Der Roman Last Era: In Zeiten des Wandels entführt uns in das Nürnberg des Jahres 1500. Dieses Datum markiert den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit. Der Buchdruck, die Reformation, bedeutende Erfindungen und neue Strömungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft verändern das mittelalterliche Weltbild nachhaltig. Die neuen Erkenntnisse dringen jedoch nur langsam in das Leben und den Alltag der Menschen. Altes und Neues existieren gleichzeitig nebeneinander. Unsicherheit und veränderte Rahmenbedingungen führen zu tiefsitzenden Ängsten bei den Menschen. Der Glaube an die Endzeit kommt in Mode.
Die neunzehnjährige bürgerliche Sophie lebt, noch unverheiratet, zusammen mit ihrem Vater in Nürnberg. Während sie von ihrer unmöglichen Liebe zu dem Adligen Simon träumt und versucht, ihre übersinnlichen Fähigkeiten sowie die immer häufiger vorkommenden Träume von einem Engel namens Adrael zu verstehen, verfolgt ihr Vater im Keller seines Hauses heimliche Studien. Als ein Inquisitor in der Stadt aktiv wird, geraten Sophie und ihr Vater in große Gefahr. Die Menschen beginnen sich gegenseitig zu beschuldigen und über Sophies Vater kursiert das Gerücht, er würde schwarze Magie betreiben.
Auch wenn ich mich an den eigenwilligen Schreibstil erst gewöhnen musste, hat mich die Geschichte um die Geschehnisse in dieser spannenden Zeit trotzdem abgeholt. Etwas mehr „show statt tell“ hätte den Roman, meiner Meinung nach, auf das „next level“ gehoben. Die Dialoge der Figuren dienen stark der Informationsvermittlung, wodurch sie an einigen Stellen etwas steif wirken. Teilweise wiederholen sich einzelne Details, was mich hin und wieder aus dem Lesefluss geworfen hat. Das Setting dagegen wurde mit viel Liebe ausgearbeitet. Dass der Roman in Nürnberg spielt, wusste ich zuvor nicht. Als Nürnberg-Kennerin freute mich die detailreiche Darstellung der Stadt besonders. Die historischen Fakten wurden sorgfältig recherchiert. Der Autorin ist es gelungen, die düsteren Dynamiken des Denunziantentums in dieser Zeit gut herauszuarbeiten, was dem Leser die Gelegenheit gibt, tief in die Historie und das damalige Lebensgefühl einzutauchen. Auch die Verwendung nicht breit bekannter, aber zutreffender historischer Begriffe dürfte für einige Leser durchaus interessant sein. Das Cover ist wunderschön, genretypisch opulent gestaltet. Alles in allem ist Last Era: In Zeiten des Wandels ein solides Buch mit einer vielversprechenden Grundidee. Für Fans des Genres Historische Fantasy durchaus einen zweiten Blick wert.
Jasmin Engel: Last Era: In Zeiten des Wandels.
Valmis Verlag, September 2026.
332 Seiten, Paperback, 16,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Antje Lehnert.
