London, Anfang der siebziger Jahre: Die Theaterszene der pulsierenden Stadt ist im Aufbruch. Politische Satiren, Nackte auf der Bühne, anarchische Inszenierungen. Die kreative WG um Luke, Paul und die schöne Leigh versucht hier Fuß zu fassen. Sie gründen ein eigenes Theater, hadern mit finanziellen Problemen, Selbstzweifeln, verkrusteten Rollenbildern. Von der 68er-Bewegung scheinbar befreit, erkennen sie, dass sich familäre Prägungen nicht so einfach ablegen lassen. Als Luke die fragile Nina kennenlernt, droht die eingeschworene Gemeinschaft zu zerbrechen. Ein wundervoller Rückblick auf die elektrisierende Zeit zwischen Bob Dylan, Bukowski und Batisthemden. Weiterlesen
Belletristik
Bodo Kirchhof: Widerfahrnis
Bodo Kirchhoff ist ein Meister der Beschreibung des schleichenden Unbehagens. Erst freut man sich mit den Protagonisten, über ein vermeintliches Glück, das beiden, Julius Reither und Leonie Palm, Mitte der zweiten Halbzeit ihrer gelebten Leben und Dramen, verstörend zufällig zufällt, welches sich dann aber im Laufe dieser kleinen Flucht, na, sagen wir mal, relativiert.
Aus einem kalten Dorf, im ausgehenden Winter in Österreich brechen die beiden, einer Eingebung zufolge, im Auto auf nach Süden und landen tatsächlich nach drei Tagen in Sizilien. Leonie Palm, so der Name seiner Begleiterin, hatte ein Hutgeschäft und sich daran gesetzt, einen Roman zu verfassen. Weiterlesen
Véronique Olmi: Der Mann in der fünften Reihe
Ein halbes Jahr haben sich Nelly und Paul nicht mehr gesehen. Ihre Trennung geschah einvernehmlich, fast spontan während eines Telefonats. Für Nelly, eine bekannte Schauspielerin, blieb das Wichtigste ungesagt.
Eines Abends entdeckt sie ihn wieder. Er sitzt im Publikum in der fünften Reihe, so dass sie ihn direkt beim Einzug in den ersten Akt sieht. Das Ungesagte, Verdrängte kommt so plötzlich in ihr hoch, dass sie den Text vergisst und in ihrer Rolle komplett versagt. In der Pause kann sie ihren Nervenzusammenbruch nicht mehr verheimlichen. Nelly rennt aus dem Theater. Weil es für sie keinen Ersatz gibt, wird die Aufführung abgebrochen. Der Eklat ist perfekt. Auf einer Parkbank findet sie einen obdachlosen Zuhörer. Die ganze Nacht spricht sie über ihr Leben. Erst am frühen Morgen glaubt sie, eine Lösung für ihren Konflikt gefunden zu haben. Weiterlesen
Rainbow Rowell: Landline
Georgie und Neal sind seit Jahren ein Paar, verheiratet und haben zwei Kinder. Ständiges Streitthema ist jedoch Georgies Job. Sie schreibt Comedyserien und verbringt deshalb sehr viel Zeit mit ihren Kollegen. Mehr Zeit als mit ihrer Familie, während Neal sich für die Rolle des Hausmannes aufopfert und die Kinder aufzieht. Als es auf Weihnachten zugeht und Georgie mit ihrem Team einen ganz großen Auftrag an der Angel hat, kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung. Neal fährt mit den beiden Töchtern allein zu seinen Eltern über die Feiertage, Georgie bleibt daheim und muss arbeiten. Sie hat kein gutes Gefühl bei der Sache und versucht, Neal telefonisch zu erreichen. Doch es will einfach nicht klappen, sie bekommt ihn nicht ans Telefon. Erst als sie vom Festnetz ihrer Mutter einen Versuch startet, erreicht sie Neal. Doch es ist nicht der Neal der Gegenwart, sondern Neal aus dem Jahre 1998. Sie erwischt ihn in der Weihnachtswoche des Jahres, in dem die beiden einen heftigen Streit hatten. Weiterlesen
Graeme Simsion: Der Mann, der zu träumen wagte
Wer die beiden Vorgänger-Romane des australischen Autors Graeme Simsion, „Das Rosie-Projekt“ und „Der Rosie-Effekt“, gelesen hat, könnte über Werk Nummer drei etwas enttäuscht sein.
„Der Mann, der zu träumen wagte“ ist anders: weniger lustig, insgesamt normaler als die beiden so originellen Rosie-Romane: Ein 49-jähriger Mann, der sich in seinem Leben leidlich gut eingerichtet hat, bekommt nach 22 Jahren eine E-Mail von seiner ehemaligen Geliebten Angelina. „Hi“ ist das einzige, was sie schreibt. Doch diese zwei Buchstaben setzt eine ganze Kettenreaktion in Gang. Soll er antworten? Wenn ja, was? Soll er sie womöglich sogar treffen? Was kann er seiner Frau Claire darüber sagen? Weiterlesen
William H. Gass: Mittellage
An seinem letzten großen Erfolg, dem vielfach ausgezeichneten Roman „Der Tunnel“, hat der Amerikaner William H. Gass mehrere Jahrzehnte geschrieben.
Nach diesem Buch, das 2011 auf Deutsch erschien, hat es sich der 92-Jährige nun leichter gemacht und bereits veröffentlichte Kurzgeschichten zum Bildungsroman „Mittellage“ zusammengefügt. Das ist in dem 600 Seiten starken Epos nicht immer leicht zu durchschauen.
Es geht um den Pianisten Joseph, einen Hochstapler und Lügner, Weiterlesen
Michel Bergmann: Weinhebers Koffer
Die Geschichte fängt ein wenig an wie Michael Endes Unendliche. Ein junger deutscher Jude, namens Elias, findet (in unserer Gegenwart) bei einem Berliner Trödelhändler einen interessanten alten Lederkoffer mit den Initialen L.W.. Neugierig geworden, ertastet er in einer Ritze dieses Lederfossils einen Brief, der ihn auf die Spuren eines gewissen Leonard Weinhebers führt. Er recherchiert und findet heraus, dass dieser Weinheber ein Schriftsteller und Künstler war, der 1939 vor den Nazis, quasi im letzten Augenblick, fliehen konnte. Er wollte Palästina erreichen, wo seine junge Geliebte sehnsüchtig schon auf ihn wartet. Er erreichte also Marseille um nach Jaffa in Israel zu gelangen. Danach wird es rätselhaft auch für Elias Ehrenwerth, denn außer diesem Koffer, scheint es kein Lebenszeichen mehr von Weinheber zu geben. Weiterlesen
Andreas Stichmann: Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk
Man fragt sich, worauf genau dieses Buch eigentlich hinauswill und steht am Ende der Lektüre ratlos da.
Ort des Geschehens ist ein früherer Hippie-Bauernhof namens Sonnenhof, auf dem heute noch einige wenige Behinderte wohnen. Sie werden von dem 39-jährigen Ramafelene, seiner pessimistischen Mutter Ingrid und der 17-jährigen Bianca betreut, die auf dem Hof Sozialstunden ableistet. Ramafelene verliebt sich in Bianca.
Soweit so dumpf, aber beschaulich. Man ist zwar nicht glücklich, kommt aber mehr schlecht als recht über die Runden.
Unruhe bringt ein schwerreicher Spinner namens David in den Laden. Er infiltriert die Sonnenhof-Bewohner nicht nur mit abstrusen Theorien zur Linderung des Hungers auf der Welt, sondern möchte seinem Bruder auch vier Millionen Euro durch seine eigene fingierte Entführung abpressen. Der Plan scheitert grandios und hat einige sehr unschöne Folgen. Weiterlesen
Andrew Clover: Das große Glück tanzt auf den kleinen Wellen
Was wäre gewesen, wenn Lucy damals Hugh nicht im Stich gelassen und nicht Simon geheiratet hätte?
Diese Fragen stellt Andrew Clover im Roman „Das große Glück tanzt auf den kleinen Wellen“. – Ein passender Titel, denn Simon ist Kitesurfer.
Lucy, Mutter von zwei kleinen Kindern, verunglückt bei einem Autounfall. Während sie halb tot, halb lebendig in dem Autowrack liegt, zieht ihr Leben vorbei: Szenen ihrer Kindheit und Jugend, der Liebe zu Hugh, der sich später das Leben nahm, und zu Simon. Weiterlesen
Shawn Vestal: Loretta
Loretta beschließt im Alter von vierzehn Jahren, dass sie mehr möchte als Bibelsprüche und Askese. Nachts fährt sie heimlich mit ihrer Freundin zu den einschlägig bekannten Treffpunkten, wo sie mit anderen Jugendlichen Alkohol trinkt, Musik hört und sich verliebt. Als sie von einem ihrer nächtlichen Ausflüge zurückkehrt, wartet ihr Vater in ihrem Zimmer auf sie. Natürlich ist der Ruf der streng gläubigen Mormonen-Familie in Gefahr und ein schnelles Handeln erforderlich.
Loretta wird die zweite Ehefrau von Dean, der bereits mit seiner ersten Frau Ruth Kinder hat. Ihr neues Leben entwickelt sich zu einem Alptraum und einer endlosen Strafe. Harte körperliche Arbeit, ein liebloses Zuhause, keine Schule, keine Ausbildung und nach ihrem sechzehnten Geburtstag regelmäßig Sex mit Dean, ihrem wesentlich älteren, dicken Ehemann. Weiterlesen