Rick Yancey: Die fünfte Welle

dieDie 16-jährige Cassie kann sich an ihr Leben vor der Ankunft der Anderen nur noch erinnern. Denn nichts ist heute mehr so wie noch vor einigen Wochen. Als ein seltsames Raumschiff die Erde ansteuerte, kam als erstes die Dunkelheit. Kein mit Strom betriebenes Gerät funktionierte mehr, dann brach die Zivilisation zusammen und eine schlimme Krankheit brachte den Großteil der Menschheit um ihr Leben. Wer diese Krankheit überlebte, wusste, dass er niemandem mehr trauen kann. Cassie, ihr kleiner fünfjähriger Bruder Sam und ihr Vater fliehen in ein Flüchtlingscamp. Doch selbst da ist nichts, wie es zu sein scheint. Cassie ist rasch auf sich selbst gestellt, allein mit einer Waffe im Wald der Gefahren.

Rick Yancey, in Deutschland bekannt durch seine Monstrumologen-Reihe, legt mit seinem neuen Roman eine Dystopie vor, die zwischen Jugendroman und Fantasy balanciert. Die Heldin, die durch den Großteil der Geschichte führt, mag erst 16 Jahre alt sein, ein klassischer Jugendroman ist „Die fünfte Welle“ aber auf keinen Fall. Auch andere, junge Figuren führen durch die Geschichte. Kurz kommt Sam zu Wort, mehr jedoch Ben, ein ehemaliger Schulkamerad von Cassie, der in einem der Lager zu einem Elitesoldaten ausgebildet wird. Die Perspektivwechsel, zwar gut optisch getrennt, verwirren doch öfter. Man weiß nie so recht, mit wem man gerade unterwegs ist. Das klärt sich oft erst nach ein, zwei Seiten.

Die generelle Idee des Romans ist jedoch lobenswert. Nicht unbedingt neu, aber doch gut umgesetzt. „Aliens“, hier die Anderen, kommen auf die Erde mit ihrem Schiff, doch dann stellt sich heraus, dass sie längst da waren und jahrhundertelang verdeckt unter den Menschen gelebt haben. Optisch nicht von ihnen zu unterscheiden, kann man natürlich niemandem mehr trauen. Denn jeder freundliche Mensch könnte die Anderen in sich tragen. Besonderes interessant ist dabei die Herangehensweise der jungen Cassie. Sie war bisher eine behütet lebende Highschool-Schülerin, keinesfalls eine Killerin, und findet sich in der Zeit nach der Ankunft mit einer Waffe in der Hand wieder, im Kampf um das nackte Überleben. Ihren persönlichen Zwiespalt fängt Yancey gelungen ein und meiner Meinung nach ist „Die fünfte Welle“ sowohl schreiberisch als auch erzählerisch deutlich überzeugender als seine bisherigen Romane. Auf fast 500 Seiten Material bleiben natürlich Längen nicht aus, hier vor allem in Form Kampferzählungen rund um den jungen Soldaten-wider-Willen Ben. Aber es gelingt dem Autor, immer wieder zu seiner eigentlich, spannenden Geschichte zurückzukehren, so dass man gerne über diese Längen hinwegsieht.

Insgesamt ein sehr flott zu lesender, häufig spannender Roman, der Jugendliche und interessierte Erwachsene gleichermaßen ansprechen sollte.

Rick Yancey: Die fünfte Welle.
Goldmann, April 2014.
480 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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