Wioletta Greg: Die Untermieterin

Mit ihrem neuen Buch erreicht mich Wioletta Greg – im Gegensatz zu ihrem vorangegangenen Roman „Unreife Früchte“ nicht.

Die ominöse Geschichte um Herrn Kamil, einen zehn Jahre älteren Ethnologen, in den die Ich-Erzählerin Wiolka sich verliebt hat, mutet in weiten Teilen zu konstruiert an. Ab und an taucht Herr Kamil in Wiolkas Gedanken zwar auf, und ab der zweiten Hälfte des Buches ist er tatsächlich präsent, dennoch wirkt seine Figur an manchen Stellen wie hinterher an den roten Faden geheftet.

Wiolkas Zimmersuche in ihrem Studienort, dem polnischen Tschenstochau, ihr Aufenthalt dort in einem dubiosen Arbeiterhotel und danach in einer Ordensgemeinschaft, wo eine psychisch gestörte Oberin sie mit ihrer toten Tochter verwechselt und Wiolka mit ihren Kräutertees vergiften will, wirken eher erzwungen lustig. Weiterlesen

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Tim Winton: Die Hütte des Schäfers

Was für ein spannungsreiches Buch! Und was für ein Autor der so großartig zu schreiben vermag! – Tim Winton, diesen Namen sollte man sich merken! Kein Wunder, dass er zu den erfolgreichsten Schriftstellern Australiens gehört. Zweimal kam er auf die Shortlist des Man Booker Prize, und viermal erhielt er den Miles Franklin Award, den wichtigsten Literaturpreis Australiens. Seine Werke sind in zwölf Sprachen übersetzt, fast alles wurde für Bühne, Radio oder Film adaptiert.

In Die Hütte des Schäfers steigert sich das Abenteuer, in das der jugendliche Protagonist Jaxie Clackton sich selbst hineinmanövriert, Seite für Seite:

In Jaxies Zuhause herrschen raue Sitten. Seit seine Mutter tot ist, hält ihn dort eigentlich nichts mehr. Jaxie hasst seinen  ständig alkoholisierten Vater, von dem er nur Schläge und Schmach erntet. Und weil das jeder in dem kleinen australischen Kaff in dem er wohnt weiß, ergreift Jaxie Hals über Kopf die Flucht, nachdem etwas Unvorhergesehenes passiert ist. Niemand würde ihm, dem jungen Raufbold, glauben, dass er nichts mit dem Unglück das seinen Vater ereilt hat, zu tun hat. Ohne sich weitreichende Gedanken über die Gefahren im Niemandsland und der Ausweglosigkeit seines Fliehens zu machen, bricht er nur mit einem Gewehr, zwei Schachteln Patronen und einer Wasserflasche auf. Weiterlesen

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Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer

Friedrich Ani (Jahrgang 1959) ist einer der bekanntesten deutschen Krimiautoren. Vor allem seine Romane rund um den Ermittler in Vermisstenfällen Tabor Süden haben eine große Leserschaft. Sein neuer Roman „All die unbewohnten Zimmer“ ist am 17. Juni 2019 im Suhrkamp Verlag erschienen.

In „All die unbewohnten Zimmer“ treten geballt die Protagonisten aus Anis Krimis auf. Tabor Süden, Jakob Franck, Polonius Fischer und Fariza Nasri ermitteln in München, zunächst unabhängig voneinander, in zwei Mordfällen. Die Buchhändlerin Anna Walther wird auf offener Straße erschossen, der Polizist Max Gronsdorff schwer verletzt.  Der Tatverdächtige Anton Frey ist schnell gefunden und gefasst. Über sein Motiv schweigt er sich anfangs aus.

Der zweite Mord erweist sich als wesentlich komplizierter: Philipp Werneck, ein junger Streifenpolizist, wird erschlagen aufgefunden. Er verfolgte zwei Kinder, die Obst gestohlen haben sollten. Sein Kollege Tim Gorden saß während der Tat im Streifenwagen. Die Tat ereignete sich am Rande eines Aufmarsches der Partei „Patriotische Allianz Deutschlands“ (PAD). Als Jakob Franck dem Vater von Philipp, Ralph Werneck, die Todesnachricht überbringt, bedroht ihn dieser mit einem Revolver. Weiterlesen

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Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

2014 erhielt der 1960 in New York geborene Jaron Lanier den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ein Journalist fragte ihn nach einer Buchpräsentation, was er von Social Media halte. Die anschließende Diskussion veranlasste den Autoren, sein Wissen in einem Buch zusammenzufassen. Es wurde eine emotionale, engagierte Auflistung von Gründen, warum Social Media Accounts gelöscht werden müssen:

… Früher … konnte man sehen, ob ein Produkt sich besser verkauft. … Heute messen Social-Media-Konzerne, ob der Einzelne sein Verhalten geändert hat, und der Feed wird für jeden Anwender ständig optimiert, um dessen individuelles Verhalten zu ändern.“ (S. 41)

Als Internetpionier der ersten Stunde schrieb er wegweisende Programme. Anfangs teilte er die Meinung seiner Kollegen, das Internet solle kostenlos sein. In verschiedenen Foren tauschte er seine Erfahrungen aus, bis ihm etwas auffiel, das er drastisch formuliert und mit der Gruppendynamik begründet: „… Ich habe es … erlebt, dass ich online zum Arschloch wurde, und das war beängstigend und deprimierend.“ (S. 59) Weiterlesen

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Karsten Dusse: Achtsam morden

Zum Totlachen! Achtsamkeitsübungen integriert in einem schwarzhumorigen Krimiplot – Karsten Dusse hat mit diesem Roman eine literarische Lücke geschlossen. Erkenntnis: Unliebsame Geschäftspartner lassen sich ganz tiefenentspannt aus dem Weg räumen, ohne schlechtes Gewissen! Beißt der Boss durch unterlassene Hilfeleistung ins Gras, liegt dies nicht an böser Absicht. Weit gefehlt! Es liegt lediglich daran, dass man in diesem Moment einfach fokussiertes Singletasking betrieben und sich auf die eigene Zeitinsel zurückgezogen hat. Wer unkooperativen Geschäftspartnern die Nase bricht, tut dies selbstverständlich nur, weil er deren innerste Bedürfnisse erkannt hat. Das Gegenüber hatte das Bedürfnis nach Krawall. Den hat er bekommen. Wenn einem ein Haufen Krimineller nach dem Leben trachtet, ist es hilfreich, sich den Begriffen Sicherheit und Unsicherheit völlig wertfrei zu nähern… schon sieht das Leben wieder rosig aus. Und mit der richtigen Atmung bringt einen auch ein explodierter Firmenwagen nicht aus der inneren Mitte.

Zur Story: Björn Diemel hat Probleme. Er ist völlig überarbeitet, bekommt seine Tochter kaum noch zu Gesicht, seine Ehe liegt in Scherben. Als Anwalt sind ihm alle Aufstiegschancen in der Kanzlei verwehrt. Leider ist er zuständig für den „Bäh“-Kunden Dragan, dem Chef eines Verbrechersyndikats. Weiterlesen

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Andreas Brandhorst: Eklipse

Jahrzehntelang waren sie unterwegs – die Rede ist von dem Raumschiff Eklipse und deren Crew, die nur mit Hilfe des Kälteschlafs ihre Mission erfüllen kann. Und diese Mission hat es in sich – es geht um nichts weniger, als die überall in der Galaxis verteilten Hinterlassenschaften einer verschollenen Alien-Rasse.

Vor tausenden von Jahren beherrschten die Tahota das All, ihre wissenschaftlichen Errungenschaften weisen der Menschheit und anderen Rassen den Weg. Dass die Tahota beileibe keine friedliebenden Wohltäter waren beweisen ihre weiteren Hinterlassenschaften – die Spikes, wie man die biologischen Waffen nennt, haben schon ganze Zivilisationen ausgemerzt. Eine Berührung genügt, um das Opfer zu infizieren, dessen Geist dann übernommen wird.

Als sich die Eklipse der heimatlichen Erde nähert, kommt es zu einer Katastrophe – ein Spike ist an Bord und hinterlässt nicht nur getötete Besatzungsmitglieder, aufgebrochene Lagerräume und ein Loch in der Hülle des Raumschiffs, sondern auch einen Verräter innerhalb der Crew.

Als wäre dies nicht schon genug, antwortet die Erde auf die Funksprüche nicht. Das Spike nähert sich der Heimat der Menschheit, die kaum mehr wiederzuerkennen ist. Kontinente haben sich verschoben, die Zivilisation scheint untergegangen zu sein. Weiterlesen

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Victoria Schwab: Monsters of Verity – Unser düsteres Duett

Ein halbes Jahr ist es her, dass Kate und August sich gesehen haben. Ein halbes Jahr seit den schrecklichen Ereignissen. Kates Vater ist seitdem tot, Kates Seele rot wie die eines Sünders. Und ein Monster wandert neu durch Verity, eines das in Kate seinen Ursprung hat. Doch davon weiß Kate nichts. Sie hat sich in den Randbezirk Prosperity geflüchtet und hilft einer jungen Gruppe bei der Monsterjagd. Eines Abends allerdings trifft sie auf ein neues Monster, das sich nicht den üblichen drei Arten zuordnen lässt. Es scheint die Menschen dazu zu bringen, sich gegenseitig zu attackieren. Als das Monster nach Verity geht, beschließt Kate, dass es an der Zeit ist, dass sie selbst sich auch ihren Ängsten stellt und in die Stadt zurückkehrt.

Der erste Teil dieser (leider nur) zweibändigen Serie hat mir im letzten Jahr irre gut gefallen. „Dieses wilde, wilde Lied“ war voller spannender und innovativer Ideen, gepaart mit der üblichen Story. Die Mischung, die am Ende dabei rauskam, war einfach toll. Der abschließende Band setzt genau dort an. Ein Quereinstieg sei allerdings nicht empfohlen, da die Ereignisse des ersten Bandes nur sehr eingeschränkt aufgearbeitet werden. Weiterlesen

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Adam Silvera: Was mir von dir bleibt

Für den 18-jährigen Griffin ist eine Welt zusammengebrochen. Sein Exfreund und langjähriger bester Kumpel Theo ist tot. Und Griffin muss zu seiner Beerdigung gehen und dort niemand geringeren sehen als dessen letzten Freund Jackson. Und den toten Theo im offenen Sarg. Anlässlich der Beerdiung erinnert sich Griffin daran, wie alles zwischen ihm und Theo anfing, wie sie schon als Kinder Freunde wurden und über die Jahre aus Freundschaft Liebe wurde. Er erinnert sich aber auch an die schlechten Dinge in der Beziehung und die Trennung, zu der es schließlich kam. Jede Erinnerung ist schmerzhaft, aber jede Erinnerung ist auch ein Stück von Theo, das ihm bleibt. Für immer.

Die Liebe zwischen Griffin und Theo wird ausschließlich aus Griffins Sicht beschrieben. Die Erzählung beginnt am Tag von Theos Beerdigung. Griffin rekapituliert, wie es mit den beiden angefangen hat und erzählt parallel von den Ereignissen der Gegenwart. Dadurch entsteht ein tolles Rundumbild der Situation. Manchmal war es mir fast ein bisschen zu kitschig. Die Liebesgeschichte wirkte stellenweise fast schon zu dick aufgetragen. Griffin und Theo wirken wie Seelenverwandte und doch haben sie sich getrennt und das mag man manchmal nicht recht nachvollziehen. Dennoch ist „Was mir von dir bleibt“ ein guter Roman, denn er kann durchaus mehr als nur eine kitschige Liebesgeschichte zwischen zwei jugendlichen Jungs zu sein. Weiterlesen

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Thomas Vaucher: Der General

Paris am 10. August 1792. Es ist der Tag des Tuileriensturms. Die Schweizergarde hat den Auftrag, den Tuilerienpalast, die königliche Residenz, zu bewachen. Doch die Französische Revolution ist in vollem Gange. König Ludwig XVI. ist mit seiner Familie in die Nationalversammlung geflohen. Die Schweizer stehen vor der Aufgabe, einen leeren Palast vor dem Ansturm der aufgebrachten Volksmassen schützen zu müssen.

Unter ihnen der Gardist Johann Gobet. Trotz allen Einsatzes muss er mit ansehen, wie die Schweizer immer weiter dezimiert werden. Es gibt viele Tote auf beiden Seiten, doch schließlich gewinnt das Volk die Oberhand. Ein anderer Gardist, Hauptmann von Erlach, übergibt Johann kurz vor seinem Tod ein Lumpenbündel mit einer darin eingewickelten Speerspitze. Johann erhält den Auftrag, sie keinesfalls in die Hände der Aufständischen fallen zu lassen. Nun bleibt ihm nur noch die Flucht durch die Straßen des von wütendem Volk brodelnden Paris…

Thomas Vaucher ist ein Schweizer Autor, der mit ‚Der General‘ einen weiteren historischen Roman vorlegt, der sich mit einem Stück der Schweizer Geschichte beschäftigt. In diesem Fall ist es die Rolle der Schweizergarde zur Zeit des Tuilerienstrums und die Zeit der helvetischen Republik. Weiterlesen

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Johanna Holmström: Die Frauen von Själö

Dies ist kein Buch für sonnige fröhliche Tage. Dies ist ein Buch, das man im November lesen sollte. Denn die Stimmug, die es auslöst, ist grau, duster. Man möchte sich in sich selbst zurückziehen.

Johanna Holmström erzählt die Geschhichte von drei Frauen über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren.

Kristina, die ihre beiden Kinder ertränkte, wird statt ins Zuchthaus in die Irrenanstalt auf der Insel Själö gesteckt. Es ist das Jahr 1891 und wir können uns vermutlich alle vorstellen, wie zu dieser Zeit mit Insassen von Irrenanstalten, zumal weiblichen, umgegangen wurde, welche Behandlungsmethoden angewandt wurden. Die sogenannte „Isolierung“ ist nur eine davon. Ziel und Zweck konnte es nur sein, die Frauen zu brechen.

Genau so drückt es Sigrid aus, die Krankenschwester auf der Insel. Auch sie ist gewissermaßen eine Gefangene, sie wird viele Jahre dort verbringen.

Die Dritte ist Ellie, ein aufbegehrendes wildes Mädchen, das zu Beginn der 1930er Jahre in die Irrenanstalt auf der Insel kommt. Weiterlesen

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