Richard Russo: Ein Mann der Tat

Der US-amerikanische Autor und Pulitzer-Preisträger von 2002, Richard Russo (Jahrgang 1949),  legt mit dem Roman „Ein Mann der Tat“ (Originaltitel: „Everybody’s Fool“) die Fortsetzung von dem 1993 erschienenen Buch „Nobody’s Fool“ (Deutscher Titel: „Ein grundzufriedener Mann) vor. Der DuMont Buchverlag hat beide Titel im Mai 2017 auf Deutsch herausgebracht.

Der Lesende findet sich am Memorial-Day-Wochenende zunächst auf dem Hilldale-Friedhof von North Bath im US-Staat New York anlässlich der Beerdigung von Richter Barton Flatt wieder. Dort stürzt der unglückliche, von Zweifeln geplagte Polizeichef Douglas Raymer ohnmächtig ins offene Grab des Richters und verliert dabei sein einziges Beweisstück für die Untreue seiner vor einem Jahr bei einem Sturz auf der Treppe tödlich verunglückten Frau Rebecka (Becka): eine Garagentorfernbedienung.

Es ist heiß in North Bath und es stinkt. Rub Squeers, einfältiger Gelegenheitsarbeiter, wartet darauf, dass sein einziger Freund Donald Sullivan (genannt Sully) endlich etwas Zeit für ihn hat. Er ist schwer genervt von seiner Frau Bootsie, die ihm mit ihren Vorwürfen das Leben schwer macht. Weiterlesen

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Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

Reinweiße Fingernägel, glänzendes Schuhwerk, viktorianisches Seidentuch in der Brusttasche: Edward Feathers ist „sagenhaft sauber“ und verströmt noch im 21. Jahrhundert die Eleganz des Empire herauf. Als Anwalt Old Filth (failed in London, try Hong Kong) hat er in Fernost Karriere gemacht. Doch nach dem Tod seiner Frau Betty bricht sein tadelloses Leben auseinander. In Rückblenden wird das Bild eines Mannes erzählt, der Perfektionismus als Schutzschild gegen seine schrecklichen Kindheitserlebnisse als „Raj Waise“ kultiviert hat. In unvergleichlich britischer Manier schafft es Jane Gardam, Tragik, Komik, Weisheit und Menschlichkeit miteinander zu verknüpfen. Elegant beschwört sie die Ära der Britischen Kolonialzeit herauf, die uns noch heute so verstört wie fasziniert.

In den noblen Räumen des Londoner „Inner Temple“ diskutieren hochrangige Richter und Anwälte über Old Filth. In dessen Leben habe es nie einen Fehlgriff gegeben. Es sei immer alles glatt gelaufen. Weiterlesen

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Colum McCann: Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist

Der Autor Colum McCann wurde im Sommer 2014 Opfer einer Gewalttat, bei der er niedergeschlagen wurde, wie er in der Nachbemerkung des Buches beschreibt. Dieses traumatisierende Erlebnis hat Colum McCann auch in den Geschichten dieses Buches verarbeitet. Das Vorfeld von zwei Geschichten hat er vor dem gewalttätigen Übergriff verfasst, als hätte er das Später bereits erahnen können. Dabei kommt McCann ganz ohne Effekthascherei aus, denn er legt den jeweiligen Focus nicht auf die Taten selbst, sondern auf die bedrückenden und einschneidenden Nachwirkungen.

Die Geschichte „Dreizehn Sichtweisen“ beschreibt die Lebenssituation mit allen körperlichen Einschränkungen des zweiundachtzig jährigen verwitweten Mendelssohn, der sich in einem Restaurant in Manhattan mit seinem Sohn Eillot zum Essen verabredet. Das Groteske an der Geschichte ist, dass Eillot sich seinem Vater kaum widmet, sondern sich nur mit seinem Handy beschäftigt.  Als Mendelssohn später allein das Restaurant verlässt, wird er überfallen und stirbt. Die Polizei kann das Verbrechen trotz überall vorhandener Videokameras nicht aufklären.

In „Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist“ konfrontiert uns der Autor mit der Geschichte über eine junge Soldatin, die fern der Heimat der Kälte zwischen den afghanischen Bergen ausgesetzt ist. An Silvester denkt sie an ihren Sohn und ihre Geliebte und möchte mit ihnen telefonieren. Weiterlesen

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Christoph Schulte-Richtering: 32 Tage Juli

Lagos in Portugal war der am weitesten entfernte Ort, den man mit einem Interrailticket erreichen konnte. Die beiden Freunde und frischgebackenen Abiturienten Jayjay und Tiggy hatten genau dieses  Ferienziel vor Augen, in das sie ihre Wünsche und Träume packten und dabei den Eltern den Rücken kehren konnten. Endlich war es so weit und sie konnten ganz auf sich allein gestellt in eine Welt eintauchen, in der sie die ersehnten Freiheiten und Abenteuer auskosten wollten, was natürlich auch mit so manchen Widrigkeiten und ungeahnten Risiken einherging.

Viele Jahre später, Jayjay und Tiggy sind mittlerweile siebenundvierzig Jahre alt, machen die beiden sich nochmals auf, ihren alten Sehnsuchtsort Lagos zu besuchen. Der Zeitpunkt könnte nicht besser passen, denn beide stecken in einer Krise, der eine beruflich, der andere privat. Weiterlesen

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Camille Aubray: Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten

Für mich ist der Roman „Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten“ schon jetzt das schönste Buch des Jahres. Der Amerikanerin Camille Aubray ist ein zauberhaftes Porträt einer französischen Familie gelungen, das den Duft der Provence verströmt und eine fiktive Episode aus dem Leben des spanischen Malers erzählt. Der hatte sich im Mai 1936 in ein provenzalisches Dorf zurückgezogen. Die junge Gastwirttochter Ondile hat ihn bekocht und ihm auch Modell gesessen. Picasso dankte mit einem Porträt des Mädchens, und dieses Bild rettet später Ondiles Enkelin Celine die Existenz.

Fast 80 Jahre später macht sich die junge Amerikanerin in der Heimat ihrer Großmutter auf die Suche nach dem Bild, und erfährt am Schluss, dass sie Picassos Enkelin ist. Weiterlesen

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Jostein Gaarder: Ein treuer Freund

26 Jahre nach dem Weltbestseller „Sophies Welt“ hat der Norweger Jostein Gaarder einen neuen, wunderbar leisen und ebenso philosophischen Roman geschrieben: „Ein treuer Freund“ ist ein wunderbares Buch über die Liebe und über einen Menschen auf der Suche nach Gesellschaft.

Protagonist Jakop erzählt seine Geschichte im Rückblick in einem Brief an Agnes, die Frau, die er liebt. Und dieser Jakop ist ein herrlich liebenswerter, skurriler Kauz vom Schlag eines Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Seine Leidenschaft ist es, zu Beerdigungen zu gehen – von Wildfremden, die er nicht kennt. Aber bevor er sich zum Leichenschmaus mit der Familie an einen Tisch setzt, hat er sich über den Verstorbenen und alle Angehörigen genau informiert. Die Familien werden für Jakop zu Ersatzfamilien, nach denen er sich sein ganzes Leben lang gesehnt hat. Weiterlesen

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Clemens Meyer: Die stillen Trabanten: Erzählungen

Clemens Meyer (1977 in Halle an der Saale geboren) lebt und arbeitet in Leipzig. Für seine Arbeiten wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Presse ist voll des Lobes für den Autor, der schon mit großen Erzählern wie Salinger oder Hemingway verglichen wurde. Im März erschien Meyers neuestes Werk „Die stillen Trabanten – Erzählungen“ beim S. Fischer Verlag.

Darin drei mal drei Erzählungen, die von jeweils einer Miniatur eingeleitet werden. Da ist der alternde Mitarbeiter eines Wachdienstes, der seinen Dienst in einer Trabantenstadt versieht, zu der auch ein Ausländerwohnheim, das Objekt 95, gehört. Für ihn verweben sich während eines nächtlichen Rundganges Vergangenheit und Gegenwart miteinander, in denen er sich seiner Zuneigung zu einer Bewohnerin des Objektes 95 (wieder-)erinnert. Oder der alte Mann auf einer Bank, der einem Unbekannten von der alten Strandbahn entlang der Küste erzählt. Weiterlesen

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Colleen Hoover: Nächstes Jahr am selben Tag

Seit die 18-jährige Fallon bei einem Brand vor zwei Jahren schwere Verbrennungen davontrug, ist das Leben der Nachwuchsschauspielerin nicht mehr dasselbe. Genau am Tag vor ihrer Abreise von L.A. nach New York lernt sich den gleichaltrigen Benton, genannt Ben, kennen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt sofort und sie verbringen einen tollen Tag miteinander. Doch Fallon hat sich selbst eine Regel aufgestellt: Verliebe dich niemals, bevor du nicht dich selbst kennst. Und dafür braucht es noch fünf Jahre. Fallon und Ben beschließen, sich jedes Jahr zur selben Zeit am selben Ort zu treffen und den Tag miteinander zu verbringen. Nach fünf Jahren wollen sie dann entscheiden, ob aus ihnen mehr werden kann.

Colleen Hoovers Buch ist genau so, wie man es erwarten würde. Ein wahrer Hoover-Roman, vor allem für die Fans der tollen Autorin, aber auch für all jene, die es werden wollen. Weiterlesen

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Haruki Murakami: Birthday Girl

Haruki Murakami schafft es wie kein Zweiter, den Raum zwischen den Zeilen zu füllen. Mag dieses Buch mit seinen 72 beschriebenen und illustrierten Seiten auf den ersten Blick übersichtlich wirken, so öffnet der Autor die Augen für all das, was sich dahinter verbirgt. Das Ungesagte seiner Prosa kann es mit jedem umfangreichen Roman aufnehmen. Der Autor regt die Imagination des Lesers an, verleitet dazu, sich mit universellen Themen wie dem Zauber und Fluch von Wünschen auseinanderzusetzen.

Zur Erzählung: An ihrem zwanzigsten Geburtstag geht eine junge Frau wie gehabt ihrer Arbeit in einem Restaurant nach. Doch ausgerechnet heute wird der Geschäftsführer krank und sie muss dem mysteriösen Eigentümer, der die oberste Etage bewohnt und den niemand zu Gesicht bekommt, dessen Abendessen aufs Zimmer liefern. Der ältere Herr bietet der Kellnerin an, ihr einen Wunsch zu erfüllen. Egal, welchen. Die Antwort überrascht ihn. Und den Leser überrascht die Auflösung – oder vielmehr das Ausbleiben derselben. Weiterlesen

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Don Carpenter: Freitags im Enrico’s

Vier Schriftsteller treffen zwischen 1959 und 1975 immer wieder an Amerikas Westküste aufeinander. In dieser bewegten Zeit des gesellschaftlichen Wandels, voller Beat-Poeten und Hippiekultur, Vietnamkrieg und freier Liebe, entwickelt die Story einen außergewöhnlichen Sog. Freitags bei Enrico‘s ist ein Abgesang auf eine Ära und den Beruf des Schriftstellers. Die unterschiedlichen Autorenschicksale zeigen, dass Schreiben Ruf und Fluch zugleich ist. Schriftsteller sind Getriebene, ohne Aussicht auf Ankommen. Daran vermögen (Miss-) Erfolge nichts zu ändern. Nostalgisch, berührend, lesenswert!

Im pulsierenden San Francisco debattiert die künstlerische Boheme über die Liebe und das Leben. Charlie ist Koreaveteran, der an einem Kriegsepos arbeitet und dem eine große Karriere prognostiziert wird. Studentin Jamie hat das Schreiben im Blut, eine ungeplante Schwangerschaft droht ihren Träumen jedoch ein Ende zu bereiten. Dick, ein selbstverliebter Müßiggänger, erlebt nach einem kurzen Erfolg den herben Fall. Einbrecher Stan scheint seine wahre Berufung gefunden zu haben, muss aber erst eigene Dämonen besiegen. Weiterlesen

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