Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Dieser meisterhaft erzählte und psychologisch ausgefeilte Roman erzählt von fünf Frauen, die ihre Liebe im Ernstfall verloren haben. Die Gründe für das Scheitern ihrer Beziehungen sind so unterschiedlich wie die Charaktere der Frauen. Mal scheinen ihnen die Umstände übel mitzuspielen, meist aber müssen sie erkennen, den falschen Lebenswurf gewählt zu haben. Denn egal, was die eine hat und um das die andere sie beneidet – seien es Kinder oder Karriere, Stabilität oder Unabhängigkeit – sie alle sind unglücklich mit ihrer Situation.

Paulas Beziehung zerbricht durch den Tod des Kindes. Ihr Mann gibt ihr die Schuld an dem Unglück. Doch bei genauerer Betrachtung scheint schon Jahre zuvor ein Riss durch die vermeintliche Vorzeigefamilie gegangen zu sein. Während Paula um ihr Kind trauert, wird ihre beste Freundin Judith ungewollt schwanger. Die erfolgreiche Ärztin führt seit jeher Beziehungen zu reifen, verheirateten Männern und hält diese auf Distanz. Ihre wahre Liebe gilt den Pferden sowie ihrem Beruf. Auf Online-Plattformen sammelt sie Affäuren. Dies ändert sich erst, als sie Gregor kennenlernt. Zum ersten Mal scheint eine Langzeitbeziehung denkbar. Doch als sie das gemeinsame Kind heimlich abtrieben lässt, ohne ihn über ihre Schwangerschaft in Kenntnis zu setzen, kann er ihr diesen Vertrauensbruch nicht verzeihen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Judith W. Taschler: Das Geburtstagsfest

Kim hat keine Lust, seinen 50. Geburtstag zu feiern, zumindest nicht mit vielen Menschen. Nur mit der Familie, vielleicht noch mit seinen wenigen engen Freunde, so könnte er es sich vorstellen. Mit zunehmendem Alter meidet er die Gesellschaft. Immer mehr lange verschüttete Gedanken und Gefühle kommen ans Licht.

„Er hatte mehr erreicht, als er jemals zu träumen gewagt hatte.“ Kim, der Flüchtlingsjunge, der seinen Traum von Familie und Selbständigkeit als Architekt verwirklichen konnte. Aber die Glücksgefühle von früher wollen sich nicht mehr einstellen. Er zweifelt daran, ob sein Leben tatsächlich in den richtigen Bahnen verläuft, aber noch verdrängt er die dramatischen Ereignisse aus seiner Jungend, so gut er kann.

Doch seine Frau Ines plant – ohne sein Wissen – eine große Feier und auch die Kinder haben eine Überraschung für ihn: Jonas, der Jüngste, hat Tevi Gardiner eingeladen. Die Tevi, die als Kind Ende der 1970er Jahre gemeinsam mit Kim in das österreichische Dorf P. nahe Linz gekommen war, die Tevi, die er auf der gefährlichen Flucht durch den kambodschanischen Dschungel tagelang getragen hatte, weil ihr die Ruhr und der Tod ihrer Familie alle Kraft genommen hatten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Linda Vilhjálmsdóttir: Freiheit

Freiheit – in diesem Wort steckt eine außergewöhnliche Tiefe und eine Menge Sprengkraft. Wo beginnt die individuelle Freiheit, wo endet sie? Darf oder kann man die persönliche Freiheit einschränken, um eine Gesellschaft als Ganzes freier oder „besser“ zu machen – wie auch immer man „besser“ definiert? Geistige Freiheit, körperliche Freiheit, Entscheidungsfreiheit, gesellschaftliche Freiheit, politische Freiheit, religiöse Freiheit und noch so viel mehr – kann es einen Vorrang für eine Art der Freiheit geben, wenn dies eine andere beschneidet?

Die Antworten auf diese Fragen sind so vielfältig wie die Menschen, die darüber nachdenken. Linda Vilhjálmsdóttir widmet der Freiheit einen Gedichtzyklus, in dem sie darüber aus ihrer Sicht reflektiert. Im Hintergrund steht die Situation ihres Heimatlandes Island währende der letzten Finanzkrise. Doch die meisten ihrer Überlegungen und Einsichten lassen sich ohne weiteres in einen universellen Zusammenhang stellen.

Dies wird schon auf den ersten Seiten deutlich, wenn es heißt:

wir haben
das wort vervielfacht
auf erden

vervielfacht die festungen
zwischen himmel und erde
vervielfacht gott

vervielfacht das lachen
das weinen den hass und die gier
vervielfacht alles
zwischen himmel und erde
alles außer der güte Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gary Shteyngart: Willkommen in Lake Success

Gary Shteyngart, ein russisch-stämmiger Jude, der in den USA lebt, legt mit „Willkommen in Lake Success“ einen großen amerikanischen Gesellschaftsroman vor. Darin seziert er das amerikanische Befinden im Jahre 2016 – einer Zeit, in der ein gewisser Donald Trump sich anschickt, der nächste US-Präsident zu werden.

Die Welt des schwerreichen New Yorker Hedgefonds-Managers Barry bricht auseinander. Sein Fonds basiert auf Lügen und die Kapitalgeber ziehen ihr Geld zurück. Außerdem liebt ihn seine Frau Seema nicht mehr. Dass das Paar einen autistischen Sohn hat, der kein Wort spricht und jede Berührung ablehnt, macht die Lage nicht besser.

Barry zieht die Reißleine, wirft Kreditkarten und Handy weg und setzt sich in den nächsten Greyhound-Bus, um seine Jugendliebe Layla in El Paso zu treffen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Gérard Salem: Du wirst an dem Tag erwachsen, an dem du deinen Eltern verzeihst

Dieses Buch besteht nur aus Briefen, in denen zwölf Mitglieder einer Familie miteinander kommunizieren. Der Briefkontakt erstreckt sich über drei Generationen. Um hier den Überblick nicht zu verlieren, ist der Stammbaum am Romanende hilfreich.

Ein weiterer Briefschreiber ist der Psychiater Yuri, der diesen ungewöhnlichen Austausch überhaupt erst ins Rollen gebracht hat. Yuri hat seinem Patienten Boris, um dessen Befindlichkeit sich alles dreht, nahegelegt, endlich wieder mit seinen Eltern in Kontakt zu treten.

Sieben lange Jahre hatte Boris die Verbindung zu seinen Eltern, Geschwistern und der restlichen Verwandtschaft abgebrochen. Boris war damals verzweifelt gewesen. Es gab Interessenkonflikte und  verletzte Eitelkeiten, stets fühlte er sich ungerecht behandelt. Nun, als er vor einem erneuten innerfamiliären Trümmerhaufen steht – diesmal geht es um Konflikte mit seiner Frau und seinen Kindern, steht es nicht gut um seine Gemütsverfassung. Um seinen depressiven Gedanken entgegenzuwirken, hat Yuri, zu dem Boris sich in Behandlung begeben hat, die Kontaktaufnahme in Briefform vorgeschlagen und Boris folgt dem Rat seines Psychiaters. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Antonio Ortuño: Die Verschwundenen

Aurelio Blanco ist unglücklich in die drei Jahre ältere Alicia verliebt. Weil er und seine Mutter auf dem Anwesen ihrer Eltern leben, arbeitet er schon als Junge für ihren Vater, den einflussreichen Carlo de Flores. Aus einer Laune heraus akzeptiert sie ihn als Sexualpartner, behandelt ihn jedoch wie einen Hund und nennt ihn auch so.

Eines Tages wandelt sich Alicias Unglück in sein ganz persönliches Glück. Er soll die entehrte Alicia heiraten und arbeitet nun in der Baufirma seines Schwiegervaters.

Noch immer folgt er bedingungslos de Flores Anweisungen. Auch als der Schwiegervater ihn für das Gericht, die Investoren und Presse als Sündenbock für die eigenen Betrügereien präsentiert. Angeblich soll Blanco nur für kurze Zeit ins Gefängnis.

Nach fünfzehn Jahren Gefängnis steht er ihm und seiner Familie erneut gegenüber. Der Tag der Abrechnung für den Verlust von Freiheit, Ehe und Familienleben fällt mit dem Weihnachtsfest zusammen, dem Tag der Liebe. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sigurður Pálsson: Gedichte erinnern eine Stimme

Gewöhnlich beginne ich meine Rezensionen mit einem Einblick in den Inhalt des beschriebenen Buches. Nun habe ich erstmals einen Lyrikband ausgewählt. Doch worum geht es in „Gedichte erinnern eine Stimme“? Erzählen diese Gedichte Geschichten? Ich meine ja. Sie sprechen vom Leben, von den Elementen, die es ermöglichen und bereichern, von Feuer und Schatten, Erde, Stimmen in der Luft, dem Wasser oberhalb und unterhalb.

Der isländische Autor Sigurður Pálsson, der nicht nur in der Lyrik unterwegs war, nimmt die Leserinnen und Leser mit in eine Welt der Poesie, die vom Alltag durchdrungen ist und die den Alltag durchdringt. Beides ist nicht zu trennen.

Gleich im ersten Gedicht „Feuer und Schatten“ ist zu lesen:

Sonnige Heiterkeit
Das ist die richtige Einstellung
So wollen wir ankämpfen
gegen das Bleierne und Dunkle
gegen Unrecht und Gewalt
die ganze lange Liste … Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Stefan Heuer: Katzen im Sack

Rolf und Frank gondeln mit ihrem zweigeteilten Wohnmobil – jeder hat sein eigenes Reich darin – durch Norddeutschland. Immer im Schlepptau der Anhänger mit Schießbude (für Rolf) und Angelstand (für Frank), die sie auf allen möglichen Festen und Märkten für das zahlende, aber auch Arbeit und Dreck machende Volk öffnen.

Die beiden mögen es eher gemütlich: ausschlafen, mit der Playstation zocken, Filme gucken (und sich gegenseitig bei Zitaten daraus auf die Probe stellen), ab und zu eine Frau vernaschen (vor allem Rolf, der gerne mal den Macho raushängen lässt). Dabei geht es nicht zimperlich zu und an Alkohol und Nikotin wird nicht gespart. Eine echte Männerfreundschaft eben.

Dann tritt Sybille in ihr Leben – das heißt, vor allem in Franks Leben. In einer Bierlaune hatte er ein Schild an seinem Enten-Angelstand angebracht: Junge Frau zum Mitreisen gesucht. Die Ehre und eine Wette hatten verboten, es wieder abzunehmen, als Sybille fragt, ob die Stelle noch frei sei.

Frank verguckt sich sofort in die geheimnisvolle junge Frau, mit der er gleich sein Wohnmobil-Abteil und nicht viel später auch sein Bett teilt. Selbst nach mehreren Wochen gemeinsam auf Achse, weiß er von ihr nicht viel mehr als ihren Vornamen und dass sie aus Göttingen stammt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ivan Calbérac: Der Sommer mit Pauline

Émile ist 15 Jahre alt und zum ersten Mal so richtig verliebt. Die Angebetete ist Pauline aus der Klasse unter ihm und sie haben sogar schon mal zusammen in einem Raum gesessen. Doch wie man sie anspricht? Kein Plan! Dann entwickelt sich das Schicksal zu Émiles Gunsten und es kommt zu einem ersten Kontakt. Die beiden Jugendlichen finden sich sympathisch, treffen sich öfter und kommen immer wieder ins Gespräch. Als Pauline Émile schließlich zu einem Konzert in Venedig einlädt, bei dem sie selbst auch spielt, ist er ganz aus dem Häuschen. Leider ist das Venedig schrecklich weit weg von Frankreich und seine peinliche Familie setzt sich zudem noch in den Kopf ihn mit dem Wohnwagen selbst dorthin zu bringen. Schlimmer geht’s kaum!

Ivan Calbérac erzählt eine amüsant-chaotische Geschichte über die erste Liebe. Sein Protagonist Émile ist ein sensibler junger Mann mitten in der Pubertät. Er macht sich viele Gedanken über Mädchen im Allgemeinen und Pauline im Besonderen. „Pauline habe ich im Freizeitraum getroffen. Also unsere Blicke haben sich getroffen, aber manchmal reicht das ja, um ein Leben zu verändern.“ (Kapitel Montag, 12. März) Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Philipp Schwenke: Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste. Ein Karl-May-Roman.

Was haben Instagram und Karl May miteinander gemein? „Karl May war ein wahnsinnger Narzisst“, erklärte Philipp Schwenke einmal in einem Interview. Genau wie heute bei Instagram ging es bei May immer wieder um Selbstinszenierung, geboren aus dem Bedürfnis, geliebt zu werden. Alles klar? Nicht? Dann einmal von Anfang an!

In den Jahren 1899/ 1900 unternahm Karl May, mittlerweile nicht mehr ganz jung und bekannter Autor zahlreicher „Reiseberichte“, die ihn nicht nur berühmt, sondern auch sehr wohlhabend gemacht hatten, eine Reise in und durch den Orient. Zweck dieser Reise war vor allem die Erbringung von Beweisen, dass May diese Gegenden tatsächlich in der Vergangenheit bereist hatte und dies in Abständen immer wieder zu tun pflegte. Die Wahrheit indes war eine andere. Mays „Reiseberichte“ waren Fiktionen mit überaus gut recherchierten Details, erfundene Abenteuer – und May selbst hatte für sich sein Erzähler-Ich erfunden: im Wilden Westen Nordamerikas Old Shatterhand, in seinen Orientromanen und -erzählungen Kara Ben Nemsi. Dieses Erzähler-Ich war ein hochpotenzierter Superheld, der alles konnte – von Kenntnissen der Medizin, der Beherrschung großartiger Kampf- und Schießkünste bis hin zu beeindruckenden Sprachkenntnissen: locker über 1200 Sprachen, daneben noch diverse Dialekte und so weiter, und so weiter. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: