Martha Schoknecht (Hrsg.): Der schönste Ort der Welt. Von Menschen in Buchhandlungen

Von Menschen in Buchhandlungen lautet der Untertitel dieses Erzählbandes, in dem zwanzig Geschichten von Martha Schoknecht zusammengestellt wurden.

Die ausgewählten Beiträge könnten nicht unterschiedlicher sein. So lesen wir unter anderem von Roger Willemsen & W. Sommerset Maugham die Geschichte Büchermenschen, von Martin Suter In der Provinz, von George Orwell Erinnerungen an eine Buchhandlung, von Ingrid Noll Begegnungen im Buchladen, von Gustave Flaubert Bibliomanie, von Patricia Highsmith Ein anstrengender Samstag oder von Mark Twain lediglich Drei Gedanken, von denen der erste Gedanke lautet: „Ich war auch mal einige Zeit Buchhändler, gab das aber auf, weil die Kunden mich immer beim Lesen störten.“ Weiterlesen

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Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir

Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer nennt sein Buch über das Ende einer Ehe und die Zeit danach „Roman“ – doch das ist es nur zu einem ganz kleinen Teil. Größtenteils ist es eine Art Materialsammlung aus wissenschaftlichen Büchern und Untersuchungen, Zeitschriften-Artikeln, eigenen Überlegungen und allem, was der Autor zu dem Thema „Scheidung“ zusammentragen konnte. Eine gute Recherche-Leistung, sicher, aber eben kein Roman.

Der Leser erfährt viel über Statistiken und über die Wirkungsweise unterschiedlicher Pillen, über Parship und Depressionen – also all das, was man in einem Sachbuch zum Thema erwarten würde.

Aber alles, was einen Roman ausmachen würde – eine Art Handlung oder auch das tiefere Eindringen in die Köpfe der handelnden Figuren – bleibt an der Oberfläche. Weiterlesen

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Paulo Coelho: Der Weg des Bogens

Tetsuya ist ein einfacher Mann. Er lebt in einem kleinen Dorf, wo er als Tischler arbeitet. Niemand dort kennt ihn anders. Doch eines Tages taucht ein Fremder aus, der sich mit Tetsuya in der Kunst des Bogenschießens messen will. Denn, so sagt er, Tetsuya sei der beste Bogenschütze des Landes. Ein Dorfjunge erlebt mit, wie Tetsuya nach kurzem Zögern seine Bogen hervorholt und die Herausforderung des Fremden annimmt.

Der Beginn des Buches, den ich hier zusammengefasst habe, bildet den Rahmen eines im Kern aus einer Vielzahl von Lebensweisheiten bestehenden Büchleins. Denn der Junge möchte wissen, wie er selbst ein so großartiger Bogenschütze werden kann, wie es Tetsuya ist. Dieser erklärt ihm nun die Wichtigkeit von Verbündeten, das Wesen des Bogens und der Pfeile, die Bedeutung des Ziels, der Haltung und des Augenblicks des Abschusses. Zu all diesen und weiteren Aspekten des Bogenschießens finden sich im Mittelteil des Buches kurze und jeweils in sich abgeschlossene Weisheiten. Weiterlesen

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Michael Cunningham: Ein wilder Schwan

So haben Sie Märchen noch nie gelesen: sexy, abgrundtief böse, nachdenklich stimmend, menschlich absurd und unfassbar komisch! Michael Cunningham erzählt die Vorgeschichten der Protagonisten und das, was nach dem vermeintlichen Happy End passiert. Er nimmt die Perspektive von Hexen und Kinderräubern ein, ruft Verständnis für all jene Underdogs hervor, die bislang in den eindimensional konzipierten Plots zu kurz kamen. Es ist schon fast ein Sakrileg, mit welchem Chuzpe er sich über das literarische Kulturgut von Generationen hermacht! Der Autor bringt Farbe in die Schwarz-Weiß-Malerei von Gut und Böse. Ein Genuss für Märchenliebhaber und Märchenhasser gleichermaßen. Weiterlesen

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Jürgen Domian: Dämonen

Hansen, der Held in Jürgen Domians Roman „Dämonen“, hat das Leben satt. An seinem 60. Geburtstag, am 21. Dezember, will er in Lappland sein, eine Flasche Whisky trinken, sich nackt ausziehen, in den Schnee legen und durch Erfrieren sterben.

Innerlich gestorben ist Hansen schon lange. Seine Wohnung in Berlin hat er ausgeräumt, das Testament für seinen Sohn auf den Tisch gelegt. Von seinem Freund Kay verabschiedet er sich – und sagt ihm schon im Sommer, kurz vor der Abfahrt nach Lappland, dass er sich umbringen wird. Seinem Sohn hat Hansen das verheimlicht.

Domians Buch bringt die Leser an vielen Stellen zum Nachdenken: Sollte man sich selbst töten, nur weil das Leben langweilig geworden ist? Weiterlesen

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Irene Dische: Schwarz und Weiß

„Schwarz und Weiß“ heißt der große neue Roman der deutsch-amerikanischen Schriftstellerin Irene Dische. Darin geht es um Rassenkonflikte – auch.

Der Leser begleitet das gemischtrassige Paar Lili und Duke durch ihr Leben in New York von den 70er-Jahren bis zum Ende der 90er. Duke ist schwarz, stammt aus einfachsten Verhältnissen, avanciert aber auch dank der stetigen Hilfe seiner Frau, die aus einer Familie von Intellektuellen kommt, zu einem großen Weinkenner. Und auch für die weiße Lili geht es bergauf. Sie wird ein gefragtes Model. Zunächst scheint es für die beiden, die sich ständig ihrer Liebe versichern, stetig bergauf zu gehen. Doch dann tauchen erste Risse auf: Ihr kostspieliges Leben verschlingt Unsummen an Geld, und in Lilis Charakter zeigen sich weniger sympathische Eigenschaften. Weiterlesen

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Paolo Cognetti: Acht Berge

Aus der Mitte entspringt ein Fluss! Daran habe ich mich erinnert. Wikipedia schreibt dazu: „Der Film von Robert Redford erzählt die Geschichte zweier Brüder, die charakterlich grundverschieden, jedoch beide in der Liebe zum Fliegenfischen vereint sind. Paul ist ein lebenslustiger und heimatverbundener Naturbursche, Norman ein ruhiger und verschlossener Intellektueller.“ Nur geht es in diesem wunderbar gelassen daherkommenden Roman nicht um Fliegenfischen, sondern um die Liebe zu den Bergen. Pietro und Bruno sind auch keine leiblichen Brüder, aber alles andere kann so durchgehen. Vor allem geht es um die Ruhe, die dieser Text (wie auch der Film) ausstrahlt. Unaufgeregt erzählt der Ich – Erzähler Pietro von seinem Vater der ihm, (nicht ohne persönliche Probleme), die Berge nahebringt und seiner Mutter, die den wilden Gebärden ihres Mannes lange widersteht und ihn weiter liebt, eigentlich bis zu seinem Ende. Weiterlesen

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Matthew Weiner: Alles über Heather

„Alles über Heather“ von Matthew Weiner ist ein dünnes Romänchen, das man an einem Nachmittag durchlesen kann. In seiner stilistisch hervorragend geschriebenen Geschichte beschränkt sich der Autor auf die allernötigsten Informationen, und dennoch (oder gerade deswegen?) gelingt es ihm, ein Werk vorzulegen, das eine große Intensität entfaltet.

Es geht um die unterschiedlichen Lebensweisen einer sozial hochstehenden Familie mit viel Geld und einem Mann aus schwierigsten sozialen Verhältnissen. Weiterlesen

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Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Eigentlich ist Joachim Meyerhoff Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Erst im August 2017 wurde er in der traditionellen Kritikerumfrage von „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt. Doch er kann auch verdammt gut schreiben. Wer seine vorangegangenen drei Bücher der autobiografisch gefärbten Romanreihe „Alle Toten fliegen hoch“ kennt, hat auf den neuesten, letzten Band „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ längst gewartet und wird nicht enttäuscht.

Nun schreibt Meyerhoff über seine Zeit als junges, mit mäßigem Erfolg gesegnetes Ensemblemitglied am Theater Bielefeld und Dortmund, denn Kindheit und Jugend hat er bereits literarisch verarbeitet.

Meyerhoff bleibt seinem bekannt witzigen selbstironischen Stil treu. Die neuen, oft wahnwitzigen Eskapaden in seinem Buch handeln von einem Beziehungsgeflecht, in das sich der Erzähler immer tiefer verstrickt: In Bielefeld begegnet er der jungen, reichlich komplizierten und verkopften Studentin Hanna mit den langen Zähnen, in die er sich verliebt. Weiterlesen

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Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

Die britische Dramatikerin und Autorin Nell Leyshon (Jahrgang 1962) schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Kurzgeschichten und Romane. In ihrer Heimat erhielt sie mehrere Auszeichnungen. Im September 2017 hat der Eisele Verlag mit „Die Farbe von Milch“ nun erstmals einen Roman von Nell Leyshon, übersetzt von Wibke Kuhn, in Deutschland herausgebracht. Die englische Originalausgabe „The Colour of Milk“ erschien 2013.

Die fünfzehnjährige Bauerntochter Mary schreibt 1831 ihre ganz persönliche Geschichte auf. Geboren wurde sie als vierte Tochter eines harten und gewalttätigen Vaters und einer gefühllosen und kalten Mutter irgendwo auf dem Land in England. Mary hat milchfarbenes Haar und ein verkrüppeltes Bein. Alle Familienmitglieder, mit Ausnahme des alten Großvaters, schuften auf dem Bauernhof und den umliegenden Feldern. Keiner von ihnen kann lesen oder schreiben. Sie stehen auf, wenn es hell wird und gehen ins Bett, wenn es dunkel wird. Mary schläft mit ihrer Schwester Beatrice in einem Bett. Weiterlesen

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