Martina Bergmann: Mein Leben mit Martha

Martha ist Heinrichs große Liebe. Fast 40 Jahre lebt das unkonventionelle Paar zusammen in einem kleinen Haus auf dem Dorf und ist nicht allen Nachbarn geheuer. Doch in den letzten Jahren ist Martha nicht mehr ganz die alte. Sie ist in einer „poetischen Verfassung“, sagt Heinrich. Andere Leute nennen es Demenz. Der Alltag läuft nicht mehr richtig rund. Heinrich – ganz der zerstreute Professor – achtet nicht sonderlich auf sein Äußeres, sondern befasst sich am liebsten mit Literatur, Philosophie und Mathematik. Martha ist im Haus und drumherum geschäftig, aber sie verzettelt sich und hat ihre ganz eigenen Methoden, in sich und um sich Ordnung zu halten. Leider verstehen das viele Menschen nicht.

Martina ist eigentlich „nur“ Heinrichs Buchhändlerin und einige Jahrzehnte jünger. Aber sie hat Heinrich und Martha ins Herz geschlossen und sorgt dafür, dass es die beiden weiterhin gut haben. Als Heinrich krank wird und stirbt, pflegt ihn Martina bis zum Schluss und erbt das Haus. Die beiden Frauen beschließen, eine WG zu gründen – das heißt, Martha ist einverstanden, Martina bei sich aufzunehmen. Weiterlesen

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Han Kang: Deine kalten Hände

„Warum verwenden Sie für Ihre Werke die Abdrücke von Menschen?“, fragt die Autorin H. den Bildhauer Jang Unhyong bei einem zufälligen Zusammentreffen. Die Antwort darauf bleibt er ihr schuldig. Einige Monate später erfährt sie von Unhyongs Schwester, dass er spurlos verschwunden ist. Hinterlassen hat er nur eine Reihe seiner berühmten Gipsabdrücke und ein Manuskript mit dem Namen „Ihre kalten Hände“, das ihr die Schwester überlässt und das mit folgenden Worten beginnt: „Warum?“, fragte mich die Schriftstellerin H.

Sie fängt an zu lesen: über Unhyongs Leben, seine Gedanken und Gefühle, ungeschminkt aufgezeichnet von ihm selbst, ausgehend von der Frage: „Warum? Warum ist die Mitte meines Lebens so absolut hohl?“ Doch ihm ist klar, dass er keine Antwort auf diese Frage geben wird.

Gemeinsam mit der Schriftstellerin H. tauchen die Leserinnen und Leser in Unhyongs Geschichte ein. Weiterlesen

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Chris Cander: Das Gewicht eines Pianos

Man sagt, heißt es in diesem Buch, der Klavierbauer Julius Blüthner hätte ein besonders gutes Händchen bei der Auswahl des Holzes für seine Pianos gehabt. Wenn er in den rumänischen Wäldern mit seinem Spazierstock an die Fichten klopfte und dem Fallen der Stämme lauschte, konnte er sagen, aus welchem ein ausgezeichneter Resonanzboden werden würde. Diese Sachkenntnis und die Liebe zum Detail beim Bau, ließen in seiner Werkstatt Klaviere entstehen, die mit ihrem warmen Klang die Menschen bezauberten.

Ein solches Blüthner-Piano vermacht ein geheimnisumwitterter, blinder Deutscher der 8-jährigen Katya Anfang der 1960er Jahre im sowjetischen Zagorsk. „Ihr Herz schlägt für die Musik, das sieht selbst ein Blinder,“ schreibt er in seinem Abschiedsbrief.

Und er hat Recht. Katya verliebt sich in ihr Blüthner und in die Musik, die sie ihm entlocken kann. Viele Jahre wird sie täglich an ihrem Klavier sitzen und schließlich an der Leningrader Akademie ihren Abschluss als Konzertpianistin machen.

Als ihr Mann Mikhail sie bedrängt, mit ihm und ihrem kleinen Sohn in die USA auszuwandern, sträubt sie sich, denn es wäre unmöglich, das Blüthner mitzunehmen. Weiterlesen

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Claudia Sammer: Ein zögerndes Blau

Leon wächst geborgen auf in einem Haus voller Lachen und Musik. Doch seine glückliche Kindheit endet, als der Krieg über die Familie hereinbricht. Der Vater wird eingezogen, die Mutter wird mit ihren Söhnen in einen Zug ins Nirgendwo verfrachtet. Auf einem Bahnhof verliert Leon im Gedränge seine Mutter und seine Brüder. Er strandet in einem fremden Land an einem unbekannten Ort, findet andere Kinder mit demselben Schicksal und schließt sich mit ihnen zusammen. Gemeinsam überleben sie von dem, was sie im Wald und auf den Feldern finden oder sich erbetteln. Eine besondere Beziehung hat er zu einem kleinen Mädchen, das nicht redet und nichts von sich preisgibt. Leon nennt sie Teres. Als beide von einer Bauernfamilie aufgenommen werden, wird aus Leon Leonas und aus Teres seine Schwester. Ihre alten Identitäten scheinen ausgelöscht.

Die beiden müssen im Haushalt und in der Landwirtschaft mithelfen, aber sie haben genug zu essen und werden gut behandelt. Bald können sie sich in der fremden Sprache ausdrücken. Doch Leon leidet unter der Eintönigkeit. Weiterlesen

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Beate Sauer: Der Hunger der Lebenden. Ein Fall für Friederike Matthée

Juni 1947: Im Bergischen Land, unweit von Köln, wird die Hofbesitzerin und ehemalige Polizistin Ilse Röder ermordet. Vier Schüsse direkt ins Gesicht haben ihre Schönheit zerstört, die viele Männer bewundert haben. Franziska Wagner, ein junges Mädchen mit einem langen Vorstrafenregister und viel Wut im Bauch, wird mit einer Pistole in der Hand neben der Toten gefunden. Für Hauptkommissar Heimerzheim, der die Ermittlungen leitet, ist der Fall klar, vor allem, als herauskommt, dass Ilse Röder für die Einweisung von Franziska Wagner in ein Polizeiliches Jugendschutzlager verantwortlich war. Zudem wurde Franziska Tage vor der Tat in der Nähe des Hofes gesehen. Doch Friederike Mathée von der weiblichen Polizei in Köln beginnt bald daran zu zweifeln. Sie fängt an – teilweise auch auf eigene Faust – Informationen über Franziska und über Ilse Röder zu sammeln. Bei einer Polizeiaktion lernt sie die kleine Elli kennen, die gemeinsam mit Franziska in einer verfallenen Fabrik Unterschlupf gefunden hat und Friederike ganz neue Facetten der jungen Frau zeigt. Und als die Obduktion ergibt, dass Ilse Röder vor Kurzem ein Kind geboren hat, obwohl ihr Mann in Russland vermisst wird, kommen neue Verdächtige ins Spiel. Weiterlesen

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Maria Adolfsson: Doggerland 01: Fehltritt

Als Kommissarin Karen Eiken Hornby am Morgen nach dem traditionellen Austernfest mit einem gewaltigen Kater neben einem schnarchenden Mann aufwacht, ist ihr sofort klar, dass sie einen Fehler gemacht hat. Denn der Mann, mit dem sie das Hotelbett teilt, den sie nicht leiden kann und mit dem sie – wie sie sich dunkel erinnert – keinen guten Sex hatte, ist ihr überheblicher Chef Jounas Smeed. Sie macht sich so leise wie möglich aus dem Staub und hofft, dass er sie nie darauf ansprechen wird.

Doch schon kurze Zeit später ist klar: Sie wird um ein Gespräch mit Jounas nicht herumkommen, denn seine Ex-Frau Susanne wurde ermordet – und zwar vermutlich zu einer Zeit, in der Karen Teil seines Alibis ist. Bevor nicht eindeutig geklärt ist, dass Jounas Smeed nichts mit dem Tod von Susanne zu tun hat, kann er seinen Dienst nicht wieder antreten. Karen wird die Leitung der Ermittlungen übertragen.

Susanne Smeed liegt erschlagen in ihrer Küche. War es ein Raubüberfall, der aus dem Ruder lief? Der Geldbeutel fehlt, ein paar Schubladen sind durchwühlt, aber es gibt auch noch Bargeld und Wertgegenstände im Haus, die nicht angetastet wurden. Gibt es ein anderes Motiv? Hatte sie Feinde? Weiterlesen

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Luca Di Fulvio: Als das Leben unsere Träume fand

Als ihr Vater stirbt, atmet Rosetta zunächst auf: Sie muss keine Schläge mehr von ihm befürchten. Der elterliche Hof geht auf sie über und sie plant, ihn selbst zu bewirtschaften. Doch der Baron Rivalta de Neroli will ihr Land und bald beginnen seine Leute, Rosetta zu drangsalieren. Auch die Bewohner des Dorfes wenden sich gegen Rosetta, aus Angst vor dem Baron und aus Unverständnis: Wie kommt eine junge Frau im Jahr 1912 in Sizilien dazu, so selbständig zu sein zu wollen? Das ist doch wider die Natur. Und so schauen alle weg oder machen sogar mit, als sich die Lage immer weiter zuspitzt und der Baron seine Männer darauf ansetzt, Rosettas Willen zu brechen. Fast gelingt das auch, doch sie ist stärker, als alle denken. Der Baron bekommt zwar ihr Land, aber er muss persönlich dafür bluten. Rosetta kann fliehen, aber ihr mächtiger Widersacher bleibt ihr auf den Fersen.

Nicht weit entfernt in Palermo legt sich Rocco mit dem Mafiaboss an, für den sein Vater die Drecksarbeit erledigt hat. Doch Rocco möchte nicht werden, wie sein Vater. Er will sein Geld auf ehrliche Art und Weise verdienen und träumt davon, Mechaniker zu werden. Am Ende bleibt ihm nur der Aufbruch in die „neue Welt“ nach Argentinien, um dem langen Arm von Don Mimì Zappacosta zu entkommen. Allerdings gibt es auch in Buenos Aires einen Zappacosta, mit dem er sich herumschlagen muss. Weiterlesen

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Gabor Laczko: Der Berg, der nie bestiegen wurde

Béla wird in Budapest geboren, als der 2. Weltkrieg tobt. Schon als kleiner Junge bekommt er hautnah zu spüren, was der Krieg mit sich bringt: Gewalt und Terror, Armut und Vertreibung. Den Vater, der erst als Offizier an der Front ist, dann in Kriegsgefangenschaft gerät und später in den Westen flieht, lernt er erst als Jugendlicher richtig kennen. Bis dahin taucht er nur sporadisch in seinem Leben auf. Gemeinsam mit der Mutter und seinem jüngeren Bruder bewältigt Béla den Alltag im sozialistischen Ungarn und erlebt auch hier Willkür, Verfolgung und Machtmissbrauch, bis der Familie mit Unterstützung eines Nachbarn die Flucht nach Österreich gelingt.

Nachhaltig prägen Béla in seiner Kindheit die morgendlichen Ausflüge mit Guszti bàcsi, einem mit der Familie befreundeten Mann, der sich ab und zu der Kinder annimmt. Bei Sonnenaufgang auf einem Berg zu stehen und zu sehen, wie die Welt sich erhellt, löst Glücksgefühle in Béla aus, denen er bis zu seinem Tod nachjagt. Sein Ziel ist es, den Berg, von dessen Gipfel aus er den Sinn des Lebens entdeckt, zu finden und zu besteigen. Weiterlesen

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Francesco Vidotto: Der Klang eines ganzen Lebens

Fabro wird Anfang November 1925 in einem Bergdorf in den Dolomiten geboren. Die Welt dort oben ist unwirtlich. „In jenem Herbst war es so kalt, dass die Betten hart waren wie Holz.“ Deshalb verlegt die Großmutter die Geburt kurzerhand in den Kuhstall, wo es zwischen den Kühen Mosca, Dama, Nobila und America warm und fast schon gemütlich ist.

Die Geborgenheit in der Familie prägt Fabros Leben. Der Vater ist Hufschmied und „ein guter Mensch“, der niemandem etwas abschlagen kann. Von der Schule hält er allerdings nicht viel: „Er sagte, dass man Bücher nicht essen kann und dass es besser ist, dumm zu leben, als gescheit zu sterben.“ Aber weil er seine Frau liebt und sie keinen größeren Wunsch hat, als dass ihr Sohn lesen und schreiben lernt, gibt er schließlich nach.

Fabro ist kein guter Schüler, aber mit Hilfe seiner Freundin Rina, schafft er den Abschluss nach der fünften Klasse und beginnt danach, seinem Vater in der Werkstatt zur Hand zu gehen, denn das Geld ist knapp. Als Rina heiratet, trifft ihn das hart. Doch sie war schon lange einem anderen Mann versprochen, da ist nichts zu machen und über seine Emotionen zu sprechen fällt ihm nicht leicht. Weiterlesen

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Corinna Mell: Marienfelde

Im Frühling 1952 im Westen Berlins: Der Schulabschluss von Sonja und ihren Klassenkameradinnen steht kurz bevor. Die Mädchen und jungen Frauen schmieden Pläne für die Zeit nach der Mittleren Reife. Sonja möchte auf die kaufmännische Schule gehen, um dort Maschinenschreiben, Stenografie, Rechnungswesen und Buchhaltung zu lernen, damit sie die Eltern im Büro ihres Fahrdienstes unterstützen kann. Sie steht mit beiden Beinen im Leben und hilft auch ab und zu in der Werkstatt mit – ein Ölwechsel ist kein Problem für sie. Doch dann bekommt ihr Vater ein Angebot, das er kaum ablehnen kann. VW ermöglicht ihm, ein Autohaus zu eröffnen und unterstützt ihn finanziell. Allerdings hat die Sache einen Haken für Sonja. „Die Firma VW bietet dir eine einmalige Gelegenheit für deine unmittelbare Zukunft“, eröffnet ihr der Vater. Die Firma bezahlt ihr ein „privates Institut, erstklassig geführt“. Eine Hauswirtschaftsschule, eine Bräuteschule, in der junge Frauen auf ihre Hausfrauenrolle vorbereitet werden. Sonja ist entsetzt und wütend. So hat sie sich das nicht vorgestellt, aber eine Absage würde den Vater bei VW in ein schlechtes Licht rücken und so fügt sie sich schließlich mit dem Gedanken, dass die kaufmännischen Kurse dadurch ja nur aufgeschoben werden.

Schnell findet sie sich im Institut in die Gemeinschaft ein, lernt die anderen Mädchen kennen und viele davon schätzen. Auch ein paar Herrenbekanntschaften sind dabei: der „Schöne Walter“, der die Lebensmittel für die Küche bringt, geht ihr nicht aus dem Kopf Weiterlesen

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