Stefan Böhm: Straßburger Geheimnisse – Kommissar Sturnis erster Fall

Während Antoine Sturni, der Leiter der Straßburger Mordkommission, mit seinem Sohn Christian in seinem Lieblingsrestaurant sitzt und einen Ausflug in den Europa-Park plant, stirbt nicht weit entfernt bei einer Gedenkfeier im Europa-Parlament der Kabinettschef des Präsidenten der Europäischen Kommission, Dr. Werner Hasselfeld. Zunächst sieht alles nach einem Herzinfarkt aus, aber ein winziger Einstich im Nacken des Toten weckt erste Zweifel und die Obduktion bestätigt diesen Verdacht: Hasselfeld wurde mir einer Gift-Injektion ermordet.

Menschen mit einem Mordmotiv sind schnell gefunden, denn Hasselfeld war ehrgeizig, einflussreich und hatte sich vor allem im beruflichen Umfeld bis in höchste Ebenen einige Feinde gemacht. Doch auch seine kühle und unnahbare Ehefrau – Teilhaberin in einer großen amerikanischen Anwaltskanzlei mit Sitz in Brüssel und Spezialistin für Lobby-Arbeit – könnte etwas damit zu tun haben.

Sturni und sein Team beginnen zu ermitteln, dabei muss er auch in die ungeliebte „europäische Hauptstadt“ Brüssel reisen, um Recherchen anzustellen und Verdächtige zu befragen. Weiterlesen

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Elizabeth Strout: Alles ist möglich

Die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle bildet die amerikanische Autorin Elizabeth Strout in ihrem neuesten Werk „Alles ist möglich“ ab: Hass, Liebe, Neid, Wut, Einsamkeit, Verbitterung und vieles mehr. Dabei ist der Text weniger ein Roman als vielmehr eine Geschichten-Sammlung, wobei die Menschen, die in den jeweiligen Abschnitten im Mittelpunkt stehen, sich mehr oder weniger kennen oder miteinander verwandt sind. Sie alle leben in oder um die (fiktive) amerikanische Kleinstadt Amgash in Illinois (USA), „einem Kaff zwischen Mais- und Sojabohnenfeldern“, wie es im Klappentext heißt.

Wir lernen zum Beispiel Dottie kennen, die allein eine Frühstückspension betreibt und an den Türen ihrer Gäste lauscht. Einmal hört sie dabei Dinge über sich selbst, die wenig schmeichelhaft sind – oder Patty, die wegen ihrer Leibesfülle in ihrem Umfeld nur „Fatty Patty“ genannt wird. Eine ihrer Schülerinen beleidigt sie aufs Übelste und bezichtigt sie der Frigidität – und trifft damit in gewisser Weise ins Schwarze.

Eifrige Strout-Leser treffen sogar eine Figur wieder, die bereits in einem früheren Roman der 1956 gebornen Autorin vorkommt: die Schriftstellerin Lucy Barton. Weiterlesen

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Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen: Zehn Geschichten

Nach seinem Roman „Das Ende der Einsamkeit“ legt Benedict Wells aktuell den Erzählband „Die Wahrheit über das Lügen“ vor.

Zunächst begegnen wir Henry M., einem mächtigen Mann, der in seiner freien Zeit (zur Unzeit) eine Bergtour unternimmt. Als er zurückkehrt, muss er begreifen, dass die Zeit, die für ihn während dieser nachmittäglichen Tour vergangen ist, im Tal andere Dimensionen angenommen hat. So ist sein Sohn tot, seine Frau gealtert.

Die wichtigste und titelgebende, für mich magischste Erzählung des Buches, „Das Franchise oder: Die Wahrheit über das Lügen“, beschreibt die Folgen einer Zeitreise. Hierin erklärt der Filmproduzent Adrian Brooks einem Journalisten, dass er n i c h t der Erfinder von „Star Wars“ sei. Stattdessen sei ein gewisser George Lucas (inzwischen vergessen) der wahrer Vater des Epos. Weiterlesen

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Karl Friedrich Borée: Dor und der September (1930)

…, wie es hinlief, schon jahrelang, und überhaupt in meiner Lage an die Vierzig heran und wie ein Schiff, das abgewrackt am Kai liegt! – Aber vielleicht ist der Mensch doch mehr von der Art der Bäume, die von der Wurzel ausschlagen, wenn der Stamm fällt: Daß dann ein ganz neues Wesen sein Dasein entfaltet – und wenn auch nur ein Strauch.“ (S. 5)

Für den ausgemusterten Marinekapitän läuft es denkbar schlecht. Die gering bezahlte Hilfstätigkeit in der Bibliothek hilft ihm in keiner Weise auf die Beine. Als Lichtblick empfindet er das überraschende Wiedersehen mit Dor, die inzwischen zur jungen Frau herangewachsen ist und in seiner Nähe Medizin studiert. Allmählich kommen sie sich näher. Viel zu schnell hat Dor ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Es ist Sommer, und sie überlegen, wie es mit ihnen weitergehen soll.

Dor schlägt ein heimliches Treffen in ihren Ferien vor. Vier Tage im September sollen es werden.

1886 wurde Karl Friedrich Borée in Görlitz geboren. Nach seinem Jurastudium erlebte er zwei Weltkriege. Sein erster Roman »Dor und der September« wurde 1930 ein Erfolg. Sein wichtigster Roman »Frühling 45« erschien 1954. Zehn Jahre später verstarb er. Weiterlesen

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Scarlett Curtis (Hrsg.): The future is female!: Was Frauen über Feminismus denken

Katrin Bauerfeind erzählt von ihrer schwäbischen Oma, die es einfach hinnahm, dass ihr Mann ihren ersten, einzigen und ersehnten Urlaub in letzter Minute abgesagt hat, weil er lieber im eigenen Bett schlafen wollte. Seitdem hat sich viel verändert, denn: „Die gute Nachricht ist: Ich lebe in der besten Zeit, die es je für Frauen gab.“ Aber sie ist auch überzeugt, dass „Fortschritt kein automatisches Update“ ist, sondern „immer wieder aufs Neue erkämpft werden muss.“

Keira Knightley berichtet von der Geburt ihrer Tochter und der Zeit danach. Ihre Botschaft für die Leserinnen ist: Wir sind nicht das schwächere Geschlecht.

Emma Watson gibt Tipps für Bücher, die Mädchen und (jungen) Frauen die Augen öffnen und mehr Selbstvertrauen schenken können. Sie hat mit „Our Shared Shelf“ einen äußerst erfolgreichen feministischen Buchclub gegründet.

Und das sind nur die (mir) bekanntesten Frauen, die für das Buch „The future is female“: Was Frauen über Feminismus denken“ ihren Beitrag leisten. Mehr als 50, überwiegend junge Aktivistinnen, Autorinnen, Unternehmerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen aus verschiedenen Ländern schreiben darüber, was Feminismus für sie bedeutet. Weiterlesen

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Dennis Lehane: Der Abgrund in dir

Rachel Childs hat alles, was man sich wünscht: Sie sieht gut aus, ist glücklich verheiratet und hat eine Bilderbuchkarriere als Fernsehjournalistin. Als man sie jedoch nach einem verheerenden Erdbeben nach Haiti schickt, um über die Verwüstungen vor Ort zu berichten, erleidet Rachel vor laufender Kamera einen Nervenzusammenbruch. Dies bedeutet nicht nur das Ende ihrer Karriere, sondern auch das Ende ihres Lebens, wie sie es bisher kannte. Panikattacken suchen sie heim, ihre Ehe geht in die Brüche. Am Ende schafft sie es nicht einmal mehr, das Haus zu verlassen. An diesem Tiefpunkt in ihrem Leben trifft sie – erneut – auf Brian Delacroix, den sie vor Jahren als Privatdetektiv angeheuert hatte. Er kümmert sich liebevoll um sie und hilft ihr, langsam ins Leben zurückzukommen. Doch auch dieses neue Leben scheint nicht von langer Dauer: Eines Tages trifft sie Brian zufällig in der Stadt, zu einer Zeit, an der er angeblich tausende Kilometer entfernt sein sollte. Rachels journalistischer Instinkt ist geweckt, bis sie schließlich droht, in einer unglaublichen Verschwörung unterzugehen… Weiterlesen

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Kristin Hannah: Das Mädchen mit dem Schmetterling

Der Originaltitel dieses Romans lautet „Magic Hour“ und bereits 2008 erschien er unter dem Titel „Wohin das Herz uns trägt“ auf Deutsch. „Das Mädchen mit dem Schmetterling“ ist eine Neuauflage unter neuem Titel vom selben Roman.

In dem kleinen Örtchen Mystic Lake taucht plötzlich ein etwa sechs Jahre altes Mädchen mit einem Wolfsjungen unter dem Arm auf. Das Mädchen ist völlig verschreckt, spricht nicht, klettert lediglich auf einen Baum. Als es den Anwohnern gelingt, das Mädchen zu fangen, sind sie weiterhin ratlos. Die Polizistin Ellie möchte ihre Schwester Julia zu dem Fall hinzuziehen. Sie ist Kinderpsychologin, steht aber gerade wegen eines anderen Falls, bei dem eine ihrer Patientinnen mehrere Gleichaltrige getötet hat, in den Schlagzeilen. Da Julia nichts zu verlieren hat, lässt sie sich auf die Behandlung des traumatisieren Mädchens ein, das sie schon bald Alice nennt, um es überhaupt bei einem Namen nennen zu können. Ob die Schwestern wohl jemals die Familie des Kindes finden können? Weiterlesen

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Jan Wagner: Die Live Butterfly Show Gedichte

Der Georg-Büchner-Preisträger von 2017 Jan Wagner (Jahrgang 1971) ist der Shooting-Star in der Poeten-Szene. Für seine „Regentonnenvariationen“ erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Jetzt hat er seinen neuesten Gedichtband mit dem Titel „Die Live Butterfly Show“ veröffentlicht. Das Buch ist am 24. September 2018 bei Hanser Berlin erschienen.

Darin versammeln sich über fünfzig kurze Gedichte über Menschen, Tiere, Länder und Gemüse. Sind es im titelgebenden Gedicht „die live butterfly show“ die flatternden Schmetterlinge oder die schwarzen Krähen im Englischen Garten oder der Hosenträger tragende Onkel, Jan Wagners Gedichte nehmen den Alltag ins Visier.

Und verwandeln ihn in Poesie:

„…trippeln unter den pfauenrädern
der rasensprenger hindurch,
formen wolken-
schwärme, folgen
einander in die wipfeln der kastanien,
eben noch weiß und blühend,
nun verkohlt, nur weil sie dort landen;
ebenholztotem
auf den leeren biertischen im herbst,…“ (kleiner krähenhymnus, S. 19) Weiterlesen

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James Hawes: Die kürzeste Geschichte Deutschlands

Im Zuge der aktuellen Mode, komplexe und umfangreiche Sachverhalte einer großen Leserschaft gefällig und komprimiert nahezubringen, gibt es nun also auch „Die kürzeste Geschichte Deutschlands“. Und tatsächlich verfügt das Buch auch nur über handliche 336 Seiten. Hiervon sind gut zwei Drittel der Neuzeit gewidmet.

Man erhält aber im ersten Drittel trotzdem einen guten Überblick, was seit der Antike in dem Bereich Zentraleuropas, der heute Deutschland heißt, alles geschehen ist. Der Autor schafft es, sowohl mithilfe mancher Quellen als auch mit Vergleichen zur Populärkultur den jeweiligen Zeitrahmen lebendig erscheinen zu lassen.

So erfährt der Leser, dass „Germanien“ eine Erfindung der Römer ist, liest von der Wanderung der Germanenstämme und landet schließlich im Mittelalter, in dem nach Karl dem Großen – der vom Autor großzügig als Deutscher betitelt wird (unsere französischen Nachbarn wären da anderer Meinung…) erstmalig von so etwas wie „Deutschland“ die Rede sein. Weiterlesen

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Dave Eggers: Der Mönch von Mokka

Dave Eggers‘ neuestes Buch ist kein Roman. Es ist vielmehr die äußerst spannende (bisherige) Lebensgeschichte von Mokhtar Alkhanshali. Der heute 30-jährige Amerikaner mit jemenitischen Wurzeln hat sich im Jahre 2013 in den Kopf gesetzt, Kaffee aus dem Jemen in die USA zu importieren.

Das war damals (und ist es heute wohl immer noch) ein fast unmögliches Unterfangen. Alkanshali hatte kein Geld, der Jemen galt wegen des Krieges und der instabilen politischen Verhältnisse als extrem gefährlich, und die Kaffeefarmen dort liegen erstens abgelegen und waren zweitens teilweise auf einem niedrigen Standard – verglichen zum Beispiel mit denen in Äthiopien auf der anderen Seite des Roten Meeres.

Im Grunde ist die Geschichte in diesem Buch die typische amerikanischer Erfolgsgeschichte „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Weiterlesen

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