„Nächte einer Hexe“ ist der zweite Band einer Diologie um die Hexe Korsara. Sie lebt in Chernograd, das vom viel reicheren Belgograd durch eine Mauer getrennt ist. Im letzten Band war diese Mauer noch beinahe undurchdringlich, nachdem Korsara jedoch den Zmey mit der Mauer verband, gibt es Möglichkeiten der Annäherung. Bei ihrer Aktion hat Korsara die zwölf Hexenschatten erhalten, die bislang der Zmey für sich beanspruchte. Schatten von zwölf getöteten Hexen verleihen Korsara ungeheure Macht, aber sie lassen sich nicht einfach bändigen.
Und überhaupt stimmt in ganz Chernograd irgendetwas nicht. Es gibt Schnee mitten im Sommer und Monster erscheinen, als wäre man bereits wieder in den Raunächten. Und dann taucht auch noch eine tote Hexe auf, ermordet, ganz eindeutig. Auch in Belgograd taucht eine Leiche ohne Kopf auf, ähnlich ermordet wie Korsaras Leiche. Sie arbeitet also wieder mit Asen zusammen, der die belgograder Polizei zwar verlassen hat, die Finger aber ganz und gar nicht von den Ermittlungen lassen kann.
Korsara erfährt die Geschichte einiger der Hexen, von denen sie ihre Schatten hat – sie alle wurden vom Zmey getötet. Wie sie es auch sollte, haben sie den Zaren der Monster geheiratet und kaum eine von ihnen hat das erste Jahr überlebt. Kann Korsara Lehren aus ihren Geschichten ziehen? Kann sie es besser machen? Muss der Zmey noch besiegt werden, wo er doch schon in der Mauer begraben ist? Die Stimme in ihrem Kopf sagt eindeutig ja. Aber wird Korsara dazu mächtig genug sein? Werden ihre Schatten ihr überhaupt etwas nutzen, schließlich sind es Schatten von Hexen, die dem Zmey eben gerade nicht widerstehen konnten.
Genoveva Dimova hat eine ungewohnte Fantasy geschrieben. Da sie sich mehr auf östliche (slawische) als auf westliche Mythologie bezieht, haben die meisten Wesen andere Namen und auch zum Teil andere Eigenschaften. Dem Buch ist zur besseren Orientierung wieder ein Kompendium der Monster angehängt, aber ich gestehe, ich habe mich mehr auf den Kontext verlassen und das gar nicht zu Rate gezogen.
Es lohnt sich, sich auf diese zunächst irritierend fremde Mythologie einzulassen, denn Korsara ist eine Protagonistin, die zwischen Humor und Verzweiflung beinahe nahtlos wechseln kann. Sie ist eine Heldin vollkommen wider Willen, die durch ihre Sturheit, aber auch ihren Willen zu Gerechtigkeit und ihr Mitgefühl immer wieder in Kämpfe verwickelt wird, von denen sie noch 10 Seiten vorher sagte, dass sie sich da auf keinen Fall hineinverwickeln lässt. Es lohnt sich, diese außergewöhnliche Hexe kennenzulernen.
Genoveva Dimova: Nächte einer Hexe
Aus dem englischen übersetzt von Wieland Freund und Andrea Wandel
Klett Kotta , 09/ 24,
Gebundenes Buch 448 Seiten, 26 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.
