Maren Vivien Haase: Golden Oaks 01: Sounds of Silence

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Maren Vivien Haase vorher nicht kannte. Nicht bevor ich dieses Buch entdeckt habe. Also können wir bitte zuerst von diesem wunderschönen Cover schwärmen? Goldglitter splasht einen mystischen Wald, umhüllt von einem korall-pink-brombeerigen Wolkentraum. Wie konnte ich dieses Buch nicht haben wollen?

Die beiden Loves Tatum und Dash sind glaubwürdig mit all ihren Höhen und Tiefen, auch wenn mich immer mal wieder ihre nervige Performance ermüdet hat. In Golden Oaks trifft sie auf Dash, einem Typen, na mit was wohl? Hallo Klischee! Mit einer schwarzen Lederjacke, definierten Oberarmen und Tattoos. Gähn! War das das erste Indiz dafür, dass ich besser keine Cozy New Adult-Romane mehr lesen sollte?

Kleine Lichtblicke waren für mich die Eindrücke von der jeweiligen Vergangenheit der beiden Protagonisten. Denn die hat es in sich! Weiterlesen

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Olivie Blake: The Atlas Six: Wissen ist tödlich

Geheimnisse, Verrat, Verführung – ein Dark-Academia-Roman über eine Geheimgesellschaft und jeder Menge Magie? Die Bibliothek von Alexandria ist niemals untergegangen. Denn sie bewahrt noch immer im Verborgenen und damit seit Jahrtausenden die dunkelsten Geheimnisse der Menschheit …

Gehypt, gehypt, gehypt. Doch es wird dem Hype leider nicht gerecht. Ich habe auf eine treibende Handlung gehofft, doch der Charakter- und damit Perspektivwechsel ist so flott, dass ich das Gefühl hatte, die Protagonisten würden sich nicht weiterentwickeln. Bedauerlicherweise sind weder die Figuren noch die Story an sich so umwerfend, wie es sich die Autorin und das Marketing-Team wünschen. Das hat mich wirklich nicht überzeugen können. Insbesondere hat mir insgesamt die Tiefe gefehlt und ich habe gehofft, dass mich die Story emotional noch mehr hätte erreichen können. Weiterlesen

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Heinz Schuler & Dominik Schwarzinger: Die Masken der Psychopathen

Impulsivität? Charmieren, heucheln, hochstapeln? Woran erkennt man Psychopathie und wie geht man mit Psychopathen um? Genau das erfahren wir in „Die Masken der Psychopathen“, denn tatsächlich weist jeder achte Mensch psychopathische Persönlichkeitszüge auf. Das Autorenduo hat sich ein spannendes psychologisches Thema rausgepickt und dieses erstaunlich anschaulich und verständlich aufbereitet. Dabei zeigen sie, wie unglaublich komplex diese schwere antisoziale Persönlichkeitsstörung ist, sowohl zur Charakterisierung an sich als auch dessen Beurteilung. Beim Lesen lernen wir ebenso, weshalb es mehr männliche als weibliche Psychopathen gibt.

Steckt hinter einer Maske positiver Ausstrahlung und Wirkung, tief unter der Oberfläche von vielen Personen, die Herausragendes geleistet haben und große Erfolge erzielen, womöglich etwas, das sie mit Schwerverbrechern verbindet?“ (S. 7)

Diese Lektüre bietet der Leserschaft nicht nur die Psychogramme von James Bond, Napoleon Bonaparte und Pablo Picasso – sondern auch einen interessanten Selbsttest. Na, wie hoch sind deine eigenen psychopathischen Anteile? Weiterlesen

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Luka Holmegaard: Look

Kleidung hat unterschiedliche Liebesaffären und vieles mehr. Extravaganz, Luxus, Exzess.“ (S. 26)

Luka Holmegaard (ehemals Ida) ist 1990 in Dänemark geboren und studierte Literarisches Schreiben. „Look“ ist das dritte Werk, diesmal ein Hybrid aus Essay und Roman.

Für mich persönlich ist es revolutionär einzigartig, daher definiere ich es neu: holmegaardesk. Denn der Roman ist auch literarisch ein Genuss, zum Brillanten geschliffen durch die Übersetzung von André Wilkening.

Da zu liegen, fühlt sich luxuriös an, ich gönne mir das, wie Champagner am Vormittag.“ (S. 9)

Diese bezaubernde Lektüre schafft ein Bewusstsein für facettenreiche Denkperspektiven über Identität und Geschlechterrollen.

Dabei sprüht „Look“ nur so vor bemerkenswerten Details und Interpretationen über Kleidung, Sprache und Stil. Intelligent und galant verwebt Luka die Rollenbilder der Geschlechter, Literatur, Transformation, Kultur, Liebe, aber auch Burnout und die eigene Geschlechtsidentität werden tagebuchartig aufgespalten. Federleicht erspürt Luka ganz feinsinnig den zarten Stoff, der zwischen uns allen den Unterschied unserer Einzigartigkeit kreiert. Weiterlesen

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Tanya Byrne: Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus

Die queere Autorin Tanya Byrne ermutigt Autor*innen aus Randgruppen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Dafür setzt sie sich passioniert ein und entführt uns in „Everlove“ in einen paranormalen, bittersüß-tragischen Young Adult-Romance.

Die Story dreht sich um Ashana, ein 16-jähriges britisch-indisch-guayanisches Mädchen, die mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in Brighton lebt. Doch Ash stirbt – mitten in ihrer eigenen Liebesgeschichte. Das einzige, was Ash und ihre erste Liebe Poppy trennt, ist der Tod. Dies war meine erste lesbische Liebesgeschichte und sie hat mich wirklich verzaubert, da sie einzigartig ist und aus einer authentischen Perspektive geschrieben wurde.

Ich bin die, mit denen sie experimentieren. Die, bei der sie sich gehenlassen können, weil ich es nie irgendwem erzählen werde. Ich bin die, deren Nummer sie unter Alfie oder Harry oder Luke abspeichern. Die Hüterin ihrer Geheimisse […].“ (S. 39)

Ich habe es sehr genossen in der ersten Hälfte dieses Buches in Ash und Poppys frische Beziehung einzutauchen, zu lesen, wie sie sich kennenlernen und ineinander verlieben. Liebesgefühle, bei denen jeder Gedanke in ihren Köpfen durch die Freundin ersetzt wird und Ash sich fragt, ob Poppys Lippen so schmecken, wie sie Torte an ihrem dreizehnten Geburtstag, als die das letzte Mal so unfassbar glücklich war. Weiterlesen

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Johannes Hepp: Die Psyche des Homo Digitalis

Eine Befragung ergab, dass 40 Prozent aller unter 35-jährigen Amerikaner selbst beim Autofahren auf Social Media gehen, 64 Prozent bei der Arbeit, 65 Prozent während eines Dates und 36 Prozent direkt nach dem Sex.“ (S. 128)

21 Neurosen, die uns im 21. Jahrhundert herausfordern? Zuerst einmal: Was ist eine Neurose? Als Neurosen werden psychische Verhaltensstörungen definiert, wie bspw. Phobien, Angststörungen, Zwangsstörungen, Panikattacken, depressive Neurosen, hypochondrische Neurosen, diffuse Angstzustände oder dissoziative Störungen. Genau diese Definition fehlt mir, um gleich zu Beginn im zentralen Thema des Buches anzukommen. Dennoch fand ich es interessant, denn Seite um Seite ist richtig gut zu lesen, ohne Durchhänger meinerseits, ohne langweilige Passagen.

Noch spannender hätte ich es gefunden, wenn die zahlreichen Themen durch weiterführende erhellende Einsichten und erfrischende Blickwinkel ungewöhnlicher Perspektiven geglänzt hätten. Auch wenn ich nicht allem zustimmen konnte, was der Autor erörterte, regt es jedenfalls gut zum Nachdenken an. Doch bei seiner Kritik über Social Media bin ich voll und ganz bei ihm. Denn der Homo Digitalis denkt, er konsumiere kostenlose Produkte, doch er ist das Produkt. Weiterlesen

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Zoe Chance: Der gute Einfluss: Menschen für sich gewinnen, authentisch bleiben und Gutes bewirken

Vorweg: Ein Buch einzig und allein anhand des Genderns zu beurteilen und unverschämte 1-Sterne-Kritiken zu geben, ist für mein Empfinden absolut kleingeistig und engstirnig. Auch wenn die Eleganz der Sprache und der Lesefluss durch „Verführungskünstler*innen“, „Trickbetrüger*innen“ oder „Lobbyistinnen und Lobbyisten“ gestört wird, ist dies nur ein winziger Negativaspekt einer sonst unfassbar wertvollen Lektüre. Auf den Genderwahn zu verzichten mit einem Hinweis im Vorwort, wäre in einer zweiten Auflage perfekt.

Die Dynamik erfahrener Verkäufer: „»Du willst sie anregen, du willst ihre Neugier wecken. Und dann willst du, dass sie mit dir im selben Team spielen.« Aus den besten Verhandlungen kommen Sie mit einer Idee heraus, die noch großartiger ist als jene, mit der Sie hineingegangen sind.“ (S. 204)

Jeder Mensch könne andere beeinflussen, sagt die Yale-Professorin Zoe Chance, auch Introvertierte. Sie erklärt in ihrem Werk, wie authentischer Einfluss wirklich gelingt. Dabei verwebt sie faszinierende Studien, wissenschaftliche Forschungsergebnisse, Experimente, Theorien so klug mit originellen, persönlichen Anekdoten, dass man beim Lesen dauerhaft ins begeisterte Staunen verfällt, da man selbst immer wieder neue Erkenntnisse entdecken darf. Weiterlesen

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Jamie Oliver: ONE: Geniale One Pot Gerichte

Ob warm oder kalt, süß oder herzhaft – für jeden Geschmack das passende Rezept & zum Schwärmen gut. Seit meiner frühesten Jugend bin ich ein begeistertes Jamie Oliver Fangirl und so durfte sein neuestes Kochbuch nicht fehlen. Denn ich liebe es, neue Dinge auszuprobieren.

„ONE“ ist vollgepackt mit 120 zauberhaft köstlichen Rezepten aus nur acht oder weniger Zutaten. Jedes einzelne Gericht ist mit einem hübschen Foto versehen, puristisch und edel inszeniert und dabei auf das Wesentliche konzentriert. Und eben diese machen wirklich Lust auf das Gericht. Ich will sie alle direkt nachkochen!

In den Kapiteln wie Pfannen-Pasta, Gemüsefreuden, Hähnchenvergnügen, Burger & Toasties sind nicht nur Homeoffice-Mittagessen oder schnelle Abendessen dabei, auch für einen köstlichen Nachtisch hat Jamie gesorgt. Weiterlesen

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Simeon Wade: Foucault in Kalifornien

Der Himmel ist explodiert, und die Sterne regnen auf mich herab. Ich weiß, dass das nicht wahr ist, aber es ist die Wahrheit.“ (S. 86)

Fanboys überreden einen weltberühmten Philosophen, in der Wüste zu trippen? „Foucault in Kalifornien“ beschreibt den Besuch des französischen Star-Philosophen Michel Foucault bei dem jungen Dozenten Simeon Wade in Kalifornien im Frühsommer 1975, der in einem LSD-Trip auf den vielfarbigen Hängen der Artist’s Palette im Death Valley gipfelt – unterlegt mit den Klängen von Bach und Stockhausen.

Vor uns am Horizont schrammte die Sonne am Gipfel des Telescope Peak entlang und blutete in das 3.500 Meter darunterliegende Tal.“ (S. 78)

Ich habe es genossen, dieses 174-seitige Buch zu lesen, doch irgendwie hatte ich mehr erwartet. Vermisst habe ich tiefgreifende philosophisch-geisteswissenschaftliche Gedankengänge gemixt mit Fear and Loathing in Las Vegas-Vibes. Vor allem aber hat mir die Trip-Beschreibung gefehlt, die Empfindungen und Eindrücke Foucaults auf seiner Visionssuche.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, als wäre die Geschichte eine Konstruktion, nicht etwas, das tatsächlich so passiert ist. Weiterlesen

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Jenny Odell: Nichts tun: Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen

*aufgewacht und erster Blick aufs Smartphone* also mal sehen, was für neue Schrecken mich auf dem «Neue-Schrecken-Gerät» erwarten“ (Tweet von @missokistic, S. 27)

Ja, was verbirgt sich wohl hinter diesem wunderschönen Cover mit dem effekthaschenden Titel? Die Autorin Jenny Odell ist Künstlerin und Kunstlehrerin an der Stanford University, was sie für meinen Geschmack etwas zu oft erwähnt. Sie schreibt selbst, dass wir ihr Buch nicht als abgeschlossene Informationsübermittlung betrachten sollten, sondern stattdessen als offenen und ausgedehnten Essay – eine Reise, einen Versuch vorwärtszukommen. Oder auch als ein „aktivistisches Buch im Gewand eines Selbsthilfebuchs.“ (S. 24)

Für mich persönlich ist „Nichts tun“ eher eine individuelle Erzählung in Form einer philosophischen Abhandlung, wie wir uns von der „kapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie“ lösen können, um bedeutungsvollere Dinge zu tun, als auf Social Media zu hängen. Weiterlesen

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