Jonathan Carroll: Das Land des Lachens

Ein Buch für Träumer, Fantasten und kindliche Gemüter. Ein Buch, das überrascht mit absurden Wendungen, mit unerwarteten Stilbrüchen und wundersamen Figuren. Ein Buch, das Freude macht.

Der Roman war der erste des amerikanischen Autors Jonathan Carroll, veröffentlicht 1980. Er erzählt von Thomas Abbey, Sohn eines berühmten Schauspielers und Lehrer an einer Privatschule. Vor allem aber ist er glühender Fan der Bücher von Marshall France, eines geheimnisvollen Autors von fantastischen Kinderbüchern. France, inzwischen verstorben, gab nie Interviews und es existieren auch keine Biografien über ihn. Da reift in Thomas die Idee, eine solche zu schreiben.

Zusammen mit seiner neuen Freundin Saxony reist er auf gut Glück nach Galen, dem Ort, an dem France all seine Bücher geschrieben hat und wo heute noch seine Tochter Anna lebt. Entgegen der Warnung des Verlegers von Frances Büchern erweist sich Anna als entgegenkommender als erwartet. Dennoch geht irgendetwas in Galen nicht mit rechten Dingen zu, erscheint Thomas und Saxony vieles merkwürdig, absonderlich und erschreckend. Weiterlesen

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Elizabeth Strout: Oh, William!

Die amerikanische Autorin Elizabeth Strout ist bekannt für ihre emotionalen Bücher, die tief in das Seelenleben ihrer Figuren eintauchen. Inhaltlich passieren keine Sensationen, dafür aber der ganz normale Alltag, der ja oft aufregend genug ist. Das ist auch in ihrem neuesten Werk „Oh William!“ nicht anders. Im Mittelpunkt steht einmal mehr die Autorin Lucy Barton, die eifrige Strout-Leser schon aus früheren Romanen kennen und aus deren Perspektive der Roman in Ich-Form geschrieben ist.

Lucy beschreibt die Beziehung zu ihrem Ex-Mann William, mit dem sie auch nach der Trennung noch freundschaftlich verbunden ist. Schließlich begleitet sie ihn sogar auf eine Tour nach Maine, wo William hofft, Aufklärung zu einem lange gehüteten Geheimnis seiner Mutter zu finden …

„Oh William“ ist nicht Elizabeth Strouts stärkster Roman. Gefühle werden zwar oft behauptet, sind für den Leser aber nicht immer nachvollziehbar. Weiterlesen

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Imbolo Mbue: Wie schön wir waren

Eine überaus kraftvolle Geschichte – ergreifend, bewegend, aufrüttelnd: Die Bewohner des afrikanischen Dorfes Kosawa sind die stolzen Nachfahren des „Leopardenblutes“. Sie leben mit ihren sieben Schwesterndörfern im Einklang mit der Natur. Bis die amerikanische Ölbohrfirma Pexton kommt. Der Diktator des Landes gibt dem Unternehmen das Land, um dort nach dem Schwarzen Gold zu bohren. Öl und Giftmüll fließen fortan ungeklärt in Boden und Wasser. Kinder werden krank und sterben, die Äcker geben keine Ernte mehr her, selbst Heilkräuter verdorren. Die Firma verspricht zu helfen, doch nichts passiert. Alle Bemühungen, sich gegen die Ungerechtigkeit aufzulehnen, werden durch Regierungssoldaten gewaltsam beantwortet. Massaker, Hinrichtungen und Verhaftungen sind die Folge. Die Bewohner hoffen auf die Unterstützung durch Hilfsorganisationen. Doch Pexton hat Geld, der Diktator Beziehungen. Der Frust entlädt sich in der nachfolgenden Generation und deren Leitfigur: Thula, deren Vater einst hingerichtet wurde, studiert in New York. Dort kommt sie mit Protestbewegungen in Berührung. Sie hat eine Vision, ihr Heimatland friedlich zu reformieren. Ihre Freunde in Kusawa drängt es allerdings zu einer blutigen Revolution. „Aber welche Wahl haben wir in einer Welt, in der viele glauben, ihr eigenes Glück hänge vom Unglück anderer ab.“ (S. 103) Weiterlesen

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Megan Nolan: Verzweiflungstaten

Ein magnetisches Debüt? Und was für eins! Diese unglaublich intensive Lektüre hat mich tatsächlich direkt in die höchst emotionale Story reingezogen und nicht mehr losgelassen. Zutiefst berührend und eindrücklich. Selbst in Lesepausen musste ich über das zuvor Gelesene reflektieren.

„Verzweiflungstaten“ ist ein hinreißend intelligent geschriebener Roman über eine zerstörerische Liebe – geradezu hemmungslos selbstreflektiv, abgründig und spannend noch dazu. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, Teile von mir selbst in diesem modernen Buch gespiegelt zu bekommen. Ich denke, viele Mädchen würden von dieser authentischen Lektüre profitieren. Jene Menschen, die noch nicht selbst mit diesem Themenspektrum in Berührung gekommen sind, werden besser verstehen, warum Opfer nicht einfach weggehen oder „einfach nein sagen“ können. Weiterlesen

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Jesse O. Sutanto: Love Wanted: Oder wie werde ich meine Familie los

Die Autorin Jesse Q. Sutanto lebt in Jakarta, aufgewachsen ist sie in Indonesien, Singapur und England. Nach mehreren Young-Adult-Büchern ist dies ihr erster Roman für Erwachsene, der sogar von Netflix verfilmt wird.

„Love Wanted“ ist ein hinreißend humorvoller und warmherziger Roman über eine  verrückte Hochzeit, die Familien, Freundschaften und Beziehungen  durcheinanderwirbelt. Randbemerkung: Es ist definitiv kein Liebesroman, da es an Romantik mangelt.

Die Familiendynamik der Chan-Tanten ist einfach nur spritzig witzig und so erfrischend wie eine Rhabarber-Bowle, versetzt mit traditioneller chinesischer Medizin – oder was die Tanten noch so gern dazu mischen. Weiterlesen

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Antje Rávik Strubel: Blaue Frau

Die deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Antje Rávik Strubel (Jahrgang 1974) hat mit ihrem Roman „Blaue Frau“ in diesem Jahr den Deutschen Buchpreis gewonnen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeichnet jedes Jahr zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ aus. „Blaue Frau“ erschien am 11. August 2021 im S. Fischer Verlag.

Die junge Tschechin Adina Schejbal, Urenkelin eines Partisanen und letzter Mohikaner ihres Dorfes, sitzt allein in einer Wohnung in einem Plattenbau in der Vorstadt Helsinkis. Sie trinkt Kaffee mit Schnaps und denkt darüber nach, Anzeige zu erstatten. Allerdings ist seit dem Verbrechen ein Jahr vergangen. Leonides Siilmann, verheirateter estnischer Abgeordneter in Brüssel, der an der Universität von Helsinki lehrt, kam ihr dazwischen. Doch die Erinnerungen an Berlin mit der Fotografin Rickie und den Gutshof an der Oder mit dem Halbrumänen Razvan Stein und dem Berliner Strippenzieher Johann Manfred Bengel sind übermächtig. Mit Hilfe der finnischen Menschenrechtsaktivistin und Abgeordneten Kriistina will Adina sich der Vergangenheit stellen.

Und daneben trifft die Schriftstellerin die blaue Frau hinter dem Tunnel unter der dreispurigen Strasse in dem kleinen Seglerhafen am Meer. Weiterlesen

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Marco Balzano: Wenn ich wiederkomme

Ein bewegendes Schicksal: Anhand der Geschichte der Rumänin Daniela, die ihre Kinder zurücklassen muss, um in Mailand Geld zu verdienen, verdeutlicht Balzano den traurigen Werdegang dutzender Frauen aus Osteuropa und anderen Ländern. Sie arbeiten als Altenpflegerin, Krankenschwester, Kindermädchen, Putzfrau. Sie kümmern sich um die Alten und Schwachen, verrichten Arbeiten für die sich der wohlhabende Westen zu schade ist. Eingesperrt mit Kranken, die an komplizierten Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson leiden, bleiben sie nach außen hin oft unsichtbar. Oder wussten Sie, rumänische Psychiater tausende Patientinnen behandeln, die an der „Italienkrankheit“ leiden? Oder dass seit rund 30 Jahren zwei Drittel aller Migranten weltweit Frauen sind? In seinem dreiteiligen Roman schildert der Mailänder Autor die Geschichte sowohl aus Sicht der Mutter, als auch aus Sicht ihrer beiden Kinder, die den Verlust der „Moma“ auf unterschiedliche Weise verarbeiten. Beide müssen schnell erwachsen werden.

Bevor sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert hat, ist Daniela stolz auf ihren früheren Job in ihrer Handelsfirma gewesen. Auch ihr Ehemann hat seine Arbeit verloren und sucht Trost im Alkohol. Für Daniela steht fest: Ihre Kinder Angelica und Manuel sollen es einmal besser haben! Weiterlesen

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Bethany Clift: Die Letzte macht das Licht aus

Wenn die Fiction von der Realität überholt wird…

Das hat sich die Autorin dieses hochspannenden und psychologisch fesselnden Thrillers auch nicht träumen lassen. Sie begann 2018 an ihrem Roman zu schreiben. Ein Roman um die letzte Überlebende einer tödlichen Pandemie. Drei Monate nach Unterzeichnung ihres Buchvertrags erfuhr sie zum ersten Mal von dem in China aufgetretenen Virus. „Ich habe ein Buch über eine fiktionale Pandemie geschrieben, das während oder während der Nachwehen einer echten Pandemie erscheinen wird.“ (Nachwort, S. 461)

Wer beginnt, dieses Buch zu lesen, legt es erst wieder aus der Hand, wenn die letzte Seite umgeblättert ist. Bethany Clift schildert in ihrem Debütroman, wie eine Frau nicht nur ums Überleben kämpfen muss, sondern auch gegen ihre inneren Dämonen. Die namenlose Protagonistin, die ihr ganzes bisheriges Leben unter Angstattacken litt, die wenig eigenständig entschied, die alles ihrem Lebensgefährten überließ, die sich in den falschen Beruf, in die falsche Beziehung treiben ließ, diese Frau ist nun plötzlich ganz auf sich allein gestellt. Weiterlesen

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Johanna Adorján: Ciao

Bissig, schreiend komisch, treffsicher pointiert: Der einst gefeierte Feuilletonist Hans Benedek sieht sich selbst als Alphatier, erkennt aber nicht, dass er längst auf die Liste aussterbender Tierarten gerutscht ist. In seinen Augen ist er ein charmanter Meinungsbildner, in den Augen seines weiblichen Umfelds ein Macho, der den Anschluss in die Moderne verpasst hat. Er betrügt seine Ehefrau, schläft mit jungen Praktikantinnen, kategorisiert Frauen nach der Größe ihrer Brüste. Doch nun drängen Kolleginnen in Chefetagen, nehmen ihm seine Ressorts weg. Personifiziert wird die neue Generation selbstbestimmter Frauen durch die Feministin Xandi Lochner. Die Influencerin hat den Bestseller geschrieben, der ihm bislang versagt blieb. Sein Versuch an ihrem Erfolg zu partizipieren, indem er ein Porträt über sie schreibt, endet in einer Totalkatastrophe. Diese Chronik eines angekündigten Todes (zumindest auf dem gesellschaftlichen Parkett) ist großes Kino. Vor allem für diejenigen, die selbst in der Kultur- und Medienbranche zugange sind.

Der Charme von Adorjáns Buch liegt darin, dass sie ihre Protagonisten ausgewogen porträtiert. Es gibt keine reinen Sympathieträger oder Antagonisten. Auch die Absurditäten der modernen Welt werden trefflich skizziert. Weiterlesen

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Hervé Le Tellier: Die Anomalie

Am 11. März 2021 gerät ein Flugzeug der Linie Air France auf seinem Weg von Paris nach New York kurz vor dem Ziel in einen schweren Gewitter- und Hagelsturm. Es gelingt dem Piloten, die Herrschaft über die Maschine zu behalten. Etwas angeschlagen landet sie schließlich auf dem Kennedy Airport.

Am 24. Juni 2021 befindet sich erneut ein Flugzeug der Linie Air France im Landeanflug auf New York. Der Pilot behauptet, soeben durch einen schweren Sturm geflogen zu sein. Nur, dass es an diesem Tag keinen Gewittersturm gab und die Maschine auch in keinem Flugplan vorgesehen ist. Sie wird von zwei Kampfflugzeugen zu einer Air Force Base in New Jersey eskortiert. Es stellt sich heraus, dass es sich um eine exakte Kopie der am 10. März gelandeten Maschine handelt. Der französische Autor Hervé Le Tellier beschreibt in seinem spannenden Roman die Folgen, welche ein solches Ereignis auslösen könnte.

In alle Eile werden zunächst Experten zusammengetrommelt, sie sollen eine Erklärung dafür finden, dass ein nahezu identisches Flugzeug mit genetisch identischen Passagieren und Crewmitgliedern auftaucht. Le Tellier lässt Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete die verrücktesten Theorien entwickeln. Weiterlesen

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