Jojo Moyes: Nächte, in denen Sturm aufzieht

„Nächte, in denen Sturm aufzieht“ ist eine Neuauflage vom bereits 2008 erschienenen „Dem Himmel so nah“, auf Englisch „Silver Bay“. Das stellt der Verlag leider nicht so deutlich in den Vordergrund, so dass manche Leserin doch verärgert sein mag.

Letztlich merkt man das diesem Roman allerdings auf mehreren Ebenen an. Denn er ist bei weitem nicht so gut wie die heutigen Bücher der beliebten Autorin. Liza ist mit ihrer Tochter Hannah vor der Vergangenheit nach Australien zu ihrer Tante in die Silver Bay geflohen. Hier spricht niemand mehr von ihrer anderen Tochter, die nun nicht mehr lebt. Hannah und Liza können zur Ruhe kommen und die Natur genießen. Bis Mike Dormer auf dem Plan erscheint und das Idyll mit Walen und Delfinen nachhaltig stört. Sein Boss will eine riesige Hotelanlage mit Freizeitangeboten in der kleinen Bucht hochziehen. Doch das sagt Mike erstmal besser niemandem und ermittelt inkognito, wie das Vorhaben am Besten in die Tat umgesetzt werden kann. Weiterlesen

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Carys Davies: WEST

Dieser kurze Roman beginnt im Jahr 1815 im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania.

Der verwitwete John Cyrus Bellman hat dort seine eigene Maultierzucht. Er verfügt über eine der Zeit angemessene mäßige Bildung und ist gerade des Schreibens und Lesens mächtig. Als er aus einer Zeitung von Knochenfunden riesiger Tiere erfährt, fasziniert ihn die Vorstellung auf solch eine Spezies treffen zu können so sehr, dass er sich gen Westen aufmacht um die Riesentiere ausfindig zu machen. Seine etwas burschikose Schwester Julie soll sich bis zu seiner Heimkehr, mit der er in ungefähr zwei Jahren rechnet, um seine zehnjährige Tochter Bess kümmern.

Zusammen mit einem jungen Indianer, der den seltsamen Namen „Alte Frau aus der Ferne“ trägt, kämpft Bellman sich auf der beschwerlichen Reise immer weiter westwärts. Aber schon bald  gestaltet sich alles anders, als Bellman es sich vorgestellt hatte. Weiterlesen

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Leïla Slimani: All das zu verlieren

Wieder geht es, wie im ersten Roman von Leïla Slimani Dann schlaf auch du (für den sie den renommierten Prix Goncourt erhielt) um eine Frau, die ihr wahres Ich verheimlicht. Wieder spielt die Geschichte in Paris und wieder ist die Protagonistin Nordafrikanerin wie die Autorin selbst. Doch der Plot ist diesmal ein gänzlich anderer:

Adèle lebt mit ihrem Mann Richard, einem Arzt und dem kleinen Sohn Lucien im 18. Arrondissement in Paris. Sie selbst arbeitet als Journalistin bei einer Zeitung. Finanziell und gesellschaftlich betrachtet mangelt es ihr an nichts. Doch dieses Leben, von dem andere Frauen träumen, genügt Adèle nicht. Sie empfindet kein Glück, keine Erfüllung. Alles kommt ihr zu klein, zu spießig und inhaltlich leer vor. Geheiratet hat sie letztlich nur, um wie andere Frauen zu sein. Aber sie kann nicht wie andere Frauen sein. Auch den kleinen Lucien empfindet sie eher als eine Last. Während Richard im Krankenhaus oft noch Überstunden ableistet, gibt Adèle ihrer Obsession nach. Ständig sucht sie andere, manchmal ganz fremde Männer auf und sucht ihr Glück in zügellosem Sex. Weiterlesen

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Ronald H. Balson: Hannah und ihre Brüder

Als ihr Kumpel Liam die Anwältin Catherine bittet, sich einen Fall anzuhören, ist sie alles andere als begeistert. Catherine hat in ihrem Job auch so schon genug um die Ohren, da braucht sie keine zusätzliche Arbeit. Bei einer Operngala hat der 83-jährige Ben Solomon einen gleichaltrigen Mann angegriffen, der in Chicago sehr angesehen ist. Ben behauptet, dass Elliot Piontek zu Zeiten des Nazi-Regimes in der SS tätig gewesen und unter dem Namen Otto Piontek bekannt gewesen sei. Dummerweise tat er dies, während er dem ahnungslosen Mann eine Waffe an den Kopf hielt. Liam möchte wissen, was hinter der Geschichte steckt, Catherine eher nicht. Aber sie hört Bens Worte an und taucht in die Geschichte ein, die 1933 ihren Anfang in Polen nahm.

Ich wünschte, ich hätte auch wie Catherine in die Geschichte eintauchen können. Aber das war einfach nicht möglich. Die Haupthandlung ist im Jahr 2004 in Chicago angesiedelt und ist selbst dort wenig interessant. Die Figuren bleiben allesamt sehr blass und farblos, ich konnte mit keiner von ihnen so recht etwas anfangen. Dann gibt es den zweiten Handlungsstrang, der meist in Polen ab dem Jahr 1933 stattfindet. Weiterlesen

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Ljudmila Petruschewskaja: Das Mädchen aus dem Hotel Metropol

Das Mädchen in Moskaus vornehmen Hotel Metropol eckt an, als sie im Flur einen kämpfenden Reiter spielt. Sie ist laut, wild und verwahrlost. Mit über dem Boden schrammenden Schaukelpferd und schleifendem Säbel schreit sie die heilige Ruhe nieder und ruiniert zugleich das Parkett. Die Konsequenzen kommen: Sie muss ausziehen. Mit Unterbrechungen wohnt sie in einem kleinen, hohen Raum mit 5000 Büchern, dem gelehrten, in Ungnade gefallenen Großvater und ihrer Mutter. Mutter und Tochter schlafen unter dem Tisch, bis ihnen die Exfrau des Großvaters diesen wegnimmt.

Ljudmila Petruschewskajas Geschichte bis zum Beginn ihrer beruflichen Karriere ist eine Geschichte der extremen Umstände. Wie sie diese überlebt, beschreibt die Autorin mit den familientypischen Charaktereigenschaften: „… Hartnäckigkeit, … selbstzerstörerischen Starrsinn; … Treue zur eigenen Überzeugung; … grausame Aufrichtigkeit; … der Wunsch, allen zu helfen, und der Hass auf die Nachbarn …“ (S. 11) Dieser Hass bleibt nachvollziehbar, wenn die lieben Nachbarn Ljudmila und ihre Familie nicht nur als Volksfeind betrachten, sondern sie auch so behandeln. Zahlreiche Familienmitglieder wurden vom Regime getötet. Die Unfähigkeit ein gehorsamer Parteisoldat und Stalingetreuer zu sein, kann während und nach dem Zweiten Weltkrieg nur eines bedeuten: unerwünscht ein fragiles Überleben zu fristen. Weiterlesen

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Jane Gardam: Bell und Harry

Die britische Schriftstellerin Jane Gardam (Jahrgang 1928) ist in Deutschland vor allem für ihre „Old Filth“-Trilogie bekannt. 2018 erschien bei Hanser Berlin ihr Debütroman „Weit weg von Verona“ aus dem Jahr 1971. Nun veröffentlichte der Verlag am 13. Mai 2019 „Bell und Harry“ in einer Übersetzung von Isabel Bogdan. Die englische Originalausgabe unter dem Titel „The Hollow Land“ erschien 1981.

Bell Teesdale, der Landjunge, und Harry Bateman, der Stadtjunge, lernen sich im „Hohlen Land“ kennen, das so heißt, weil früher in dieser Region in Yorkshire Bergbau betrieben wurde. Harrys Eltern haben das Farmhaus „Light Trees“ von Bells Großvater Hewitson gepachtet und suchen dort Erholung vom anstrengenden Stadtleben in London. Zunächst müssen sich die Familien aneinander gewöhnen. Und erst sieht es danach aus, als ob die Batemans nicht lange bleiben werden. Denn es ist Heuernte und die Teesdales machen jede Menge Krach mit ihren Treckern und Mähern. Aber danach wird „Light Trees“ für Jahrzehnte zum Urlaubsdomizil für die Familie Bateman. Harry aber fühlt sich dort von Anfang an zu Hause. Er schließt Freundschaft mit Bell, er flieht vor der Eierhexe, und er lauscht den alten Geschichten und Mythen, die der Schornsteinfeger Kendal ihnen erzählt. Mit Bell erkundet er einen verlassenen Stollen, bis Geröll ihnen den Rückweg versperrt. Harry sitzt mit Granny Crack, der Mutter von der Eierhexe, auf der Mauer und erzählt ihr von London. Weiterlesen

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Ian McEwan: Maschinen wie ich

Eine Dystopie schafft der britische Top-Autor Ian McEwan in seinem neuen Roman „Maschinen wie ich“. Er tut so, als seien die ersten künstlichen Menschen bereits in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erfunden und zum Verkauf angeboten worden.

Charlie, der sich gerade in seine Nachbarin Miranda verliebt hat, kauft sich ein solches Exemplar – Adam heißt es passenderweise – und integriert es in seinen Haushalt. Adam lernt schnell, weil er auf sämtliches Wissen zugreifen kann, das in irgendwelchen Online-Datenbanken verfügbar ist. Von einem echten Menschen ist er bald nicht mehr zu unterscheiden. Schon bald hat er seinen Besitzer intellektuell und kräftemäßig überflügelt. Zu Problemen kommt es, als sich Adam ebenfalls in Miranda verliebt.

Ian McEwan, der 1948 geboren worden ist, packt sehr viel hinein in diesen Roman. Der Falkland-Krieg kommt genauso vor wie Margaret Thatcher, der Brexit sowie allerlei philosophische und literarische Anspielungen. Weiterlesen

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Elif Shafak: Unerhörte Stimmen

Im November 1990 liegt Tequila Leila am Stadtrand von Istanbul in einer Mülltonne. Entsetzt muss sie feststellen, dass ihr Herz nicht mehr schlägt und dass sie nicht mehr atmet. „So sehr sie es auch drehte und wendete – sie war tot.

Doch ihr Geist ist noch aktiv und in den nächsten 10 Minuten und 38 Sekunden erinnert sie sich an Stationen ihres Lebens: an ihre Geburt im Januar 1947, an ihre Tante (die eigentlich ihre Mutter und die zweite Frau ihres Vaters ist), an ihren Vater (der als Schneider Kleider im europäischen Stil näht, „die seine eigenen Angehörigen niemals hätten tragen dürfen“), an ihre Mutter (die eigentlich die erste Frau ihres Vaters ist, aber keine Kinder bekommen kann) und an das heimatliche Dorf in Ostanatolien, in dem die Nachbarsfrauen nach der Geburt die Nabelschnur aufs Schulhausdach werfen, damit aus dem kleinen Mädchen eine Lehrerin wird.

Doch das menschliche Gedächtnis war nun einmal wie ein Nachtschwärmer, der zu tief ins Glas geschaut hatte. Auch mit größter Anstrengung konnte es nicht gerade gehen, sondern torkelte, oft im Zickzack, durch ein kompliziertes Labyrinth, ohne jede Vernunft und stets kurz vor dem Zusammenbruch.“

Aus diesem Grund springen auch Leilas Gedanken hin und her. Sie wandern zu „Rabenmutter“ und ihrem Bordell, in dem Leila ihr Geld verdient hat, zu einem Sommer am Meer mit der Familie, der ihr Leben verändert hat und zu den fünf Menschen, die ihr nach ihrer Flucht nach Istanbul ihre Freundschaft geschenkt haben: Sabotage Sinan, Nostalgie Nalan, Jamila, Zaynab122 und Hollywood Humeyra. An ihnen hängt ihr Herz; und natürlich an ihrer großen Liebe D/Ali. Weiterlesen

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Angelika Waldis: Die geheimen Leben der Schneiderin

Als Jolies Bruder Franz 17 war, verschwand er eines Tages spurlos. Seine Kleidung wurde an einem Badesee gefunden, seine Leiche jedoch niemals. Das ist nun 36 Jahre her, Jolie ist mittlerweile 47 Jahre alt, doch den Verlust des Bruders konnte sie nie ganz verkraften. Sie hält sich mit einem Nähatelier mehr schlecht als recht über Wasser und bezieht Zahlungen von ihrem Exmann, mit dem sie eine gemeinsame, mittlerweile erwachsene Tochter hat. Doch nie konnte sie sich ganz von Franz loseisen und glaubt tief in sich drin, dass er noch leben könnte, dass er einfach gegangen sei damals. Im Internet inseriert sie eine Suchmeldung nach ihm und erhält viele Zuschriften, die ihr Hoffnung machen.

Im Hause Hansen waren sie fünf Geschwister, Franz war mit seinen 17 Jahren damals der älteste. Neben Jolie gab es noch Frido, Rina und Vinz. Nun sind sie nur noch viert und anlässlich des 80. Geburtstags der Mutter hat Jolie die Hoffnung, man könne die komplette Familie wieder vereinen. Auch Franz soll zu Mutters Geburtstag kommen und sie plant fest einen Stuhl für ihn ein. Denn sie kann einfach nicht glauben, dass er wirklich tot sein soll. Weiterlesen

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Tracy Barone: Das wilde Leben der Cheri Matzner

Die US-amerikanische Drehbuchautorin und Produzentin Tracy Barone (Jahrgang 1962) hat mit „Das wilde Leben der Cheri Matzner“ ihren ersten Roman vorgelegt. Der Diogenes Verlag veröffentlichte ihn zunächst unter dem Titel „Thanksgiving“. Am 24. April 2019 erschien „Das wilde Leben der Cheri Matzner“ in einer Übersetzung von Stefanie Schäfer.

Darin ist in vier Teilen die Familiengeschichte der Matzners enthalten. Teil 1 startet Anfang der 1960er Jahre furios mit Cheris Geburt. Ihre leibliche Mutter Miriam ist ein drogenabhängiger Teenager, die kurz nach der Geburt das Krankenhaus und ihr Baby verlässt. Der Hilfspfleger und Baseballspieler Billy Beal bringt seine Eltern dazu, das Baby aufzunehmen.

Die Italienerin Carlotta (Cici) und Solomon Matzner erwarten ihr erstes Kind. Leider kommt es zu einer Fehlgeburt, Cici kann keine Kinder mehr bekommen und fällt in eine Depression. Ein Anwalt  vermittelt den Matzners das Baby von den Beals. Fortan wächst es mit dem Namen Cheri wohlbehütet bei den Matzners auf. Weiterlesen

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