George Watsky: Wie man es vermasselt

Der 1986 geborene amerikanische Rap-Musiker George Watsy kann auch richtig gut schreiben, wie er mit seiner ersten Buchveröffentlichung „Wie man es vermasselt“ beweist. Auf enorm witzige und unterhaltsame Weise erzählt er darin in mehreren kürzeren Erzählungen aus seinem Leben. Es geht um Watskys Erfahrungen beim Baseball, mit den Frauen, als WG-Mitbewohner, beim Schmuggeln eines Narwal-Stoßzahns von Kanada in die USA oder auch um eine Band-Tour mit einem klapprigen Bus durch die Staaten.

Was dieses Buch so unglaublich sympathisch macht, ist die schonungslose Selbstironie, Offenheit und Ehrlichkeit, mit der Watsky zu Werke geht. So schreckt er auch nicht vor allerlei Peinlichkeiten zurück, die ihn keineswegs in einem guten Licht dastehen lassen. Weiterlesen

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Thomas Lehr: Schlafende Sonne

Ich lege ein Buch nur sehr selten vor dem Ende aus der Hand – besonders natürlich, wenn ich es für diese Buchseite lese, um anschließend eine Besprechung darüber zu schreiben. Im Fall von Thomas Lehrs „Schlafende Sonne“ ist mir das Weiterlesen jedoch schlicht nicht möglich. Der Roman fängt so an: „Dein Stern, Jonas, nähert sich als fahles Licht, das in die Straßen fällt wie Staub aus einer anderen Welt. Dort liegt es nun mit sich verstärkendem Glanz. Bald wird etwas sichtbar werden, in der Mitte der Stadt. Das Ereignis (aber auch deine kleinen Schweinereien!). Die von obskuren Handzetteln versprochene Offenbarung. Ankündigung der Göttin der Kernfusion, die es mit atomaren Lichtblitzen an den Tag bringt.“ Weiterlesen

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Grégoire Hervier: Vintage

Rock- und Bluesfans sei hiermit ein Roman des französischen Autors Gégoire Hervier ans Herz gelegt: „Vintage“ heißt er. Darin erhält ein junger Musiker und Journalist den Auftrag, Beweise für die Existenz einer E-Gitarre zu finden, die in Kennerkreisen Kult- und Legendenstatus genießt: die Gibson Moderne von 1957. Es ist nicht sicher – sowohl in diesem Roman, als auch in der Wirklichkeit –, ob diese Gitarre wirklich existiert oder zumindest existiert hat oder ob die Gitarrenbaufirma Gibson damals lediglich Pläne davon angefertigt hat, das gute Stück aber nicht gebaut hat. Der Heilige Gral der E-Gitarren sozusagen und heute von unschätzbarem Wert, sollte wirklich ein Exemplar davon auftauchen. Weiterlesen

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Richard Ford: Zwischen ihnen

Der große amerikanische Erzähler Richard Ford („Unabhängigkeitstag“, „Die Lage des Landes“) hat ein schmales Bändchen vorgelegt, in dem er sich an seine Eltern Parker und Edna erinnert. Und weil er die beiden als eigenständige Persönlichkeiten sieht, widmet er beiden jeweils ein eigenes Kapitel, wobei er den Teil über den Vater 30 Jahre später geschrieben hat als den über die Mutter.

Parker Ford war von den 30er- bis 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts Handlungsreisender für Wäschestärke in den Südstaaten der USA. Zusammen mit seiner jungen Frau führte er anfangs ein Nomadenleben. Das änderte sich, als 1944 der kleine Richard geboren wurde … Weiterlesen

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Sorj Chalandon: Mein fremder Vater

Die grauenhafte Kindheit eines Jungen in Lyon in den 60er-Jahren ist Thema in Sorj Chalandons Roman „Mein fremder Vater.“ Der kleine Émile muss mit einem bösartigen Mann klarkommen, der ihn grundlos schlägt, ihn nächtelang im Schrank einsperrt (die „Besserungsanstalt“), ihm das Abendessen streicht und ihn in eine obskure Widerstandsgeschichte verwickelt, von der lange nicht klar ist, ob sie etwas mit der Wirklichkeit zu hat oder ob der Vater sie sich nur ausgedacht hat. Die Mutter, die ebenfalls den Gewaltausbrüchen ihres Mannes ausgeliefert ist, schweigt zu den Vorkommnissen und sagt nur: „Du weißt doch, wie dein Vater ist.“ Weiterlesen

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Andrea Canobbio: Drei Lichtjahre

Einen einfühlsamen Liebesroman erzählt der 1962 geborene italienische Schriftsteller Andrea Canobbio mit seinem neuesten Werk „Drei Lichtjahre“. Darin verlieben sich der Arzt Viberti und die Ärztin Cecilia ineinander, die jedoch beide so schüchtern, zögerlich, verhalten und manchmal widersprüchlich agieren, dass sie wie die berühmten zwei Königskinder lange nicht zusammenkommen können. Das rächt sich: Irgendwann tritt die Schwester der Ärztin – Silvia heißt sie – auf den Plan. Sie hat bei ihrer berühmten Teezeremonie weit weniger Skrupel …

Canobbio erzählt seine Geschichte aus den Perspektiven der drei beteiligten Figuren, wodurch ein und derselbe Vorgang oft dreifach vorkommt. Das sorgt für eine Genauigkeit, die man in anderen Romanen selten findet. Kleinste Gemütsregungen werden thematisiert, wodurch der Leser die Figuren genau kennenlernt. Da bleibt nichts an der Oberfläche. Weiterlesen

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Walt Whitman: Jack Engles Leben und Abenteuer (1852)

Eine gute Gelegenheit für einen Abstecher ins New York des 19. Jahrhunderts bietet ein Roman von 1852, der erst jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt worden ist: Walt Whitmans „Jack Engles Leben und Abenteuer“. Das Werk ist deshalb interessant, weil es ein Prosawerk eines der größten Dichter Nordamerikas ist. Whitman (1819-1892) ist vor allem durch sein später geschriebenes poetisches Lebenswerk „Leaves of Grass“ (Grashalme) berühmt geworden.

Jack Engle ist ein Waisenjungen, der das Glück hat, bei wohlmeinenden Menschen unterzukommen. Für die erträgt er sogar eine juristische Ausbildung bei einem Anwalt, die ihn so gar nicht interessiert. Später stellt sich heraus, dass der Anwalt ein Betrüger ist. Doch mit Hilfe seiner Freunde weiß sich Jack Engle zu helfen … Weiterlesen

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Petteri Nuottimäki: Rechne immer mit dem Schlimmsten

Ein skurriler Roman kommt aus Schweden: Petteri Nuottimäkis „Rechne immer mit dem Schlimmsten“. Darin versucht ein Mann namens Matti Aalto, der einst mit seiner Familie von Finnland nach Schweden ausgewandert ist, mit sehr eigenwilligen Methoden, seine drei Kinder auf das harte Erwachsenenleben vorzubereiten. Wer alles richtig macht, dem winkt als Erbe die Insektenzucht, die Matti besitzt – und das schon bald, weil er sterbenskrank ist. Er verkauft seine Tierchen zur Schädlingsbekämpfung an die Forstindustrie.

Doch die Kinder haben wenig bis gar keine Lust auf dieses Erbe. Sie wollen lieber ein Billardcafé gründen, auf Pferde wetten oder in den Antiquitäten-Markt einsteigen – wenn auch allesamt reichlich erfolglos … Weiterlesen

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Graham Swift: Ein Festtag

Ein zauberhaftes Büchlein legt der 1949 geborene englische Autor Graham Swift vor. Es heißt „Ein Festtag“ und spielt in einer Zeit, in der sich begüterte englische Familien noch Personal leisteten und es allgemein recht gesittet und förmlich zuging.

Zumindest nach außen hin – denn als die Familie, in der die junge Jane als Dienstmädchen arbeitet, am Muttertag 1924 einen Picknick-Ausflug ohne sie unternimmt, fährt die junge Frau schnurstracks zu ihrem Geliebten Paul. Der ist reicher Sprössling einer anderen begüterten Familie und soll demnächst standesgemäß verheiratet werden. Die beiden widmen sich an diesem herrlich frühlingshaften „Festtag“ vor allem einem: der körperlichen Liebe. Paul, der schnelle Autos liebt, hat seiner Familie und seiner Verlobten weisgemacht, dringend für sein Jura-Studium pauken zu müssen. Der Tag – soviel, aber auch nicht mehr, sei verraten – endet nicht gut. Weiterlesen

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Peter Schneider: Club der Unentwegten

Älterer Mann liebt jüngere Frau – das ist das Grundthema in Peter Schneiders Roman „Club der Unentwegten“. Roland, ein Privatgelehrter, verliebt sich in Manhattan in die charismatische Leyla. Für beide beginnt ein Liebesabenteuer voller Sex und Lebenslust. Aber schon bald kommen die typischen Probleme: Wie zum Beispiel geht Roland mit dem Kinderwunsch seiner jungen Geliebten um? Diverse Trennungen und Wiedervereinigungen sind die Folge.

Doch der Roman des 1940 geborenen Autors handelt nicht nur von Roland und Leyla, sondern auch von gleich einer ganzen Reihe von Bekannten Rolands, die offenbar alle dieselben Vorlieben für jüngere Frauen haben – der „Club der Unentwegten“. Weiterlesen

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