Hafsah Faizal: A Steeping of Blood: Blood & Tea 02

Mit „A Steeping of Blood“ liefert Hafsah Faizal den fulminanten Abschluss ihrer „Blood & Tea“-Dilogie. Uns erwartet ein Roman, der die ruhige Eleganz von Teestuben aus dem ersten Teil gegen politische Intrigen, düstere Enthüllungen und explosive Emotionen eintauscht. Was in „A Tempest of Tea“ als atmosphärisches Gauner-Abenteuer begann, verwandelt sich vorliegend in ein tief emotionales, vielschichtiges Finale, das seine Figuren ebenso herausfordert wie seine Leserinnen und Leser.

Die Ereignisse setzen unmittelbar nach dem verheerenden Ende des ersten Bandes ein. Arthie Casimir, ihr Bruder Jin und die restliche Crew stehen vor den Scherben einer Stadt, die ins Chaos gestürzt wurde. Das Aufdecken der wahren Identität des Widders – des Monarchen von Ettenia – hat die Machtverhältnisse verschoben, nur leider nicht unbedingt zu ihren Gunsten. Zudem verschwinden immer mehr Menschen scheinbar spurlos. Die Schuld wird den Vampiren zugeschoben. Auch alte, einst felsenfeste Loyalitäten drohen endgültig zu zerbrechen.

Während Arthie verzweifelt versucht, die alte Mannschaft zu einen und gegen den Kolonisator ihres Geburtslandes vorzugehen, zwingt sie ihre Vergangenheit, nach Ceylan zurückzukehren – der Schauplatz ihres bisher gefährlichsten Coups …

Faizal erzählt die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Arthie, Jin und Flick, was ihr als Autorin die gern und versiert genutzte Möglichkeit eröffnet, ihre Figuren tiefer und damit überzeugender zu zeichnen. Jede Gestalt trägt eigene Geheimnisse, tiefe Verletzungen und Wünsche in sich. Hier zieht uns die Verfasserin ganz in ihren Plot, zeigt uns die Motivation und Handlungen ihrer Protagonisten. Besonders gelungen ist die Darstellung der Brüchigkeit einst stabiler Freundschaften. Frühere bedingungslose Loyalität wird infrage gestellt, Liebe entwickelt sich zu einer taktischen Variable und Verrat zu einem ständigen Begleiter. Die dezent eingestreuten romantischen Entwicklungen – etwa zwischen Jin und Flick – sind keine Nebenhandlung, sondern verschärfen die Konflikte und erzeugen so zusätzliche Spannung.

Die Welt von White Roaring und Ceylan bleibt ein präzise konstruiertes Fantasy-Setting, das zugleich reale Themen widerspiegelt. Rassismus, koloniale Gewalt, soziale Ungleichheiten und die Frage nach der moralischen Legitimität von Widerstand werden sensibel, aber unmissverständlich thematisiert. Faizal gelingt es dabei, ihre übernatürlichen Elemente, wie etwa die Vampire, politische Schattenstrukturen oder paranormale Machtgefüge, nahtlos mit diesen gesellschaftlichen Anklängen zu verweben.

Stilistisch wechselt Faizal mühelos zwischen verschmitzter Leichtigkeit bei den Vorbereitungen der Coups und emotionaler Trauer in Momenten des Verlusts. Im Mittelteil verlangsamt sich die Handlung deutlich, was der Tatsache geschuldet ist, dass die Figuren die Konsequenzen ihres Handelns tragen müssen, bevor sie im Finale die Dilogie mit Wucht und Tempo befriedigend abschließen.

Hafsah Faizal: A Steeping of Blood ( A Steeping of Blood – 2025)
aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Constanze Wehnes
Knaur Verlag, November 2025
459 Seiten, gebundene Ausgabe, Euro 22,00

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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