Giovanni Maio – Werte für die Medizin

Das Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland ist derzeit in den Medien sehr präsent. Fachkräftemangel, Pflegenotstand, die Kostenexplosion und gleichzeitig der Abbau von Leistungen im Gesundheitswesen sind Schlagworte, die wohl schon jeder gehört hat. Durch zusätzliche Gelder sollen beispielsweise im Pflegebereich Verbesserungen erreicht werden. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und setzt nicht an der eigentlichen Ursache an.

Der Philosoph und Arzt Giovanni Maio sieht das Gesundheitswesen insgesamt in einer Schieflage. Politische Entscheidungen, vor allem die Überbetonung betriebswirtschaftlichen Denkens und Handels im Sozial- und Gesundheitswesen tragen dort seiner Meinung nach zu einer „Umwertung der Werte“ bei.

Wie sich diese Werte verändert haben und wie sich die „gegenwärtige Lage der Heilberufe“ darstellt, zeigt er im ersten Teil seines neuesten Buches „Werte für die Medizin“ auf.

Hier geht es unter anderem um die Ökonomisierung, das Setzen von (falschen) Anreizen, den Einsatz von Technik und die „Bezahlung nach Leistung“. Weiterlesen

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Marlen Haushofer: Himmel, der nirgendwo endet

Wild ist die kleine Meta, kaum zu bremsen in ihrem Tatendrang und bei der Heuernte im Weg. Deshalb sitzt sie mit ihren zweieinhalb Jahren „strafweise im Regenfass“. Etwas Schlimmeres kann sie sich kaum vorstellen, Wut steigt in ihr auf. Doch dann beschließt sie, die bösen Großen einfach wegzuschicken und freundet sich stattdessen mit dem Fass an, das brav ist „und zum Liebhaben“. Ab und zu schaut ein Mann-Riese oder eine Frau-Riese herein, aber Meta will sie heute nicht mehr sehen. Viel lieber beschäftigt sie sich mit dem Himmel oder einer Hummel.

So beginnt Marlen Haushofers wunderbarer Roman „Himmel, der nirgendwo endet“, der erstmals im Jahr 1966 erschien und jetzt als Ullstein Taschenbuch wieder aufgelegt wurde. Er begleitet Meta in lose aneinander gereihten Episoden durch ihre Kindheit bis zur frühen Jugend. Die Leserinnen und Leser lernen ihre Familie kennen, die in einem Forsthaus lebt, erleben ihre zwiespältigen Gefühle der Mutter gegenüber und ihre Verehrung für den Vater.

Ihre Wissbegier macht es Meta und den Erwachsenen oft nicht leicht: „Die Großen sind leider sehr lästig. Alle stellen sich Meta in den Weg und hindern sie an ihren Forschungen.“ Doch immer wieder entkommt sie in den Wald, den Garten oder den Roßstall, wo sie sich versunken ihren fantastischen Spielen hingeben kann. Weiterlesen

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Linda Winterberg: Die verlorene Schwester

2008: Anna lebt in Zürich und arbeitet als Investmentbankerin bei einer Schweizer Bank. Beruflich läuft es bei ihr gut, aber in ihren Beziehungen hat sie immer wieder Pech. Als ihre Mutter nach einem Unfall im Krankenhaus liegt und Anna im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Vaters nach den Versicherungsunterlagen sucht, fällt ihr eine Adoptionsurkunde in die Hände. Sie ist schockiert. Warum haben ihr die Eltern nichts davon erzählt? Erklärt die Adoption das angespannte Verhältnis zwischen ihrer Mutter und ihr?

Anna ist hin- und hergerissen. Soll sie sich auf die Suche nach ihrer richtigen Mutter machen? Beistand findet sie bei der ruppigen und abgebrannten Journalistin Claudia. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften, werden dabei aber immer wieder von Annas Unentschlossenheit ausgebremst.

1968 in Bern: Als der Vater der Schwestern Lena und Marie stirbt, fällt ihre Mutter in eine tiefe Depression. Die Mädchen versorgen sich so gut sie können selbst und hoffen, dass es ihrer Mutter bald wieder besser geht. Doch in der Nachbarschaft beginnt das Getratsche und als es eines Tages an die Tür klopft, steht eine Mitarbeiterin der Fürsorge mit zwei Polizisten davor. Lena und Marie werden wegen der Gefahr der Verwahrlosung gewaltsam in ein Heim gebracht. Noch sind sie zusammen und geben die Hoffnung nicht auf, dass die Mutter sich aufrafft und sie wieder zu sich holt. Weiterlesen

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Christie Watson: Die Sprache der Menschlichkeit

Kann jemand eine Pflegekraft mit Herz und Seele werden, der bei seiner Einstellungsuntersuchung im Krankenhaus während der Blutabnahme in Ohnmacht fällt? Ja, davon bin ich überzeugt, denn genau das ist Christie Watson passiert und ihr Buch „Die Sprache der Menschlichkeit“ zeugt davon, dass sie dennoch eine Krankenschwester geworden ist, die ihren Beruf liebt.

Alles beginnt mit der Motivation. Und so zeigt Christie Watson den Leserinnen und Lesern im ersten Kapitel, wie es über einige Umwege dazu kam, dass sie sich entschieden hat, einen Pflegeberuf zu lernen. „Mitgefühl, Freundlichkeit, Einfühlungsvermögen: das, so sagt uns die Geschichte, macht eine gute Krankenschwester aus,“ schreibt sie. Doch die Situation in den Krankenhäusern macht es den Pflegekräften nicht leicht, diese Fähigkeiten einzusetzen. Zu wenig Personal, knappe Zeit, Überlastung und Überforderung sind fast schon die Regel, wie die aktuelle politische Debatte deutlich zeigt. Auch wenn das Gesundheitssystem in Großbritannien sich vom deutschen System unterscheidet, kann man Vieles übertragen, was Christie Watson in ihrem Buch eindrücklich beschreibt. Weiterlesen

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André Herzberg: Was aus uns geworden ist

Am Anfang stehen die Mütter und die Väter: Horst, der Karriere in der Politik macht, von seinem Sohn Richard bewundert und verehrt; Harry, Arzt und strenggläubiger Vorsteher einer jüdischen Gemeinde, der seinen neugeborenen Sohn Eike beschneidet und so versucht, seinem Gott ein Stück näher zu kommen; Paul, der Affären hat und seine Frau Lea, die ihn mit Bob betrügt bis sie sich letztendlich trennen und vor allem ihren Sohn Jakob in tiefe Verwirrung stürzen; Lutz, das Heimkind, das auch seinen Sohn Anton und dessen Schwester in Moskau in ein Heim gibt, um der Partei besser dienen zu können; Jacques, der belgische Musiker, dessen Bruder im Lager in seinen Armen starb und der seiner Frau Gudrun in den neuen Staat folgt.

Sie alle sind jüdischer Abstammung, leben nach dem 2. Weltkrieg in Ostberlin, sind früher oder später zurückgekehrt oder neu angekommen und setzen Kinder in die Welt. Ihre Leben sind geprägt von Krieg, Verfolgung, Flucht, Angst, Emigration, Haft und Verlust. Sie flüchten sich in Schweigen über diese Zeit. Aufbruch ist angesagt. Ablenkung. Der Blick in eine bessere Zukunft. Weiterlesen

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Stefan Böhm: Straßburger Geheimnisse – Kommissar Sturnis erster Fall

Während Antoine Sturni, der Leiter der Straßburger Mordkommission, mit seinem Sohn Christian in seinem Lieblingsrestaurant sitzt und einen Ausflug in den Europa-Park plant, stirbt nicht weit entfernt bei einer Gedenkfeier im Europa-Parlament der Kabinettschef des Präsidenten der Europäischen Kommission, Dr. Werner Hasselfeld. Zunächst sieht alles nach einem Herzinfarkt aus, aber ein winziger Einstich im Nacken des Toten weckt erste Zweifel und die Obduktion bestätigt diesen Verdacht: Hasselfeld wurde mir einer Gift-Injektion ermordet.

Menschen mit einem Mordmotiv sind schnell gefunden, denn Hasselfeld war ehrgeizig, einflussreich und hatte sich vor allem im beruflichen Umfeld bis in höchste Ebenen einige Feinde gemacht. Doch auch seine kühle und unnahbare Ehefrau – Teilhaberin in einer großen amerikanischen Anwaltskanzlei mit Sitz in Brüssel und Spezialistin für Lobby-Arbeit – könnte etwas damit zu tun haben.

Sturni und sein Team beginnen zu ermitteln, dabei muss er auch in die ungeliebte „europäische Hauptstadt“ Brüssel reisen, um Recherchen anzustellen und Verdächtige zu befragen. Weiterlesen

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Scarlett Curtis (Hrsg.): The future is female!: Was Frauen über Feminismus denken

Katrin Bauerfeind erzählt von ihrer schwäbischen Oma, die es einfach hinnahm, dass ihr Mann ihren ersten, einzigen und ersehnten Urlaub in letzter Minute abgesagt hat, weil er lieber im eigenen Bett schlafen wollte. Seitdem hat sich viel verändert, denn: „Die gute Nachricht ist: Ich lebe in der besten Zeit, die es je für Frauen gab.“ Aber sie ist auch überzeugt, dass „Fortschritt kein automatisches Update“ ist, sondern „immer wieder aufs Neue erkämpft werden muss.“

Keira Knightley berichtet von der Geburt ihrer Tochter und der Zeit danach. Ihre Botschaft für die Leserinnen ist: Wir sind nicht das schwächere Geschlecht.

Emma Watson gibt Tipps für Bücher, die Mädchen und (jungen) Frauen die Augen öffnen und mehr Selbstvertrauen schenken können. Sie hat mit „Our Shared Shelf“ einen äußerst erfolgreichen feministischen Buchclub gegründet.

Und das sind nur die (mir) bekanntesten Frauen, die für das Buch „The future is female“: Was Frauen über Feminismus denken“ ihren Beitrag leisten. Mehr als 50, überwiegend junge Aktivistinnen, Autorinnen, Unternehmerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen aus verschiedenen Ländern schreiben darüber, was Feminismus für sie bedeutet. Weiterlesen

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Anne Youngson: Das Versprechen, dich zu finden

„Lieber Professor Glob, wir sind uns zwar nie begegnet, aber Sie haben mir einmal ein Buch gewidmet: mir, dreizehn von meinen Klassenkameradinnen und Ihrer Tochter. Das war vor über fünfzig Jahren, als ich jung war.“

So beginnt Anne Youngsons Briefroman „Das Versprechen, dich zu finden“, den Wibke Kuhn einfühlsam übersetzt hat. Nun ist Tina Hopgood, die Schreiberin dieser Zeilen, über 60 und hat vor Kurzem ihre beste Freundin Bella verloren. Mit ihr wollte sie ihr ganzes Leben lang von ihrer Heimat England nach Dänemark reisen, um den Tollund-Mann mit eigenen Augen zu sehen – eine vermutlich über 2000 Jahre alte, perfekt konservierte Leiche, um die es in Professor Globs Buch geht.

Doch diesen Traum konnten die beiden nicht verwirklichen. Nie schien der richtige Zeitpunkt, dafür gekommen zu sein. Nun sitzt Tina auf ihrem Bauernhof in East Anglia und beginnt, über ihr Leben und die verpassten Chancen nachzudenken. Sie schreibt darüber an Professor Glob, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Doch nur wenige Wochen später erhält sie einen Brief vom Kurator des Silkeborg Museums Anders Larsen, der ihr nicht nur mitteilt, dass Professor Glob schon vor einiger Zeit verstorben ist, sondern auch tatsächlich auf ihre Fragen und Gedanken eingeht. Weiterlesen

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Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Der Kleinkünstler und sein Mitbewohner, das kommunistische Känguru, sind zurück. Witzig und absurd wie gewohnt, spießen die beiden Klischees auf, geben ihre politische Meinung zum Besten und streiten sich darum, wer das Bad putzen muss. Sie stellen Zusammenhänge her, wo keine sind (oder wo zumindest kaum einer welche vermuten würde) und zitieren lässig aus der weltweiten Kulturgeschichte (von Batman und Starwars über die Bibel und Adam Smiths „Wohlstand der Nationen“ bis zum Wackeldackel und der Winkekatze).

Leserinnen und Leser lernen, dass man sich im Berliner Tiergarten verlaufen kann (und wie lebensbedrohlich das ist), dass beim Open-Schnick die Kettensäge die Giraffe schlägt und wie man Nazis (unter Mithilfe von Schnapspralinen mit unbekannten Zusatzstoffen) an die Wand quatscht. Wir erfahren, woher die Angst des Kleinkünstlers vor Handwerkern rührt und was sich so alles in Matratzen tummelt (Hypochonder seien gewarnt).

Immer wieder treffen wir Figuren aus den anderen Känguru-Bänden: Friedrich-Wilhelm, Otto-Von, Herta, Krapotke, sogar der Pinguin kommt kurz vor, wenn auch nicht persönlich. Weiterlesen

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Ada Dorian: Die Zähmung der Tiere

Desillusioniert und mit einem Kater wacht Thomas auf der Dachterrasse eines Istanbuler Hotels auf. Seine Verhandlungen um den Militärstützpunkt Incirlik und das Besuchsrecht deutscher Abgeordneter waren ohne greifbares Ergebnis geblieben. Hat er tatsächlich den richtigen Beruf gewählt? Auch privat ist er unzufrieden: Mit der Wissenschaftlerin Simone führt er eine Fernbeziehung, wäre ihr aber auch räumlich gerne näher.

Der französische Journalist Clément wird von seinem Kollegen Jules auf eine Story angesetzt, die sein Leben verändern wird. Drei junge Türken suchen nach der Schriftstellerin Nilay, die seit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 spurlos verschwunden ist und setzen dafür alle Hebel in Bewegung. Nilays Märchen, die oft von Tieren handeln, enthalten beim genaueren Hinsehen politischen Sprengstoff. Nicht weniger gefährlich sind die Zeichnungen, die der Kuratorin Christiane angeboten werden.

Die italienischen Mode-Designerin Francesca ist sich mit ihrem Mann uneins darüber, ob sie die Produktion ihrer Stoffe aufgrund der instabilen Situation im Land von der Türkei nach Vietnam verlagern sollen. Weiterlesen

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