich ihr Job ist. Doch da kommt sie bald schon dahinter …

Immer wieder hat sie auch damit Probleme, dass ihr Herz, wie der Titel andeutet, in zwei Welten zu Hause ist. Ihre Beziehung mit dem Sanitäter Sam, den sie unter besonderen Umständen im zweiten Band kennenlernte, ist noch sehr frisch und hält der Entfernung kaum stand, vor allem als er eine hübsche neue Kollegin zugeteilt bekommt. Weiterlesen

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T. C. Boyle: Good Home

Ein Mann muss eine Leber zu einer Patientin transportieren. Doch dann gerät er wegen eines Erdrutsches in einen Megastau, und das Organ wird von Minute zu Minute unbrauchbarer. Eine liebesbedürftige Frau gerät an einen Fanatiker, der alle wild lebenden Katzen töten möchte. Ein einsamer Mann kauft sich eine Schlange, kommt aber nicht damit zurecht, dass er ihr Ratten zum Fraß vorwerfen muss, die ihm so sehr ans Herz gewachsen sind.

Die Geschichten in T.C. Boyles Story-Sammlung „Good Home“ haben es allesamt in sich und sind deshalb so atemberaubend spannend und lesenswert, dass man sich zuweilen fast nicht traut, auf die nächste Seite zu blättern, es dann aber natürlich doch tut, weil man wissen muss, wie es weitergeht.

Dass man sich alle 30 bis 40 Seiten an neues Personal und ganz neue Situationen gewöhnen muss, ist gar nicht schlimm – im Gegenteil: Es macht den Reiz dieses Buches aus. Weiterlesen

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John Wray: Die rechte Hand des Schlafes

Oskar Voxlauer ist als sehr junger Mann Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen. Dann hat es ihn nach Rußland verschlagen, wo er eine Frau hatte, die an den Folgen der Säuberungsaktionen gestorben ist. 1938 kehrt er zurück in sein Österreichisches Heimatdorf und ist natürlich nicht mehr der, der er war. Aber auch das Dorf hat sich verändert und der Nationalsozialismus hält Einzug.

Bei dem Buch habe ich ständig geschwankt zwischen „wie genial“ und „ja aber“. Fasziniert hat mich zunächst einmal die Tatsache, dass überhaupt jemand ein Buch über ein Bergdorf in Österreich zur Zeit des Anschlusses an das Reich schreibt. Auch dort hat der Nationalsozialismus Einzug gehalten, auch dort kommen bestimmte Menschentypen an die Macht und andere leiden darunter.

Voxlauer will über seine Zeit in Rußland nicht reden und hat dafür gute Gründe. Die werden im Buch auch nach und nach beschrieben. Weiterlesen

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Lukas Hartmann: Ein passender Mieter

Bei Margret und Gerhard hängt der Haussegen schief. Das Paar im mittleren Alter hat sich nicht mehr viel zu sagen. Nur die langjährigen Gewohnheiten und der Sohn Sebastian sind der Halt in ihrer Ehe. An dem Tag, an dem Sebastian fluchtartig auszieht, beginnt das Fundament ihrer Ehe zu bröckeln.

Gerhard will die Anliegerwohnung des Sohnes vermieten. Was Margret will, überhört er routiniert. Nach einem Inserat und Kennenlernen lassen sie den Fahrradmechaniker Beat in das ehemalige Reich des Sohnes einziehen. Er ist in Sebastians Alter und ein stiller Zeitgenosse, der seine Freizeit fast vollständig mit Fahrradfahren ausfüllt. Als im Laufe der nächsten Monate immer häufiger von Überfällen auf junge Frauen berichtet wird, wächst in Margret ein Verdacht. Ein ungutes Gefühl nährt ihre Angst. Natürlich nimmt Gerhard sie nicht ernst. Schon seit Ewigkeiten hat er sie nicht ernstgenommen. Und Margret hat sich angewöhnt, ihre Wahrnehmungen ebenfalls zu hinterfragen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Trotzdem wird die Angst stärker und lähmt sie. Weiterlesen

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Ellen Sandberg: Die Vergessenen

Sommer, 1944: Die junge Krankenschwester Kathrin hat in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg ihre erste Arbeit gefunden. Sie möchte unabhängig sein und ihren eigenen Weg gehen. Dass sie sich dann ausgerechnet in den hochrangigen Arzt Karl Landmann verguckt, war so nicht geplant. Nach einigen Wochen merkt sie außerdem, dass die Arbeit in der Heil- und Pflegeanstalt alles andere als glatt läuft. Seltsame Vorkommnisse häufen sich und Kathrin kommt bald einem erschütternden Geheimnis auf die Spur.

Berlin, 2017: Auch das Leben der Journalistin Vera wird erschüttert, als ihre geliebte Tante Kathrin einen Schlaganfall erleidet und ins Krankenhaus kommt. Schon bald wird Vera klar, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht und sie deckt Dinge auf, über die manche Menschen lieber nicht gesprochen hätten. Weiterlesen

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Eshkol Nevo: Über uns

Der 1971 geborene israelische Autor Eshkol Nevo hat die Bewohner eines dreistöckigen Hauses unter die Lupe genommen und ihre Eigenarten, Sorgen und Probleme in drei Kapiteln niedergeschrieben. Diese Idee ist zwar nicht ganz neu – unter anderem José Saramago für „Claraboia“ hatte sie schon –, aber interessant ist sie trotzdem.

In der ersten Etage des porträtierten Hauses ist es ein Vater, der der fixen Idee verfällt, sein an beginnender Demenz leidender Nachbar hätte seine Tochter missbraucht. Er steigert sich immer mehr in diesen Wahn hinein. Eine Etage darüber leidet Chani unter der ständigen Abwesenheit ihres Mannes. Auch dass er sich so wenig für seine Kinder interessiert, setzt ihr zu. Dann kommt der Bruder des Ehemanns, der ein gesuchter Immobilienhai ist und seinen Kunden Unsummen an Geld schuldet. Aber er tut genau das, was sein Bruder nie tut: Er hört Chani zu und kümmert sich um die Kinder. Das führt zu einer schwierigen Zwickmühle für Chani. Weiterlesen

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Bernhard Schlink: Olga

Außergewöhnliche Liebesgeschichte, hervorragende Charakterstudie und ein gelungenes Gesellschaftsporträt: Bernhard Schlink hat in diesem Roman wieder zum großen Wurf ausgeholt. Wie schon in seinem Weltbesteller „Der Vorleser“ bleibt die Liebe hier so leidenschaftlich wie unerfüllt. Es geht um die Sehnsüchte von Menschen, die andere Wege einschlagen, als der Rest ihrer Zeit. Auch die ersten Triebe des beginnenden Faschismus, der sogar in guten, „aufrechten“ Menschen Wurzeln fasst, werden meisterlich dargestellt. Olga hat das Zeug, zu einer der ganz großen Frauenfiguren der Weltliteratur aufzusteigen.

Herbert ist ein Junge, der viel rennt. Olga ist ein Mädchen, das gerne dasteht und zuschaut. Sie lernen sich als Kinder kennen. Nach dem Tod der Eltern wird Olga Ende des 19. Jahrhunderts von Breslau zur Großmutter aufs Land nach Pommern gebracht. Dort lebt Herbert mit seiner Schwester Viktoria in herrschaftlichen Verhältnissen. Seinen Eltern gehört ein großer Gutshof samt Fabrik. Trotz unterschiedlicher Herkunft werden die Drei zu Freunden. Doch als die Heranwachsenden Gefühle füreinander entwickeln, Weiterlesen

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Phaedra Patrick: Wie Arthur Pepper sich vor seiner Nachbarin versteckte und am Ende doch sein Herz fand

Seit Arthur Pepper mit 69 Jahren Witwer geworden ist, hat er sich vor der Außenwelt verkrochen. Er versucht nach denselben Abläufen weiterzuleben, wie er sie viele Jahre mit seiner verstorbenen Frau Myriam gepflegt hat. So oft es ihm gelingt, geht er seiner Nachbarin Bernadette, die ihm gern etwas zu essen vorbeibringt und es nur gut mit ihm meint, aus dem Weg.

Als er Kleidungsstücke von Myriam für eine Kleiderspende aussortiert, findet er in einem ihrer Stiefel ein goldenes Bettelarmband mit verschiedenen Anhängern. Arthur ist verwirrt. Er kennt das Armband nicht und fragt sich, ob Myriam Geheimnisse vor ihm hatte. Mit einer Uhrmacherlupe versucht er, Details wie eingravierte Buchstaben und Zahlen auf den Anhängern zu entziffern. Er beginnt zu recherchieren und stößt auf die abstrusesten Verbindungen Myriams aus der Zeit vor ihrer Ehe. Er kann nicht anders, er muss sich nun diesem Teil der Vergangenheit seiner Frau stellen, die nach Paris, Indien und London führt und auch einen dunklen Punkt in ihrem Leben offenbart, um selbst wieder Ruhe finden zu können. Weiterlesen

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Thea Dorn: Die Unglückseligen

Lassen Sie sich durch den Buchtitel nicht täuschen: In diesem Roman gibt es jede Menge zum Lachen, Staunen, Wundern. Thea Dorn ist ein teuflisch gutes und rundum wahnwitziges Meisterwerk gelungen: Die Humangenetikerin Johanna sucht einen Weg zur Unsterblichkeit. Sie trifft den 1776 geborenen Physiker Johann Ritter. Allerdings leidet der verschrobene Einsiedler unter dem „Joch“ seiner Unsterblichkeit. Diese kuriose Ausgangssituation sorgt für geniale Dialoge und überraschende Wendungen. Der Clou: Ein allwissender Erzähler kommentiert das Geschehen in mittelalterlichem Jargon. Ist es ist der Beelzebub höchstselbst? Er nutzt die Gunst der Stunde, um ein paar Vorurteile aus der Welt zu schaffen …

Die ehrgeizige und vernunftbegabte Molekularbiologin Johanna plant die Menschheit von ihrem größten Übel zu befreien: der Sterblichkeit. Was ihr mit Zebrafischen und Mäusen bereits im Ansatz gelungen ist, steht plötzlich in Menschengestalt vor ihr an einer Supermarktkasse: Johann Ritter, ehemaliger Physiker, vor 250 Jahren geboren. Weiterlesen

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