Andrea Abreu: So forsch, so furchtlos

Außergewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte  – wild, roh, gar verstörend? Wenn ich Pressestimmen lese wie „Mein Gehirn ist gerade explodiert, was für ein Genie“ oder dieser Roman sei wie eine Bombe, der sich in Seele und Herz festsetzt – dann muss ich mir das Buch natürlich genauer anschauen.

Aber diesen Hype kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen. Andrea Abreus Zauber hat mich einzig und allein durch ihren Schreibstil berühren können.

„So forsch, so furchtlos“ nimmt uns mit auf Teneriffa, abseits der allseits bekannten touristischen Insel. Es zeigt eine intensive Mädchenfreundschaft von zwei zehnjährigen Mädchen, die in einem armen Bergdorf am Hang des Vulkans leben. Die Autorin erzählt dabei sehr plastisch und nachfühlbar von den Wachstumsschmerzen der Pubertät. Weiterlesen

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Éliette Abécassis: Ein unwahrscheinliche Begegnung

Warum hefteten sich seine Augen ausgerechnet auf diese Frau? Sie war nicht sonderlich schön. Hatte etwas Merkwürdiges, etwas Verstörendes an sich, das seine Aufmerksamkeit erregte. Etwas, das für ihn bestimmt war.“ (S. 7)

Ein Buch wie eine Symphonie. Worte die in Zeilen fließen wie eine Melodie.

Der neue 123-seitige Roman von Éliette Abécassis spielt ein sehr spannendes, intelligent tiefsinniges Drama an einem Bahnsteig. Dort, auf dem zwei Leben – die unterschiedlicher nicht sein können – aufeinanderprallen. Sie, die für das politische System arbeitet und an einer Elitehochschule studiert. Ja, sie gehört zu Elite der Nation und er? Er ist der Fremde, „dem Nomade, der auf der Durchreise war, dem Migranten, wie es bei ihnen hieß.“ (S. 44)

Es sind zwei Fremde, die sich zufällig begegnen und wie Magnete voneinander angezogen werden. Weiterlesen

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Lizzie Damilola Blackburn: Yinka, wo bleibt dein Date?

Ich wollte dieses Buch so sehr lieben! Allein der coole Titel und das wunderschöne Cover. Und Yinka, eine nigerianische Einwanderin in Großbritannien! Sozusagen eine „schwarze Bridget Jones“, die den unglaublichen äußeren Druck beklagt, eine Singlefrau zu sein. Wobei der Jones-Vergleich hinkt, da hier definitiv der Humor und die Romantik fehlen.

Doch die Geschichte um Yinka – einer gebildeten, religiösen, britischen Nigerianerin in den frühen Dreißigern – konnte mich leider nicht richtig begeistern. Yinka ist Single und ihre Mutter (sie betet fürs heiraten, Babys kriegen, heiraten, Babys kriegen) und die meisten ihrer Tanten lassen sie das selten vergessen, daher schmiedet sie einen Plan, um das zu ändern.

Bemerkenswert fand ich, dass die Aspekte ihrer nigerianischen Kultur so stark zelebriert wurden. Sehr löblich, wenn Autoren Facetten ihrer eigenen Identität auf eine Figur in der Geschichte übertragen. Doch beim Lesen hat es mich leider nicht auf die Weise gepackt, dass ich unbedingt Tag für Tag weiterlesen wollte. Weiterlesen

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Lindsey Hooper: Ein Sommer mit Hemingways Katzen

Hingegossen wie eine Königin, liegt sie auf der Veranda des Hemingway-Hauses. Das ist ihr liebster Lieblingsplatz auf der Insel. Die schöne Goldgetigerte lässt ihre Ohren zucken und öffnet die meergrünen Augen.“ (S. 13)

Ich bin froh, dass das deutsche Cover viel moderner gestaltet ist als das der amerikanischen Originalausgabe von 2021. Denn das super schöne Cover hat mich direkt an den laidback vibe meines Key West Urlaubs erinnert.

Die College-Absolvent Laura zieht für einen neuen Job von Syracuse, New York, nach Key West, Florida. Genau dort wird sie als Touristenführerin im historischen Hemingway-Haus arbeiten – mit 54 Katzen. Doch dann rast ein Hurrikan auf die Insel zu …

Inspiriert von der wahren Geschichte der berühmten Sechszehenkatzen des Ernest-Hemingway-Hauses in Key West (die heute als Hemingway-Katzen bezeichnet werden) – und dem Hurrikan, der sie fast weggeweht hätte – ist „Ein Sommer mit Hemingways Katzen“ eine kleine, süße Geschichte mit vielen Katzen.

Ich liebe Key West und war gespannt darauf, eine Story mit diesem Schauplatz zu lesen. Außerdem liebe ich Katzen, doch die gelegentlich verwendete Erzählperspektive aus Sicht der Katzen war für meinen Geschmack wirklich übertrieben. Daher musste ich leider die vielen Beschreibungen der felinen Gedanken überfliegen.

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Rebekka Reinhard: Die Zentrale der Zuständigkeiten

Probiere es aus: Stell dich breitbeinig hin, streck die Ellbogen nach außen und stemm die Fäuste in die Hüften – ja, ganz genau, wie Wonder Woman. Denk nicht nach, tu es einfach.“ (S. 123)

Das, was du da gerade machst, nennt sich Power Posing. Es signalisiert nicht nur Macht und Autorität, sondern bewirkt auch, dass deine innere Frauenpower nach außen strahlt. Spürst du es?

Ich muss zugeben, Rebekka Reinhards neues Werk hat mich absolut positiv überrascht und begeistert. Ihre klugen Statements sind so erfrischend offen und ehrlich, dass es beinah weh tut. In ihrem („no bullshit“-)feministischen Manifest schreibt sie über die Rolle der modernen Frau, die permanent Super Woman spielt und tausend Dinge gleichzeitig tut, plant und bedenkt. Dabei lebt sie mit dieser Angst, nicht mitzukommen, zu versagen, aufzufallen, nicht anerkannt zu werden, ungeliebt zu sein.

Solange wir unseren Super-Woman-Fleiß in unbewusster Komplizenschaft mit dem bestehenden System perfektionieren, ändert sich nichts. Wir ackern und ackern und strampeln uns ab. Zum Trost hat man uns ein tolles Spielzeug mit vielen bunten Apps in die Hand gedrückt.“ (S. 102) Weiterlesen

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Michael Pollan: Kaffee Mohn Kaktus: Eine Kulturgeschichte psychoaktiver Pflanzen

Michael Pollan ist ein erstaunlicher Geschichtenerzähler. Seine spannenden Einblicke haben mich in einen regelrechten Leserausch versetzt. Er berichtet vom täglichen Koffein-Konsum (der beliebtesten psychoaktiven Droge auf dem Planeten), über den zeremoniellen Gebrauch von Meskalin seitens der amerikanischen Ureinwohner bis zur jahrhundertealten Anwendung von Opiaten zur Schmerzlinderung.

Als Leser erfahren wir, dass etwa neunzig Prozent der Menschen regelmäßig Koffein konsumieren und diese meistkonsumierte psychoaktive Droge auch in Form von Limonade Kindern gegeben wird. Das Heimtückische daran ist, dass wir es immer wieder zu uns nehmen, um einen Schlafmangel auszugleichen, der größtenteils die Folge des Koffeinkonsums ist.

Gewöhnlich betrachten wir Koffein nicht als Droge und unseren täglichen Konsum nicht als Abhängigkeit, doch das liegt nur daran, dass Kaffee und Tee legal sind und unsere Sucht gesellschaftlich akzeptiert ist.“ (S. 7)

Furchtlos ehrlich nimmt uns Michael Pollan mit auf seine Forschungsreise und lässt auch den US-amerikanischen Drogenkrieg nicht unerwähnt Weiterlesen

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Dominique Fortier: Städte aus Papier: Vom Leben der Emily Dickinson

Als Austin zum Studieren nach Harvard zieht, schreibt Emily ihm täglich Briefe – sie sollen lebhaft, leicht, unwiderstehlich sein, in der Hoffnung, dass er zurückkommt. Doch er kommt nicht zurück. […] Wenn sie ihm doch nur Schmetterlinge schicken könnte.“ (S. 76)

Seitdem ich die US-amerikanische Dramedy-Fernsehserie über die junge Emily Dickinson gesehen habe, bin ich begeistert von ihren fein- und tiefsinnigen Gedichten und Ansichten rund um die Zwänge von Gesellschaft, Geschlecht und Familie im 19. Jahrhundert, in der sie sich als Frau oft fehl am Platz fühlte. Denn sie selbst rebellierte gegen die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit, war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Je mehr ich von und über sie lese, desto hingerissener bin ich. Wobei die Übersetzung ihrer Gedichte ins Deutsche im Allgemeinen einem Drahtseilakt gleicht.

Wie in ihrer Poesie, so spürt man auch in diesem Buch Emilys Naturverbundenheit, ihre Leidenschaft für Bücher und ihr spirituelles Sehnsuchtsgefühl, das weit entfernt war von christlicher Religiosität. Weiterlesen

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Lisa Gamper: Die Kunst es leicht zu nehmen

Dieses Buch ist ein absoluter Gewinn für die Seele. Dank des unterhaltsamen Schreibstils bin ich gebannt und wissbegierig durch die Seiten geglitten, in denen so viele ultraspannende Themen beleuchtet und psychologisch tiefgreifend behandelt werden.

Mutig räumt die Autorin auf mit unseren Illusionen, Selbsttäuschungen und vernebelten Wunschvorstellungen, die geprägt sind von unserer manipulierten Wahrnehmung und unseren Ängsten. Dabei scheut sie sich auch nicht, heiße Eisen anzupacken und diese mit brisanten Denkanstößen zu versehen, denen ich vollkommen zustimmen konnte, da sie auch in mir resonieren.

Das wunderschöne Layout ist nicht nur ein Eyecatcher, auch der Text wird immer wieder aufgelockert mit Bildern, Übungen, Tipps, Gedichten, Lektionen und Gedankenexperimenten.

Wahrscheinlich würdest du deinem Körper keine zehn Tafeln Schokolade am Tag zumuten. Genauso fürsorglich solltest du ab jetzt deinen Geist behandeln. Wähle Informationsquellen mit Sorgfalt aus!“ (S. 19)

Und dabei geht es nicht nur um Medien, Social Media oder Gesprächsthemen mit anderen Menschen. Weiterlesen

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Jana Huhn: Von Kopf bis Fuß

Denn was nützt ein Leben für Instagram, wenn dein eigenes dadurch im Chaos versinkt?“ (S. 83)

Berührend und eindringlich schreibt Jana offen und ehrlich über ihren Lebensweg, ihre Hochsensibilität, Selbstliebe, Beziehungen (zu sich selbst, Männern, Freundschaften, ihren Eltern), innerer Heilung, den Schattenseiten von Social Media und ihrer Therapie.

Denn in dem Moment, in dem wir wieder anfangen, wahllos über das Leben eines anderen Menschen zu urteilen, urteilen wir eigentlich mehr über unser eigenes.“ (S. 70)

Absolut intensiv erzählt sie u. a., wie sie während ihres großen Instagram-Erfolges wahnsinnig müde von der App geworden ist und den Blick dafür verlor, was eigentlich im Leben wichtig ist. Man selbst sei „eine Leuchtreklame, die unablässig blinkt: Schau mich an! Beachte mich!“ (S. 80)

Es ist erschreckend, wie viel Macht diese App über einen besitzen kann, auch wenn man denkt, dass es nicht so ist.“ (S. 81) Weiterlesen

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Diane Hielscher: Liebe neu denken

Wir begleiten die Journalistin und Podcasterin Diane Hielscher in „Liebe neu denken“ auf einer Reise durch die Wissenschaften. Antworten auf ihre Fragen zum Thema glückliche Beziehungen findet sie in der Psychologie, Physik, Chemie, in der Wirtschaftswissenschaft, Neurologie und sogar in der Politikwissenschaft. Das Buch legt sie allen unglücklichen Singles, leidenschaftslosen Eltern, Menschen in kräftezehrenden Beziehungen mit Streit, Machtkämpfen, Affären, Trennungen und Rosenkrieg ans Herz.

Wir erfahren u. a., dass unser Gehirn tatsächlich kein Interesse daran hat, dass wir glücklich sind. Denn Veränderungen wirken bedrohlich. Destruktive Glaubenssätze, unterdrückte Gefühle und Gedanken blockieren uns. Daher sollten wir uns besser überlegen, woran wir denn stattdessen denken und glauben wollen in unserem Leben. Die Autorin erklärt ihre Ausführungen absolut nachvollziehbar und verflechtet diese mit eigenen Erfahrungen. Weiterlesen

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