Charlotte Jacobi: Manolo Blahnik und der Traum vom Erfolg

Alles begann mit einem winzig kleinen Schühchen, geformt aus der Silberfolie einer Schokoladenverpackung und gedacht für „Senora Eidechse“, damit sie sich die kleinen Füße nicht so verbrannte, wenn sie über die heißen Steine der Bananenplantage flitzte, auf der Manolo Blahnik und seine Schwester Evangelina aufgewachsen sind.

Manolo schaute den Menschen, denen er begegnete immer auf die Füße, auf die Schuhe, in denen sie steckten, und er machte sich ganz automatisch und ohne wirklich darüber nachzudenken, Gedanken, was man ändern müsste, um die betreffenden Schuhe bequem oder nur bequemer zu machen. Eine Leidenschaft, die er schon als kleiner Junge hatte, als er, gemeinsam mit Evangelina, beim Spielen diese kleine Eidechse beobachtete und einen Schuh für sie bastelte. Diesen kleinen Schuh aus Silberpapier trug er später immer wieder bei sich.

Sein Weg führte allerdings nicht in gerader Linie von der Bananenplantage seines Vaters, der aus Prag stammte, zum berühmten Mode- und eben Schuhdesigner. Als Sohn des Plantagenbesitzers Enan Blahnik und seiner von den Kanaren stammenden Frau Manuela genoss Manolo ein gewisses gesellschaftliches Ansehen. Seine Eltern legten Wert auf Bildung und gute Erziehung. Die Liebe zu Literatur, Kunst und Mode teilte er mit seiner Mutter, die schon den Kindern z.B. aus der Vogue vorlas oder sie, wann immer möglich mitnahm in Kunstausststellungen. Als 12-Jähriger wurde Manolo, der bis dahin gemeinsam mit seiner Schwester von einer Hauslehrerin auf La Palma unterrichtet worden war, auf ein Internat in der Schweiz geschickt, wo er Abitur machte und dann zunächst auch – dem Wunsch der Eltern entsprechend – begann, Jura zu studieren. Von Anfang an war dieses „trockene“ Studium der Paragraphen nicht seine Sache, er langweilte sich und träumte von anderen Dingen. Kommilitonen und Freunde ermutigten ihn, den Eltern das ganz offen mitzuteilen und das Studienfach zu wechseln. Die Eltern reagierten mit Verständnis und ermutigten ihn, seinen Weg zu gehen. Zunächst wird er Bühnenbildner, lernte dann aber auch später das Handwerk des Schuhmachers von der Pike auf. Dank seiner Kreativität und Aufgeschlossenheit lernte er immer wieder und überall rasch neue, interessante Menschen kennen, die für seinen weiteren Werdegang wichtig wurden. Seine Freundschaft mit Paloma Picasso zum Beispiel öffnete ihm viele Türen, die ihm, ohne sie vielleicht verschlossen geblieben wären. So lernte er durch sie, die zu seiner besten Freundin wurde, die damalige Chefredakteurin der „Vogue“ kennen, die von seinen Entwürfen sofort begeistert war. Er lebte lange Zeit in Paris und in London, kurz auch in New York. Wurde gefördert und unterstützt von der „Vogue“, die seine Kreationen vorstellte, konnte seine Schuhe bei „Harrod’s“ in London präsentieren und verkaufen, später im eigenen Laden und wurde nach und nach zu dem berühmten Schuhdesigner, der seine Kreationen heute weltweit verkauft.

Eva-Maria Bast und Jørn Precht, alias Charlotte Jacobi, erzählen die Geschichte vom Jungen, der 1942 auf einer Bananenplantage auf den Kanaren aufgewachsen ist und heute zu den berühmtesten Designern zählt, keineswegs trocken oder langatmig, sondern sehr lebendig, anschaulich und interessant. Die Stationen seines Lebens sind ihnen ebenso wichtig wie die Menschen, die ihn geprägt haben oder ihm wichtig waren und sind. Allen voran seine Eltern und insbesondere seine Schwester, die später mit ihm die Geschäfte führte. Manolos Weg war nicht immer nur von Erfolg gekrönt, er musste auch Niederlagen hinnehmen, die ihn allerdings nie lange zweifeln ließen. Dank der Unterstützung seiner guten Freunde, hat er immer wieder den Weg gefunden, weiter zu machen, aus Niederlagen und Rückschlägen zu lernen und zu dem zu werden, als den wir ihn heute kennen und dessen – vor allem – Stilettos weltberühmt sind.

Wie immer gut recherchiert, lebendig erzählt und kurzweilig geschrieben.

Charlotte Jacobi: Manolo Blahnik und der Traum vom Erfolg
Piper, August 2026
384 Seiten, Paperback, 15,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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