Peter Schneider: Club der Unentwegten

Älterer Mann liebt jüngere Frau – das ist das Grundthema in Peter Schneiders Roman „Club der Unentwegten“. Roland, ein Privatgelehrter, verliebt sich in Manhattan in die charismatische Leyla. Für beide beginnt ein Liebesabenteuer voller Sex und Lebenslust. Aber schon bald kommen die typischen Probleme: Wie zum Beispiel geht Roland mit dem Kinderwunsch seiner jungen Geliebten um? Diverse Trennungen und Wiedervereinigungen sind die Folge.

Doch der Roman des 1940 geborenen Autors handelt nicht nur von Roland und Leyla, sondern auch von gleich einer ganzen Reihe von Bekannten Rolands, die offenbar alle dieselben Vorlieben für jüngere Frauen haben – der „Club der Unentwegten“. Weiterlesen

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Ulrike Anna Bleier: Schwimmerbecken

Luise erzählt von ihrer Kindheit mit dem Zwillingsbruder Ludwig in Kollbach, von ihrem Leben in Regensburg, vom Verschwinden und der Rückkehr Ludwigs. Anlass für den Rückblick ist die Rückkehr von Luises Bruder nach einer Abwesenheit von fünf Jahren, die genauso wenig erklärbar ist wie das Bluten aus den Augen einer lokalen Beinahe-Heiligen.

Luise hat ihren Bruder immer bewundert, hat zu ihm aufgeschaut und seine dunklen Wesenszüge und seinen manischen Ordnungssinn nicht nur akzeptiert, sondern darin seine Überlegenheit erkennen wollen. Doch wo war Ludwig? Warum ist er gegangen? Warum spricht er nun, zurückgekehrt, eine Sprache, die seine Familie nicht versteht?

„Schwimmerbecken“ ist ein tottrauriger und unglaublich spannender Heimat- und Kindheitsroman, in dem alles gleichzeitig einfach und magisch ist. Der schwarze Bach, der durch den Ort Kollbach fließt, ist unruhig und dunkel wie Ludwig, Luise erzählt davon und von der keltischen Vergangenheit des Ortes. Weiterlesen

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Yavuz Ekinci: Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam

Die Geschichten über das Fressen und gefressen werden haben eines gemeinsam:  Am Ende ist immer einer tot und der Andere, der Stärkere überlebt. Ob in Flora und Fauna oder in der künstlichen Welt der Menschen, immer scheint es einen Gewinner zu geben, der alles bekommt.

Der 1979 in der Türkei geborene Autor Yavuz Ekinci verarbeitet literarisch das Schicksal der Kurden. Sein Roman erzählt von einem bestimmten Tag, an dem sich das Leben der friedlichen Menschen des Walnusstales ändern könnte. Alle Nachbarorte mitsamt ihrer Bewohner wurden bisher überfallen und zerstört. Nur ihr kleines Dorf ist bis heute verschont worden.

Yavuz Ekinci erzählt aus verschiedenen Perspektiven von den Höhen und Tiefen einer Familie, deren Vorfahren sich im Schatten riesiger Walnussbäume vor der Verfolgung retten konnten. Weiterlesen

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Toni Morrison: Gott, hilf dem Kind

Toni Morrison, 86jährige Literaturnobel- und Pulitzerpreisträgerin, beschäftigt sich in ihren Werken mit Rassendiskriminierungen und Rassenkonflikten in den USA. Sie ist nicht nur dort, sondern auch  international die Stimme afroamerikanischer Literatur. Und diesem Ruf wird sie nun wieder mit ihrer 2015 unter dem Originaltitel erschienenen Novelle „God Help the Child“ gerecht. Jetzt liegt das Buch in einer Übersetzung von Thomas Piltz unter dem Titel „Gott, hilf dem Kind“ bei Rowohlt auf Deutsch vor.

Da bekommt die sehr hellhäutige Sweetness Bridewell in den 1990er Jahren ein teerschwarzes Baby, das sie Lula Ann nennt, und dessen Vater Louis die kleine Familie umgehend verlässt, weil er annimmt, das Kind sei nicht von ihm. Weiterlesen

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Jennifer Haigh: Licht und Glut

Die Energie-Industrie entdeckt einen kleinen heruntergekommenen Ort namens Bakerton in Pennsylvania für ihre Zwecke und macht den ortsansässigen Grundstückseigentümern verlockende Pachtangebote.

Das Städtchen hat den Niedergang von Kohle und Stahl nicht gut verkraftet, und so können die meisten Menschen, die dort leben, das Geld gut gebrauchen.

Doch „Licht und Glut“ ist weit davon entfernt, ausschließlich ein umweltpolitischer Roman zu sein. Schön ist vor allem, wie psychologisch genau die so unterschiedlichen Figuren in diesem Buch gezeichnet sind. Da ist Gefängniswärter Rich mit psychisch labiler Ehefrau und drogenabhängigem Bruder, da ist Pastorin Jess, die sich auf eine Affäre mit einem verheirateten Mitarbeiter einer der Erdgasfirmen einlässt, Weiterlesen

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Salvatore Basile: Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstandes

Es gibt sie noch, die modernen Märchen. Dafür bedarf es eines italienischen Drehbuchautors und Regisseurs, der in seinem ersten Roman zwar nicht die „fabelhafte Welt der Amélie“, dafür aber die nicht weniger fabelhafte Welt des Michele erschaffen hat. Der sonderbare Einzelgänger lebt in seinem Bahnhofswärterhäuschen und sammelt Gegenstände, die Fahrgäste im Zug vergessen haben. Vor über zwanzig Jahren ist seine Mutter in einen dieser Züge gestiegen und nie wieder heimgekehrt. Seitdem misstraut Michele allen Menschen. Bis eines Tages die quirlige Elena in seine Alltagsroutine platzt. Wenig später findet Michele im Zug einen persönlichen Gegenstand. Sein altes Tagebuch, das seine Mutter bei ihrer Abreise mitgenommen hat … Weiterlesen

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Felix Lobrecht: Sonne und Beton

»Julius hat grad geschrieben, ja. Heut Abend Party Grenzallee. Könnten auch bei ihm vorsaufen«, sagt Gino. »Hört sich doch jut an, oder? Lass da auf jeden Fall hingehen. Trinken, paar Bitches umschießen. Is doch geil.« Sanchez grinst. Ich zucke mit den Schultern. »Die Partys da sind ’ne Katastrophe. Ich kann dir jetz schon sagen, wie das wird: Wir kommen um zehn, es läuft scheiß Radiomusik, alle saufen, haben gute Laune für ein, zwei Stunden. Spätestens halb eins wird Aggro angemacht, alle Jungs rasten aus, die Mädels gehen, und dann reiten irgendwelche Kanaken ein, schlagen alle, klauen den Suff und verpissen sich wieder.« »Locooo, was’n dit für ’ne Erklärung? Dann bleiben wa halt bis halb eins, schnappen uns paar Putas und machen woanders weiter!« Sanchez rudert mit den Armen. »Asere, heut ist Freitag. Wir gehn auf jeden Fall da hin!«

Es ist Sommer, es ist heiß und vier Jungs sitzen fest, eingekesselt in den Hochhausschluchten von Berlin: Sonne und Beton eben. Schule schwänzen, kiffen, ab und an eine kleine Prügelei, so sieht der Alltag der vier Protagonisten im Coming-of-Age-Roman von Felix Lobrecht aus. Weiterlesen

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Dieses Buch handelt von der Einsamkeit in endlos scheinenden Nächten, die nicht schlafen lassen. Von der Suche nach Verständnis und Glück im Alter und der damit verbundenen Akzeptanz/Intoleranz der Menschen aus dem gewohnten Lebensumfeld.

Sie ist schon mutig und dabei auch ein klein wenig verwegen, diese Addie Moore: Eines Abends fasst sich die Siebzigjährige ein Herz und klingelt bei ihrem langjährigen Nachbarn Louis Waters, um ihm einen höchst ungewöhnlichen Vorschlag zu unterbreiten. – Wie auch Addie, ist Louis verwitwet. Die empfundene Isolation, die damit einhergeht, bringt Addie auf die Idee, Louis zu fragen, ob er sich vorstellen könne, die Nächte zusammen mit ihr zu verbringen. Weiterlesen

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Nedim Gürsel: Der Sohn des Hauptmanns

So ein Journalistenleben, spannend gelebt, hat viel zu erzählen. Franka Magnani, Ulrich Wickert, Scholl – Latour, etc., oder eher Tiziano Terzani „Das Ende ist mein Anfang“, im Übrigen sehr beeindruckend von Bruno Ganz gespielt. Vielleicht haben sich die beiden ja auch gekannt, der eine, Terziani, war Spiegel -Reporter und in aller Welt unterwegs, ebenso wie Gürsel. Sie sind, oder waren, in etwa gleich alt. Also warum nicht? Während Terzani die Sache mit dem Altwerden und dem nahen Tod eher mit erkenntnisphilosophischem Hintergrund angeht, bleibt Gürsel wohltuend realistisch. Er mag den Tod nicht, hat aber gleichwohl ein Einsehen.

Es kommt, wie es kommt. Warum ich hier so rumschwafel, hat auch einen Grund. Eigentlich bin ich zu befangen, um eine Rezension zu schreiben. Wir hatten grad ein „Verfassungsreferendum“, welches die Diktatur in der Türkei nun auch legitimiert. Weiterlesen

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Hendrik Groen: Tanztee

Hendrik Groen ist wieder da. Nach seinem international so erfolgreichen Buch „Eierlikörtage“ (2016) folgt nun das zweite Tagebuch aus dem Altenheim in Amsterdam-Nord: „Tanztee“.

Und sofort ist der sympathische Groen-Sound wieder da – also die Stimme des mittlerweile 85-Jährigen, der sich gemeinsam mit seinen Freunden vom Seniorenheim-Club „Alanito“ (Alt, aber noch nicht tot) so viele schöne Stunden wie möglich macht – einer kaltherzigen Heimleitung, den eigenen Gebrechen und den teils miesepetrigen Mitbewohnern zum Trotz. So organisieren die hochbetagten Alanito-Mitglieder regelmäßige Restaurantbesuche in wechselnde Lokalitäten (unter anderem McDonald’s), fahren zum Aachener Weihnachtsmarkt oder Weiterlesen

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