
Der siebte Band der achtteiligen Reihe um die „verlorene Tochter“ führt uns nach Norwegen. Auch wenn Sie die ersten Bände nicht gelesen haben, werden Sie nicht das Gefühl haben, nicht mitzukommen. Jeder Band steht für sich. Jeder ist in einem anderen Land angesiedelt, diesmal also Norwegen.
Im Mittelpunkt stehen Charlotte und ihre Urgroßmutter Amelie, die offenbar Zeit ihres langen Lebens ein Geheimnis gut gehütet hat. Jetzt ist sie leicht dement, lebt in einem Pflegeheim und man muss damit rechnen, dass sie bald sterben wird. Von sich aus hätte Amelie ihre Geschichte wahrscheinlich nicht erzählt, aber ein Zufall will es, dass Charlotte, kurz bevor sie London verlässt, um zurück nach Oslo zu kommen und dort einen neuen Job als Chefköchin in einem ganz neuen Luxushotel anzunehmen, ein kleines Kästchen anvertraut wird, das ihre Urgroßmutter vor vielen Jahren offenbar für ihre Tochter in London hinterlassen hatte. Die Dame, die Charlotte das Kästchen überbringt, erzählt, dass sie es aus dem Haus ihrer Tante Hope hat, die vor Jahren ein Heim für unverheiratete Mütter unterhalten hat, die dort unterkommen konnten mit ihren Babys, bis sie diese zur Adoption freigeben wollten oder eine andere Lösung gefunden hatten.
Viele von ihnen haben damals kleine Kästchen mit Erinnerungsstücken hinterlassen, die den Kindern übergeben werden sollten, wenn sie 21 Jahre alt wurden. So wohl auch Amelie. Doch Charlotte ist geschockt! Ihre Großmutter ist auf keinen Fall adoptiert. Die Ähnlichkeit zwischen ihr und Amelie, ihrer Mutter, ist viel zu groß! Sie nimmt das Kästchen mit zu ihrer Großmutter, und sie beschließen, es Amelie zu geben und vielleicht zu hören, was es mit dem Ring und dem Foto darin auf sich hat. Amelie ist zu Tränen gerührt, als sie das Kästchen bekommt, überwältigt offenbar von den Erinnerungen, die damit verbunden sind. Nach und nach, bei vielen verschiedenen Besuchen, erfahren Charlotte und ihre Großmutter, wer der junge Mann auf dem Foto war und was er Amelie bedeutet hat. Oskar war ihre große Liebe, er hat sie wohl genauso geliebt, aber ihrer Liebe war keine Zukunft beschieden. Und dennoch berichtet Amelie von einem erfüllten Leben voller Liebe, auch wenn sie Oskar nie vergessen hat. Charlotte und ihre Großmutter lernen endlich die Geschichte ihrer Mutter / Urgroßmutter kennen und ihr schweres Schicksal, das dann doch noch eine gute, glückliche Wendung genommen hat.
Amelies Geschichte berührt Charlotte tief, und sie sieht durchaus die ein oder andere Parallele zu ihrem eigenen Leben, das sie – jetzt in Oslo – ganz neu in die Hand nehmen will.
Ein sehr emotionaler, berührender Roman, der sich sehr flott liest und nicht nur eine romantische Liebesgeschichte ist, sondern auch eine Zeitreise und eine Reise durch Norwegen.
Soraya Lane: Die vergessene Tochter
Aus dem Englischen von Sigrun Zühlke
Knaur, Juni 2026
352 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.