Petra Ivanov: Entführung

Steinerne Mienen, steife Rücken, angespannte Stille. Im Büro der Staatsanwältin knisterte die Luft, sie war aufgeladen mit kaum verhohlener Wut. Pal Palushi sieht seinem Klienten nach. Trotz Handschellen und Fußfesseln wirkte Mustafa Saifullah unbekümmert …“ (S. 7)

Pal Palushi hat in einen Sack voller Giftschlangen gegriffen: Er wird Pflichtverteidiger eines Entführers, der die Aussage verweigert, und die Staatsanwältin missbraucht ihr Amt, um mit Pal alte Rechnungen zu begleichen. Während die Medien alles über die Entführung von Lara Blum, der Tochter eines Millionärs, ausbreiten, der Polizei Ermittlungsansätze fehlen, wird Pal in seiner Berufsehre öffentlich angegriffen. Wie kann ein Anwalt einen muslimischen Entführer verteidigen?

Um Lara zu retten, bringen sich Pal und seine Freundin Jasmin in Gefahr.

Petra Ivanov hat bereits über Jasmin Meyer, inzwischen Ex-Polizistin, und den Anwalt Pal Palushi drei Kriminalromane geschrieben, in denen das ungleiche Paar ermittelt. Im neuen Fall tauchen beide in das Milieu der strenggläubigen Muslime ein, die mit ihren Doktrin Glaubensbrüder radikalisieren. Weiterlesen

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Aimee Molloy: Die Mutter

Sie nennen sich die Mai-Mütter, fast zur gleichen Zeit entbinden sie und sie treffen sich regelmäßig in Brooklyn im Park auf einen gesunden Drink und zum Erfahrungsaustausch. Eines Tages beschließen sie, einen Abend, nur einen Abend, einmal wieder ausgehen, Stress vergessen, wieder ohne Baby lachen. Für eine von Ihnen endet das mit dem Verlust des Babys. Aber was steckt dahinter? Eine überforderte Mutter? Ein abgewiesener Liebhaber? Oder ein ganz anderes Verbrechen?

„Die Mutter“ ist ein gut aufgebauter Psychothriller, dessen Ende so nicht voraussehbar war. Er ist durchweg spannend und gut zu lesen. Das ist nicht selbstverständlichen, denn Aimee Molloy hat noch einen anderen Aspekt eingebaut: Die Schwierigkeiten frischgebackener Mütter in Amerika, den irren Spagat zwischen Mutterschaft und Beruf und Leidenschaft. Einige der Mai-Mütter müssen oder wollen wieder arbeiten, andere haben das nicht nötig, wieder andere wollen das nicht, haben aber mit dem Einkommen des Mannes zu kämpfen. Weiterlesen

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Mira Ungewitter: Roadtrip mit Gott

Frei will sie sein, die kleine Mira, selbst entscheiden und machen, was sie möchte. Schon als fünfjährige im Spanienurlaub ignoriert sie die ausgestreckte Hand des Vaters, der ihr beim Sprung auf einen Felsen Sicherheit geben will. Die Konsequenz ist eine blutende Wunde am Hals und eine zarte Narbe, die sie heute liebt. Dazwischen liegen ein verweinter Vater, der Mira zum Arzt bringen möchte, und eine gelassene Mutter, die sie stundenlang streichelt und in den Schlaf singt bis der Schmerz fast vergessen ist.

Auch für die erwachsene Mira Ungewitter – derzeit Pastorin in der projekt:gemeinde in Wien – ist Freiheit ein Wert, ohne den sie sich das Leben nicht vorstellen kann. „Ich glaube, dass Gott mir die Freiheit gibt, ein neugieriges Leben zu führen. Wenn Glaube nicht befreit, wenn er nicht den Wert der Lebensqualität steigert, wenn er nicht mutiger macht, läuft aus meiner Sicht etwas falsch“, schreibt sie am Ende des ersten Kapitels „Neugierig und Frei“.

In ihrem Buch „Roadtrip mit Gott“ erzählt sie davon, wie sie ihren Weg gefunden hat, von den Menschen, die sie geprägt haben und von denen sie gelernt hat. Und sie spricht von ihrer Beziehung zu Gott, von ihrer Suche, ihren Zweifeln und dem Halt, den ihr der Glaube gibt. Weiterlesen

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Drago Jancar: Wenn die Liebe ruht

Der sehr lesenswerte Roman „Wenn die Liebe ruht“ des 1948 geborenen slowenischen Autors Drago Jancar spielt in einer düsteren Zeit: der slowenischen Besatzung durch die Nazis während des Zweiten Weltkriegs. Sonja macht sich in Maribor an den Nazi-Kollaborateur Ludwig heran – mit dem Ziel, ihren Geliebten Valentin, der als Partisan gilt, aus der Haft zu befreien.

Obwohl das gelingt, steht allen drei Hauptfiguren keine rosige Zukunft bevor. Der Roman begleitet sie über die nächsten dunklen Jahre bis ins Jahr 1946 hinein, wenn der Nazi-Terror schon seit einem Jahr vorbei ist. Weiterlesen

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Jan Christophersen: Ein anständiger Mensch

Zum konzentrierten Schreiben zieht der Erfolgsschriftsteller Steen de Friis sich auf eine kleine Insel in Dänemark zurück, wo er ein geerbtes Haus besitzt. Frauke, seine Frau, kommt meist nur an den Wochenenden. An einem dieser Wochenenden erwarten die beiden Gäste, die in einer teuren Yacht anreisen: Ute, Steens langjährige Literaturagentin und deren Partner Gero. Das Zusammentreffen der beiden Paare knistert von Anfang an vor Anspannung. Da sind zum einen Steens Vorahnungen, zum anderen Fraukes Forderung nach einer offenen Partnerschaft, was sie und Steen sich vor vielen Jahren einmal gegenseitig zugestanden haben. Fraukes Andeutungen und ihr Gebaren Gero gegenüber sind eindeutig. Dazuhin übt auf Frauke auf Gero offensichtlich dieselbe Anziehung aus, wie er auf sie. Auch Ute spielt mit ihren Reizen Steen gegenüber. Und Steen, der medienerprobte Erfolgsautor, der ansonsten um keinen öffentlich bekundenden Rat in puncto „Anstand“ verlegen ist, weiß mit dieser Situation überhaupt nicht umzugehen.

Gero ist zum Rivalen für ihn geworden und Steens Welt- und Wertebild bröckelt. In seinen Büchern und in den Medien, in denen er partnerschaftliche Werte hoch ansetzt, weiß er für alle Problemlagen Rat. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Erebos 2

Das Computerspiel Erebos war schon vor Jahren kein Spiel, es war eine Bedrohung mit weitreichenden Folgen für alle Mitspieler.
Eine Spielregel lautet: Mit niemandem über Erebos reden.
Auch heute, bei seiner unerwarteten Rückkehr, ist Erebos kein Spiel.

Für den Schüler Derek sieht es wie ein virtuelles Abenteuer aus, bei dem er mit seltsamen Wesen für bessere Waffen und Fähigkeiten kämpft. Jedes weitere Abenteuer wird gefährlicher. Aber auch Erebos‘ Aufträge in der realen Welt haben es in sich. Sie bringen ihn mit überzeugenden Argumenten zum Lügen, Stehlen und Betrug. Ohne es anfangs zu bemerken, entwickelt sich für Derek die virtuelle Welt voller Gefahren und Tod realer als der Alltag. Und als er es begreift, ist es für ihn zu spät. Erebos hat ihn fest im Griff.

Nick, der Spielveteran, wird ebenfalls von Erebos überrascht. Weil der Abschluss eines Fotoauftrags vom Mitspielen abhängig gemacht wird, entsteht für ihn eine Zwangslage. Egal, was er versucht, jedes weitere Spiel, jeder neue Auftrag raubt ihm Freiheit und Lebenszeit, die er besser für das Studium und seine Jobs nutzen könnte. Deshalb wachsen von Tag zu Tag Nicks Schwierigkeiten in der realen und virtuellen Welt. „… Das Smartphone in der Jackentasche fühlte sich wie ein Sprengsatz an, … doch jetzt musste er erst mal erreichbar bleiben. Für beide Welten.“ (S. 268) Weiterlesen

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Jens Schumacher: Aufstand der Zwerge: Die Erdbebenmaschine

##Beat Menueslis Eltern sind gefeierte Stars. Sein Vater spielt in einer der Europäischen Basketball-Ligen, seine Mutter doubelt am Set Stars in Action-Filmen. Um so rätselhafter ist und bleibt es, dass ihr Sohnemann, eben unser Beat, eines Tages einfach aufhört in die Höhe zu schießen. Zwar wächst er noch, aber nur in die Breite. In der Schule nehmen ihn die Rüpel aufs Korn, Zwerg und Hobbit sind noch das Netteste, was er zu hören bekommt. Die Ärzte rätseln, murmeln etwas von hormoneller Störung und wissen auch nicht recht weiter. Da ist es gut, dass Beat bei den Dachsen eine Heimat gefunden hat. Moment, nein, nicht die vierbeinigen Tiere sind gemeint, sondern eine Schweizer Pfadfinder-Abteilung, der sich der Junge angeschlossen, und in der er Freunde gefunden hat.

Jetzt steht ein Campingausflug an, und Beat stößt inmitten der unberührten Bergwelt auf zwei gar merkwürdige Altersgenossen. Inmitten der nächtlichen Natur wartet ein Girl, das sich wie in einem Manga angezogen hat und ein Möchtegern-Rapper auf ihn – und eröffnen ihm eine unglaubliche Geschichte. Er sei nur adoptiert, er sei ein Zwerg und das Reich unter dem Schweizer Gebirgsmassiv benötige seine Hilfe! Die spinnen doch hochgradig, denkt Beat zunächst, doch dann fährt er über einen Druckluftlift ins Erdinnere, begegnet an der Decke hängenden Erdferkeln, Aufzieh-Helikoptern und einem mehr als fiesen Zwergenkönig, der nicht weniger, als die Vernichtung aller Menschen plant … Weiterlesen

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Marianne Salentin-Träger: Moodboards

Moodboards sind schon lange bekannt als Methode der Darstellung von Visionen, Wünschen, Plänen. In der Architektur, bei Designern oder auch bei Drehbuchautoren kommen Moodboards (auf Deutsch vielleicht zu übersetzen mit Stimmungstafel oder Visionswand, aber wie so oft trifft keine Übersetzung die wirkliche Bedeutung des englischen Ausdrucks) zum Einsatz. Auch für die private Anwendung gibt es inzwischen diesen Trend.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: dieses Buch hat mich sehr enttäuscht. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass enttäuschen von täuschen kommt, d.h. man hat sich in seinen Erwartungen getäuscht. Von daher sind Enttäuschungen etwas sehr persönliches, so wie auch die Beurteilung eines Buchs vor allem Geschmacksache ist.

Meine Erwartung jedenfalls war, dass mir dieses Buch etwas über Moodboards und ihre Gestaltung erzählt, mir Anregungen gibt, Tipps und Beispiele. Doch nur ganze zehn Seiten von den insgesamt 160 Seiten des Buchs widmen sich diesen konkreten Fragen. Der Rest ist eine Zusammenfassung von bekannten Erkenntnissen, mit reichlich Binsenweisheiten und viel Wiederholung. Weiterlesen

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Peter Keglevic: Wolfsegg

Wuchtig, intensiv und hochspannend – das ist der neue Roman des österreichischen Autors Peter Keglevic: „Wolfsegg“. In einem Kaff irgendwo in den Bergen trägt die 15-jährige Agnes eine schwere Last. Weil die Mutter krebskrank und der Vater oft tagelang ohne Erklärung außer Haus ist, muss sich die Jugendliche um die beiden jüngeren Geschwister kümmern und die Tiere auf dem elterlichen Hof versorgen. In dem Betrieb, in dem sie eine Lehre macht, stellt ihr der Chef nach.

Schon früh deutet der Roman an, dass in der Vergangenheit etwas Traumatisches vorgefallen sein muss, das in Richtung Vergewaltigung geht und mit einem Kinderheim zu tun hat. Dort hat seit vielen Jahren eine sadistische Matrone das Sagen.

Für Agnes verschärft sich die Lage, als beide Eltern ums Leben kommen und sie nun endgültig alleinverantwortlich ist. Ihr Ziel ist es, um jeden Preis dafür zu sorgen, dass ihre beiden jüngeren Geschwister nicht in das Kinderheim müssen, in dem sie selbst so Schreckliches erlebt hat. Agnes ist wild entschlossen, für dieses Ziel bis zum Äußersten zu gehen. Weiterlesen

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Nina Sahm: Die Tage mit Bumerang

Ein richtiges Wohlfühlbuch hat Nina Sahm hier geschrieben. Voller skurriler, liebenswerter Menschen, merkwürdiger finnischer Lebensweisheiten und mit einem eigenwilligen Schaf.

Die ganze Zeit während des Lesens möchte man Annu, die Protagonistin, in den Arm nehmen, trösten und einfach nur liebhaben.

Annu lebt in einem windschiefen Haus am Rand eines winzigen bayerischen Dorfs mit gerade einmal 87 Einwohnern. Sie lebt dort ganz allein, seit ihre geliebten Eltern gestorben sind. Sie ist aber nicht einsam, denn im selben Dorf wohnt auch ihr ältester und bester Freund Lars mit Frau und Kind. Außerdem sind ihre Eltern Marie und Matti für sie ständig gegenwärtig, als hätten sie sie nie verlassen.

Doch dann passiert ein schlimmer Unfall, den Annu zwar verschuldet, für den sie aber doch eigentlich nichts kann. Aber der Unfall verändert ihr Leben komplett. Plötzlich ist sie im Dorf eine Aussätzige, niemand spricht mehr mit ihr, der Briefträger bringt ihre keine Post mehr, im Dorfladen muss sie höhere Preise zahlen als andere Kunden. Auch Lars ist, so scheint es, völlig aus ihrem Leben verschwunden. Weiterlesen

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